Marathon No. 16: Leipzig Marathon (Gernlinden)

Aufgehm werd am Schluss

Lied von Schmidbauer & Kälberer

Der Leipzig-Marathon am 18.04.2021 wurde ja im Februar abgesagt und stattdessen als virtuelles Event in der Zeit vom 02.04. bis einschließlich 18.04. ausgetragen. Ich hatte mir vorgenommen, den Marathon schon am Ostermontag zu laufen. Wegen schlechter Wettervorhersagen hab ich ihn kurzerhand auf den Ostersonntag vorverlegt. Und dieser Versuch führte zu einem Fiasko und meinem ersten „Did not finish“ (DNF) bei einem (virtuellen) Marathon.
Am Liebsten hätte ich die Laufschuhe an den Nagel gehängt und meine Marathon-Karriere beendet, aber schon beim Schreiben des Berichts dazu hab ich mich entschieden, erst bei drei DNF hintereinander die Karriere zu beenden.

Am „Weissen Sonntag“ hatte ich noch den 10 Km-Lauf beim virtuellen Berlin Half gemeldet und der lief mit 46:48 min. wirklich super. So hab ich mich danach kurzfristig entschieden, wenn das Wetter OK ist und auch die Corona-Lage es zulässt, nochmal am ursprünglichen Marathontag einen Versuch zu wagen. Ich hatte nur Michaela in den Plan eingeweiht und wollte diesmal in Gernlinden starten und wieder finishen.

Der Kurs sollte in der ersten Runde meine alte Halbmarathon-Strecke (über Mammendorf) und die aktuelle Halbmarathon-Strecke (über Überacker) zusammenfassen. Halt zwei Halbmarathons hintereinander, wobei ich kurz eine Verpflegungsstation daheim nutzen könnte. Als Zielzeit stellte ich wieder die 3:49:00 Stunden für die ProPace-Strategie ein.

Am Freitag und Samstag versuchte ich, mich in der Metzgerei etwas zu schonen und Schritte einzusparen, wenn es möglich ist. Blöderweise war wieder Schwarzräuchern angesagt, so dass ich noch mehr einsparen musste: Alle 25 Minuten in den Keller, um Buchenholz nachzulegen. Am Samstag hab ich auf dem Heimweg von der Metzgerei meine zwei Verpflegungsbeutel an der Strecke untergebracht und versteckt. Es hatte am Samstag vormittag noch geschneit und die Temperatur lag nur knapp über 0 Grad.

Den mittlerweile für mich obligatorischen Corona-Schnelltest in der Schnellteststation hab ich ausfallen lassen, da mir die Schlange zu lang war am Samstag Nachmittag. Stattdessen daheim einen Selbsttest gemacht – negativ. Der Wetterbericht für Sonntag Vormittag war leider nicht sehr gut mit Regenvorhersage (und ggf. leichtem Schneefall).

Am Samstag ging ich wieder früh ins Bett, denn der Wecker sollte schon um kurz vor 6 Uhr läuten. Da ich mich die letzten Tage geschont hab, war die Garmin Body Battery diesmal bei 100 – vor zwei Wochen am Ostersonntag früh war sie bei 55. Da geht man doch ganz anders an den Start.

Negativer Covid19-Schnelltest

Gleich wieder einen Schnelltest machen und bis das Ergebnis da ist, die Katze füttern und mein Futter herrichten. Da mittlerweile für das gesamte Rennen leichter Regen angesagt wurde, hab ich die Laufschuhe noch imprägniert, um etwas den Regen draußen zu halten. Da ich diesen Versuch ziemlich spontan angegangen bin, gab es „normales“ Frühstück. Porridge und Nudeln kann ich momentan eh nicht mehr sehen.

Nix für Querfresser

Am Samstag hab ich mir noch die kurze Hose und eine Laufweste hergerichtet. Ich entschied mich kurzfristig doch für die lange Laufhose und evtl. für die zweite Runde eine Regenjacke. Kontaktlinsen einsetzen, Füsse einbalsamieren und Klamotten anziehen.

Gespiegeltes Selfie
Verpflegungsbox

Kurz nach 7:30 Uhr ging es raus aus dem Haus und die Verpflegungsbox in die Garage stellen. Auf dem Weg zum Start fing es an zu tröpfeln – na super. Auf der Radlbrücke über die Umgehungsstraße ging es los. Es waren ca. 2 Grad am Start und wegen der frühen Zeit noch keine Leute auf der Strecke.

Alleine am Start

Mit etwas Schwung dann auf zum Fliegerhorst. Am Einfahrtstor hatte ich den ersten Kilometer geschafft – natürlich zu schnell. Entlang des Zauns dann weiter nach FFB und nach dem Luftwaffenehrendenkmal zur Hasenheide. Es lief noch sehr gut auf dem Weg zum Pucher Meer.

Nach 6 km Licht am Ende des Tunnels

Dann der härteste Anstieg in diesem Rennen mit dem Pucher Berg. Wenigstens hat die Polizei heute nicht geblitzt. Weiter zum Ziegelwerk und dann ging es bergab bis zu den Windrädern (die im Nebel verhangen waren) und nach Mammendorf.

Dort dann gleich wieder raus und Richtung Malching. Es lief noch sehr gut und es kam der stetige Anstieg nach Obermalching. Auf dem Abzweig zum Ort Galgen hatte ich mir meinen ersten Verpflegungsbeutel im Baum versteckt (weil man sich ja schlecht während des Laufs bücken kann).

Dank der Kälte war die Flasche eiskalt und der Gelchip hartgefroren. Erst mal etwas in der Hand wärmen und einen Schluck nehmen: saukalt.

Von Obermalching ging es gut weiter zum Industriegebiet von Maisach und von dort auf den Feldweg nach Gernlinden. Nach einer Kurve kamen mir 4 Frauen mit ihren nicht-angeleihnten Fusshupen entgegen und machten natürlich keinen Anstand, auf die Seite zu gehen.

Ich hatte mittlerweile über 4 Minuten Vorsprung gegenüber dem Plan. Noch in unsere Straße abbiegen und in ca. 1:48 Stunden hatte ich den ersten Halbmarathon geschafft. Viel zu schnell.

In der Garage gab es etwas zu trinken und ich wechselte die nassgeschwitzten Klamotten und zog die Regenjacke über. Als ich das Garagentor wieder zumachte, kam Michaela ums Eck. Leider hat der LiveTrack nicht so gut funktioniert und sie war überrascht, dass ich schon da war und gleich wieder weg musste.

Auf geht’s in die zweite Runde wieder zum Fliegerhorst und daran entlang. Ich hörte hinter mir, dass ein Läufer dicht an mir dran war und wollte mich nicht einholen lassen. Deshalb kurz Zwischengas geben.

Am Ankerzentrum sah ich Michaelas Auto und kurz darauf sie. Leider waren im Bild genau zu diesem Zeitpunkt auch zwei Flüchtende und ich als Flüchtling. Diesmal ging die Runde nun vorbei am Starfighter zum Haupttor der Kaserne und ins Gewerbegebiet Hasenheide.

Glücklicherweise nur leichter Nieselregen

Ich sah, wie Michaelas Auto im Kreisverkehr zum Swingerklub abbog. Massage wär jetzt genau das Richtige – aber sie stieg aus und fotografierte mich wieder.

Laufstiltraining wär mal empfehlenswert

Nun lief ich an der Firma Schleifring vorbei durch das Industriegebiet bis zur alten Brucker Strasse.

Von dort ging es am Fliegerhorst entlang nach Maisach. Am Bahnhof von Maisach hatte ich die 30 km-Marke passiert.

Weiter führte der Weg zum Schulzentrum und als ich bei der evangelischen Kirche endlich einen Papierkorb fand, kam ich ins Gehen. Ich ging ca. 150 Meter bis zu meinem zweiten Verpflegungsbeutel, welchen ich hinter einem Baum am Friedhof versteckt hatte.

Kurz die Verpflegung verstauen und weiter zum Kreisel an der Überacker Straße. Auf dem Radweg ging es auf bekannter Strecke bis nach Überacker, wo ich gleich Richtung Fussmoos abbog. Ich hatte schon 1-2 kurze Gehpausen einlegen müssen. Dann lief ich weiter durch das Fussmoos-Areal bis ich kurz vor der Fussmoosalm sogar zwei Pferde überholt hatte. Ich war quasi mit mehr als 2 PS unterwegs.

Leider wurden auch die Muskeln am linken Bein immer schmerzhafter – der Schmerz wanderte von der Wade über den Unterschenkel bis zum Oberschenkel. So musste ich immer wieder kurze Gehpausen einlegen. Ich entschied mich, nicht durch das Industriegebiet auf dem Gehweg zu laufen und stattdessen auf dem Feldweg zum Waldsee von Gernlinden. Wenn die Konzentration nachlässt ist das ständige auf und ab auf dem Gehweg nicht sehr angenehm.

Obwohl ich die Strecke vom Waldsee nach Hause schon hundertmal (wenns reicht) gelaufen bin, kam sie mir heute endlos vor. Ich musste immer wieder kurze Strecken gehen und dann wieder loslaufen. Eigentlich heißt es ja „Marathon laufen“ und nicht „Marathon gehen“. Aber ich wollte unbedingt ins Ziel. Von der Zielzeit von 3:49 Stunden hab ich mich schon verabschiedet. Hauptsache ins Ziel kommen und unter 4 Stunden war jetzt die Maxime.

Auf dem Radweg nach Maisach hatte ich die 40 Kilometer geschafft. Jetzt noch bis zum Kreisel und dann rauf auf die Bahnüberführung. Ein endloser Anstieg und oben angekommen sah ich Michaela schon vor mir. Ursprünglich war hier das Ziel anvisiert, aber leider hatte ich noch 1 Kilometer zu laufen.

Kurz vor dem Ziel

Also nochmal die große Runde am Restaurant vorbei bis zu unserer Straße. Kurz davor, passenderweise direkt am kleinen Wertstoffhof, waren die 42,195 km (plus ein paar Extrameter wegen GPS-Ungenauigkeit) erreicht. Ich hätte mich gleich wegwerfen können – natürlich in den Alt-Glas-Container.

Trotzdem, dass ich fix und fertig war, hatte ich es doch geschafft. Marathon No. 16 war – zwar auf den zweiten Versuch – geschafft. Normalerweise gibt es bei einem Marathonrennen keinen zweiten Versuch, aber wenn er Einem geboten wird, muss man die Chance beim Schopfe packen. Ich war total happy und ging noch die paar Meter nach Hause, wo Michaela auf mich wartete.

Im Ziel angekommen
Usain Bolt

Noch kurz die Verpflegungswanne aus der Garage holen, die Katze begrüßen ( die sich anscheinend 4 Stunden nicht bewegt hatte) und die Badewanne einlaufen lassen. Die nassen Klamotten mussten schnell runter und so konnte ich das Muskel-Aktiv-Bad genießen – pünktlich zu den 12 Uhr Nachrichten. Das tut so gut und so kurz war der Abstand zwischen Ziellinie und Badewanne noch nie.

Michaela holte dann bei unserem Italiener das Mittagessen und ich gab kurz meiner Mama Bescheid, die natürlich nix wusste, dass ich überhaupt vor hatte, heute einen Marathon zu laufen. Essen: Pizza Quattro Stagioni (aber die Extra-große). Passend zum April-Wetter, obwohl Schneefall und Sonne heute fehlten.

Die restlichen zwei Jahreszeiten gab es danach auch noch.

Nachmittags dann erstmal auf der Couch relaxen und nebenzu schwimmende Formel1-Boliden bei ihren Pirouetten zuschauen. Mein Fahrgestell fühlte sich an wie ein Formel1-Wagen der mit 200 km/h in den Reifenstapel gefahren ist. Parallel zu meinem Marathon ist die Elite in Eschede (Niederlande) auf einem Flughafen einen Marathon gelaufen. Mein „Dauerrivale“ Eliud Kipchoge hat mit Weltjahresbestleistung von 2:04:30 gewonnen. 2018 in Berlin, als wir gemeinsam auf der Strecke waren, hat er den immer noch gültigen Weltrekord eingestellt. Leider hab ich meine letzte Chance auf die Teilnahme beim Marathon der Olympischen Spiele in Tokio verpasst – um ca. 1:45 Stunden 😉

Beide fix und fertig

Meine letzte Packung Napoli Keksi hab ich doch noch essen dürfen – sie wären vor dem Herbstmarathon abgelaufen. Brauche dringend Nachschub.

Gibt’s leider nur in Österreich – und das ist momentan sehr weit weg in Corona-Zeiten

Medaille

Strecke

Streckenvideo

Das Streckenvideo zum Nachlaufen seht Ihr hier.

Laufauswertung

Platz 77 von 155 in der Männerwertung

Urkunde

Finisher-Shirt

No Marathon No. 16: Leipzig Marathon (Steindorf) – DNF

„Das Geheimnis des Erfolges kennen nur jene, die einmal Misserfolg gehabt haben.“

Antoine de Saint-Exupéry

Anmeldung

In der Hoffnung auf einen richtigen Marathon mit vielen Mitläufern im Jahr 2021 hab ich mich zum Ende der ersten Anmeldefrist am 29.November 2020 für den 45. Leipzig-Marathon am 18.04.2021 angemeldet.

(Quelle: www.leipzigmarathon.de)

Leider hat Corona erneut einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die zweite Welle um die Jahreswende war gerade etwas abgeebt, da begann die 3. Welle sich aufzutürmen.
Die Politik hat durch ihr Versagen (Maskenbeschaffung, Impfstoffaufteilung, Schnelltestbereitstellung, Digitalisierung in Behörden, uvm.) ihren gehörigen Beitrag dazu geleistet. Auch ein Großteil der Bürger (v.a. die Querulanten von den sog. „Querdenkern“) halten sich nicht an die Regelungen und sorgen dafür, dass wir diese Pandemie nicht in den Griff bekommen. Abstand ist auch 1 Jahr nach Beginn der Pandemie für Viele noch ein Fremdwort.
Am 1. Februar kam leider von den Organisatoren die Absage für den Marathon am 18. April. Da war mein 12-wöchiger Trainingsplan jedoch schon im „Laufen“. So meldete ich mich gleich für die virtuelle Ausgabe in der Zeit vom 02.04. (Karfreitag) bis 18.04. (dem ursprünglichen Termin) an.
Für den 18.04. wurde zwischenzeitlich ein zentraler Gedenktag für die Corona-Opfer in Deutschland geplant und am Sonntag zuvor die Jahresmesse für meinen Vater. Deshalb hab ich mich für eine Vorverlegung auf den Ostermontag entschieden. So konnte ich mich nach dem Ostergeschäft in der Metzgerei am Ostersonntag noch erholen. Dadurch mussten jedoch auch zwei Trainingswochen aus dem Trainingsplan gekürzt werden.

Trainingsplan

Auch diesmal mußte wieder der Trainingsplan von Andreas Butz mit einer Zielzeit von 3:39 Stunden herhalten. Klar die 3:39 Stunden werde ich in einem Solo-Rennen nie erreichen, aber vielleicht klappt es ja mal wieder mit knapp unter 3:50 Stunden. Wegen der Terminverschiebung wurde der Trainingsplan um zwei Wochen gekürzt. Den Trainingsverlauf könnt Ihr hier nachlesen. Da ich den Trainingsplan sehr gut einhalten konnte, ging ich zuversichtlich in die letzte Woche vor dem Marathon am Ostermontag.

Hotel – „Dahoam is dahoam“

Einen Vorteil hat ein Marathon daheim – die Reisetätigkeit und das Sightseeing kann man sich sparen. Doch leider war in der Osterwoche – mit HomeOffice und WurstOffice – viel zu tun. Die permanente Verunsicherung durch Corona geht auch nicht spurlos an einem vorüber. Nach dem HomeOffice bin ich am Gründonnerstag noch in die Metzgerei zum Arbeiten. Da der Wetterbericht für den Ostermontag grausam vorhersagte (Windböen bis 65 km/h; Regen; Schnee) wollte ich den Marathon gleich schon am Ostersonntag laufen. Den „Eingeweihten“ war das auch recht – auch wenn mir dadurch der Ostersonntag als Ruhetag fehlte.
Am Karfreitag bin ich noch eine kleine Runde mit Michaela zum Emmeringer See langsam gelaufen.
Am Karsamstag dann um 5 Uhr aufstehen und in die Metzgerei fahren. Es war viel zu tun und ich konnte meine Schritte leider nicht reduzieren. Um 14 Uhr fuhr ich nach Gernlinden, weil Michaela zum Corona-Schnelltest mitkommen wollte. Ich fühlte mich da schon sehr schlapp, fuhr aber hin und hab meinen ersten Corona-Schnelltest in Geiselbullach gemacht. Ging ganz gut und ich war negativ. Mit einer akuten Covid19-Infektion einen Marathon zu laufen wäre bestimmt keine gute Idee. Ab zum Einkaufen und dann wieder heim.
Da ich mich immer schlechter fühlte, hab ich öfter meine Temperatur gemessen. In der Spitze waren es 37,8 Grad (bei einer normalen Durchschnittstemperatur von 35,7 Grad).

Die Startnummer zum selber ausdrucken


Ich hab trotzdem meine Unterlagen und Klamotten zusammengepackt und die Verpflegungskübel hergerichtet. Nach dem Abendessen und Duschen noch etwas Fernsehen. Da das Programm am Ostersamstag gewohnt schlecht war, bin ich um 21:30 Uhr ins Bett gegangen. Ich sagte Michaela, dass ich Morgen früh kurzfristig entscheiden werde, ob ich überhaupt laufe. Tendenz war da – eher nicht.

Anreise

Ich wachte am Ostersonntag um 4 Uhr auf und überlegte bis zum Weckerklingeln um 5:30 Uhr, ob ich laufen sollte oder nicht. Nach dem Aufstehen erstmal Fieber messen: 36,8 Grad war OK. Dann noch einen Corona-Selbsttest vorbereiten. Während der Wartezeit machte ich für Lucky und mich Frühstück.

Langsam kann ich keine Nudeln mehr sehen.
Der Test war negativ – also spricht nichts gegen einen Start

Richtig erholt fühlte ich mich jedoch nicht von den Strapazen der vergangenen Tage. Kurz noch alles ins Auto packen und um kurz vor 7 Uhr fuhr ich los nach Steindorf. Die Sonne ging gerade auf und es gab nur wenige Wolken am Himmel. Der Wind war auch vernachlässigbar. Somit bestes Läuferwetter – bis auf die Temperatur mit -3 Grad.

Sightseeing/Marathonmesse

Ausgefallen – wegen Lockdown & Ostersonntag

Vor dem Rennen

In Eresried hab ich dann meinen Verpflegungskübel auf der Rundenmitte abgestellt und bin erstmal zum Friedhof an der Kirche in Steindorf gefahren, um noch meinen väterlichen Beistand einzuholen. Mein Papa hat immer gesagt: „Lauf doch nicht so viel. Des is ned gsund“.

Finisher-Shirt vom Köln-Marathon vor dem „Steindorfer Dom“


Anschließend ging es zum Elternhaus, wo meine Mutter gerade Frühstück hergerichtet hatte. Wir unterhielten uns noch kurz. Dann zog ich meine Laufklamotten an und trank mit ihr und meinem Bruder noch einen Schluck Kaffee.
Um kurz nach 8 Uhr gingen wir raus und mein Bruder fotografierte mich noch am Haus. Ich wollte eigentlich vor dem toll blühenden Zierkirsch-Baum fotografiert werden, aber durch den Rasen wären meine Schuhe nass geworden und das wär auch nicht so günstig gewesen. Wir gingen dann zum Startpunkt vor der Metzgerei.

Der Lauf

Um 08:15 Uhr startete ich meinen virtuellen Marathon von Leipzig im bayerischen Steindorf. Noch schnell die Uhr starten und los gehts. Mission „Marathon No. 16“ läuft.

Erstmal ging es an der Kirche vorbei aus Steindorf hinaus nach Hausen. Der erste Kilometer war natürlich wieder zu schnell angegangen, aber dann konnte ich meine ProPace-Vorschlags-Kilometerzeiten gut einhalten. Nach dem Verlassen von Hausen ging es stetig hoch zum Sportplatz und zum Schloss von Hofhegnenberg. Um das Schloss herum, wo die Security-Leute patroullierten, weiter nach Eresried.
Endlich geht es leicht bergab und dann in die Senke vor Eresried. Kurz vor dem Ortseingang dann der Anstieg. Die Verpflegung bei km 5 lies ich aus und danach ging es gleich Richtung Heinrichshofen. Wieder den zähen Anstieg zum Wald und dann ab der Landkreisgrenze kontinuierlich leicht bergab. Vor Heinrichshofen (das ja nicht zur Gemeinde Steindorf gehört) dann gleich auf die Straße nach Steindorf.
Endlich wieder im Landkreis Aichach-Friedberg zurück. Irgendwie fühlt sich das Laufen heute nicht so richtig gut an. Noch kurz am Weiher vorbei und die Handschuhe ausziehen. An der Verpflegungsstation vor unserem Kastanienbaum hatte ich etwas mehr als 1 Minute Vorsprung gegenüber dem ProPace-Plan. Neue, trockene Mütze anziehen und einen Gel-Chip essen.

Die zweite Runde führte am Feuerwehrhaus vorbei zum Pfarrhof und wieder nach Hausen. Der Anstieg zum Sportplatz zog sich schon in der 2. Runde. Nach dem Schloss endlich etwas abschüssige Strecke zum Durchatmen und auf dem Weg nach Eresried erst runter und gleich wieder hoch.
Bei der Verpflegungsstation nahm ich mir Wegproviant mit, kam jedoch nicht mehr so schnell zum Laufen. Am Anstieg zum Wald dann eine Gehpause. Das fühlt sich überhaupt nicht gut an heute. Kurz nach dem Wald dann wieder eine Gehpause – das steh‘ ich keine zwei weiteren Runden durch.
Schweren Herzens entschied ich mich, nur noch nach Steindorf zu laufen und dann das Rennen aufzugeben. Es gibt noch die Möglichkeit, spontan auf die Halbmarathondistanz umzuschwenken, aber mit dieser Zeit halt auch jenseits von Gut und Böse.
Von Heinrichshofen „ging“ es dann zurück nach Steindorf. Wenn der Kopf und Körper nicht mitspielen, werden die Beine auch blockiert. Kurz gehen, wieder laufen. Dabei hab ich wenigstens doch noch den Osterhasen gesehen, der auf den Feldern lief – wenigstens Einer der schnell läuft.
Um das Ziel bei der Metzgerei zu haben, lief ich nicht über den Weiherweg heim, sondern über die Kirche leicht Zick-Zack durch Steindorf und so hatte ich die 21,11 km genau bei unserem Kastanienbaum erreicht. Mein erstes DNF („Did not finish“, auf boarisch „Hods ned gschafft“ oder auf hochdeutsch „versagt“) bei einem Marathon war besiegelt. 40 Trainingsläufe mit ca. 600 Kilometern – alles für die Katz.
Ich nahm meinen Verpflegungskübel und ging mit gesenktem Haupt zum Kirschbaum, um ein Selfie zu machen.

Glücklich und zufrieden sieht anders aus
Einfach schön, wenn der Baum blüht

Ich gab dann auch gleich Michaela Bescheid, dass sie nicht auf der Strecke auf mich warten muss und gleich nach Steindorf fahren kann.

Nach dem Rennen

Völlig durchnässt kam ich am Haus an als mein Bruder gerade rausgekommen war, um mich mit dem Rad auf der Strecke zu begleiten. Er hat sich schon über meinen Zick-Zack-Kurs im LiveTrack gewundert. Als Ersatz ist er am Nachmittag noch 43,5 km mit dem Rad gefahren – wenigstens ein Marathoni heute in der Familie. Da bin ich richtig Stolz auf ihn.
Meine Mutter war froh, dass ich aufgehört hab. Kurz darauf kam Michaela an und ich ging erstmal unter die warme Dusche. Mein Körper war ziemlich durchfroren. Gleich die warmen, trockenen Klamotten anziehen und in der Küche eine Gemüsebrühe trinken.
Körperlich merkte ich gar nix – war ja auch nur ein Halbmarathon, den ich in den Beinen hatte. Aber es tat im Kopf und Herz richtig weh. Laufen ist halt 90% Kopfsache – der Rest ist mental 😉
Es hat natürlich auch Vorteile. So kamen wir früher zum Mittagessen, welches wir diesmal beim Asiaten in Kissing holten. Auch wenn meine Mutter kein Fan dieser Küche ist, hat sie den Hund – oder war es doch eine Katze – gegessen 🙂
Für den Kaffee hat Michaela noch einen leckeren Himbeerkuchen gebacken und so war die Kalorienbilanz heute wieder extrem negativ.
Danach fuhren wir wieder zurück nach Hause und setzten uns noch etwas in die Sonne.
Klar, war das eine „illegale Versammlung“, da wir ja 2 + 2 Erwachsene aus zwei verschiedenen Haushalten waren. Aber die zwei Damen waren ja bereits geimpft und wir wurden nicht von der Polizei erwischt. Genau wie die Polizei am Karsamstag in Stuttgart tatenlos zugeschaut hat wie 15.000 Querulanten ohne Einhaltung der AHA-Regeln „demonstrierten“ und Journalisten angriffen.

Der Tag danach

Am Ostermontag konnte ich dann ausruhen. Wir gingen am Vormittag bei schon starkem Wind mit Leihhund Diego Gassi, um dann den Nachmittag auf der Couch zu verbringen. Als die erste Version dieses Artikels geschrieben und ich fertig war, war der ganze Artikel unwiderruflich gelöscht. Super. Frohe Ostern.
Es gibt halt Tage, an denen verliert man – so wie gestern beim Leipzig Marathon. Am liebsten hätte ich gestern die Laufschuhe an den Nagel gehängt, aber warum gleich aufgeben. Jedoch bezweifel ich mittlerweile schon, ob ich nochmal alleine einen Marathon laufen werde. Es ist einfach viiiiiel schöner, mit vielen Mitläufern gemeinsam auf die Strecke zu gehen und von Zuschauern angefeuert zu werden, Kinderhände abzuklatschen, seinen Namen zu hören, durch einen großen Zielbogen zu laufen, direkt seine Medaille umgehängt zu bekommen, uvm. Alleine Laufen ist da viel anstrengender.
Jedoch muss man sich selbst auch mal eingestehen, dass – auch wenn man 15 Marathons erfolgreich bestanden hat – die 42,195 km immer eine ganz neue Herausforderung sind und man körperlich und mental topfit an den Start gehen muss. Sonst läuft man ins Verderben – oder schafft nur die Hälfte. Laufen ist kein „Selbstläufer“.
Vor allem als Hobbyläufer muss auch das Risiko abwägen, ob es einem das Wert ist, seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen und evtl. durch Fieber eine Herzmuskelentzündung zu befeuern.
Deshalb gilt für mich jetzt das Motto: Aufstehen – Kopf hoch – Krönchen richten

Medaille

Strecke

Streckenvideo

Laufauswertung

Urkunde

Finisher-Shirt

Bin ja kein Finisher – deshalb als neuer Teppich für die Lucky

Marathon No. 14: 1. Marathon am Lech – free&solo

„Hätte dieser alte Grieche nicht schon nach 20 Kilometern tot umfallen können?“ (Frank Shorter, Marathon-Olympiasieger 1972)

Anmeldung

In der Zeitung fand ich Ende Mai einen interessanten Artikel von Andreas Greppmeir über den vom Team Tomj entworfenen ersten Marathon am Lech, der nicht als Wettbewerb ausgeführt wird. Jeder kann – den Corona-Regeln entsprechend – den Marathon alleine nachlaufen und für die Finisher gibt es eine schöne Lech-Kieselstein-Medaille.

Quelle: https://www.team-tomj.de/challenge/lechmarathon2020_free-solo.htm

Ich bin ja in der Nähe des Lech aufgewachsen und der Marathon führt in meine Geburtsstadt Augsburg, wo ich immer schon mal einen Marathon laufen wollte. Somit Blut geleckt und das Team angeschrieben. Prompt kam von Bernie Manhard, der auch sehr viel auf Marathon4You schreibt, der GPX-Track mit dem genauen Streckenverlauf.

Quelle: Bernie Manhard

Ich wollte den Marathon im Rahmen der Vorbereitung für den letzten Marathon des Jahres 2020 bereits Anfang August laufen. Wenn schon die olympischen Spiele verschoben werden, braucht der Martin halt Ersatz.

Trainingsplan

Wie schon geschrieben sollte es nur ein Vorbereitungslauf werden. Da ich bei den drei bisherigen LongRuns im Rahmen der Herbstmarathon-Vorbereitung doch so meine Probleme hatte, war ich mir nicht ganz sicher, ob ich es schaffen würde. Auch waren die Tage vor dem Lauf mit Temperaturen über 30 Grad extrem heiß und ab Samstag Abend soll es stark regnen. Ich hatte die letzten Tage drei Wetter-Apps im Blick – täglich mit wechselnden Prognosen (setzen die immer noch Frösche ein?). Von Kein-Regen bis Dauerregen war alles dabei. Aber nicht mehr so heiß wie die Tage davor.

Hotel

Im „Hotelzimmer“ Zuhause war es wegen der Bullenhitze extrem heiß und ich konnte trotz offenem Fenster ewig nicht einschlafen. Wir sind zwar um kurz nach 22 Uhr ins Bett – wach war ich jedoch bis kurz nach Mitternacht. Dann ging es doch noch, aber um 5:15 schellte der Wecker gnadenlos. Und das am Sonntag. Kurz Anziehen und Frühstück. Eine Semmel mit Wurst und Käse – Gruss an die veganen Läufer. Langsam trudelt auch die Katze Lucky zum Frühstück ein. Noch schnell den Rest einpacken und die Schuhe imprägnieren – die ersten 3 Stunden soll es trocken bleiben, danach stärkerer Regen. Wer glaubt schon dem Wetterbericht?!?

Anreise

Die Anreise gestaltete sich am Sonntag sehr gut, auch wenn es auf der Strecke eine Sperrung der B2 bei Mering gab. Also in Merching runter von der B2 und über den Mandichosee, wo ich meine Verpflegung für die zweite Rennhälfte im Gebüsch versteckte (hab aber brav meinen Namen draufgeschrieben). Dann ging es direkt nach Kissing zum Parkplatz am Weitmannsee. Dort kam ich um 7:10 Uhr an. Schnell noch ein paar Nachrichten schicken, dass der Start um 7:30 Uhr erfolgt. Danach den Rest herrichten und die Laufsachen anziehen. Noch ein kleines Foto mit der Marathon-Quietscheente und auf gehts zum Start am Restaurant.

Wenn die Freundin schon nicht dabei ist

Sightseeing/Marathonmesse

Die Gegend am Lech kenn ich aus meiner Kindheit und der Mountainbike-Zeit sehr gut. Mein Vater hat immer erzählt, dass er in seiner Kindheit, als es noch keine Staustufen gab mit einem Freund auf der Fähre auf die andere Seite des Lech übersetzte. Da sie kein Geld dabei hatten, sagten sie dem Fährmann, dass sie auf dem Rückweg bezahlen. Sie mussten dann einen großen Umweg radeln, um auf einer der damals wenigen Brücken zurückzukommen.

Vor dem Rennen

Da ich die Streckenkarte nicht ausgedruckt mitschleppen wollte, hab ich die GPX-Karte auf die Uhr geladen. Das war gar nicht so einfach, weil Garmin letzte Woche wegen einem Hacker-Angriff nicht mehr verfügbar war. Am Donnerstag funktionierte es doch noch rechtzeitig. Beim letzten Lauf am Donnerstag testete ich die Navifunktion mal. Ich bin ja eher ein Orientierungsloser, der sich gerne verläuft. Wenns blöd kommt, werd ich am Sonntag bis Füssen laufen, weil ich an der Staustufe Prittriching vorbeilaufe. *zwincker*

Der Lauf

Start an der Hinweistafel

Am Weitmannsee-Ufer begann ich um 7:30 Uhr das Rennen. Leider merkte ich erst später, dass ich nur das Navi gestartet hatte und die Laufuhr nicht. Zunächst führte die Strecke direkt zum Lech und flussaufwärts an den kleineren Lechwehren zur Lechstaustufe 23 am Mandichosee.

Es war sehr windig und sogar mit 20 Grad angenehm kühl. Gutes Läufer-Wetter und trotz starker Bewölkung war es trocken. Man sah auch, dass es etwas geregnet hatte, aber nicht sehr viel. Auch die kleinen Trails direkt am Lech waren nicht sehr batzig.

Vor der Staustufe die Strasse nach Königsbrunn überqueren und hoch zum Staudamm. An der Dammkrone ging es zum Kiosk. Die Wellen waren ziemlich stark und der Wind sorgte für beste Bedingungen für die Wakeboarder. Der Kiosk an der Segelschule hatte noch geschlossen, aber am Ufer sah ich ein Pärchen im Wasser. Brrrrrrh.

Die Strecke wechselte dann auf kleinere Singletrails, die wir als Kinder mit dem BMX-Rad immer auf-und-ab gefahren sind. Nach km 7 sah ich die Staustufe Unterbergen und konnte auch unsere Verkäuferin Elisabeth mit ihrem Mann Josef erkennen. Sie fotografierten mich und brachten Wasser mit.

Weiter gehts nach Prittriching erstmal an den Fischtreppen vorbei.

Auf einem schmalen Weg sah ich eine Frau, die mit ihrem Hund Gassi ging. Gottseidank hörte sie mich und brachte den grossen Hund unter Kontrolle. Ich sagte zu ihm, dass ich nicht der Postbote bin. Dann wieder direkt am Lech weiter, doch an einer Abzweigung nahm ich den falschen Weg. Als die Uhr die Streckenabweichung anzeigte, dachte ich, dass sicher gleich eine Möglichkeit kommt, um wieder auf die Originalstrecke zu kommen. Falsch gedacht – so musste ich durch sehr hohes, nasses Gras laufen und wär ein paarmal fast hingefallen. Ich kam mir wie Rambo vor.

Dann kam ich doch noch an der Staustufe Prittriching an, wo Meli und Christian mit den Zwillingen warteten. Sie glaubten, dass ich auf dem normalen Weg komme, aber Navi-Genie Martin kommt direkt aus dem Gebüsch. Kurze Pause und dann noch ein kleines Fotoshooting mit den Zwillingen am Staudamm. Unten kamen Elisabeth und Josef auch mit dem Radel an. Sie waren den richtigen Weg gefahren.

Marathoni-Twins

Josef zeigte mir gleich, in welche Richtung ich zum Fohlenhof laufen muss. Durch das Naturschutzgebiet ging es ca 3 km zum Fohlenhof, wo mich die Beiden gleich nochmal überholten.

Endlich mal ein kurzes Stück Teerstrasse zum Unterbergener Auensee. Überraschenderweise beginnt mein Heimatlandkreis auf der westlichen Lech-Seite. Am Lochbach warteten Elisabeth und Josef wieder auf mich und schossen gleich noch ein paar Fotos.

Ich trank noch einen Schluck und lief dann am Lochbach entlang durch die Fohlenau. Ganz tolle Strecke. Es waren einige Radler (meist mit E-Bike) unterwegs und ich bin auf diesem sehr schönen Streckenabschnitt zurück zur Lechstaustufe 23 gelaufen. Ich war mit ca. 5:28 Minuten/km trotz Pausen noch sehr gut unterwegs. Vielleicht klappt es ja doch, unter 4 Stunden zu laufen. Doch meist breche ich ja im letzten Viertel des Marathons ein.

Da ich nicht direkt am Lech sondern am parallel verlaufenden Lochbach lief, bin ich am Stausee die Treppen hoch zur Dammkrone und nach ca. 500 Meter wieder runter. Hätte ich mir zwar sparen können, aber ich wollte oben noch ein paar Bilder machen.

Wieder über die Strasse und die versteckte Verpflegung aus dem Gebüsch holen. Kurz die Sachen umpacken und die Gel-Chips rausnehmen. Die Uhr zeigte an, dass ich nun 9,87 km bis zur nächsten Abzweigung (wahrscheinlich am Hochablass in Augsburg) muss. Der Halbmarathon war in knapp 1:55 Stunden geschafft. Die Strecke war angenehm zu laufen, aber es war schon etwas eintönig. Vielleicht hätte ich direkter am Lech laufen müssen. Vorbei an den 6 Landwehren, die im Abstand von ca 1 km waren.

Langsam kommen auch die Sonntagsjogger entgegen. Bernie hatte mir am Freitag geschrieben, dass eine Triathletin am Sonntag ebenfalls den Marathon laufen wollte. Sie startete aber am Mandichosee und früher. Nach ca 29 km machte ich eine kurze Gehpause, um einen Riegel zu essen und etwas zu trinken. Wieder losrennen und endlich war der Hochablass erreicht. Es wurden immer mehr Jogger.

Leider konnte man wegen der Bauarbeiten nicht direkt an der Kanustrecke von 1972 laufen. Der Umweg führte zur Hochzoller Lechbrücke. Plötzlich spürte ich die ersten Tropfen. Am Lech entlang ging es bis zum Osramsteg. Ich hörte, wie es stärker regnete, war aber durch die dichten Bäume noch gut geschützt. An der nördlichsten Stelle der Strecke zurück auf die andere Seite des Lech. Es kübelte und innerhalb kürzester Zeit waren die Schuhe platschnass.

34 km waren geschafft und ich musste wieder ein paar Meter gehen. Dann lief ich zum Haus von meinem Arbeitskollegen Thomas, der mir eine Schlussverpflegung bereitstellte.

Ich würd mich doch Nie verlaufen

Auf einer Parkbank hab ich dann die Getränke getrunken und mir die Regenjacke angezogen.

Weiter gehts bei strömendem Regen unter der Hochzoller Lechbrücke hoch zum Hochablass. Weiter zwischen Kuhsee und Lech Richtung Kissing. Ein Junge läuft hinter mir, was mich anspornte. Aber er bog dann zum Kuhsee ab und ich war wieder alleine. Irgendwie war die Luft raus und ich bin immer wieder etwas gegangen. Die Uhr zeigte noch 6 km an und ich sah das Ziel Sub4 nicht mehr für realistisch.

Wieder an den Lechwehren vorbei und 2 km direkt auf dem Trail durch die Pfützen. Endlich in Kissing weg vom Lech zum Parkplatz und da, wo vor 4:14 Stunden das Rennen begann, endlich im Ziel angekommen. Es waren aber auch 43,69 km und somit mein bisher allerlängster Lauf. Und somit der zweite „Geistermarathon“.

Glücklich und zufrieden gab ich bei Michaela und meiner Familie Entwarnung. Nach kurzer Zeit kam dann Bernie und überreichte mir die schöne Medaille. Nummer 14 ist aus Stein – passend für einen „Steindorfer“.

Und ich bin der zwölfte erfolgreiche Finisher des wirklich sehr schönen „Marathon am Lech – free/solo“. Danke an die Organisatoren für die tolle Strecke und an Bernie für die einzigartige Medaille.

https://www.team-tomj.de/challenge/lechmarathon2020_free-solo.htm

Nach dem Rennen

Ich ging dann kurz zum Auto und zog mir trockene Sachen an. Danach haben Bernie und ich noch einen kleinen Einkehrschwung beim Restaurant am Weitmannsee gemacht. Das Bier war wohlverdient – er hatte am Samstag zusammen mit seiner Gruppe eine Ammerseeumrundung gemacht: Bei der Hitze. Wahnsinn. Wir haben uns noch sehr gut unterhalten. Er ist im Club100, hat also mehr als 100 Marathons. Da bin ich noch weit weg – und heute auch nicht nähergekommen. Weil der Lauf dafür nicht zählt. Da werde ich als Schwer-Athlet eh nicht mehr hinkommen, aber das ist auch nicht mein Ziel.

Letzte Packung vom Johannesthermen-Marathon: „Ich brauch Nachschub“

Der Tag danach

Muuuuuuuuskelkater – ansonsten alles OK *grins*

Medaille

Hall of Fame

Strecke

Streckenvideo

Die Strecke zum „nachfliegen

Laufauswertung

Urkunde

Finisher-Shirt

Es gab leider kein Finisher-Shirt, deshalb hab ich das unverdient bekommene Finisher-Shirt von Valencia kurzerhand „umdeklariert“. Vielleicht entspringt der Lech unterirdisch in Valencia (Spanien).

Marathon No. 13: 44. Leipzig Marathon in Steindorf 

Wir laufen, nicht weil wir denken es tut uns gut, sondern weil wir es mögen. Je mehr wir von der Gesellschaft und der Arbeit eingeschränkt werden, desto mehr benötigen wir diese Ablenkung, wo wir unsere Sehnsucht nach Freiheit stillen können. Niemand kann uns sagen nicht schneller zu laufen als derjenige oder nicht höher zu springen als diejenige. Der menschliche Geist ist unzähmbar. (Roger Bannister)

Anmeldung

Die Anmeldung zum Leipzig-Marathon machte ich nach der Geburtstagsfeier meiner Tante Susi am 26.01.2020 – gemeinsam mit der Anmeldung für den Johannesthermen-Marathon in Bad Füssing. Michaela wollte in Leipzig den 10er und ihr Papa Wilfried den Halbmarathon in Angriff nehmen. So konnten wir Drei genau drei Monate später Leipzig „rocken“. Aber meistens kommt es Anders als man denkt – aber daß es so Anders kommt in 2020, damit hat wohl Keiner gerechnet.

(Quelle: www.leipzigmarathon.de)

Der Corona-Virus ist mittlerweile zur Pandemie weltweit ausgeweitet – mehr als 3 Mio. an Covid-19 Erkrankte, über 200.000 Tote. In zahlreichen Ländern ist ein kompletter Lockdown erlassen worden, in dem die Menschen nicht mehr ihre Wohnung verlassen können. Bayern hat „Ausgangsbeschränkungen“ erlassen, man darf die Wohnung nur noch begründet oder für Spaziergänge oder Sport verlassen und nur noch Kontakt zu max. 2 Personen (aus dem selben Haushalt) haben – theoretisch jedenfalls. Sämtliche Ligen sind abgebrochen oder vorzeitig beendet worden – außer die armen Fussballer, die wollen Geisterspiele veranstalten. Große Laufveranstaltungen sind bis Herbst komplett abgesagt und so wird es wohl – bis ein Impfstoff gefunden ist – keine großen Marathons mehr geben.

Läufer weltweit lassen sich jedoch was einfallen und laufen eben mal einen Marathon auf ihrem Balkon (in Frankreich), einen Triathlon im Haus (Iron Man Jan Frodeno) oder einen 100km-Lauf ums Bett herum. In England hat ein 99jähriger Kriegsveteran jeden Tag 250 Meter mit seinem Rollator im Garten abgelaufen und wollte nur 1000 Pfund für die Gesundheitsbehörde an Spenden einsammeln – es sind mittlerweile 28 Mio. Pfund geworden. Und am 24.04. ist die von ihm mitgesungene Hymne „You never walk alone“ direkt auf Platz 1 der britischen Charts gelandet. Er wird wohl der Erste sein, der seinen 100. Geburtstag diese Woche auf Platz 1 der UK-Charts verbringt – noch vor den Rolling Stones.

Ende März kam auch für den Leipzig-Marathon 2020 das Aus. Für mich war schnell klar, daß ich trotzdem den Marathon laufe – wenn es „erlaubt“ ist. Die erste Idee, ausschließlich in meinem Heimatort Steindorf zu laufen, verwarf ich sehr schnell. Die Runde wär zwar genau 800 Meter gewesen – aber 53mal zu laufen. So weitete ich die Strecke auf das Gemeindegebiet aus. Ich habe aber nur Michaela, meiner Mutter und meinem Bruder etwas von dem Vorhaben erzählt, um unerlaubte Menschenansammlungen zu vermeiden. Die Leipziger Organisatoren boten auch die Möglichkeit an, den Marathon im Wohnumfeld „virtuell“ laufen zu können – mit Medaille und Ergebnisliste.


Trainingsplan

Da der Johannesthermen-Marathon in Bad Füssing am 02.02.2020 stattfand, hatte ich keine 12 Wochen mehr zur Verfügung, um den normalen Trainingsplan komplett durchzuführen. So entschied ich mich für den 10-Wochen-Plan von Herbert Steffny für eine Zielzeit von 3:30 Stunden – das sollte für eine realistische Zeit von 3:45 Stunden reichen. Vielleicht schaff ich ja in Leipzig die Persönliche Bestleistung von Berlin 2018 zu knacken.

Bis auf einen kleineren Trainingslauf habe ich auch alle Läufe durchgezogen und bin somit auf 650 Kilometer Vorbereitung gekommen. Die einzelnen Trainings sind im (Lauf)Tagebuch 2020 protokolliert.


Anreise

Die Anreise nach „Leipzig“ gestaltete sich sehr kurzweilig. So schnell bin ich noch nie von Gernlinden nach „Leipzig“ gefahren – nur 25 Minuten Fahrtzeit am Sonntag früh um 6:30 Uhr. Der Himmel war wolkenlos und die Sonne schien jetzt schon, obwohl der Wetterbericht vor einer Woche noch schlechtes Wetter vorhergesagt hatte.

Um kurz vor 7 Uhr bin ich dann im Leipziger Stadtteil „Steindorf“ angekommen und hab mich noch fertig angezogen. Noch kurz auf die Toilette – falls es an der Strecke keine Dixies geben sollte 😉

Michaela wollte zum Fotografieren etwas später an die Strecke kommen. Sie hatte letzten Sonntag schon den 10km-Lauf erfolgreich in Gernlinden absolviert und ihr Papa den Halbmarathon im „richtigen“ Leipzig. So fehlte nur noch mein Marathon.


Hotel

Da wir ja am Nachmittag direkt wieder von „Leipzig“ heimfahren wollten, brauchten wir kein Hotel. Gut, denn die Hotels und Gaststätten haben eh gerade geschlossen. Glücklicherweise hatte ich auch kein Hotel gebucht.


Sightseeing / Marathon-Messe

Leider gab es keine Marathon-Messe in Steindorf. Das Finisher-Shirt war am Freitag im Briefkasten. Die Startnummer hatte ich mir ausgedruckt und laminiert – es sollte ja so realistisch wie möglich sein.

Startnummer für meinen Virtuellen Lauf
Laufshirt mit Startnummer

Als im März die Idee aufkam, den Marathon in meiner Heimat zu laufen, befürchtete ich noch, dass ich während der Sonntagsmesse laufe. Doch mittlerweile ist sogar der Kirchgang verboten – so eine Situation gab es noch nie.


Vor dem Lauf

Da um kurz vor 7:30 Uhr ALLE Teilnehmer des virtuellen „Leipzig“-Marathon schon anwesend und startbereit waren, startete mein Bruder (und Hauptsponsor) Christian den Marathon direkt vor der Landmetzgerei in Steindorf: LAUF, DU SAU!!!

Strahlender Sonnenschein

In der Rückentasche hatte ich mein Handy dabei, damit Christian und Michaela mich im LiveTracking verfolgen konnten. Anscheinend ging das trotz der Funklöcher auf dem Land ganz gut.


Der Lauf

Ich lief erstmal zur Kirche, um meinen Segen für den bevorstehenden Marathon zu bekommen. Leider ist es nun auch der „erste Marathon“ für meine Tante Susi, die am Gründonnerstag plötzlich und unerwartet verstorben ist.

Letzte Einstellungen an der Laufuhr

Zu Beginn führte die Strecke am Pfarrhof vorbei Richtung Hausen. Es wehte ein kalter (2 Grad Celsius), leichter Wind und die Sonne schien jetzt schon. In Hausen ging es Richtung Sportplatz (als Ersatz für die Red Bull-Arena in Leipzig) zäh bergauf. Dann weiter in Hofhegnenberg am Schloss (als Ersatz für das Völkerschlachtdenkmal) vorbei Richtung Eresried. Endlich mal leicht bergab – das wird wohl mein Lieblingsstreckenabschnitt werden. Kurz vor Eresried ging es in eine Senke und an blühenden Rapsfeldern vorbei zum dortigen Ortseingang. Hier hatte ich auch – da es genau nach 5 km war – bei Bekannten meinen Verpflegungskübel abgestellt.

Blick auf Egling an der Paar

Nun ging es weiter den langen zähen Anstieg Richtung Wald und bis Heinrichshofen. Dort bin ich nicht in den Ort gelaufen (gehört ja nicht zur Gemeinde) und auf der Straße zurück nach Steindorf am Weiher vorbei. Die Zielzeitprognose lag bei unglaublichen 3:30 Stunden. Nach 10,4 km war die erste Runde in ca. 52 Minuten abgeschlossen – 3 Minuten schneller als geplant. Ich nahm am „Verpflegungsstand“ bei der Metzgerei einen kräftigen Schluck aus der Trinkflasche.

An der Verpflegungsstation angekommen

Nun ging es am Feuerwehrhaus vorbei zum Pfarrhof und wieder an der blühenden Sauerkirsch-Plantage vorbei nach Hausen. Ich war immer noch schnell unterwegs – zu schnell, was sich später noch rächen könnte. Der Anstieg zum Sportplatz ging jedoch noch relativ gut und auch am Schloss war ich auch schnell vorbei. Beim Anstieg nach Eresried sah ich sogar einen Läufer vor mir in der Ferne laufen. An der Verpflegung schnappte ich mir eine Trinkflasche als Wegzehrung.

Langsam kam ich dem Läufer immer näher und beim Wald war ich ihm schon dicht an den Fersen – natürlich auf der für mich ungewohnten Fahrbahnrichtung. Ich erkannte ihn und grüßte ihn – auf sächsisch natürlich: Es ist ja schließlich der Leipzig-Marathon. Wieder an dem Holzhaufen vorbei stand wieder der leicht-ekelhafte Anstieg nach Heinrichshofen an. Langsam spühre ich die Oberschenkel schon, aber selber schuld, wenn man wieder zu schnell losläuft. Laut Streckenplanung hatte eine Runde ca. 100 Höhenmeter – in Berlin sind es auf den kompletten Marathon knapp 50 Meter.

You are now leaving Landkreis/Lech

Wieder leicht bergab und hoch und ich bin wieder im Landkreis Aichach-Friedberg. 20 Kilometer sind nun hinter mir und ich laufe wieder am Weiher vorbei zur Metzgerei. Schnell einen Müsliriegel mitnehmen und kurz mit meinem Bruder quatschen. Meine Mutter stand auf dem Balkon.

(Fast) Halbzeit

Die dritte Runde startete und am Pfarrhof hatte ich den Halbmarathon mit ca. 1:46 absolviert – viiiiiiiel zu schnell. Mittlerweile konnte ich die Sonnenstrahlen richtig spühren und die Beine wurden immer wärmer (was natürlich auch an dem Chilli-Balsam liegen könnte, mit dem ich meine Beine in der früh eingerieben habe). Von Hausen wieder hoch nach HofhegnenBERG und am Schloss vorbei.

Wenigstens ging es dann bei kühlendem Wind etwas runter und hinter Eresried wieder auf den zähen Weg nach Heinrichshofen. Ich fühlte mich nicht mehr sehr gut und hatte etwas Schmerzen in der Hüfte. Dann überholte mich ein Auto – es war Michaela. Ich sagte Ihr, dass sie mich auf der Steindorfer Straße beim Rapsfeld fotografieren kann. Doch ich war schon sehr groggy und lief dort lächelnd an ihr vorbei. Nun noch am Weiher vorbei wieder zur Metzgerei. Die Prognose war noch bei 3:32 Zielzeit.

An der Verpflegung machte ich eine etwas längere Pause, nahm den Buff ab (der die Wärme immer mehr staute) und setzte eine frische Kappe auf. Meine Mutter rief, daß ich doch aufhören sollte – aber 31 km ist keine Wettkampflänge. Widerwillig lief ich in die vierte – und letzte – Runde.

Muss nochmal mit der Firma Develey einen Sponsor-Vertrag aushandeln

Michaela hatte ich zuvor gesagt, dass sie mich am Sportplatz gut fotografieren kann.

Zum letzten Mal durch Hausen, wo ich den Anstieg zum Sportplatz mit einer Geh- & Esspause begann. Dann Hochquälen zum vereinbarten Fotoplatz. Ich sah Michaela ankommen und gab ihr noch etwas Zeit, ihr Equipment auszupacken. Wieder loslaufen fürs Fotoshooting, aber ich war am Anschlag.

Sie fuhr an mir vorbei und fotografierte mich dann nochmal vor dem Schloss.

Ich ging dann ins Walken über – jeder Anstieg tut weh. Wieder etwas laufen, kurz gehen, loslaufen, usw.

Endlich in Eresried und noch etwas Verpflegung einpacken. Michaela kam auf mich zu, ließ sich aber auf einen Tausch nicht ein: Ich wollte so gerne mit ihrem Auto weiterfahren.

Den Anstieg zum Streithang ging ich streckenweise wieder. Die Zielprognose stieg auf über 4 Stunden, wenn es so „weitergeht“.

Also wieder laufen, etwas gehen und dann wieder laufen. Michaela stand auf einem Holzhaufen und fotografierte mich.

Jeder kleine Anstieg tut weh. Von der Kondition ging es mir noch relativ gut – aber wenn das Fahrgestell und der Kopf nicht mehr mitspielen, dann wird es schwierig. Man kann sich an keinem Mitläufer orientieren.

Bei Heinrichshofen konnte ich die Zeitprognose wieder auf 3:53 drücken und so ging es dann zum letzten Mal nach Steindorf. Ich ging 50 Meter und lief dann wieder 5-6 Straßenpfähle weit. Da hat wenigstens der Kopf auch was zu arbeiten.

Am Bahnweg angekommen nochmal runter zum Weiher, wo mich Michaela ein letztes Mal fotografierte. Am Weiherweg entlang ein paar Bekannten einen schönen Morgen wünschen und wieder an der Metzgerei – bei Kilometer 41,4.

Nun nochmal zur Kirche und am Feuerwehrhaus vorbei wieder zurück. Mein Bruder spannte ein Zielband über die Strasse, welches ich durchlief. Erster – Sieger (weil einziger Starter). Fertig – nee, es fehlen noch 80 Meter. Nochmal kurz hoch zur Metzgerei und wieder zurück zur Verpflegung an unserem Kastanienbaum. Endlich geschafft.

Nach 3:52:29 war die Marathondistanz erreicht. Der 13. Marathon ist geschafft – und es war ein ganz besonderer „Geister-Marathon“: Ohne Zuschauer und komplett alleine gelaufen. Kann man machen – muss man aber nicht. Mit Mitläufern und Zuschauern macht es viel mehr Spass. Hoffentlich gibt es im Herbst wieder richtige Wettkämpfe mit falschen Hasen – richtige Hasen hab ich an der Strecke vier gesehen.

Ob, wie und wo es mit meiner sportlichen Laufbahn weitergeht, werde ich wieder im (Lauf)Tagebuch 2020 zusammenschreiben. Grundvoraussetzung jedoch ist, dass Ihr und ich gesund bleiben.


Nach dem Rennen

Im Ziel genoss ich mein wohlverdientes Erdinger Grapefruit. Lecker. Etwas in der Sonne aufwärmen und in meinem alten Zimmer die Laufklamotten loswerden. Ab in die Dusche und anziehen. Recovery-Kompressionsstrümpfe anziehen bei kleinen Krampfanfällen ist kein Spaß.

Mein Bruder holte gerade das Essen für uns bei der Gastwirtschaft Aumüller in Merching. Die haben seit Heute einen Abholservice und es gab für uns Alle die Leibspeise von meinem Papa: Zwiebelrostbraten mit Spätzle und Salat.

Leeeeeeeecker

Am Nachmittag tranken wir noch Kaffee mit Kuchen, bevor Michaela und ich noch kurz zur Kirche gefahren sind. Kleines Finisherfoto vor der Kirche. Wir besuchten dann noch das Grab von meinem Papa. Es war mittlerweile auch sein dritter Marathon (in Form des Sterbebildes) und der erste Marathon, den er in Steindorf mitgelaufen ist.

Nach dem Lauf bin sogar ich schlanker als der Steindorfer Kirchturm

Anschließend fuhren wir zurück nach Gernlinden. Die Schmerzen und Krämpfe in den Beinen waren heute aber wirklich extrem. Zuhause relaxen und die Füsse hochlegen.

Danke nochmal an Michaela, meine Mama und meinen Bruder für die tolle Bewirtung und Unterstützung sowie die tollen Fotos. Und Gratulation an Wilfried zum Halbmarathon.

Nächstes Jahr gehts dann hoffentlich ins richtige „Leipzig“ – zur 45. Auflage des Leipzig Marathons‘.


Der Tag danach

Muskelkater ohne Ende. Die Nacht war sehr schmerzhaft und so bin ich doch um 6 Uhr aufgestanden. Erstmal gemütlich frühstücken, denn ich habe ja heute Urlaub. Ursprünglich waren noch ein oder zwei Tage in Leipzig geplant, um gemütlich heimzufahren.

Ein Bild von mir wurde sogar auf der Startseite des Leipzig-Marathons veröffentlicht *stolz*

(Quelle: www.leipzigmarathon.de)


Medaille

Die Medaille soll etwas später per Post zugesendet werden.


Strecke


Streckenvideo

Das Streckenvideo könnt Ihr hier anschauen.


Urkunde


Finisher-Shirt


Ergebnis

Marathon No. 12: 27. Johannesthermen Marathon Bad Füssing 

„Das Wunder ist nicht, dass ich ins Ziel gekommen bin. Das Wunder ist, dass ich den Mut hatte, loszulaufen.“

John Bingham

Wellness am 02.02.2020

Leider hatte das Standesamt an diesem denkwürdigen Datum geschlossen. Deshalb musste eine Alternative her: Der Thermen Marathon in Bad Füssing. Die Idee kam mir noch im Hotel in Valencia, nachdem ich dort grippebedingt leider Absagen musste. Einen Marathon mitten im Winter laufen ist aber schon riskant. Ich wollte mir die Entscheidung so lange wie möglich offen halten, um das Wetter abzuwarten. Dummerweise hat mich Anfang Januar noch eine „Frozen Shoulder“ aus dem Training geworfen. So hab ich in der Vorbereitung keinen 30km-Lauf absolviert: „kann klappen, muss aber nicht“.

Anmeldung

Da der Winter 2020 bislang sehr mild war und der Wetterbericht für den 02.02.2020 auch keinen Schnee vorhersagte, meldete ich mich Ende Januar für den unschlagbaren Preis von 29 Euro an – inkl. Nudelparty und zwei Tage Thermeneintritt. Das Hotel habe ich schon vorher mit kostenfreier Stornierung reserviert. 

Trainingsplan

Einen Trainingsplan gab es nicht. Seit der krankheitsbedingten Laufpause von Valencia bin ich normale Laufgeschwindigkeiten und -umfänge „gegangen“ – keine Intervalltrainings oder LongRuns über 30km. Die Läufe im Januar hab ich im (Lauf)Tagebuch 2020 zusammengeschrieben.
Deshalb soll es nur ein Vorbereitungslauf in die Saison sein – gesund und munter ins Ziel kommen und das Dutzend voll machen. Die Zielzeit hab ich auf 3:57 Stunden gesetzt. Da ich ja immer weiter laufe als die 42,195 km sollte bei Einhaltung der Tempovorgaben die 4-Stunden-Grenze machbar sein. Da das Wetter für den Lauf mild, stark-windig und regnerisch werden sollte, stellte ich die Machbarkeit dieses Ziels am Vorabend in Frage: „Schau ma moi“. 

Anreise

Am Samstag früh bin ich nach einer guten Nachtruhe erst in die Metzgerei zum Helfen gefahren. Michaela musste heute auch arbeiten, doch sie wollte eh nicht mitkommen: „Einen Marathon im Winter – so ein Schwachsinn“. Um kurz vor 11 Uhr erstmal heim, um alles zu packen und das Köln-Finishershirt anzuziehen.
Den ersten Startversuch um Punkt 12 brach ich nach 2 km ab – „Haaaaaab ich mein Handy dabei?“. Wieder nachhause und das Handy holen, welches noch beim Aufladen war. Der nächste Versuch klappte dann und ich kam ganz gut bis Kirchheim: Stau! Bis zur Passauer Autobahn ging es wenigstens zäh fließend.
Dann lief es wieder, aber die Karte in meinem Navi ist mittlerweile 5 Jahre veraltet. So leitete es mich gleich wieder von der A94 auf die B12 und dann wieder auf die A94. Hätte ich da nicht gleich drauf bleiben können? Auf einmal wird die Autobahn einspurig und dann wieder zweispurig. Komische Streckenführung.
Endlich steht mal „Bad Füssing“ auf einem Wegweiser und da bin ich schon – vorbeigefahren. Diesmal aber absichtlich „verfahren“, denn ich hatte ja eine geheime Mission im Ausland zu erfüllen. Erst über den Inn nach Obernberg in Österreich und direkt in den Spar-Supermarkt. Da es „meine“ Napoli Keksi nur in Österreich gibt musste ich diese Gelegenheit nutzen und 7 Packungen (Sieben ist in Asien eine Glückszahl und bringt auch noch Kalorien) über die Grenze schmuggeln.

Schmuggelware aus Österreich

Nach einer kurzen, dringenden Toilettenpause fuhr ich zurück nach Deutschland und wurde nicht von den Grenzkontrollen erwischt. Jetzt auf zum Hotel. 

Hotel

Da ich ja alleine nach Bad Füssing fahren werde, brauchte ich mir um den Komfort des Hotels keine großen Gedanken machen. Mitte Januar hatte ich mir schon – stornierungsfrei – ein Einzelzimmer im Hotel Vogelsang in der Ludwig-Thoma-Straße (ca. 1 km vom Start entfernt) reserviert. Man hätte auch vergünstigt in den Zwick’schen Hotels übernachten können, aber der Preis von 47 Euro (inkl. Frühstück und Parkplatz) war unschlagbar.

Sehr schön – inkl. Tiefgaragenstellplatz

Als ich gegen 15 Uhr im Hotel ankam, fand ich draußen keinen Parkplatz und für die Tiefgarage braucht man einen Schlüssel. Erstmal das Auto abstellen und dann zum Hotelempfang: Klingeln – Tür war offen – Keiner da :-() Es stand ein Schild, dass ich mir den Schlüssel aus dem Fach nehmen konnte und so fuhr ich das Auto in die Tiefgarage, um dann das Gepäck ins Zimmer zu bringen. Es war ein komplettes Appartement mit Kochnische, Doppelbett (mit 2 Gummibärchenpackungen!!!), Sitzecke, rießigem Schrank, Flachbildfernseher (leider ohne ORF1) und geräumigem Bad.

Sightseeing / Marathon-Messe

Nachdem ich mich kurz frisch gemacht hatte bin ich direkt zur Johannesbad-Therme, um die Startunterlagen zu holen. Der Weg dorthin war sogar Teil der Strecke, die direkt am Hotel vorbeiführte. Es war ein sonniges, mildes Frühlingswetter mit einem leichten Wind.

Im Startbereich wurde fleißig aufgebaut und auch das Zelt für die Finisher wurde gerade eingerichtet. Die Startunterlagen erhielt ich sehr schnell, da ein Großteil der Läufer zu dem Zeitpunkt in einem Vortrag von Jan Fitschen über die Wunderläufer aus Kenia war. Da war ich leider zu spät.


Kurz zuhause anrufen, dass ich gut angekommen bin und ab zur Nudelparty. Nach Abgabe des Gutscheins erhielt ich einen Stempel, damit ich so oft Nudeln holen konnte, wie ich wollte. Die Nudeln mit Bolognese-Sauce waren sehr lecker, aber nach einer Portion war ich auch satt. Dazu das beste alkoholfreie (Weiss)bier. Noch kurz den Fussball-Ticker checken, da war gerade Halbzeit und die Augsburger lagen wieder mal gegen einen Abstiegskandidaten hinten – ab jetzt Fussballnachrichtensperre bis zur Sportschau.
Die Einkaufsmöglichkeiten auf der Messe waren „überschaubar“. Es gab jedoch Finisher-Shirts und die musste ich gleich shoppen. Das Komplettset aus Laufshirt, -mütze und Buff für 37 Euro – auch wenn Michaela gleich ein „schrecklich“ zurückmailte.

Johannesthermen-Kollektion 2020


Später bin ich wieder zurück zum Hotel, um „grob“ die Laufsachen für den Marathon herzurichten. Das Wetter am Sonntag sollte von 8 Uhr bis zum Start um 10 Uhr trocken sein und ab ca. 12 Uhr sollte der Regen kommen. Wenigstens mit trockenen Schuhen starten, das klingt ja schon mal gut. Den Wind kann ich ja mit der GoreTex-Jacke etwas zurückhalten.

Das kann ja heiter werden

Zum Abendessen gab es während der Sportschau die mitgebrachten Nudeln – langsam kann ich keine Nudeln mehr sehen. Egal, der FC Augsburg hat währenddessen doch noch gewonnen.

Schon wieder Nudeln


Um 22:30 Uhr bin ich ins Bett gegangen und hatte den Wecker erst auf 7 Uhr gestellt, da es Frühstück meines Wissens nach erst um 8 Uhr gibt. In der Nacht gab es ein heftiges Gewitter mit Sturm und brutal-lauten Donnerschlägen, dass ich mehrmals aufwachte. Kurz vor dem Wecker bin ich aufgestanden – so viel Schlaf hab ich selten.
Da ich auf dem Weg zum Frühstück einen Teil des Gepäcks gleich zum Auto bringen wollte, musste ich die Sachen schon endgültig herrichten. Die Schuhe noch auf dem Balkon etwas gegen die erwartete Nässe imprägniert (was aber dann doch nix brachte). Leider hatte ich fünf Laufhosen unterschiedlichster Länge mitgenommen, aber keine Laufhandschuhe. Und es war trotz Sonne sehr kalt.


Vor dem Frühstück war die Rezeption besetzt und ich konnte gleich mein Zimmer bezahlen – es kostete sogar nur 44 Euro. Die Besitzerin bot mir an, dass ich auch nach dem Auschecken am Nachmittag die Dusche in meinem Zimmer noch benutzen könnte und selbstverständlich das Auto erst am Abend abholen kann. Super Service. Bei den großen Hotel(ketten) würde so etwas NIE gehen. Das Frühstücksbuffet (2 Tassen Kaffee und 1 Schinkensemmel) war sehr gut und es waren auch schon ein paar Läufer da. Sie hatten – wegen dem Marathon – sogar schon um 7:30 Uhr aufgemacht.

Letztes Selfie vor dem Start
Arbeitswerkzeug für Heute: Asics DynaFlyte 3


Danach ins Zimmer und fertig anziehen. Auf dem Weg zum Auto hab ich noch den Schlüssel abgegeben und auf geht’s zum Start.

Vor dem Lauf

Auf dem schönen Radweg zum Start begegneten mir schon zahlreiche Läufer, die sich aufwärmten. Brauch ich nicht – ich lauf ja heute noch genug 😉 Es lagen noch einige in der Nacht heruntergebrochene Astteile überall herum. War ein ziemlich heftiges Unwetter, doch jetzt schien die Sonne. Es war jedoch sehr windig.

Angekommen erstmal auf die Toilette und danach kaufte ich mir auf der Messe ein paar Laufhandschuhe. Sicher ist sicher – auch wenn sie mir zu groß waren (aber es gab nur eine Größe). Noch kurz den Kleiderbeutel abgeben. Ich hab die Actioncam doch nicht mitgenommen, um mich nicht abzulenken.

Zuerst sah ich mir den Start der 10km Läufer an. Mit dabei waren Jan Fitschen und einer der besten deutschen Marathonläufer, Phillipp Pflieger. Der Bruder von meinem Chef, der wieder die Moderation machte, interviewte sie noch und dann schossen die Böllerschützen den Startschuss.
Als die Läufer gestartet waren konnten sich die ca. 1200 (Halb-)Marathonläufer in die Startaufstellung einreihen. Um Punkt 10 Uhr gab es den nächsten Auftritt der Böllerschützen, die uns auf die Reise schickten.

Der Lauf

Ich wollte nicht zu schnell loslaufen, wie im Oktober in Köln. Durch das große Teilnehmerfeld lief ich auch relativ relaxed los, war aber wieder zu schnell angegangen. Statt der geplanten 5:41 min/km lief ich die ersten km wieder so ca. 5:15 min/km. Da der Himmel zugezogen hatte und wir außerhalb vom Ortsteil Würding um Bad Füssing gelaufen sind, traf uns der Wind schon sehr heftig von vorn. Wir liefen auf einem breiten Radweg von einem Kreisverkehr zum Nächsten bei ekelhaftem Gegenwind.
Dann ging es Richtung Safferstetten weiter zum Inn nach Egglfing und dort zurück nach Bad Füssing, wo wir nach 11 km zum ersten Mal den Start-/Zielbereich erreichten. Da ich mich mit einem Läufer unterhielt, hab ich hier die Verpflegungsstation verpasst.

Noch läufts gut

Die 2. Runde verlief am Hotel vorbei durch den Ortskern, wo eine Percussiongruppe spielte und uns wieder aus dem Ort führte. Hier waren mal mehr Zuschauer. An einem kontinuierlichen Anstieg hatten wir wieder voll Gegenwind. Die ersten 15 km waren mit durchschnittlich 5:15 min/km zirka 25 Sekunden pro km zu schnell.
Dann durch einen Wald zur Verpflegung, wo ich mir einen Tee gönnte. Langsam fing es an zu tröpfeln. Kurz vor dem Inn führte die Strecke zurück nach Füssing. Durch das schnelle Tempo am Anfang und die Regentropfen war die Lust schon stark gesunken.

Allein auf weiter Flur

Doch ich wollte unbedingt am 02.02.2020 einen Marathon laufen und die schöne Medaille haben. Kurz vor Ende der 2. Runde gaben die Halbmarathonis nochmal Gas und überholten mich reihenweise. Schon unfair, die haben gleich Feierabend und ich muss noch weiterlaufen.
Ab der 3. Runde (identisch zur ersten Runde) nahm die Anzahl der Läufer massiv ab. Ich ging ein paar Meter und tankte an der Verpflegungsstation nochmal auf. Nun regnete es mehr und als wir wieder in Würding waren, war es schon ekelhaft, da wir wieder voll gegen den Wind und Regen liefen.
Ich wurde überholt, versuchte etwas mitzuhalten, musste dann abreißen lassen, wurde wieder überholt, und so weiter. Endlich km 25 erreicht und den zweiten Teil statt 5:32 min/km mit durchschnittlich 5:26 gelaufen. Noch 17 km in 5:38 – sehr lange 17 km. Auf dem Rückweg nach Bad Füssing sank die Motivation schon sehr stark. Beim Durchlaufen wurde ich dann namentlich erwähnt und hielt sofort an der Verpflegungsstelle an, um nochmal Tee und Wasser zu trinken.

Endlich in die letzte Runde (gleiche Strecke wie Runde 2) und ich kam nur sehr schwer wieder in den Tritt. Ich versuchte, mich an eine junge Läuferin zu halten, aber sie war mir einfach zu schnell. Vorbei am Hotel und in den Ortskern, wo die Percussion-Spieler noch fleißig Stimmung machten. Dann wieder bei vollem Gegenwind weiter.
Ich ging zum ersten Mal ein paar Schritte bis ein Läufer kam, an den ich mich heftete. Ich bot ihm an, dass ich mal die Führungsarbeit übernehme, damit er im Windschatten laufen konnte.
Mit gutem Tempo wollte ich bis zur Verpflegungsstelle kommen, was ich auch schaffte. Doch danach ging leider nicht mehr viel. Da nahm ich mir die Zeit und ging etwas weiter, um mich kurz an eine größere Gruppe anzuheften. Doch ich musste schnell wieder abreißen lassen. Nun musste ich – wie in Köln – dem schnellen Anfangstempo Tribut zollen.
Die Gehpausen waren jedoch nur kurz und vom Inn-Ufer weg ging es endlich ein letztes Mal nach Bad Füssing. Ich hatte den Läufer von vorhin wieder im Blick, wollte ihn aber nicht mehr auf der Zielgerade überholen. Dabei wurden wir noch von einem anderen Läufer überholt, aber das war auch schon egal. Glücklich und fertig überschritt ich bei handgestoppten 3:54:10 die Ziellinie.

Mein Zieleinlauf

Marathon No. 12 an dem tollen Datum geschafft – und das noch gut unter 4-Stunden bei keiner reibungslosen Marathonvorbereitung.
Im Zelt bekam ich dann die tolle Medaille überreicht und ging sofort zum Bierausschank, um mir ein alkoholfreies zu gönnen. Lauter fertige, glückliche Gesichter. Hunger hatte ich überhaupt nicht und so nahm ich nur ein paar Apfelstücke. Lieber noch ein Bierchen. Da ich komplett nass war und mir kalt wurde, holte ich meinen Kleidersack ab und ging in die Therme.

Stolz wie Bolle

Nach dem Rennen

Erstmal den Thermen-Gutschein rauskramen und dann in die Umkleide – „Pack die Badehose ein“. Die Klamotten und die Schuhe waren platschnass und ich ging nach dem Verstauen in den Spind erstmal unter die Dusche.
Dies war mein erster Aufenthalt in der Therme Bad Füssing und so musste ich mir zunächst einen Überblick verschaffen. Da das erste Becken sehr voll war, ging ich gleich in den Außenbereich. Da das ChillSan anscheinend nicht komplett beim Duschen abgegangen war, war der Einstieg in das 35 Grad warme Wasser ein Hochgenuss – ich dachte, meine Kniescheiben brennen lichterloh. Schön, wenn der Schmerz nachlässt.
Leider gingen die Sprudeldüsen immer dann aus, wenn ich angekommen bin. Ich schwamm dann wieder rein und testete die Bäder im Innenbereich. Eine Dampfsauna tut auch immer ganz gut und so musste ich da auch rein. Doch nach 2 Minuten auf dem heißen Sitz brach ich wieder ab: Die anderen Gäste hatten schlauerweise draußen eine Sitzunterlage mitgenommen.
Da ich ja noch zu meiner Tante Maria nach Landshut wollte, verließ ich das Bad nach einer Stunde wieder.

Aufräumarbeiten im Zielbereich

Die Schuhe sind immer noch platschnass, so dass ich am Auto nochmal einen „Reifenwechsel“ machen musste. Kompressionssocken im Stehen mit feuchten Füssen anziehen ist eine Akrobatikleistung. Jetzt kam die schwierigste Übung: Aus der engen Tiefgarage rausfahren und sofort bekam ich einen Krampf im linken Bein.

„Durch diese hohle Gasse muss ich – kratzerfrei – kommen“

Ich fuhr durch den mittlerweile wieder für den Verkehr freigegebenen Ortskern raus aus Bad Füssing und – diesmal unter Anleitung des Google-Navi – über Orte, die wahrscheinlich noch nie ein Mensch gesehen hat, über Vilshofen und Dingolfing nach Landshut. Jeder zweite Ort heißt „…öd“ und es gibt tolle Ortsnamen wie „Zwilling“ oder „Schlafen“.
Um kurz vor 18 Uhr kam ich bei Tante Maria an und konnte leider nur kurz bleiben, da ich ja noch eine Stunde nach Hause fahren musste. Auf der Autobahn gab es einige heftige Regenfälle und fast im Blindflug ging es heim. Um halb Acht war ich zuhause und musste noch das Auto ausräumen, denn ich wollte die Laufklamotten gleich noch in die Waschmaschine geben. Kurz noch etwas essen und dann gemütlich auf die Couch zum wohlverdienten Dortmund-Tatort.

Der Tag danach

Ausnahmsweise stellte ich den Wecker erst auf kurz vor 6 Uhr und wachte nach einer viel zu kurzen Nacht auf. Katze füttern und Frühstück-to-go herrichten und ab geht’s nach München. Da merkt man wenigstens, wie viel entspannter es sich fährt, wenn man immer eine Stunde früher losfährt. Den Arbeitstag hab ich dann – trotz Müdigkeit – ganz gut überlebt.
Am Abend hab ich meine Kollegen mitgenommen, denn wir sind noch in Bergkirchen im Kartpalast Go-Kart gefahren. Diesen Tipp hab ich noch nirgends als optimales Regenerationsprogramm gelesen – und kann es auch nicht empfehlen. Beim Qualifying bekam ich Krämpfe zwischen den Zehen, aber ich wurde 9. (von 13). Beim ersten Rennen konnte ich sogar einen Platz gewinnen, im Zweiten hingegen verlor ich wieder zwei Plätze. Aber Hauptsache nicht Letzter. Danach war mir sowas von übel, dass ich erstmal Frischluft schnappen musste. Die leckere Pizza war jedoch die beste Medizin. Den Muskelkater hatte ich noch ein paar Tage. Irgendetwas hab ich bei dem Wellness-Wochenende in Bad Füssing wohl falsch gemacht.

Medaille

Sehr schöne Medaille (vorne)
Rückseite muss ich noch gravieren lassen

Strecke

Streckenvideo

Die Strecke zum Nachlaufen.

Urkunde

Finisher-Shirt

Finisher-Shirt, -Buff und -Mütze

Ergebnis

Marathon No. 10: 45. BMW-Berlin-Marathon 2018

Mission Breaking 3:45

Anmeldung

Gleich am ersten Tag der Registrierungsphase im Oktober 2017 hab ich für einen der Startplätze für den 45. BMW-Berlin-Marathon angemeldet. Michaelas‘ Papa Wilfried wollte es auch nochmal probieren. Und meine Kollegen Stefan, Martin C. und Sarah haben sich ebenfalls beworben. In Berlin gibt es zwar ca. 45.000 Startplätze, aber da es Plätze für fixe Starter, über die Zeit qualifizierte schnelle Läufer, Charity-Starter und viele Reiseveranstalter gibt, ist die Zahl der im Lostopf verfügbaren Plätze limitiert. Ende November 2017 kam dann die Mail, dass ich wieder gewonnen habe und am 16.09.2018 dabei sein darf.

Ja, is denn Heut scho Weihnachten?!?

Das Datum kam mir bekannt vor. Deshalb schnell meine Mutter angerufen, wann sie geheiratet haben. 1968 oder 1969? Huch, 1969. Nicht dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner Eltern nicht dabei bin. Stefan, mit dem ich den München Marathon gelaufen bin, wurde gelost. Und auch Sarah, die im Mai den Rennsteig-Marathon bezwang, bekam den Zuschlag. Wilfried schrieb mir auch, dass er dabei sein wird. Nur Martin C. hatte kein Glück – zum dritten Mal in Folge. Mein Losglück liegt nun bei 2:1. Das Shirt wollte ich mir auf der Messe kaufen, aber diesmal die Medaille gravieren lassen.

Trainingsplan

Genau wie für den Rennsteiglauf entschied ich mich für den 12-wöchigen Trainingsplan von Andreas Butz mit einer Zielzeit von 3:39 Stunden. Ziel war es, endlich die 3:45 Stunden zu knacken. Falls ein Einbruch während dem Lauf passiert wollte ich wenigstens unter der 4:00:49 von meinem ersten Marathon in Berlin 2015 bleiben.

Da wir eine Woche nach dem Rennsteig für 2 Wochen nach Ägypten reisten, war die erste Woche noch eher ruhiger. Dann ging der Trainingsplan aber gleich mit einem Kracher los, dem SportScheck-Halbmarathon in München. Im großen und ganzen konnte ich den Plan auch einhalten. Meist mit Laufeinheiten am So, Mo, Di und dem langen Lauf am Donnerstag. Nur am Schluss war die Luft (und Lust) etwas heraus.

Anreise

Da Flug (mit Koffern) zu teuer war, entschieden wir uns für die Bahn. Da ich einmal mit dem ICE Express von München nach Berlin in unter 4 Stunden reisen wollte (und dort auch unter 4 Stunden laufen wollte), mussten wir jedoch schon um kurz vor 6 Uhr am Donnerstag am Hauptbahnhof sein. D.h. seeeehr früh aufstehen, also um 4 Uhr. Leider haben wir in der Nacht auch nicht allzu viel Schlaf abbekommen. Da es morgens wie aus Kübeln regnete, fuhren wir mit dem Auto zum Bahnhof. Die S-Bahn war ungewohnt pünktlich und auch das Umsteigen in den ICE klappte hervorragend. Der fuhr pünktlich los und stoppte nach ein paar Hundert Metern wieder – Türprobleme. Aber mit leichter Verspätung ging es dann endgültig los. Stellenweise fuhr er 280 km/h.

So kamen wir fast pünktlich um kurz vor 10 Uhr in Berlin am Hauptbahnhof an. Nach kurzem Aufenthalt fuhren wir zum Platz der Luftbrücke am ehemaligen Stadtflughafen Tempelhof.

Dort war nach zwei Jahren erstmals wieder die Messe, die um 11 Uhr öffnete. Als wir am Einlass waren, meinte der Ordner, dass wir unsere Koffer an der Gepäckabgabe abgeben müssten. Nochmal zurück, kurzes Fotoshooting mit Fridolin Flink und dann der nächste Einlassversuch.

Dick und Doof (war einer der Kommentare zu dem Bild)

Geklappt. Zuerst konnte Michaela noch mit, aber dann ging ich in den streng kontrollierten Bereich. Wir vereinbarten einen Treffpunkt bei der Inline Skater-Messe, damit sie in der Zwischenzeit shoppen konnte. Erstmal Startpass-Kontrolle, dann Startarmband, danach Ausweiskontrolle. Dann durch die Messe-Hangars zum Einlass für die Startunterlagenabholung, am Brandenburger Tor.

Ein Geschiebe und Gedränge in Schlangenlinien. Es waren alle Nationen am Start. Die Nummernausgabe ging jedoch zügig, da in Berlin alles super organisiert ist und ausreichend Ausgabeschalter vorhanden sind. Dann noch kurz das Finisher Shirt beim Adidas-Stand zum stolzen Preis von 35 Euro kaufen. Die verdienen sich dort eine goldene Nase. Noch kurz an der Marathon-Wand verewigt und etwas bummeln.

Da die Preise gesalzen sind, hab ich mir nur wieder das Sonderglas von Erdinger Alkoholfrei geholt. Die Füllung bekam ich am Stand vom Rennsteiglauf. Da ich im Finisher Shirt vom letzten Marathon immer zur Abholung gehe, hab ich sogar eine Flasche Urköstritzer bekommen. Die wird erst nach dem Lauf genossen, war mein Plan.

Gibt’s erst danach – wenn Alles klappt

Als ich Michaela wieder traf, wollten wir uns erstmal was zum Essen holen. Naja, diese Pulled Pork-Burger waren klein und teuer – satt waren wir danach nicht. Da wir eh am Abend zum Essen gehen wollten, musste das vorerst reichen.

Danach wollten wir zum Hotel aufbrechen. Ich wollte mir noch ein Event-Cap kaufen, aber eine Frau hat mir das Letzte weggekauft. So gingen wir und holten unsere Koffer ab. Noch ein Fotoshooting und dann sahen wir mehrere Leute in tollen Jacken. Michaela wollte auch eine Jacke und so lief sie nochmal zum Adidas-Stand. Ich wartete vor der Messe und nach kurzer Zeit konnte ich fließend polnisch, japanisch und spanisch. Leider waren die Jacken dann doch nix und außerdem viel zu teuer. Aber sie bekam drinnen noch das Cap. Sie sagte, dass die Schlange bei der Abholung nun rießig ist.

Hoffentlich erwischts mich nicht nochmal

Auf dem Weg zum Bahnhof noch ein kleines Hinweisschild auf der Strasse fotografieren, was mich an den Tag nach dem ersten Berlin-Marathon erinnerte. Diesmal klauen sie mir hoffentlich nicht Geldbeutel. Danach fuhren wir mit der Ring-Sbahn zum Hotel, das direkt an der Haltestelle lag.

Hotel

Wir waren von der Fahrt und der Berlin Vital Messe schon ziemlich fertig und wollten nur noch aufs Zimmer. Um 17:30 Uhr sollten wir Michaelas‘ Mama und ihren Bruder mit Chrissi treffen. An der Rezeption gab ich den Hotel-Voucher ab. Dauert etwas lange – besorgniserregend lange. Der Portier fragte mich, ob wir am Vormittag schon eingecheckt haben. Komisch. Er ging nach Hinten und kam wieder.

Ich holte am Handy die Bestätigungsmail heraus. Er rief dann bei Check24 und spendierte uns einen Kaffee. Danach telefonierte ich mit der Dame von der Check24-Hotline. Alles schien OK zu sein, aber das Reiseunternehmen hatte wohl die Buchung nicht ans Hotel weitergereicht. Wieder warten, dann kam der Portier mit unseren Karten. Endlich konnten wir ins Zimmer. Da schellte schon das Telefon und die Dame von der Hotline war am Apparat. Sie erreicht bei dem Veranstalter niemand und ich sollte nochmal eine Buchung machen. So buchte ich das bereits bezahlte Zimmer für 408 Euro nochmal über Expedia für 530 Euro. Den würde ich aber wieder zurückbekommen. Am nächsten Morgen erhielt ich vom ursprünglichen Veranstalter eine Mail mit 134 Euro Stornierungsgebühr.

Fazit: Nie wieder ein Hotel buchen, welches den Namen Vienna im Namen hat. Das hat beim Wien-Marathon schon nicht geklappt. Außerdem lockte der Namen ganze Heerscharen österreichischer Marathonis an. Die Zimmer waren sehr klein, es gab wenig Staumöglichkeiten und das Bad war vollkommen unpraktisch. Eine Milchglas-Tür hab ich auch noch nicht als Raumtrenner zum Schlafbereich gehabt.

Nach dem unterhaltsamen Abendessen mit der Familie (leckeres, mongolische All-You-Can-Eat) gingen wir auf dem endlosen Flur zum Zimmer. Dummerweise waren die Karten deaktiviert und so mussten wir wieder runter. So waren wir dann erst um Mitternacht im Bett.

Sightseeing

Am Samstag nach dem Frühstück fuhr Michaela allein zum Grab ihrer Oma. Ich musste Schritte sparen und nutzte die Zeit zum Vorbereiten der Startausrüstung. Alles hundertmal umgepackt. Ich wollte ja mit dem neuen Trikot laufen, welches keine Rückentaschen hatte. Mit Bauchtasche (am Rücken) ist etwas unpraktisch.

Premiere für das neue Laufshirt

Mittags trafen wir uns im Ring-Einkaufscenter, in dem eine rießige Carrera-Bahn aufgebaut war.

Kleine Nudelbox und dann wieder zurück aufs Zimmer. Um halb 4 wollten wir uns ja mit Michaelas Eltern treffen. Die Fahrt mit der Straßenbahn endete abrupt – Streckensperrung wegen Marathon. Verspätet kamen wir dann am Fernsehturm an und gingen dann zur Strecke, um die Inliner zu fotografieren.

Mit einem Affenzahn fuhren die um die Kurve und auch die Ordner vor dem Besenwagen waren auf Rollen unterwegs.

Bayerische Flüchtlinge in Berlin gesehen

Anschließend gingen wir zur Strasse „Unter den Linden“, um eine optimale Fotografierposition auszumachen. Leider vergebens und Martin quängelt auch immer rum, weil er Schritte sparen will.

Nach einem Fotoshooting am Bode-Museum (wo ist meine 100-Millionen-Goldmünze?) hatten wir im Barista am Hackeschen Markt ein gemeinsames Abendessen. Leider war die Portion Spaghetti Bolognese nicht so gross wie erhofft. Aber ich hab mir im Hotel dann noch ein kleines Päckchen Haribo Colorado reingepfiffen – Kohlehydrate pur.

Nach der Rückkehr ins Hotel duschte ich nochmal und richtete alles her. Da ich immer wieder Schmerzen in der rechten Achillessehne hatte, war ich mir über die Schuhwahl noch nicht im Klaren. Um 22 Uhr ging ich dann ins Bett und schlief bis 4 Uhr passabel und dann nur noch einmal kurz. So bin ich vor dem Wecker-Klingeln um halb 6 ins Bad.

Vor dem Lauf

Da das Hotel wegen dem Marathon ausnahmsweise um 6 Uhr schon Frühstück anbot, bin ich erstmal dorthin gegangen. Der Raum war voll von Teilnehmern, hauptsächlich Össis und Amerikaner. Etwas Kaffee und ein Brötchen sowie Müsli. Eine Banane vom Buffet verschwand zufälligerweise in der Jacke.

Danach wieder ins Zimmer und finales Anziehen. Michaela machte ein Foto von mir und dann ging es los. Vor dem Hotel war schon eine Horde Japaner, die sehr witzig gekleidet waren. Sie hatten alle Handschuhe an. Auch der King of Pop war dabei.

Michael Jackson lebt doch noch. Sie verfolgten mich bis zum Hauptbahnhof. Erst wollte ich dort noch auf die Toilette, aber die Schlange davor schreckte mich ab. So ging es der Menschenmasse hinterher über die Brücke zum Bundeskanzleramt.

Leider erreichte ich telefonisch Stefan und Wilfried nicht, aber nachdem Wilfried an mir vorbeiging rief auch Stefan zurück und er kam zu uns rüber. Die Kanzlerin wollte uns nicht zum Frühstück empfangen – Danke Merkel.

Anschließend gingen wir durch die Einlasskontrolle und gaben unsere Kleiderbeutel ab. Dummerweise hab ich vergessen, nochmal Deo nachzusprühen – das wird ja lecker.

Eigentlich dürfte ich ja in Startblock F in der zweiten Startwelle starten. Aber ich wollte mit den Beiden starten und hab auf der Messe gefragt, ob ich freiwillig nach Hinten gehen könne. So konnten wir gemeinsam in Block G mit der letzten Startwelle starten, was im Nachhinein die richtige Entscheidung war.

Bevor wir in den Block gingen nochmal kurz die Blase entleeren. Dann ging es rein und die Stimmung war schon überwältigend. Wir hatten auch eine Videowall vor uns und konnten um 9 Uhr den Start der Handbiker und dann um 9:15 den Start der Elite verfolgen. Tausende weiße und blaue Ballons stiegen auf und die Victoria von der Siegessäule glänzte durch die Sonne Heute doppelt so schön.

Stefan und ich mussten schon wieder ins Dixie-Land, kamen aber leider nicht mehr zurück zu Wilfried. Irgendwie konnte sich mein Brustband nicht mit meiner Uhr koppeln und hab aus Versehen dann den Sender von Stefan angezapft. So hatte ich seinen Puls (der ein Traumpuls ist) immer im Blick. Leider halt nicht meinen eigenen Puls.

Nachdem die ersten beiden Startwellen durch waren konnten wir nachrücken. Die Stimmung war gigantisch. Es wurden sogar die 47 Teilnehmer aus Island begrüßt mit dem Huh-Schlachtruf von der Fußballmannschaft. Gänsehaut pur, wenn Tausende die Hände zusammenklatschen und voll Inbrunst „HUH“ schreien.

Dann die Berlin-Startmelodie (an die ich mich wieder erinnern konnte), noch kurz mit Stefan die letzten taktischen Details durchgehen und uns gegenseitig viel Erfolg zu wünschen. Griff zur Kreuz-Kette und bekreuzigen. Ab geht’s – Berlin, wir kommen.

Der Lauf

Um kurz nach 10 Uhr überquerten wir die Startlinie. Das Gedränge war nicht allzu gross, so dass wir leicht zusammenbleiben konnten. Unsere Zielzeit von 3:39 Stunden (Hauptsache unter 3:45 bleiben) haben wir versucht mit der Renntaktik von Greif zu erreichen. Diese sah vor, die ersten 15km in 5:16, dann schnelle 10km in 5:07 und die restlichen 17,x km in 5:12 zu laufen. Diese Renneinteilung find ich vom Kopf her besser, als die Halbmarathon-Denke. Marathon ist zu 90% Kopfsache – der Rest ist mental.

Nach der Siegessäule

Erstmal ging es um die Siegessäule, wobei ich sehr oft zu der Victoria in ihrem goldenen Kleid hochsehen konnte. Dann weiter immer gradaus durch den Tiergarten bis zum Ernst-Reuter-Platz. Es waren sehr viele Zuschauer an der Strecke. Weiter ging es durch Alt-Moabit Richtung Kanzleramt.

Da standen auch Michaela und Birgit und konnten erste Fotos von uns machen.

Wurstlieferung für Frau Merkel

Weiter zur Friedrichstrasse und direkt auf den Friedrichstadt-Palast zu, wo wir scharf links abbogen. Ich versuchte weitestgehend mich an der blauen Linie zu orientieren, um nicht wie 2015 viel zu weit zu laufen. Wir hatten mittlerweile den anfänglichen Rückstand reingelaufen und waren sogar etwas zu schnell.

Dann ging es in Ost-Berlin weiter zum Alexanderplatz, an dem wir vielleicht Michaela und ihre Mama sehen würden. Wir waren jedoch zu schnell und auch für die Zuschauer ist es mit den Öffentlichen nicht einfach, rechtzeitig an den vereinbarten Hot-Spots anzukommen. Weiter ging es dann durch das ehemalige Ost-Berlin. Wir versuchten, trotz der hohen Temperaturen nicht jede Versorgungsstelle mitzunehmen, und machten nur bei jeder Zweiten eine kurze Pause. Der Schwamm war auch eine Abkühlung.

Bei Kilometer 15 ging der schnellste Streckenabschnitt los über Strassberger Platz weiter zum Kottbusser Tor. Da die Verpflegung hier noch reinspielte starteten wir mit einem 8er Schnitt und mussten diesen aufholen. Einmal liefen wir unter Bahngleisen durch einen Tunnel mit Samba-Trommlern. Brutale Lautstärke, was unheimlich pushed. Ich hatte ja meinen Walkman nicht dabei, um die geniale Stimmung in Berlin mit seinen tollen Bands und den Zuschauern geniessen zu können.

Zudem konnte ich mich so mit Stefan besser verständigen. Obwohl der Martin am Anfang viel plappert wird er am Schluss immer doch sehr wortkarg. Außerdem hatte ich ja keine Kontrolle über meinen Puls, der sicher um einiges höher lag als Stefans‘.

Kurz vor dem Rathaus Schöneberg lag die Halbmarathon-Marke. Mittlerweile hatten wir den 5:07-Schnitt gut erreicht und es lief bei uns Beiden noch gut. Am Streckenrand rief mir Michaelas‘ Mama Birgit zu. Leider konnte uns Michaela hier nicht fotografieren, da wir in einer Gruppe liefen.

Eine Frau hob eine Tafel hoch, dass Eliud Kipchoge den Weltrekord mit 2:01:39 um mehr als 1 Minute verbessert hat. So können wir später behaupten, dass wir dabei gewesen sind und er Angst vor genau uns hatte. Aber noch ist fast die ganze zweite Hälfte vor uns *heul*.

Fantastisch: Eliud Kipchoge besiegt mich zum zweiten Mal in Berlin – mit Weltrekord

Kurz darauf kam die nächste Verpflegungsstation bei KM 25 und unser letzter Streckenabschnitt begann: „bloss“ noch 17,xx Kilometer. So langsam setzt die Müdigkeit ein, die Füsse werden schwerer und seit km 1 muss ich eh schon wieder bieseln. Aber ich wollte Stefan nicht beunruhigen und nachher hat er mir gesagt, dass es ihm genauso ergangen ist. Die Zusammenarbeit funktionierte perfekt. Mal er vorn, mal ich vorn. Ich wollte auch nicht wieder am Schluss wie in München einbrechen und Biss deshalb umso mehr auf die Zähne.

Bei km 30 kamen wir wieder zu einem Platz mit sehr vielen Menschen, dem Wilden Eber, und langsam drehte sich die Strecke Richtung Ku’damm. Nach der Verpflegung bei km 32 sollten Stefans Frau und Freunde von Ihnen stehen. Da mussten wir wieder frisch aussehen. Sie sahen uns, aber wir hatten ja noch 10 Kilometer vor uns. Endlose Kilometer.

Erstmal weiter zur Gedächtniskirche und weiter am Kurfürstendamm Richtung Osten. Es ging immer geradeaus, aber es waren noch sehr viele Leute an der Strecke. Auch erhaschen wir immer wieder ein kleines Windchen, welches für Abkühlung sorgte. Dann holten wir den 4:00-Pacemaker eines früheren Startblocks ein und mussten weiräumig um die um ihn herumlaufende Traube herumlaufen.

Aus der Ferne sah man auch das DB-Hochhaus am Potsdamer Platz. Plötzlich machte es beim Landen auf dem rechten Fuss platsch und brannte stark im Zehenbereich. Da muss wohl das Hühnerauge, das ich seit einiger Zeit rumschleppe, geplatzt sein. Von da weg brannte es an den rechten Zehen mit jedem Auftreten.

Von der geplanten Durchschnittspace von 5:12 für den letzten Abschnitt waren wir ständig ca. 10 Sekunden entfernt. Mit 3:39 wird es wohl nix mehr, aber wir einigten uns, dass wir unter 3:45 bleiben wollten – ja mussten. Somit waren weder Gehpausen noch Schwächephasen drin.

So ließen wir die letzte Verpflegung vor dem Potsdamer Platz aus (@Stefan: Ich hab echt geglaubt, dass da noch eine Station kommt). Am Potsdamer Platz vor der Mall of Berlin sahen wir nochmal Michaela und Birgit.

Dann liefen wir zum Gendarmenmarkt. Plötzlich lag eine ältere Frau auf der Straße – sie war wohl beim Versuch, die Straße zu queren, gestolpert. Die Brille halb vom Kopf runtergerissen und ihre weiße Hose war danach wohl nicht mehr blütenweiß. Aber immer wieder versuchen es Leute, teils mit Fahrrad, die Strecke zu queren. Das hätte am Samstag bei den Inlinern einen bösen Unfall gegeben.

Danach ging es parallel zur Strasse „Unter den Linden“ weiter, bis wir auf die Straße zuliefen. Stefan schrie mir nach, dass ich loslaufen kann. Noch 1 km und ich legte los. Scharf um die Kurve und dann waren die Besuchermassen da. Vorbei an Russischer Botschaft und Hotel Adlon ging es unter tossendem Applaus im Schlussprint auf das Brandenburger Tor zu.

Nachdem ich vor 3 Jahren links durchlief, wollte ich Heute in der Mitte durchlaufen. Geniales Gefühl. Nun noch ein paar Hundert Meter im Vollsprint mit 14 km/h bis endlich der blaue Teppich beginnt.

Auf der Ziellinie noch möglichst Viele überholen und dann beide Hände ausgestreckt mit allen zehn Fingern nach oben reißen. Der zehnte Marathon ist geschafft. Uhr stoppen, und bei 3:43:31 (offiziell 3:43:27) bin ich durchs Ziel gelaufen. Neue Persönliche Bestzeit und endlich „Breaking 3:45“.

10 Fingers for 10 Marathons

Nur 8879 Männer zwischen mir und dem neuen Weltrekordinhaber. Stefan kam ein paar Sekunden später ins Ziel und wir beglückwünschten uns gegenseitig zu unserer tollen Leistung.

Endlich bekamen wir die wohlverdiente Medaille überreicht und gingen erstmal zur Verpflegungsstation und tranken etwas. Stefan musste sich an die Absperrung setzen. Ich wollte mich nicht hinsetzen, da ich NIE wieder hochgekommen wäre. Neben ihm saß ein Erstbezwinger, der es in sagenhaften 3:32 schaffte und nie wieder einen Marathon laufen wollte. Ich erzählte ihm von dem Suchtfaktor und dass er unbedingt mal Hamburg, Füssen und Wien machen muss. In ein paar Tagen wird er sich sicher anmelden.

Ein anderer Läufer musste sich kopfüber an den Zaun gelehnt entleeren. Aber in Berlin ist immer Jemand vom medizinischen Dienst zur Hand. Danach gingen wir zum Erdinger und holten unseren Kleiderbeutel ab. Ich zog mich bei strahlendem Sonnenschein auf dem Platz vor dem Reichstag um und versuchte, Wilfried zu kontaktieren.

Dann verabschiedete ich mich von Stefan, der zu seiner Frau Ruth wollte. Ich sprach Wilfried auf die Mailbox und ging zur Medaillengravur und Urkundenausgabe. Dann rief mich Michaela an, dass er schon bei ihnen am Brandenburger Tor war. So machte ich mich auch auf den Weg, wollte aber noch aufs Dixie. Aber da waren zwei Kabinen und eine Riesenschlange. Gut, vielleicht kommt ja nachher noch was.

Raus aus dem Gelände und da sah ich sie schon sitzen. Ich musste jetzt aber wirklich. Gottseidank bekam ich gleich eine freie Kabine. Der Mann der rauskam sagte, dass die ganz übel sei. Ich habe versucht, nicht in die Schüssel zu sehen und nur zu pinkeln. Augen zu und durch.

Auf dem Rückweg dann gleich eine Currywurstsemmel (heißt hier Brötchen) gekauft und genüßlich verputzt.

Später sind wir dann zusammen mit Wilfried zum Hauptbahnhof gegangen. Er musste ja nach Leipzig. Am Alex verabschiedeten wir uns von Birgit und fuhren zum Hotel.

Nach dem Rennen

Erstmal raus aus den Klamotten. Socken ausziehen wird spannend. Zunächst den linken Socken – Fuss sieht OK aus, keine Blasen, der „Zeigezeh“ war davor schon schwarz. Dann der kritische rechte Socken: Oben OK, unten ist anscheinend etwas geplatzt, aber kein Blut. Dann unter die Dusche und schöne Kalt-Warm-Duschen. Danach schön mit Weihrauchbalsam eingeschmiert und etwas hinlegen.

Nach der schwierigen Restaurantsuche hat Michaela mich angeschaut und gesagt, dass wir zum Ostkreuz in das Restaurant „Hüftgold“ fahren. Wie sie da wohl draufgekommen ist? Da die Startnummer ja bis 22 Uhr als BVG-Karte galt haben wir diese eingepackt und sind dann zur S-Bahn. Nicht so tolle Gegend, aber lauter nette kleine Kneippen mit witzigen Tafeln.

Ich bestellte mir ein Alkoholfreies (richtiges Bier gibt’s im Zimmer) und eine leckere Brokkolicremesuppe. Die war zwar sehr versalzen, aber das hab ich bewusst selber gemacht. Zum Hauptgang gab es für mich Rigatoni mit Hähnchenbrustfilet. Sehr gut. Michaelas Cordon bleu sah eher aus wie eine Roulade, hat ihr aber auch sehr geschmeckt. So hatte ich wenigstens die Kalorien, die ich von Stefans Brustgurt geklaut habe, schnell wieder reingefressen.

Im Bett gab es das Feier-Bier von Urköstritzer und ich bin friedlich eingeschlafen. Krämpfe hatte ich zwar keine, aber jedes Umdrehen war mit Schmerzen verbunden. Ab 4 Uhr konnte ich fast gar nicht mehr schlafen. Immer wieder kurz wegdösen. Am Morgen unter die Dusche, mit zahlreichen Finishern (die auch noch etwas wackelig auf den Beinen waren) zum Frühstücksbuffet gehen und alles Zusammenpacken für den Checkout.

Im Hauptbahnhof noch kurz bummeln. Gefühlt hat jeder Zweite ein Finisher-Shirt an oder die Medaille um den Hals hängen – und ein breites, zufriedenes Gesicht (wenn es eine Rolltreppe gibt). Da der Zug um halb 2 ging, gönnten wir uns noch einen Döner. Die Bahnfahrt mit dem „normalen“ ICE über Erfurt bis Nürnberg war OK, dann gab es ein Problem mit dem Triebfahrzeug und plötzlich hatten wir mehr als eine halbe Stunde Verspätung. Ein paar notorische Nörgler brachten gleich Unruhe in die Menge. Dann plötzlich ging es weiter und der Zugführer sprach auf einmal fränggisch und fränglisch. Aber um kurz nach 19 Uhr waren wir dann in Pasing und konnten noch Semmeln kaufen und bald darauf mit der S-Bahn nach Gernlinden fahren. Endlich daheim – und mit der Lucky war auch alles in Ordnung. Jetzt ist erst mal Lauf-Pause.

Rennvideo

Medaille

Strecke

Streckenvideo

Hier könnt Ihr die Strecke nochmal „mitlaufen„.

Urkunde

Stolz wie Bolle

Finisher-Shirt

Finisher-Poster

BMW = Freude am Fahren vs. Martin Glas = Freude am Laufen

26.05.2018: 46. Rennsteig-Marathon

Anmeldung

Da ich Ende 2017 nochmal für den Berlin-Marathon im September 2018 ausgelost wurde und dieser dann mein zehnter Marathon werden sollte, musste ein ganz besonderer Marathon für Nummer 9 her. Und was liegt näher als den in den letzten 4 Jahren zum „beliebtesten Marathon Europas“ gewählten Marathon auszuwählen: den Rennsteig-Marathon in Thüringen. Michaelas‘ Papa schwärmte auch immer davon, obwohl er dort den Supermarathon gelaufen ist. Aber 73 km ist mir zu heftig und so kam Ende 2017 die Entscheidung zur Marathon-Strecke. Der Kurs war auf dem Papier für mich Flachlandtiroler extrem hügelig und im Gelände hatte ich bisher kaum Erfahrungen.

Da ich mir die Miete für den Zeitmesschip sparen wollte, musste ich diesen erst bestellen, um mich dann im Januar anmelden zu können. Natürlich musste die Ausrüstung auch erweitert werden, v.a. um Trail-fähige Laufschuhe. Michaelas‘ Papa hat sich für den Halbmarathon und meine Arbeitskollegin Sarah ebenfalls für den Marathon angemeldet.

Trainingsplan

In zahlreichen Foren habe ich Angaben gefunden, dass man für den Rennsteiglauf zirka 45 Minuten mehr Zeit einkalkulieren muss. Das ergibt bei meiner Bestzeit von knapp über 3:45 immerhin ca. 4:30 Stunden. Um das Ziel zu erreichen, entschied ich mich für den Marathonplan von Andreas Butz mit einer Zielzeit von 3:40. Diesmal habe ich jede Woche des 12-wöchigen Planes in einem separaten Blog-Beitrag dokumentiert.

Da ich den Trainingsplan recht gut einhalten (ohne Probleme mit dem inneren Schweinehund) und öfter auch im Gelände trainieren konnte, hatte ich bis zum Tag der Anreise ein gutes Gefühl und wollte vielleicht doch die 4-Stunden-Marke knacken.

Anreise

Traditionell findet der Rennsteig-Marathon am Samstag statt. So bin ich am Freitag angereist, nachdem die Startnummer standesgemäß in der Heckscheibe angebracht wurde (und gleich wieder herunterfiel). Dank Panzerklebeband hielt es dann aber doch noch ganz gut.

Traditionelle Autobeschriftung

Um kurz vor neun Uhr war Abfahrt. Da es kein Rundkurs ist und sie keinen Urlaub hatte, kam Michaela diesmal nicht mit. Erstmal über die B471 zur A93 und dann auf die A9 bis Nürnberg. Dann Richtung Erlangen auf die A73 bis Eisfeld. Bei Forchheim kurzer Stopp. Fast wäre mir noch ein Missgeschick beim Öffnen des Rote-Beete-Saftes passiert. Der Saft trat einfach so aus und wäre fast auf den Autositz gelaufen (und NIE wieder rausgegangen): Don’t Drink and Drive. Die Finger waren jedenfalls blutrot. Den Rest hab ich dann auf einem Parkplatz getrunken.

Sehr hügelig hier

Da ich zu früh dran war, bin ich erstmal nach Oberweissbach gefahren, um dort die Lage zu checken. Nachdem ich ja schon an dem ein oder anderen Weihnachtsschmuck-Geschäft vorbeikam und noch ein Geschenk suchte, hab ich noch eine Glas-Manufaktur besucht.

Ganz tolle Lichtmühlen, die ich noch nie gesehen habe. Die Verkäuferin war sehr nett und sagte, dass sie aus Bayern leider nur ganz wenige Besucher haben.

Oberweissbach

In der Ortschaft gab es wahrscheinlich nur Häuser mit Hanglage. Es geht kilometerlang runter und dann gleich wieder steil rauf. So bin ich dann zu meinem Hotel Burghof gefahren, um dort den Check-In zu machen.

Neue Laufschuhe?

Da das Auto vollgepackt war, nahm ich erstmal nur die wichtigsten Dinge mit aufs Zimmer: die Schuhe.

Für jedes Wetter gerüstet

Es war ein älteres Hotel mit eigenem Restaurant und leider keinem Aufzug. Bekanntlich ist das nach dem Marathon eher problematisch. Doch ich wurde überaus freundlich empfangen und ging dann gleich mal aufs Zimmer.

Obwohl ich ein Einzelzimmer gebucht hatte, hatte ich gleich 3 Schlafmöglichkeiten.

Auch das Bad war sauber und OK und für den doppelten Übernachtungspreis hab ich auch schon schlechtere Fernseher gehabt.

Später bin ich dann nochmal zum Auto, um den Rest zu holen. Gerade kam ein älterer Herr mit Zwickauer Kennzeichen an, der den Marathon morgen zum 30. mal läuft (bei insgesamt 101 Marathons). Im Zimmer zurück, richtete ich so weit wie möglich alles her. Noch das München Marathon-Shirt 2017 anziehen.

Vor dem Startbogen

Gegen 17 Uhr ging es dann zum Startort für den Marathon, um dort in Neuhaus am Rennweg die Startunterlagen abzuholen.

Selbstfindungsphase

Das war auch gleich erledigt, obwohl ich nochmal zurück musste, da ich keinen Edding-Stift zum Draufschreiben der Startnummer auf den Starterbeutel hatte. Danach schrieb ich dann meiner Kollegin Sarah, die direkt auf dem Weg nach Neuhaus waren und um ca. 18 Uhr ankommen sollten.

So gönnte ich mir erstmal eine Thüringer Rostbratwurst, shoppte ein bisschen in der überschaubaren Marathon-Messe und wartete bei strahlendem Sonnenschein auf die Zwei. Als sie ankamen, holte Sarah auch ihre Startunterlagen und Michael und ich warteten in der GutsMuths-Halle auf sie, um dann zur Kloßparty zu gehen.

Rennsteiglied

Lecker

Das ist mal eine schöne Alternative zu den üblichen Pastapartys vor dem Laufevent. Und es war sehr lecker (auch wenn ich die Thüringer Klösse zu fluffig finde – do san ma boarische Knedl liaba). Die Rinderroulade war jedoch extrem genial. Fast wie bei Muttern.

Danach fuhren wir in unsere Hotels und ich richtete noch alles her für den Lauf.

Geschlossener Fröbelturm

Leider war das Fröbelhaus schon geschlossen und so zahlte sich mein kurzer Abstecher durch eine enge Bergstraße nicht mit einem tollen Sonnenuntergang aus.

Bei den Schuhen schwankte ich noch zwischen den Straßenschuhen Asics DynaFlyte und den Hybridschuhen Saucony Koa TR. Die GoreTex-Schuhe und die reinen Trailschuhe fielen schnell aus der Entscheidung.

Lauftrikot

Nach dem Duschen noch etwas Fernsehen und dann versuchen, anständig zu schlafen. Leider hab ich einen ziemlichen Schmarrn geträumt und bin öfters aufgewacht. Einmal wachte ich auf und dachte, dass ich ja den Marathon schon hinter mir hatte und sich meine Beine total gut anfühlten – ohne Blasen und Muskelkater. Tja, das war wohl zu früh geträumt.

Um kurz nach 5 Uhr am Samstag bin ich dann aufgestanden und drückte zum Frühstück die mitgebrachten Nudeln und eine Banane runter.

Hotel

Da kommt Michaela einmal nicht mit zum Marathon und dann bekomm ich ein aus meiner Sicht tolles Hotel. Es war zwar schon etwas älter, aber das gebuchte Einzelzimmer war riesig, sauber und der Empfang war sehr freundlich. Da ich ja immer früh raus musste, hatte ich ohne Frühstück gebucht. Das wär aber mit 5,50 Euro auch ganz günstig gewesen – im Vergleich zu den 26 Euro pro Nase in Frankfurt 2016.

Startnummer

Quadratisch, praktisch, gut

Die Startnummer hatte ein komisches quadratisches Format. Da ich bei der Startnummernausgabe dachte, dass es vielleicht besser mit einem Startnummernband wäre, habe ich mir auf der Marathonmesse für 4 Euro ein neues Band gekauft – ich hab ja noch nicht genug.

Kurz vor dem Lauf

Ein Blick aus dem Fenster und die Sonne strahlte mir schon entgegen. Da es aber unter der Woche anscheinend mehr geregnet hat, entschied ich mich für die Saucony Koa TR, mit denen ich bisher nur knapp 50 Kilometer gelaufen bin. „Eigentlich“ ein grober Fehler, aber bevor ich mit den Schuhen im Wald ausrutsche, hab ich lieber ein paar Blasen an den Füßen.

Let’s go running

Nachdem die Rennklamotten angezogen waren und das finale Spiegel-Selfie geschossen war, ging ich runter zum Auto und fuhr um kurz nach 7 Uhr nach Neuhaus zum Start. Ich wollte dort unbedingt einen besseren Parkplatz als am Freitag bekommen. Die Einheimischen fahren schon sehr rasant durch die hügeligen Wälder. Ich bekam glücklicherweise einen ganz guten Parkplatz und die Menschenmenge zum Start war schon ganz schön gewaltig, obwohl ja „nur“ 3500 Marathonis starteten.

Sarah und Michael waren auch schon auf dem Weg. So erkundete ich noch ein bißchen die Dixi-Lage: nicht nur einmal. Wieder mal „nervöse Blase“, obwohl ich bewußt nicht viel getrunken hatte.

Als die Beiden dann kamen, gab es noch einen letzten Ausflug ins Dixi-Land, Michael schoß noch ein paar Fotos und nach der Abgabe des Kleidersackes ging es zur Startaufstellung auf den Sportplatz, der schon rappelvoll war.

Dann wurde der Schneewalzer von der Menge schunkelnd gegröllt. Auf der Bühne tauchten plötzlich ein paar schwarz-gekleidete Bodyguards auf und dann wurde Thüringens‘ Ministerpräsident Bodo Ramelow angekündigt. Der kam ziemlich leger in Outdoor-Kleidung auf die Bühne und bedankte sich bei den zahlreichen Helfern, die so ein Event überhaupt möglich machen.

(Quelle: www.rennsteiglauf.de)

Die Organisation ist wirklich total eingespielt und alle Helfer sind sehr freundlich. Anschließend wünschte er uns Glück und sang mit uns das bekannte Rennsteiglied, bei dem wir nicht so textsicher waren. Für den Refrain reichte es jedoch.

(Quelle: www.rennsteiglauf.de)

Um kurz vor 9 Uhr wünschte er uns dann viel Erfolg und es startete der finale Countdown. Los gehts. Auf dem Weg zur Startlinie fiel ein Läufer auf, der mit seinem Hund unterwegs war. Der Hund bellte durch den Startschuß aufgescheucht ziemlich laut. Ein Mitläufer meinte zu mir, dass das der Kampfhund Chico sei. Ich meinte, dass wir schnell loslaufen sollten. Ein paar Minuten nach 9 Uhr überquerten Sarah und ich die Startlinie und starteten unsere Laufuhren. Es gibt kein zurück.

Der Lauf

(Quelle: www.rennsteiglauf.de)

Das Problem, dass man bei vielen anderen Marathons hat, dass man zu schnell angeht, gibt es hier nicht. Es geht erstmal durch Neuhaus ca. 1 km kontinuierlich hoch. Die ersten Läufer gehen schon den Anstieg hoch. Oben angekommen führt der Kurs erstmal durch die Ortschaft Richtung Lumbach. Dafür geht es nun auf der Straße ständig bergab.

(Quelle: www.rennsteiglauf.de)

Während am Start noch viele Zuschauer waren, war es nun menschenleer. Nur die Läufer waren ohne Gedränge auf der komplett gesperrten Straße unterwegs.

Nach der ersten Verpflegungsstation liefen wir an einem Moderator vorbei, der die Herkunft der Läufer übers Mikrofon verkündete. Ich sagte „Augschburg“, da ich ja gebürtiger Datschiburger bin. Und im astreinen schwäbischen Dialekt sagte er es ins Mikrofon. Nun war der gemütliche Teil vorbei und es ging hoch zur Steinheider Hütte auf einem steilen Hohlweg, auf dem maximal 3 Läufer nebeneinander laufen konnten.

Sarah war mir schon etwas enteilt, da ich immer wieder durch gehende Läufer blockiert wurde. Aber oben hatte ich sie wieder eingeholt und der breitere Weg führte leicht abschüssig durch den Thüringer Wald. So konnten wir mit einer Kilometerzeit von ca. 5:20 unter der anvisierten 5:40 bleiben und etwas Zeit aufholen. Bevor ich nach Thüringen reiste, spekulierte ich noch mit Sub-4-Stunden, aber als ich die Gegend sah, hatte ich das fast schon aufgegeben. Aber man muss ja ein Ziel haben.

Bald ging es wieder aufwärts zur Verpflegungsstelle „Dreistromstein“ und kurz danach trennten sich unsere Wege. Ich war mir sicher, dass sie den Lauf schaffen würde und hatte Angst, durch das Quatschen wieder Seitenstechen zu bekommen.

Dieser Weg wird kein leichter sein.

Teilweise waren noch große Pfützen auf dem Weg und man musste aufpassen, nicht auszurutschen. Die Saucony-Schuhe waren jedoch sicher die richtige Wahl, da sie auch ein Aufsetzen auf größeren Steinen gut abfederten.

Nach einer Bergaufpassage ging es ziemlich steil bergab und dann kam der gefürchtete Aufstieg zur Turmbaude Masserberg bei Kilometer 18. Dort gab es auch leckere Bananen (gab es die auch schon zu DDR-Zeiten?) und reichlich zu trinken.

Es war zwar sehr sonnig, aber im Wald ging ein leichtes Lüftchen. Nach einem steilen, breiten Wegstück ging es wieder hinauf bis zur Halbmarathon-Markierung, die ich in knapp unter 2 Stunden erreichte. Es könnte noch reichen, aber es wird auf jeden Fall knapp mit unter 4 Stunden.

Direkt nach der Zeitnahme-Matte ging es auf eine 1-Kilometer lange Hohlwegpassage steil bergab, bei der ein Überholen fast nicht möglich war. Man musste wahnsinnig aufpassen, nicht in einer überstehenden Wurzel einzufädeln.

(Quelle: www.rennsteiglauf.de)

Kein Blick auf die Uhr oder die Umgebung war hier möglich. Der Blick nur auf den Vordermann gerichtet und selbst versuchen, heil runterzukommen. Am Fuße des Berges war schon die Bergwacht-Station, die die verletzten Läufer versorgte. Ich sah aber glücklicherweise keinen verunglückten Läufer an der Passage.

Endlich unten angekommen kam dann die Verpflegungsstation „Schwalbenhauptwiese“ und danach waren wieder viele Zuschauer an der Strecke.

(Quelle: www.rennsteiglauf.de)

Nun folgte ein hügeliger Streckenabschnitt teilweise auf der Straße, teilweise auf Feldwegen. Wenigstens konnte man hier auch mal seine Blicke schweifen lassen und sich die tolle Gegend anschauen.

Bei km 28 hatten wir Neustadt erreicht und ich fühlte mich von den Beinen her noch sehr gut, bis auf die leichten Schmerzen in den Knien durch das ständige Auf-und-Ab. Nach Neustadt führte ein schöner Weg kontinuierlich bergab. „Wo es runter geht, geht es auch wieder rauf.“

(Quelle: www.rennsteiglauf.de)

Direkt nach der 30km-Marke bogen wir links ab und da sah ich es: Ein steiler, breiter Anstieg auf dem schon fast Alle hochgingen. Ich schloss mich der Gruppe der Wanderer an und ging hoch, da der Weg auch durch die großen Steine und Schiefersteine sicher nicht optimal zum Laufen war. Wieder eine Kurve und leider wieder hoch. So zog es sich.

(Quelle: www.rennsteiglauf.de)

Da verabschiedete ich mich innerlich von der 4-Stunden-Grenze und hatte auch von der Motivation einen kleinen Hänger. Nun galt es, wenigstens unter 4:30 Stunden zu bleiben.

Endlich oben angekommen am Dreiherrenstein bei km 33 stärkte ich mich an der Verpfegungsstation. Hier gab es auch Wurstbrote, die sehr lecker waren (an meinen Sponsor: „Ja, ich bin fremdgegangen – aber Deine Wurstwaren sind noch besser“).

Gestärkt führte der Weg dann erstmal auf der Straße wieder hoch. Später lief ich dann auf dem parallel verlaufenden Trampelpfad weiter. Einmal nicht aufgepasst und voll mit der Fussspitze gegen eine Wurzel. Ich dachte, die Zehen wären ab und bald würden sich die blauen Schuhe rot einfärben. Gut es war der linke Fuß und da war eh schon ein Zehen sehr lädiert. Also Zähne zusammenbeißen und weiter.

Stellenweise ging ich immer wieder und dann führte der Weg kurz mal steil bergab. Die Frau eines direkt vor mir laufenden Pärchens knickte richtig mit dem Fuß um und kam wegen dem Gefälle erst einige Meter später zum Stehen. Das sah böse aus, aber ihr Partner kümmerte sich um sie.

Noch eine Verpflegungsstation am Frauenwald. Erstmal habe ich meine Kappe in den Wasserbottich getaucht, um etwas Kühlung zu bekommen. Hier gab es dann auch köstliches Ur-Köstritzer Schwarzbier, das nach knapp 38 km schon ziemlich schnell ins Blut geht. Nicht nur Red Bull verleiht Flügel. Leicht beschwipst lief ich dann nach Schmiedefeld.

Zähne zusammenbeißen – Krönchen richten

Hier wartete noch der berüchtigte Schlussanstieg auf uns. Da ich mich gut fühlte sprintete ich den Berg hoch. Am Straßenrand feuerten uns die bereits fertigen Läufer frenetisch an. Das war ein Gänsehautmoment.

Endlich in der Ebene angekommen sah ich den Zielbogen vor mir. Ich hatte mir das anders vorgestellt. Aber es ging nochmal ums Eck und da war ich auf der Zielgerade.

Auf der Zielgerade

Der Stadionsprecher sagte noch meinen Namen und ich zog zum Zielsprint an – 100 Meter in 4:06-Pace. Usain Bolt wäre neidisch gewesen. FINALE – GESCHAFFT. Die Uhr hielt bei 4:11:13 an. Auch wenn es nun 7:2 steht, d.h. nun 2 Marathons in über 4 Stunden standen, war ich Stolz wie Bolle. Beim 9. Marathon auf Cloud No. 9.

Das Ziel im Blick

Nach dem Lauf

Im Ziel dann erstmal zwei Becher runterkippen. Ich sah viele bekannte Läufer, die ich während des Laufs mal gesehen habe.

Ich dachte auch, dass Sarah gleich kommen würde. Leider hab ich sie nicht gesehen, was aber wegen der Masse an Leuten, schwierig war. Nach 20 Minuten verließ ich den Zielbereich. Plötzlich sah ich Michael, der mit dem Auto nach Schmiedefeld (am Rennweg ) gefahren war. Er hat auch nix von Sarah gehört.

Ich ging dann zur Kleiderausgabe und startete das Handy. Dann kurz in Steindorf bei meinem Papa Entwarnung geben und ab zur Dusche.

Beim Ausziehen der Socken war ich überrascht, dass ich kein Blut am linken Fuss sah. Insgesamt habe ich auf den ersten Blick nicht einmal Blasen gefunden. Ab unter die Massen-Dusche und dann endlich trockene Klamotten anziehen. Dabei unterhielt ich mit zwei Super-Marathon-Läufern, deren Zehen blutrot waren.

Danach ging ich erstmal zur Urkundenausgabe und liess auch meine offizielle Zeit auf die Medaille gravieren. Das ging reibungslos schnell.

Kurzes Telefonat mit Michaelas‘ Papa, der schon auf dem Heimweg nach Leipzig war. Er war über seine Halbmarathonzeit glücklich, v. a. weil es wegen der hohen Teilnehmerzahl dort zu vielen Staus kam.

Dabei sah ich auch Sarah und Michael, verlor sie aber gleich wieder in der Menge. Nach etwas Suche liefen wir uns dann über den Weg. Sarah war auch happy über ihre Leistung. Nach Hamburg vor ein paar Jahren war es ihr zweiter Marathon. Und dann noch der Rennsteiglauf. Gratulation zu dieser grandiosen Leistung. Nächstes Jahr laufen wir wieder am Rennsteig.

Am Sonntag bei der Abfahrt

Medaille

Cloud No. 9

Mein Schatz

Spitzenzeit (für mich)

Strecke

 

(Quelle: www.rennsteiglauf.de)

 

Am Abend ging ich dann gemütlich im Hotel essen. Erst eine Spargelcremesuppe und danach dann Ochsenbäckchen mit Klössen. Lecker. Pünktlich zum Champions-League-Finale war ich dann wieder im Zimmer. Da ich sehr müde war und am nächsten Tag früh dann direkt zum Geburtstag meiner Tante nach Freising fahren musste, hab ich auf die 2. Halbzeit verzichtet. Der einzige Fehler dieses schönen Tages. So ging es dann am Sonntag früh nach Hause.

Streckenvideo

Hier könnt Ihr die Strecke nochmal „mitlaufen„.

Urkunde

Finisher-Shirt

Wie geht’s weiter?

Jetzt sind erstmal zwei Wochen Urlaub angesagt und dann geht die Vorbereitung für den Berlin-Marathon los. Ist ja nicht mehr so weit entfernt …

Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin

30.11.2017: Berlin Berlin – wir fahren nach Berlin

Am heutigen Donnerstag startete der Versand der Emails mit dem Verlosungsergebnis für den 45. Berlin Marathon am 16. September 2018. Den ganzen Tag über starrte ich auf mein Mailaccount – nix. Weder Zu- noch Absage. Am Nachmittag vergaß ich es fast sogar vor lauter Arbeit. Nachdem ich meinen PC schon ausgeschaltet habe und vor der Heimfahrt schaute ich nochmal auf mein Smartphone. Es kam eine Mail von SCC Events, aber auf dem Startbildschirm konnte ich es noch nicht lesen. PIN eingeben und Mail aufrufen.

WOW – Spitze – ich bin wieder DABEI . Der Marathon-Kreis, der sich 2015 in Berlin öffnete sollte sich 2018 schließen (oder in eine neue Runde gehen). Wenn ich im Frühjahr einen Marathon überstehe, sollte es Nummer 10 werden. Und die Zeit von 2015 mit 4:00:49 sollte geknackt werden. Das Hotel ist schon gebucht und hoffentlich besser als 2015. Wir haben uns für Eines weit weg vom Flughafen Tegel entschieden. Und vom BER droht auch 2018 noch keine Lärmbelästigung. Michaelas‘ Papa hat mir auch gleich seine Zusage gemailt. Mit ihm bin ich immer Persönliche Bestzeit gelaufen. Hoffentlich bekommen meine Arbeitskollegen Sarah, Martin und Stefan auch noch eine Zusage.

Ist für Nicht-Marathons zwar schwer verständlich, dass sich Jemand so freut, dass er 42,195 km laufen darf. Aber so bin ich halt. Ist auch eine Art von Sado-Maso.

Da die Zeit nun drängt bin ich gleich mal Zuhause 10km auf dem Laufband gelaufen.  Es sind nicht mal mehr 42 Wochen.

Jetzt wünsch ich Euch eine schöne besinnliche Adventszeit – ich bin dann mal Laufen ‍♂

08.10.2017: 32. München Marathon

Anmeldung

Da ich 2017 ja bereits in Hamburg war, Füssen noch vor der Tür stand und um die Kosten für das Marathon-Hobby nicht so sehr in die Höhe zu treiben, habe mich gegen mein ursprüngliches Ziel – den Marathon von Leipzig nach Halle zu laufen – entschieden. Es musste etwas in der Nähe sein, ohne großartige Kosten für Hotel und Anreise. München kenn ich und bin 2015 dort meinen zweiten Marathon gelaufen. Da komm ich mit der S-Bahn hin, auch wenn ich die Strecke damals nicht so toll fand. Aber nachdem sich meine Arbeitskollegen Stefan und Martin entschieden haben, auch den 32. München Marathon zu laufen, war die Entscheidung klar.

Kurz vor Ablauf der zweiten Anmeldeperiode meldeten wir uns zu dem Schnäppchenpreis von 85 Euro pro Person kurz vor dem 30.06.2017 an. Ich war zwar noch etwas skeptisch, da ich ja Ende Juli den Füssen-Marathon vor mir hatte. Zusätzlich fand ich das obligatorische Finisher-Shirt mit 38 Euro unverschämt teuer.

Trainingsplan

Gleich einen Tag nach dem Füssen-Marathon trafen wir drei uns beim Mittagessen zum Kick-Off und unterhielten uns über unser gemeinsames Vorhaben: Nach dem Marathon ist vor dem Marathon. Stefan war schon fleißig am Trainieren und Martin C. war auch gut im Training. Beide haben bisher je einen Marathon erfolgreich absolviert – Stefan 2010 in New York mit 4:27 und Martin C. mit 3:58 dieses Jahr ja in Hamburg. Ich machte fast eine ganze Woche Laufpause, bevor es dann losging mit dem 10-Wochen-Training. Wir nahmen uns vor, nach dem 3:45-Stunden-Plan von Herbert Steffny zu trainieren. Der hat sich bei mir in Füssen überraschend gut bewährt. Ich habe mich während der Vorbereitungszeit weitgehend an den Plan gehalten und auch die langen Läufe um die 30 km liefen überraschend gut. Dabei bin ich viermal von der Arbeit nach Hause gelaufen – zwischen 26 und 32 Kilometer. Martin C. schwenkte sogar auf den 3:30-Stunden-Plan um und wollte diese Marke angreifen.

Anreise

Die Anreise erfolgte am 6.10.2017 direkt nach der Arbeit, als ich zur Marathon-Messe in die Olympiahalle fuhr.

Olympiahalle München

Eingang

Erstmal in die falsche Richtung abgebogen und genau auf der Gegenseite der Halle sagten die Ordner mir, dass ich von der anderen Richtung zur Startnummern-Ausgabe muß. Ich biß mir auf die Zunge und sagte nix – drin war keine Menschenschlange und nur 4 Läufer an den Terminals. Im Nachhinein hab ich gehört, dass es Vielen ähnlich erging und sie sich richtig beschwert hatten. Also nochmal um das obere Rund der Olympiahalle, bis ich endlich die Startnummer hatte. Dann weiter zur Startbeutelausgabe, der relativ stabil aussieht.

Startbeutel für Klamotten

Die Ausgabe erfolgte durch Flüchtlinge, was ich eine schöne Aktion fand. Zum Schluss noch das Finishershirt abholen und etwas auf der Messe herumschauen. Da hinkt München hinter den Messen in Berlin, Frankfurt und Hamburg sehr stark hinterher. Nicht mal Sleepies gab es 🙁 Dafür einen BMW-Schlüsselanhänger mit der Strecke. Auf der Heimfahrt gab es ein sehr starkes Unwetter in München mit Hagel, Sturm und starkem Regenfall. Das die Straßen in der bayerischen Landeshauptstadt nicht die Allerbesten sind, merkt man an den Pfützen auf den Straßen. Hoffentlich wird das Wetter am Sonntag besser – aber die Vorhersagen verhießen nix allzu Gutes.

Hotel

Da wir ja an der S-Bahnstrecke wohnen und zum Olympiastadion öffentlich nur ca. 45 Minuten brauchen, ist der Vorteil von München, dass wir hier kein Hotel brauchen. Ich wollte diesmal auch mit der S-Bahn fahren, da es mir nach dem WingsForLife-Lauf im Mai nicht gut ging und es schon ziemlich gefährlich war, mit dem Auto zu fahren. Schön ist in München, dass die Startnummer zur kostenlosen Fahrt beim MVV berechtigt. Das ist nicht überall so. Meine beiden Kollegen wohnen direkt in München, also für Alle ohne Reisestrapazen. Ich durfte mir von Köchin Michaela auch meine Leibspeise für das Abendessen am Samstag wünschen: Spaghetti Bolognese 🙂

Startnummer

Anfang Oktober bekamen wir die Email mit der Teilnahmebestätigung und der Startnummer: 3087.

Startnummer

Kurz vor dem Lauf

Die Prognosen für den 8.10.2017 waren Anfang der Woche noch katastrophal: 4-6 l/m² pro Stunde während des Laufes, windig und kalt. Die Niederschlagsmenge sank im Laufe der Woche (und verschiedenen Wetterberichte), dafür nahm die Windgeschwindigkeit zu. Am Samstag sagten sie für das Rennen jedoch nur geringe Regenmengen an, dafür aber mittelstarken Wind mit Böen bis zu 50 km/h. Ich stellte mich also auf ein Sauwetter ein und richtete das lange Kompressionshemd und die Laufmütze her. Am Samstag Abend noch die Mizuno Wave Rider 19 Hamburg Edition für ihren letzten Einsatz gegen das Wasser imprägnieren und Alles kontrollieren. Nach dann 3 Marathons und 3 Halbmarathons in 2017 haben sie sich den Ruhestand wohlverdient.

„wir gehen nun in den Ruhestand“ 

Nach einer unruhigen Nacht wachte ich um kurz vor 6 Uhr auf und frühstückte nochmal anständig. Danach zog ich die „Unterwäsche“ an und tapte meine Achillessehnen. Nebenzu lief gerade der Start des Formel 1-Rennens in Suzuka. Auch mal ganz schöne Unterhaltung. Um kurz nach 7 Uhr ging es dann los.

Selfie vor der Abfahrt

Beim Verlassen des Hauses schaute ich kurz in mein Handy. Martin C. schrieb per WhatsApp in die Gruppe, dass er sich nicht gut fühlt und bei dem Wetter lieber nicht starten wird. So werden aus 3 Musketieren schnell mal zwei Musketiere.

Ausnahmsweise bin ich mit dem Auto vom Haus zur S-Bahn in Gernlinden gefahren, die auch schnell kam. Es war durch den Wind bitterkalt draußen, aber in der S-Bahn war es wenigstens schön warm. Es waren relativ wenige Mitläufer in der S-Bahn, aber am Marienplatz standen schon zahlreiche Läufer. In der U-Bahn traf ich ein nettes Paar (um die 60 Jahre) aus dem Kraichgau. Wir unterhielten uns über unsere „Triumphe“ der Vergangenheit. Der Mann wollte unter 3:30 Stunden laufen. Das ist leider nicht meine Kategorie, aber die 3:45 Stunden sollten Heute geknackt werden. In Füssen fehlten ja nur 34 Sekunden. Wir gingen dann zum Olympiastadion-Eingang und ich besuchte erstmal die Toilette.

Vor dem Start noch alles leer

Nun zur Umkleide und nochmal checken, wo der Treffpunkt in der Halle genau war. Die Umkleidemöglichkeit beim München-Marathon sind ehrlich gesagt eine Zumutung. Hinter sperrangelweit-offenen „Sichtschutz“-Wänden zieht man sich da auf (teilweise regennassen) Bierbänken um. Und durch den starken Wind drohten diese, in jedem Moment umzukippen. Wir hielten mit einer Hand die Stangen zurück und zogen uns an. Irgendwann sagte ich, dass wir die Bänke in den Innenraum stellen sollten, damit sich Keiner vor dem Rennen verletzt. Dann den Kleiderbeutel abgeben und los Richtung Olympiahalle. Nochmal kurz auf die Toilette (Nr. 2). Dabei fiel mir ein, dass ich meinen Walkman-Fernbedienungs-Ring im Beutel vergessen habe. Also wieder zurück und dabei lief mir Stefan über den Weg. Wir gingen wieder zurück und zur Abwechslung gleich mal wieder auf die Toilette im Olympiastadion. Wir blieben dann in den Katakomben des Stadions, um uns vor dem eisigen Wind etwas zu schützen.

Um kurz vor 10 Uhr (unser Startblock war um 10:10 Uhr) gingen wir erneut auf die Toilette – nervöse Blase . Dann runter zum Coubertainplatz und dort konnten wir den Startschuss der Böllerschützen direkt verfolgen.

Wir schlichen uns in die zweite Startwelle. Kurz noch die Laufuhr programmieren auf 3:45 Stunden und schon bewegten wir uns in Richtung Startlinie.

Der Lauf

Auf geht’s – so steht es auf dem Startbogen. Seit Montag bin ich keinen Meter mehr gelaufen und nun soll/muss/darf ich 42,195 km laufen bei saukaltem Herbstwetter. Noch ist es trocken. Nach dem Coubertainplatz bewegte sich der Tross leicht hoch am Rande des Stadions entlang. Es gab kein großes Gedränge und so konnten wir leicht zusammen bleiben. Die ersten Kilometer konnten wir super unser angestrebtes Tempo von 5:23 min/km für die ersten 15 km erreichen. Beide hätten wir schon wieder auf die Toilette gemusst und waren dabei nicht die Einzigen –  immer wieder verschwand Einer in die Büsche . Aber wir wollten bis zum Englischen Garten durchhalten – knallharte Jungs halt. Nach km 5 kam dann an der Siegessäule die erste Kehre.

Weiter geht’s durch Schwabing zur ersten Wechselstelle für die Marathonstaffeln. Kurz danach stand unser Firmenchef am Straßenrand und wir klatschten ihn ab. Er ist selbst erfahrener Marathoni und es ist toll, wenn man angefeuert wird. Vielleicht zahlt es sich bei der nächsten Gehaltsrunde ja aus . Danach ging es in den Englischen Garten Richtung Norden und dann wieder südwärts. Kurz vor der Verpflegung bei km 10 gingen wir dann in die Büsche, um diese zu Gießen. Bis zum Ausgang des Englischen Gartens hatten wir den Zeitverlust wieder reingeholt. Dort feuerte unser Chef uns auch nochmal lautstark an. Bei km 15 waren wir sogar 4 sec/km schneller als der Plan mit einer durchschnittlichen Kilometerzeit von 5:23 Minuten.

Nun standen 10 schnelle Kilometer mit 5:14 an. Durch Bogenhausen ging es leicht bergauf bis zur Halbmarathon-Marke. Der Wind war ekelhaft. Kurz vor dem Halbmarathon konnten wir ein BMW-Pacercar überholen. Ist auch mal ganz schön, einen BMW zu überholen. Bei km 22,5 hatte ich meine erste Eigenverpflegung-Flasche deponieren lassen. Durch den Regen hat sich der wasserfeste Stift gelöst und ich hatte plötzlich blaue Finger. Von den Fingern hingegen ging die Farbe nicht mehr ab – erst am Abend. Danach ging es durch Oberföhring zum östlichsten Punkt der Strecke. Keine sehr schöne Gegend und wenige Zuschauer. Am Leuchtenberg war km 25 erreicht und der schnellste Streckenabschnitt war planmäßig erreicht.

Die letzten 17 km müßten wir nur noch das Durchschnittstempo von 5:23 halten und könnten so das Ziel in Sub-3:45 erreichen. Aber leider läuft das (Marathon-)Leben nicht immer geradlinig. Am Ostbahnhof vernebelte uns erstmal eine uralte Dampflokomotive die Sicht und dank meines Bayern (nicht FC)-Buff atmete ich nicht so viel Abgase ein. Es blieb zwar trocken, aber der Wind zehrte schon an den Nerven und der Motivation.

Endlich wieder über die Isar laufen und durch Haidhausen am Deutschen Museum entlang.  Bei km 31 beginnt doch erst der schönere Teil des München-Marathon. Doch irgendwie konnte ich es nicht genießen. Ich fühlte mich scon wie im Tunnel und nahm die Umgebung fast nicht mehr wahr. Es waren zwar mehr Leute in der Innenstadt, aber so richtig genießen konnte ich es diesmal nicht.

Auf dem Marienplatz

Über den Marienplatz ging es zum Odeonsplatz.

Kurz nach dem Odeonsplatz trafen wir Stefan Frau und legten einen kleinen Fotostop ein.

Auf geht es zum letzten Streckenabschnitt durch die Maxvorstadt. Die Oberschenkel waren kurz davor, zuzumachen und ich hatte keinen Bock mehr. Ich dachte sogar, an mein „Karriereende“ als Marathon-Läufer nach. Aber Stefan zog mich förmlich mit. Zu allem Überfluss noch eine grauenhafte Darbietung von „Highway to hell“ von einer Streckenband. Schrecklich.

Auf dem Königsplatz

Am Königsplatz dann die Kehre und jetzt wieder zurück Richtung Universität – nochmal an der Band vorbei.

Die Blasmusikkapelle am Englischen Garten und die zahlreichen Trommelgruppen waren viel besser. Jetzt heisst es Zähne zusammenbeißen. Wir waren mittlerweile über 2 Minuten hinter dem Plan. Bei km 37 dann entlang des Siegestores ging es nochmal über den Anfangsstreckenabschnitt.

Am „Walking Man“ trafen wir nochmals auf Stefans‘ Frau, die uns fotografierte.

Kurze Verpflegungsaufnahme an der Verpflegungsstation und weiter geht’s. Ich wollte aufgeben und ein Stück gehen. Stefan war aber auch schon fertig und meinte, ich könnte noch davonlaufen. Aber ohne ihn wär ich komplett eingebrochen und wir wollten doch gemeinsam ins Ziel.

Kurz nach km 40 nahmen wir noch Wasser zu uns und gingen dabei ein paar Meter. Ein letztes Aufbäumen und kurz vor dem Olympiapark versprach ich meinen Beinen, dass sie mindestens einen Monat Pause haben, wenn wir im Ziel sind. Nochmal hoch zur Parkharfe und leicht bergab Richtung Marathontor. Diesesmal hab ich es in meiner Apathie leider überhaupt nicht genießen können.

Tunnelblick

Auf der Tartanbahn bin ich dann doch noch aufgewacht und wir legten zum Schlussspurt im Olympiastadion an.

Wir überholten sogar noch einige Läufer auf der Zielgerade.

Hand in Hand liefen wir über die Ziellinie. Fix und Fertig. G’SCHAFFT – so wie es auf dem Zielbogen steht.

Gemeinsam G’schafft

Und doch noch unter 3:50 Stunden mit handgestoppten 3:49:30. Zwar die 3:45 klar verfehlt, aber bei den äußeren Umständen doch noch super.

Marathon Nummer 8 erreicht und in der Sub-4-Stunden-Bilanz steht es nun 7:1 (wie BRD vs. BRA bei der WM 2014). Im Ziel gab es gleich die redlich verdiente Finisher-Medaille umgehängt. Die ist in München wirklich am Schönsten. Überglücklich, nicht komplett eingebrohen zu sein. Wir holten uns dann gleich etwas zu essen und ein, zwei Bier. Letztes alkoholfreies Bier für längere Zeit – ab jetzt gibt’s wieder richtiges Kuchlbauer 😂.

Über eine rutschige Rampe mussten wir dann die Treppen des Olympiastadions hoch. Jedes mal wieder ein schmerzhafter Aufstieg. Die Oberschenkel brennen.

Nach dem Lauf

Angekommen im oberen Stadionoval gingen wir dann zur Gepäckbeutelabgabe. Dann die bösen Treppenstufen hinunter zu den Herrentoiletten. Hier konnten wir uns unter der Treppe windgeschützt umziehen. Raus aus den schweißdurchnässten Klamotten, kurz abtrocknen und endlich wieder warme Kleidung. Danach nochmal kurzes Photoshooting mit Olympiastadion und -turm im Hintergrund.

sdr

Jetzt noch die Zeit in die Medaille gravieren lassen. Das ging extrem schnell, aber was war das? 3:50:07. Ich hätte die Medaille am liebsten zurückgegeben. So war wegen lächerlichen 7 Sekunden die Stimmung für den ganzen Sonntagabend getrübt. Erst am nächsten Morgen bei der Fahrt zur Arbeit ist es mir eingefallen, woran die Differenz lag: Ich hatte vor kurzem die Funktion „Auto Pause“ eingeschaltet. Und beim Wildpinkeln und Schuhe fester binden kommt man halt zum stehen und die eigene Uhr pausiert während die offizielle Uhr gnadenlos weiterläuft.

Was soll’s, Shit happens. Das Wichtigste ist doch immer, dass man gesund das Ziel erreicht. Ich verabschiedete mich nach der Medaillengravur von Stefan und ging zur U-Bahn. Glücklicherweise hab ich gleich die nächste U-Bahn bekommen und auch am Marienplatz ging es zügig weiter. Zuhause gab es dann gleich ein Muskel Aktiv-Bad und ein kulinarisches Durcheinander. Ich Lauf ja keinen Marathon, um abzunehmen 😂.

P.S.: DANKE an Stefan. Es hat echt Spaß gemacht, wieder mit Dir zu Laufen und danke, dass Du mich ins Ziel geschleppt hast.

Medaille

Strecke

Urkunde

Finishershirt

Relive

Zum „Nachlaufen“: https://www.relive.cc/view/g14746718107

Video

23.07.2017: 17. Königsschlösser-Romantik-Marathon Füssen

Anmeldung

Leider gibt es in Augsburg keinen Marathon mehr. Da ich wollte, dass mir meine Eltern einmal bei einem vollen Marathon zusehen, hab ich meinem Vater zu seinem 79. Geburtstag  im März einen Hotelgutschein für 2 Personen geschenkt. So richtige Begeisterungsstürme hat das Geschenk zwar nicht ausgelöst. Aber New York wär da schon viel teurer gekommen. Außerdem war meine Mutter im letzten Herbst und auch im Juni jeweils zur Reha in Schwangau. Die Gegend um Füssen gefällt jedoch uns Allen und so war die Entscheidung leicht.

Im Gegensatz zu den großen Stadtmarathons ist der Lauf in Füssen überschaubarer und auch die Anmeldegebühren (ab 39 Euro) sind günstig. Wo sonst die Medaillengravur (gibt es hier leider nicht), die Pasta-Party und das Finisher-Shirt extra verlangt werden, ist das hier alles inklusive. Es gibt zwar weniger Sehenswürdigkeiten als in Großstädten, aber allein das Schloss Neuschwanstein mit den Bergen im Hintergrund ist Attraktion genug.

Trainingsplan

Aufgrund des kurzen zeitlichen Abstandes zwischen Hamburg-Marathon und Wingsforlife-World Run und dem Füssen-Marathon entschied ich mich für den 10-Wochen-Plan von Herbert Steffny mit einer Zielzeit von 3:45 Stunden. Mir war klar, dass dies wegen der Streckenbeschaffenheit (viel Feldwege, Steigungen), des Termins im Sommer und der geringen Teilnehmerzahl absolut unrealistisch sein würde. Doch gibt es so wenigstens noch etwas Puffer zur magischen 4-Stunden-Grenze. Die Haupttrainings-Tage waren Sonntag (früh), Montag, Dienstag – Mittwoch frei – und dann am Donnerstag der lange Lauf. So ist die Regeneration zwischen den Läufen zwar nicht optimal, aber anders gehts halt nicht 😉 Weitestgehend konnte ich den Plan auch einhalten – lediglich bei den wichtigen Long Runs gab es Probleme. Diese hatten meist einen freihändigen Nordic Walking-Anteil (auf deutsch: „gehen“) und die Maximallänge betrug auch nur 31 km.

Anreise

Nach der Arbeit in der Metzgerei bis Samstag Mittag packten wir meinen Laguna voll – mit Allem, was man so für einen Marathon braucht: Laufschuhe, Klamotten, Gehstock, Krücke und Rollator. Um 14 Uhr fuhren meine Eltern, Michaela und ich los nach Füssen und wir kamen um ca. 15:30 Uhr im Hotel an.

Hotel

Da ich vor zweieinhalb Jahren schon ein paar Tage zum Biken in Füssen war und mit dem Hotel sehr zufrieden war, wollte ich meinen Lieben etwas Gutes tun. Auch lag es sehr gut entlang der Strecke. Leider mussten wir in das 2. UG der Tiefgarage, die wie ich noch in Erinnerung hatte, sehr eng ist. Nachdem wir im Zimmer waren gingen Michaela und ich gleich zur Marathon-Messe in der Kemptener Straße. Ein Teil der Läufer bereitete sich gerade für den 10km-Lauf vor.

Die Startunterlagen hatte ich ruckzuck. Das Mädel an der Finishershirt-Ausgabe meinte, dass mir die Größe S passen würde. Solche Aussagen sind doch sehr schmeichelhaft für mich. Zurück im Hotel kurz frisch machen und danach sind wir mit meinen Eltern etwas in die Stadt gegangen. Alle bekamen ein leckeres Eis – außer der Martin 🙁 Um 18:00 Uhr ging es los mit dem Halbmarathon und mein Papa und ich sahen den Läufern beim Start zu – die Frauen gingen shoppen. Glücklicherweise waren die meisten Geschäfte bereits zu 😈

Da es noch sehr warm war konnten wir vor dem Restaurant in der Fußgängerzone sitzen und konnten den Läufern auch bei der zweiten Runde zusehen. Zum ersten Mal vor einem Marathon gab es keine Spaghetti am Abend zuvor. Keine Nudelgerichte auf der Speisekarte. Dafür genoß ich geröstete Maultaschen – die wollte ich ja nach dem Marathon in Ulm.

Das Essen war sehr lecker und die Portionsgrößen riesig. Michaela bekam zwei große Schnitzel. Später sind wir gemütlich zum Hotel zurückgegangen, um uns für den Wettkampf vorzubereiten. Mittlerweile bekam ich auch wieder meine Fieberthermometerphobie – alle 5 Minuten messen (unter der Achsel natürlich, sonst hätte ich nicht mehr laufen können 🙂 Ich fühlte mich auch nicht allzu gut vor dem schlafengehen und war sehr müde – wie die ganze Woche schon.

Startnummer

Leider gab es nur einen Einmal-Chip zur Zeitmessung, der im Schnürrsenkel festgemacht werden musste. Da hab ich immer Probleme mit dem Binden des Schuhes – was sich beim Lauf schnell bemerkbar machte. Mit den neuen Fixpoints wurde dann die Startnummer auf das massgeschneiderte Laufshirt (leider haben die das Mass bei einem anderen Körper genommen) angebracht.

Kurz vor dem Lauf

Diesmal schlief ich wieder etwas besser in der Nacht vor dem Rennen. Ich bekam nix mit von dem starken Unwetter, durch das sogar der Strom in Füssen ausgefallen war. Gut, ich hatte auch Ohropax drin. Es muss auch stark geregnet haben, aber in der Früh war es wieder ruhig und trocken. Um kurz vor halb 6 war die Nacht schon vorbei und ich schaute erstmal zwei Wetter-Apps an, die unterschiedliche Prognosen boten. Von Dauerregen bis mindestens 2 Regenschauern war Alles für den Vormittag dabei. Es sollte leichten Wind und eher wenig Sonne geben. Der Fieberthermometer zeigte auch keine erhöhte Körpertemperatur an – also muss ich wohl laufen. Keine billigen Ausreden.

Da ich mir sicher war, dass ich nach dem Rennen Probleme beim Autofahren bekomme, wollte ich das Auto noch wenigstens eine Etage höher fahren. Als ich dann im 2. UG ankam, war es stockfinster. Kein Licht ging mehr. Ich versuchte es dann über den anderen Zugang, aber auch da ging kein Lichtschalter oder Bewegungsmelder. Also musste ich blind durch die Tiefgarage. Da ich das Handy auf dem Zimmer gelassen hatte, klickte ich auf die KeyCard, um zu wissen, wo mein Auto überhaupt steht. Auf dem Rückweg gab ich der Dame an der Rezeption bescheid und sie sagte mir, dass es einen Stromausfall gab und sie den Betreiber verständigt. Zurück im Zimmer dann noch finales Anziehen und Verabschiedung. Ich lauf wieder mit den roten Mizuno, die ja schon Erfahrung mit schlechtem Wetter haben.

Da der Startplatz nur ca. 500 m vom Hotel entfernt war, ging es ganz locker zum Zelt, um den Kleiderbeutel abzugeben. Danach suchte ich noch nach meinem Studienkollegen Thorsten (Erst-Marathoni) und seine Laufgruppe. Selbst bei nur ca. 600 Teilnehmern ist es schwierig, Jemand zu finden. Um kurz vor halb acht gab ich dann auf und stellte mich im Startblock an.

Der Gewinner des Vorjahres gab noch ein Interview und sagte, dass man hier bloß nicht auf Bestzeit laufen sollte, da die Strecke so ihre Tücken hat und leicht unterschätzt wird. Vor allem vor Kilometer 14 warnte er uns und der letzte Streckenteil sei besonders anstrengend. Dann gab es noch Grußworte des Füssener Bürgermeisters. Und schon wurde der Countdown angezählt: 10, 9, 8 …, 3, 2, 1 – Los gehts.

Der Lauf

Auf meinem Walkman lief das am Freitag veröffentlichte neue Lied „0043“ von Wanda und es ging am Hotel vorbei. Gottseidank haben sich meine Fans nicht an den vereinbarten Treffpunkt gehalten – denn dort lief der Kurs nicht vorbei.

Die ersten Kilometer ging ich jeweils ca. 20-30 Sekunden zu schnell an und versuchte mich immer wieder selber zu bremsen. Auf der Augsburger Straße liefen wir raus aus Füssen nach Hopfen.

DCIM100GOPRO

Dann ging es auf den Feldweg hinunter zum Hopfensee. Es gab noch einige Pfützen, doch es war nicht sehr schlimm. Dann ging es entlang des Ufers auf einem Wanderweg einmal rund um den See. Immer wieder standen am Wegesrand geschnitzte Zwergenfiguren.

Am nördlichen Teil sah man zum ersten Mal das Schloss. Ein Amerikaner, der mit nacktem Oberkörper lief (brrrrrrrr), fragte mich, ob das „New-Schwan-Stien“ sei. Auf dem Rückweg liefen wir durch einen Holz- und Kunsthandwerker-Markt. Auch mal was Neues.

Dann ging es nochmal auf dem selben Feldweg zurück zur 2. Verpflegungsstation. Mittlerweile lief ich mit einem Laufkollegen aus Fulda und wir kamen ins Gespräch. Es war sein zweiter Marathon nach Frankfurt 2015 in ca. 4:17 Stunden. Wir stellten fest, dass wir für knapp unter 4 Stunden entschieden zu schnell angegangen sind und ich befürchtete, dass sich das später noch bitter rächen könnte. Wir nahmen geringfügig Tempo raus – es lief einfach zu gut. Dann kam der berüchtigte Anstieg wieder auf den Radweg nach Füssen.

Zurück führte uns der Weg hoch zum Festspielhaus und entlang des Westufers des Forggensees‘ zur Lechstaustufe 1 in Füssen. Leider kamen wir nicht mehr in die Innenstadt, wo meine Fans auf mich warteten.

Das nächste Mal wird die Strecke auch in Google Maps zuvor angeschaut 🙂 Über dem Lech erreichten wir dann auch die Zeitnahme für den Halbmarathon.

Michael und ich liefen bei 1:51 über die Zeitnahmematte, was ca. 5 Minuten schneller als geplant war. Weiter ging es hoch entlang des Forggensee. Wir kamen auch an dem Restaurant vorbei, in welchem wir beim Besuch meiner Mama vor 4 Wochen sehr lecker gegessen hatten. Ich empfahl Michael den Schweinebraten. Er bleibt ja noch 2 Wochen in Füssen.

Bei km 25 in Waltenhofen schnappte ich mir dann meine Trinkflasche mit Energieriegel. Zum Trinken ist das bequemer als aus den Pappbechern. Am Campingplatz von Brunnen ging es runter Richtung Schwangau. Auch dort waren einige Fans an der Strecke.

Vor Schwangau überquerten wir die B17 durch eine Unterführung, die jedoch nicht – wie anscheinend in Vorjahren – unter Wasser stand. Nun ging es auf dem Radweg parallel zur B17 bis zur Abzweigung zur Kirche St. Coloman.

Jetzt begann der schönste Teil der Strecke, bei dem wir geradewegs auf Schloss Neuschwanstein zuliefen. Wir liefen dann am Fusse des Schlosses in Richtung Hohenschwangau.

Am Fusse des Schlosses ging es weg vom Schloss nach Alterschrofen, wo wir Kilometer 35 erreichten. Dort wieder Richtung Schwansee mit den Königsschlössern in Blickrichtung. Einfach eine herrliche Strecke.

Um den Schwansee feuerten uns Spaziergänger immer wieder an. Im Hintergrund hörte man die Alphornbläser, die auch schon am Hopfensee spielten. Das verleihte dem Ganzen etwas mystisches.

Ich sagte Michael, dass jetzt gleich der Kini auf dem Schwan daherschwimmen würde. Vom Schwanensee aus führte die Strecke dann zum Radweg parallel an der B17. Dort wurde das Feld auch vermischt mit Radlern und beim Überholen verlor ich dann den Kontakt zu Michael. Ich hatte zwar schon seit gut 15 km ein schmerzhaftes Ziehen in beiden Oberschenkeln, aber es war noch Kraft da. Vor der Überquerung der Lechbrücke bei Füssen sah ich schon ein paar Läufer mit Krämpfen beim Dehnen.

Direkt nach der Lechbrücke gab es eine letzte Verpflegungsstation und ich nahm das letzte Gel zu mir. Noch knapp 2 km entlang des Lechs. Ich konnte dort sogar noch ein paar Läufer einholen. Anschließend ging es aber steil hoch zum Kienberg, dem höchsten Punkt. Die Beine brannten und nach einer Kehre ging es wieder hoch.

Ich wollte schon gehen, aber mittlerweile war sogar die 3:45-Grenze möglich. Also nicht aufgeben und weiter. Dann ging es endlich runter. Ich sprintete den Berg runter – mit der Gopro in der Hand. Dann sah ich noch Michaels‘ Kinder und informierte sie, dass ihr Papa gleich kommt.

Kurz vor dem Ziel ging es dann unter toßendem Applaus und Erwähnung meines Namens auf die Zielgerade und dann im Vollsprint mit einer Pace von 3:25 min/km die letzten 200 Meter ins Ziel.

Obligatorischer Griff zum Stoppen der Uhr 🙂

Fertig. Nummer 7 ist geschafft – und das in neuer Persönlicher Bestzeit von 3:45:35 (offiziell 3:45:34). Platz 128 von insgesamt knapp 500 Finishern. Michaela stand gleich hinter der Ziellinie, um mich zu fotografieren und ich bekam meine Finishermedaille umgehängt.

Nach dem Lauf

Meine Eltern waren auch im Ziel. So richtig werden sie mich nicht gesehen haben, weil doch sehr viele Leute im Zielraum waren. Aber Hauptsache, sie waren mal dabei. Und vielleicht lassen sie sich überreden, mich bei einem anderen (Halb-)Marathon anzufeuern. Auch in Füssen gab es leckeren Blechkuchen, Obst und alkoholfreies Bier im Zielbereich und ich musste erst mal Kalorien-Aufholen.

Prost Mahlzeit

Kurz nach mir kam Michael ins Ziel und er bedankte sich bei mir und ich mich bei ihm für die angenehme Unterstützung während des Laufes. Es hat echt Spass gemacht, mit Dir zu laufen und obwohl wir viel geratscht haben, hatte ich kein Seitenstechen. Wir warteten noch auf Thorsten und bei jedem angekündigten Finisher-Thorsten schaute ich, ob er es ist. Vielleicht war er ja schon vor mir da. Da ich so durchgenässt war und es mir kalt wurde, ging ich zum Zelt und holte meinen Kleiderbeutel ab, um in die Eishockey-Halle zum Duschen zu gehen. Auf dem Weg traf ich einen Läufer aus Frankfurt, der auch überglücklich war, da bei ihm die Vorbereitungszeit nicht optimal verlief.

In der Halle war gerade die Eismaschine im Einsatz und es war eiskalt. Erst mal raus aus den Klamotten und ab in die Dusche. Wir waren wohl in der Gästekabine, weil das Wasser zuerst eiskalt kam. Dann wurde es heiß und wieder kalt. Naja, ich mag Wechselduschen schon, aber jetzt wär durchgehend warm eindeutig angenehmer 🙂 Nun wieder anziehen, was vor allem bei den enganliegenden Recovery-Socken extrem schwierig ist und die Beine immer öfter krampfen. Schön sind dann die Krämpfe zwischen den Zehen.

Auf dem Rückweg traf ich nochmal den Frankfurter Laufkollegen, der wie ich auch Blasen an den Zehen hatte. Aber ich glaub, bei ihm war es viel schlimmer. Selbst das kleine Steinchen im linken Schuh, dass mich den ganzen Lauf plagte, hatte keine Verletzung hinterlassen. Zurück bei meiner Familie traf ich dann Thorsten, der jetzt auch ein Marathoni ist. Glückwunsch für diese Leistung, v.a. da er eine Woche vorher noch den Reschenseelauf gelaufen ist.

Noch kurz was trinken und essen und dann gingen wir zurück zum Hotel. Jetzt kommt der schwerere Teil des Wochenendes: Das Auto aus der Tiefgarage holen. Der Strom war natürlich noch nicht da, aber dank Handy konnte ich den Weg etwas ausleuchten.

Paranormal Activity

Nun die Auffahrt vom 2. UG zum 1. UG. Wer sowas plant gehört dazu verpflichtet, barfuss den Füssener Marathon zu laufen. Nach einmal rangieren ging es dann. Ohne Kratzer erreichte ich das 1. UG und musste dann warten, bis ein Auto vor mir durch die Schranke nach oben fuhr. Da ich direkt danach die Schranke passierte und auf halber Strecke sah, dass der Seat in der Ausfahrt stehen blieb, musste ich stoppen. Als es dann weiterging rollte das Auto mehr nach hinten und der Motor starb fast ab. Nächster Versuch mit Vollgas und quietschenden Reifen. Ich bekam einen schmerzhaften Krampf in der Wade. Geschafft – schlimmer als der Marathon.

Dann waren die Parkplätze vor dem Hotel auch schon belegt und ich musste am Bahnhof einen Parkplatz finden. Zurück ins Hotel und die Anderen und das Gepäck holen. Alles wieder im Auto verstaut hielten wir dann noch kurz bei St. Coloman, um ein Foto zu schießen.

Der Kini ist zurück 🙂

Im Ort Buching machten wir Mittag. Leider hätte der Schweinekrustenbraten noch 1 Stunde gedauert, so gabs halt Allgäuer Kässpätzle und zuvor eine Leberspätzlesuppe. Zwar bewußt etwas versalzen, aber das hab ich alles während des Rennens herausgeschwitzt. Da es mir körperlich noch gut ging, fuhr ich dann noch nach Steindorf und meine Fans schliefen im Auto. So gehört es sich.  Nachdem mir meine Mutter um 16:00 Uhr noch meinen ersten Kaffee des Tages gemacht hatte fuhren Michaela und ich getrennt nach Hause. Endlich zu Hause angekommen wurde ich auch von Lucky beschenkt – mit einem toten, zerlegten Vogel. Am Abend gab es dann noch frische Weißwürst und endlich ein alkoholhaltiges Kuchlbauer.

Als süsse Belohnung gibt es noch ein Geschenk von meinen Lieben – zwei Schneebälle.

Medaille

 

Strecke

Die Strecke zum „Nachlaufen“ findet Ihr hier: https://www.relive.cc/view/g13072837121

Urkunde