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Bald ist es vorbei – das „Annus Horribilis“ 2019: Wenn man ein Jahr in seinem Leben streichen könnte, dann ist 2019 bisher mein Top-Favorit. Ich kann nur hoffen, dass es 2020 wieder (viel) besser wird.

Im Verlauf eines Marathons kann es vorkommen, dass einem der sog. „Mann mit dem Hammer“ quasi einen Knüppel zwischen die Beine schmeißt und man kurz vor der Aufgabe steht. 2019 war in fast allen Belangen so ein „Mann mit dem Hammer“-Jahr.

Los ging es gleich am Dreikönigstag in München mit: DNS (Did not start). Nach dem heftigen Schneefall zum Jahresanfang entschied ich mich (schweren Herzens), nicht zum zweiten Lauf der Winterlaufserie 2018/19 in den Olympiapark München zu fahren. Es hatte an dem Wochenende so viel geschneit, dass es mir zu gefährlich war, mit dem Auto (S-Bahn ging eh nicht) nach München zu fahren und dort 15 km zu laufen (ohne hinzufallen). Zudem flogen wir ja am 10.01. in den Thailand-Urlaub und Michaela drohte mir, in dem Falle auch die restlichen Knochen zu brechen 😉

Es war v.a. aus fotografischer Hinsicht ein schöner Urlaub, aber leider bekamen wir am vorletzten Tag die Meldung, dass mein Bruder Christian genau an seinem Geburtstag einen schweren Schlaganfall erlitten hat. Am Freitag früh kamen wir dann wieder im verschneiten München an. Erstmal nach Gernlinden und direkt weiter nach Steindorf und mittags ins ZK Augsburg. Leider hab ich meinen Bruder dort verpasst, weil er gerade in der Röhre war. Am Sonntag konnten wir ihn aber besuchen. Die anstehende Operation (und es war nicht die letzte in 2019) verlief glücklicherweise gut. In den kommenden Wochen konnte er sich etwas erholen, obwohl er nur eine mobile Reha hatte – damit er gleich wieder weiterarbeiten konnte.

Ende Februar lief ich dann bei der Winterlaufserie den abschließenden 20km – Lauf wieder mit. Das war auch der Beginn der Vorbereitung für den Rennsteigmarathon Mitte Mai. Die Vorbereitung lief sehr gut und ich konnte häufig Bergauf-Passagen in der Emmeringer Leite beim Trimmdichpfad FFB trainieren. Mittlerweile bin ich jeden Freitag nach der Arbeit – zusätzlich zum Samstag – in die Metzgerei gefahren, um dort zu helfen. Der Test-Halbmarathon am 07.04. in Strasslach lief mit knapp unter 1:40 erfreulich gut. Am Donnerstag drauf gleich noch von der Arbeit nach Hause gelaufen.

Am Freitag, 12. April bin ich dann leider – dank Stau – etwas später in Steindorf angekommen. Meine Eltern wollten auf die Beerdigung der Cousine meines Papas‘ und ich hab nur kurz mit ihnen gesprochen. Eine Stunde später kam dann meine Mutter – gestützt von meinen Cousins‘ – zurück: „Papa ist tot“. Er war in der Kirche zusammengebrochen und konnte trotz sofort eingeleiteter Erste-Hilfe-Massnahmen, nicht mehr reanimiert werden.

Die kommenden Wochen waren der Horror, aber dank unserer Familie, Michaelas‘ Familie, meinen Arbeitskollegen und v.a. der Belegschaft in der Metzgerei war diese Zeit durchzustehen.

Seit Mai arbeite ich nur noch Teilzeit (30 Stunden) in München und den Rest der Woche helfe ich in der Metzgerei. Das Loch, das mein Vater hinterlassen hat, kann Keiner füllen. Trotz seiner 81 Jahre hat er jeden Tag so viel gearbeitet wie wir Jungen nur unter viel Jammern schaffen würden. Aber gejammert hat er nie, trotz starker gesundheitlicher Beschwerden. Und mein Bruder muss durch den Schlaganfall auch mit seiner Gesundheit kämpfen. Andere sind ein halbes Jahr krankgeschrieben – als Selbständiger geht das leider nicht. Am meisten bewundere ich meine Mutter, wie sie durch diese schwierige Zeit gekommen ist. Da ist Arbeit doch die beste Ablenkung.

Den Rennsteig-Marathon sagte ich ab, da ich einfach am Wochenende in der Metzgerei mehr gebraucht werde. Das Hotel liess sich einfach stornieren und die Anmeldegebühr von 50 Euro war ja nicht so hoch.

Das Laufen half mir auch sehr durch diese schwere Zeit. Anfang Mai machte ich über den AppRun beim WingsForLife-World Run mit und konnte von Gernlinden bis Steindorf laufen (bei regnerischem, windigem Wetter). Nach dem extrem warmen Augsburger Halbmarathon am 02.06. entschied ich mich, neben dem bereits im letzten Jahr gebuchten Köln-Marathon (13.11.) auch noch den Valencia-Marathon (01.12.) zu laufen. Dabei konnte ich Michaela auch überreden, dass sie den 10km-Lauf mitmacht.

Dieses Jahr ließ ich den Firmenlauf ausfallen, da mir das zu viele Läufer sind und die Verletzungsgefahr zu groß ist. Deshalb ging es Ende Juli in die Vorbeitung für den Köln-Marathon. Auch wenn es nach dem Hitzesommer 2018 schon wieder einen heißen, trockenen Sommer gab, konnte ich den Trainingsplan weitestgehend einhalten. Am 8.9. stand wieder der Friedberger Halbmarathon an – einfach der schönste Halbmarathon in unserer Nähe. Anschließend noch der Feinschliff für Köln.

Am 13. Oktober war es dann so weit, der Köln-Marathon. Leider bin ich viel zu schnell angegangen und ab Kilometer 30 dann ziemlich eingegangen. Das Ziel mit einer persönlichen Bestzeit hab ich dadurch um 7 Minuten verpasst. Dumm gelaufen, aber es war trotzdem sehr schön – v.a. die tolle Unterstützung an und neben der Strecke bleibt mir in Erinnerung. Marathon Nr. 11 geschafft.

Nach einer Woche Pause ging es dann schon wieder weiter mit der Vorbereitung für den nächsten Marathon in Valencia, an dem dann das Dutzend vollgemacht werden sollte. Mit der Zeitumstellung Ende Oktober war es schon sehr schwierig, einigermaßen die Läufe durchzubringen, da es ja nach der Arbeit schon schnell dunkel geworden ist. Aber ich bin ganz gut durch die Vorbereitung.

Am letzten Sonntag vorher noch einen guten Halbmarathon als langen Lauf. Doch am Montag ging es dann los mit Halsschmerz, Erkältung und leichtem Fieber. Auch der Einsatz von Medikamenten brachte nix. Da Michaela ja die 10km Laufen wollte, sind wir trotzdem geflogen und hatten einen schönen Samstag in Valencia.

Ich wollte zwar am Sonntag langsam laufen (alles war hergerichtet), aber da ich in der Nacht fast kein Auge zugedrückt habe, entschied ich mich am Morgen des 1.12., nicht zu laufen. Stattdessen war ich der Star-Fotograf. Michaela blieb sogar unter 1 Stunde und durfte bei strahlendem Wetter in das beeindruckende Ziel – über das Wasser – einlaufen. Dank ihr ist sogar der 9 Jahre alte 10km-Weltrekord gefallen. Somit endete das Jahr 2019 sportlich so, wie es begonnen hatte: DNS (Did not start).

Viele Kilometer für einen Marathon

Leider konnte ich dieses Jahr von 3 gemeldeten Marathons nur einen erfolgreich laufen. Ob und wie es in 2020 weitergeht, weiß ich noch nicht. Gesundheitlich bin ich jedoch verletzungsfrei durch das Jahr gekommen und über 2.600 km gelaufen. Dafür bin ich dankbar und hoffe, das bleibt auch so. Denn: „Running is my therapy – Laufen ist meine Therapie“.

Ich wünsche Euch ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2020.

Euer Martin