Marathon No. 15: Köln Marathon (Steindorf)

„Der Marathon ist ein Wettstreit zwischen deinem Willen und deinen Möglichkeiten.“

Jeff Galloway

Anmeldung

Leider verläuft das Jahr 2020 weiterhin auch für uns Läufer äußerst bescheiden: Es gibt keine Wettkämpfe vor Tausenden von Zuschauern, die einen ins Ziel peitschen. Letztes Jahr konnte ich nach 42,2 km über die Ziellinie am Kölner Dom laufen und die Zuschauer feuerten mich frenetisch an. Am Streckenrand moderierte Tom Bartels (hat schon das WM-Finale 2014 moderiert). Spitzenstimmung – Gänsehaut pur.

Köln bei Steindorf 😉

Nach meiner krankheitsbedingten Absage in Valencia (da war die Stimmung auch gigantisch) bin ich spontan am 02.02.2020 in Bad Füssing den Johannesthermen-Marathon gelaufen, um dort das Dutzend vollzumachen. Der Leipzig-Marathon wurde leider wegen so einem kleinen Drecksvirus abgesagt und so bin ich ihn virtuell in meinem Heimatort Steindorf am 26.04 gelaufen – mein erster virtueller Marathon. Nach dem Lockdown war die Hoffnung da, dass es im Herbst vielleicht doch noch mit einem realen Marathon klappt.

Doch das Virus hält die Welt weiter in Atem und so entschied ich mich, einen Herbstmarathon zu laufen. Ursprünglich wollte ich den 3-Länder-Marathon am Bodensee zu laufen. Aber mit drei Grenzübertritten wär da wohl keine gute Laufzeit herausgenommen – wenn ich jedesmal zwei Wochen in Quarantäne müsste. Anfang Juli begann ich mit dem Trainingsplan – ohne konkretes Ziel. Anvisiertes Datum war um den 30. Geburtstag des „Tag der Deutschen Einheit“ am 03.10.2020 – quasi als „Einheitzmarathon“.

Ganz spontan lief ich Alleine mitten in der Vorbereitung am 02.08. den Lech-Marathon – ein landschaftlich sehr schöner Lauf. Nachdem zwischenzeitlich alle großen Herbstmarathons abgesagt worden sind oder nur für die Elite abgehalten werden (komisch, dass ich da noch nicht dabei bin), wird es wohl wieder auf einen virtuellen Marathon „hinauslaufen“. Das Konzept des Köln Marathon fand ich am interessantesten – mit App-Unterstützung und einem tollen Rundum-Paket.

Anmeldung am 27.08.
Sehr schöne Startnummer hab ich auch bekommen

Man muss die Veranstalter auch unterstützen, weil sie uns mit ihren Veranstaltungen die letzten Jahre so tolle Erlebnisse gegeben haben. Sie leiden auch ganz massiv unter den wirtschaftlichen Folgen und bekommen keine Unterstützung vom Staat. Klar, der Marathon an sich ist nicht die gesündeste Lebensform, aber das monatelange Training bis dahin trägt sicher stark zur „Volksgesundheit“ bei. Sagt der ehemalige Kettenraucher.

Trainingsplan

Anfang Juli entschied ich mich für den 12-Wochen-Plan von Andreas Butz mit einer Zielzeit von 3:39. Gut, unter 3:40 Stunden werde ich sicher nicht erreichen, aber vielleicht schaffe ich ja eine neue persönliche Bestzeit (Berlin 2018 mit 3:43:27). Da müsste aber Alles passen und ich nicht wieder zu schnell loslaufen. Dank HomeOffice konnte ich den Trainingsplan gut einhalten *dickes Eigenlob*, wie im Trainingstagebuch nachzulesen ist. Wie gesagt hab ich sogar einen Trainingsmarathon in die Vorbereitung eingebaut, aber generell hatte ich bei den LongRuns erneut meine Probleme. Das lag teilweise auch an dem zu warmen Wetter.

Hotel

Letztes Jahr hatten wir in Köln ein kleines aber feines Hotel direkt in der Nähe des Doms. Das war diesmal anders: sah irgendwie aus wie Zuhause. Nach HomeOffice nun auch HomeHoteling beim Marathon. Am Samstag vor dem Rennen musste ich nicht zum Arbeiten in die Metzgerei – war ja Feiertag. Stattdessen gingen wir mit dem Leihhund Diego am Samstag vormittag Gassi. Es war extrem stürmisch aber noch sehr warm.

Nachmittags setzte der Regen ein. Der Wetterbericht sagte für Sonntag keine Niederschläge und nur leichten Wind voraus. Es sollte aber 10 Grad kälter werden und weitestgehend bewölkt. Für das „richtige“ Köln am Rhein hingegen wurde Regen vorausgesagt. Zumindest in Fake-Köln bestes Läuferwetter und somit die Wahl zwischen Trockenlaufschuhen – Asics DynaFlyte 4 und Saucony Ride Iso 2.

Ready to Rumble

Anreise

Nach einer ungewöhnlich schlechten Nachtruhe (ich musste viermal auf Toilette) riss mich der Wecker um 5:30 Uhr aus dem Schlaf. Hundemüde hab ich erstmal die Katze gefüttert und mein Läuferfrühstück genossen.

Das Früh-Kölsch gibt es erst in der letzten Runde

Noch die Lauf-Verpflegung endgültig herrichten und die Laufklamotten anziehen. Chilli für die Beine – Hirschtalg fürn A… Um 7 Uhr bin ich ins „falsche“ Köln gestartet. Statt ICE letztes Jahr nun mit dem Auto zum Marathon. Dort liegen nämlich keine Bahnschienen. Langsam ging die Sonne auf und bestrahlte den wolkenverhangenen Himmel: da hat man einmal die Kamera nicht dabei.

Das ist mal ein Sonnenaufgang

In Eresried stellte ich bei Bekannten meinen Verpflegungskübel ab. Das ist genau bei km 5 – also wie beim richtigen Marathon.

Blaue Kölsch-Flasche für die letzte Runde

Noch ein kurzer Schnappschuss mit dem Handy und weiter zum Dom von Steindorf. Kurzer Besuch am Grab meines Papas‘ – er hätte bestimmt gesagt, dass ich spinne. Danach ging es zu meinem Elternhaus, um mich endgültig anzuziehen.

Der Kölner Dom hat nur noch einen (Zwiebel)Turm und ist weiss

Sightseeing / Marathonmesse

In Steindorf gibt es leider nicht so viel zu sehen wie im richtigen Köln. Und die Marathonmesse fiel ja auch dort aus – ich denk noch gern ans Vorjahr, als wir zur falschen Messe gefahren sind. Das war eine richtige Torture, aber dank ganz lieben Läuferkollegen sind wir doch noch hingekommen. Dieses Jahr kamen die Unterlagen per Post – mit Finishershirt, Buff, Red Bull, Kölsch Glas und Energieriegel.

Umfangreicher Starter-Karton

Vor dem Rennen

Als ich fertig war, verabschiedete ich mich von meiner Mutter und mein Bruder musste noch ein paar Fotos von mir machen. Den anderen Eimer mit den Wechselklamotten und der Verpflegung hab ich davor noch an unserem Kastanienbaum deponiert.

Jetzt die App starten – mit Handschuhen etwas schwierig. Dummerweise hab ich die Uhr nicht zuvor vorbereitet. Der Countdown zählt gaaaaaanz schnell runter – viel zu schnell, um das Handy noch am Oberarm festzumachen. Also ging es um ca. 8:15 Uhr mit Verspätung vor der Metzgerei los.

Nur noch 42,195 km bis ins Ziel

Der Lauf

„Kölle alaff“ – „auf geht’s“. Nach 200 Metern merkte ich, dass ich die Laufuhr ja auch noch starten muss. In der Hektik hatte ich die extra einprogrammierte Streckenplanung nicht gefunden. Deshalb gab es nur die Stoppuhr. Zunächst zum Radlladen und die Kirchstraße hoch an der Steindorfer Kirche (dem Dom von Steindorf) vorbei Richtung Hausen. In der Playlist kam passend das Marathon-Lied „Spitze vum Dom“ von Björn Heuser.

Kölle alaaf

Es war sehr kalt und ich war froh, dass ich Mütze, Handschuhe und Armlinge anhatte. Sogar das Tempo hatte ich einigermaßen im Griff. Nach einem Kilometer war ich sogar ganz überrascht, dass eine freundliche Frauenstimme mir ins Ohr flüsterte: „Martin, Du hast 1 Kilometer geschafft. Deine Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei … . Mit diesem Tempo kommst Du in voraussichtlich 3:31:08 Stunden ins Ziel“. Also, doch zu schnell. Im Ortsteil Hausen ging es den ekligen Anstieg hoch zum Fussballplatz von Hofhegnenberg. Dann am Schloss vorbei merkte ich schon, dass der Seitenwind Heute ein Problem werden könnte. Der Himmel war wolkenverhangen, aber die Sonne spitzte sich durch kleine Lücken und erleuchtete den Himmel golden.

Es ging erst leicht abschüssig und dann etwas stärker bergab und gleich wieder hoch bis nach Eresried. Die Verpflegung nach 5 km ließ ich gleich ausfallen und so lief ich Richtung Heinrichshofen. Ein Ehepaar beim Nordic Walking elegant überholt – ich kann ja schon freihändig Laufen. Jetzt kam der Wind doch stärker und nach dem Waldstück mit seiner vollen Stärke, die jedoch noch erträglich war. Der Wetterbericht sagte ja steigende Windgeschwindigkeit voraus. Ab Heinrichshofen hatte ich wenigstens etwas Rückenwind. Am Weiher vorbei war nach ca. 54 Minuten die erste Runde absolviert. Irgendwie schaut Köln wie Leipzig aus – von der Streckenführung 2020 her. Die Prognose für die Gesamtzeit lag bei 3:38 Stunden.

Die zweite Runde führte am Feuerwehrhaus vorbei zum Landhandel und wieder Richtung Hausen. Ich war mit dem Tempo noch sehr zufrieden – nicht zu schnell angegangen. In Hausen wurde ich auf dem Weg nach Hofhegnenberg von einem Traktor überholt. Unter normalen Umständen hätte ich ihn links liegen lassen *zwinker*. Weiter hoch zum Schloss Hofhegnenberg (war früher mal Drehort für Forsthaus Falkenau) und nach Eresried.

Kurz vor der Verpflegung hab ich mein erstes Gel genommen und mir gleich eine Flasche mitgenommen. Es lief noch sehr gut, auch wenn ich befürchtet hab, dass die Asics DynaFlyte 4 sich später als falsche Entscheidung für die Laufschuhwahl erweisen könnten. Wieder nach Heinrichshofen und man merkte schon, dass der Wind zugenommen hatte. Ein Bussard jagte Mäuse und ich die Bestzeit.

Am Wald vorbei erst leicht bergab und stetig wieder hoch zum Ortseingang von Heinrichshofen. Von dort ging es wieder über die Landkreisgrenze von Landsberg/Lech in den Landkreis Aichach-Friedberg. Es waren nun über 20 km absolviert und so gönnte ich mir am Verpflegungsstand eine kleine Pause. Die Laufhandschuhe hab ich dagelassen.

Wieder zum Dom wo mir die Kirchgänger entgegenkamen. Da ich es ja wieder nicht großartig publik gemacht habe, waren die doch etwas erstaunt. Am „Dom“ ratschte sogar noch meine Mama und feuerte mich mit den Anderen an. Gibt es doch noch Zuschauer bei der Halbmarathonmarke. Den hab ich in 1:49:57 absolviert, also langsamer als beim Leipzig-Marathon – jedoch noch etwas zu schnell.

Die dritte Runde führte wieder nach Hausen und beim Sportplatz in Hofhegnenberg kam von der B2 kommend Michaela mit dem Auto angefahren. Sie fotografierte mich zum ersten Mal nach dem Hofer Schloss auf dem Weg nach Eresried.

Der Wind hatte weiter zugenommen und wurde langsam zum Problem, da die Motivation mittlerweile kontinuierlich abnahm. Und wieder hoch nach Eresried, wo ich die nächste Trinkflasche mitnahm.

Auf dem Anstieg zum Streithang-Waldstück überholte mich mein Bruder mit seinem M3 – hätte ich natürlich in der ersten Runde noch locker mithalten können. Er parkte am Waldrand und wollte mich fotografieren. Just in dem Moment kam mir ein großer Traktor entgegen und verdeckte mich.

I’m on the Highway to Hell

Nach dem Waldstück wieder Gegenwind bis Heinrichshofen. Ich musste schon richtig dagegen ankämpfen. Endlich wieder auf dem Weg nach Steindorf und so konnte ich mich vom Rückenwind etwas anschieben lassen. Die Sonne kam auch durch und mir wurde sogar richtig warm. In Steindorf angekommen lief ich am Weiher entlang wieder zur Verpflegungsstelle. Hier tauschte ich die Mütze und den Buff gegen trockene Kleidung aus. Die Armlinge behielt ich lieber noch an. Die prognostizierte Zeit war mittlerweile bei 3:44 Stunden. Adieu Bestzeit.

Die letzte Runde beginnt wieder am Feuerwehrhaus vorbei und dann Richtung Hausen. Kurz zur Verkäuferin Leni rüberschreien, die total überrascht war. Langsam kenn ich jeden Grashalm der Strecke. Kurz mal gehen und wieder laufen. Am Anstieg nach Hofhegnenberg musste ich auch gleich wieder gehen. Das wird ja super – die Beine waren noch willig, aber der Kopf spielt nicht mehr mit. Wieder loslaufen, da Michaela mit der Kamera da war. Die Armlinge hab in ihren Kofferraum gelegt.

Durch den kalten Wind auf dem nassgeschwitzten Shirt bekam ich Bauchweh. Aber es hilft ja nix – Krönchen richten und weiter. Ein letztes Mal am Schloss vorbei und dort merkte ich, dass der Wind ziemlich böig wurde.

Nach dem Fotoshooting am Schloss fuhr Michaela ein kleines Stück weiter und ich sah sie schon am nächsten Stop. Dummerweise waren Spaziergänger genau im Bild, als ich an ihr vorbeilief. Wieder steil runter und hoch nach Eresried.

An der Verpflegung griff ich nach der letzten Flasche – mit echt Früh‘ Kölsch. Das hatte mir letztes Jahr schon den Lauf gerettet, als ich fix und fertig war. Ein letztes Mal bei starkem Wind hoch zum Wald. Am Freitag bin ich die Strecke nochmal abgefahren – da war parallel zur Strasse noch der Mais meterhoch gestanden und hätte sicher den Wind zurückgehalten.

Am Ende des Waldstücks genau an der Landkreisgrenze „Aichach/Friedberg vs. Landsberg/Lech“ kam nicht der berühmt-berüchtigte „Mann mit dem Hammer“ sondern: die Mauer. Der Wind kam gewaltig und genau von vorne. Da zahlt es sich als Läufer wenigstens einmal aus, wenn man ein paar Kilo zu viel auf den Rippen hat, indem man nicht so leicht weggeweht wird.

Ich hatte keine Lust mehr und ging ein paar hundert Meter. Am Holzstapel sah ich Michaela auf mich wartend. Also wieder loslaufen und eine gute Miene zum ganz bösen Spiel machen. Als sie mich mit dem Auto überholt hatte, ging ich sofort wieder ins Gehen über. Die Zeit war mir mittlerweile vollkommen egal und die immer noch freundliche Stimme sagte eine Endzeit von 3:53 Stunden voraus.

Auf dem Weg nach Steindorf genoss ich den Rückenwind, der kräftig anschob. Am Landkreisschild hatten Rowdies einen Aufkleber vom FC Bayern aufgeklebt, welchen ich kurz abzukratzen versuchte. Sowas beim Köln-Marathon *kopfschüttel*. Trotz zweier kleinerer Gehpausen gab ich nochmal Alles, um wenigstens unter 4 Stunden zu bleiben. Am Ortseingang fotografierte mich Michaela noch ein letztes Mal. Ihr war so langweilig, dass sie sogar das Ortsschild zigfach fotografierte.

Und am Weiher kam die Anfeuerungsdurchsage von Tom Bartels – nur noch 500 Meter zum Dom. Vor unserem Haus stand meine Mama und feuerte mich an. Ohne Stop lief ich noch zum Radlladen und wieder in die Kirchstraße. Punktgenau am Steindorfer Dom kam die Durchsage, dass ich den virtuellen Köln-Marathon erfolgreich in 3:54:31 Stunden absolviert habe. Ich machte gleich ein paar Selfies (DJ Wurstfinger hält den Finger vor der Linse).

Der Dom ist das Ziel

Da die Laufuhr noch knapp unter 42 km war lief ich weiter zum Pfarrhof und Feuerwehrhaus. Zweiter Zielstrich war die frisch für mich gekehrte Straße unterm Kastanienbaum – gut in Frankfurt bekommt man einen roten Teppich ausgelegt.

Michaela, Mama, Christian und der Nachbarshund Jimmy empfingen mich und Michaela überreichte mir die Köln-Marathon-Medaille.

Marathon No. 15 ist geschafft und somit hab ich in diesem Sch…-Jahr 2020 in jedem Quartal einen Marathon absolviert. Quartals(s/l)äufer. Jetzt ist Schluss (für dieses Jahr) – vielleicht *zwinker*.

Da es der 15. Marathon war, gibt es diesmal noch eine Zusatzmedaille (war eigentlich die Medaille vom letzten Halbmarathon) als Belohnung. Genau 5 Jahre und 1 Woche nach dem Marathon-Debüt.

Zum 15. Jubiläums-Marathon gibt es gleich zwei Medaillen

Nach dem Rennen

Die Organisation dieses virtuellen Marathon war erstklassig. Vor allem die App-Unterstützung mit Kilometeransagen war sehr motivierend. Gut, die Playlist war nicht so mein Geschmack – etwas rockiger und mit noch mehr Kölner Musik wär besser gewesen. Und nach ca. 3 Stunden kamen die gleichen Lieder nochmal. Richtig cool wäre eine gelegentliche Platzierungsansage, aber das ginge nur bei gleicher Startzeit für Alle. Meine Befürchtung, dass der Akku nicht durchhält, war auch unbegründet oder dass ich in Funklöchern das D1-Netz verliere. Ich hatte sogar die Corona-Warn-App laufen gelassen. Auch der Live-Stream am Abend auf Instagram, für das ich mich extra für dieses Event wieder angemeldet habe, war super. Insgesamt waren auf den drei Streckenlängen 10km, HM und Marathon über 3000 Läufer unterwegs. Glückwunsch an die virtuellen Mitläufer.

Ich bin total glücklich, da ich unverletzt ins Ziel gekommen bin. Die Zeit geht auch voll in Ordnung – es waren heute ja 366 Höhenmeter statt dem sehr flachen Stadtkurs in Köln. Mit mehr Zuschauern am Rand hätte ich die 3:50:33 von 2019 auch geschafft.

Nach der wohltuenden Dusche kochte meine Mama auch einen bayerischen Sauerbraten mit Spätzle – da ich letztes Jahr beim richtigen Köln-Marathon nicht zum Original-Rheinischen Sauerbraten gekommen bin.

Kölsch Sauerbraten – lecker

Hochdekoriert vor dem Dom (an der Domplatte) *zwinker*

Der Tag danach

Der Muskelkater hielt sich in Grenzen und ich versuchte am Montag im HomeOffice so wenig Treppen wie möglich zu steigen. Die Höhenmeter machen sich schon noch bemerkbar. Der Körper hat jetzt Erholung verdient – zumindest im Oktober. Da Michaela heute Geburtstag hat sind wir am Abend noch lecker zum Essen gefahren in den Emmeringer Hof.

Medaille

Wieder eine schöne nachhaltige Holz-Medaille
Die German Major 5 hab ich alle erfolgreich absolviert
Mein Schatz – der Marathon wird ihn knechten

Strecke

4Blocks

Streckenvideo

Das Rennen könnt Ihr hier nachlaufen.

Laufauswertung

Die virtuelle Marathonstrecke haben 243 Männer und 61 Frauen erfolgreich gefinished. Bei den Männern hab ich mit meiner Zeit von 3:54:31 ca. Platz 69 erzielt *stolz*.

Urkunde

Glücklicherweise haben sie die Dauer der 2. Hälfte mit knapp 2:05 nicht hingeschrieben 😉

Finisher-Shirt

Kommt gut und gesund durch den Corona-Herbst und -Winter, damit wir dieses fiese Virus in Zaum halten können und unter anderem möglichst bald wieder richtige Laufveranstaltungen stattfinden können. Haltet Euch weiter an die AHA-Regeln – Ihr tut es nicht nur für Euch, sondern für Eure Mitmenschen. Oder wollt Ihr Gegenmenschen im Stile von Donald Trump sein?

Euer Martin

Marathon No. 14: 1. Marathon am Lech – free&solo

„Hätte dieser alte Grieche nicht schon nach 20 Kilometern tot umfallen können?“ (Frank Shorter, Marathon-Olympiasieger 1972)

Anmeldung

In der Zeitung fand ich Ende Mai einen interessanten Artikel von Andreas Greppmeir über den vom Team Tomj entworfenen ersten Marathon am Lech, der nicht als Wettbewerb ausgeführt wird. Jeder kann – den Corona-Regeln entsprechend – den Marathon alleine nachlaufen und für die Finisher gibt es eine schöne Lech-Kieselstein-Medaille.

Quelle: https://www.team-tomj.de/challenge/lechmarathon2020_free-solo.htm

Ich bin ja in der Nähe des Lech aufgewachsen und der Marathon führt in meine Geburtsstadt Augsburg, wo ich immer schon mal einen Marathon laufen wollte. Somit Blut geleckt und das Team angeschrieben. Prompt kam von Bernie Manhard, der auch sehr viel auf Marathon4You schreibt, der GPX-Track mit dem genauen Streckenverlauf.

Quelle: Bernie Manhard

Ich wollte den Marathon im Rahmen der Vorbereitung für den letzten Marathon des Jahres 2020 bereits Anfang August laufen. Wenn schon die olympischen Spiele verschoben werden, braucht der Martin halt Ersatz.

Trainingsplan

Wie schon geschrieben sollte es nur ein Vorbereitungslauf werden. Da ich bei den drei bisherigen LongRuns im Rahmen der Herbstmarathon-Vorbereitung doch so meine Probleme hatte, war ich mir nicht ganz sicher, ob ich es schaffen würde. Auch waren die Tage vor dem Lauf mit Temperaturen über 30 Grad extrem heiß und ab Samstag Abend soll es stark regnen. Ich hatte die letzten Tage drei Wetter-Apps im Blick – täglich mit wechselnden Prognosen (setzen die immer noch Frösche ein?). Von Kein-Regen bis Dauerregen war alles dabei. Aber nicht mehr so heiß wie die Tage davor.

Hotel

Im „Hotelzimmer“ Zuhause war es wegen der Bullenhitze extrem heiß und ich konnte trotz offenem Fenster ewig nicht einschlafen. Wir sind zwar um kurz nach 22 Uhr ins Bett – wach war ich jedoch bis kurz nach Mitternacht. Dann ging es doch noch, aber um 5:15 schellte der Wecker gnadenlos. Und das am Sonntag. Kurz Anziehen und Frühstück. Eine Semmel mit Wurst und Käse – Gruss an die veganen Läufer. Langsam trudelt auch die Katze Lucky zum Frühstück ein. Noch schnell den Rest einpacken und die Schuhe imprägnieren – die ersten 3 Stunden soll es trocken bleiben, danach stärkerer Regen. Wer glaubt schon dem Wetterbericht?!?

Anreise

Die Anreise gestaltete sich am Sonntag sehr gut, auch wenn es auf der Strecke eine Sperrung der B2 bei Mering gab. Also in Merching runter von der B2 und über den Mandichosee, wo ich meine Verpflegung für die zweite Rennhälfte im Gebüsch versteckte (hab aber brav meinen Namen draufgeschrieben). Dann ging es direkt nach Kissing zum Parkplatz am Weitmannsee. Dort kam ich um 7:10 Uhr an. Schnell noch ein paar Nachrichten schicken, dass der Start um 7:30 Uhr erfolgt. Danach den Rest herrichten und die Laufsachen anziehen. Noch ein kleines Foto mit der Marathon-Quietscheente und auf gehts zum Start am Restaurant.

Wenn die Freundin schon nicht dabei ist

Sightseeing/Marathonmesse

Die Gegend am Lech kenn ich aus meiner Kindheit und der Mountainbike-Zeit sehr gut. Mein Vater hat immer erzählt, dass er in seiner Kindheit, als es noch keine Staustufen gab mit einem Freund auf der Fähre auf die andere Seite des Lech übersetzte. Da sie kein Geld dabei hatten, sagten sie dem Fährmann, dass sie auf dem Rückweg bezahlen. Sie mussten dann einen großen Umweg radeln, um auf einer der damals wenigen Brücken zurückzukommen.

Vor dem Rennen

Da ich die Streckenkarte nicht ausgedruckt mitschleppen wollte, hab ich die GPX-Karte auf die Uhr geladen. Das war gar nicht so einfach, weil Garmin letzte Woche wegen einem Hacker-Angriff nicht mehr verfügbar war. Am Donnerstag funktionierte es doch noch rechtzeitig. Beim letzten Lauf am Donnerstag testete ich die Navifunktion mal. Ich bin ja eher ein Orientierungsloser, der sich gerne verläuft. Wenns blöd kommt, werd ich am Sonntag bis Füssen laufen, weil ich an der Staustufe Prittriching vorbeilaufe. *zwincker*

Der Lauf

Start an der Hinweistafel

Am Weitmannsee-Ufer begann ich um 7:30 Uhr das Rennen. Leider merkte ich erst später, dass ich nur das Navi gestartet hatte und die Laufuhr nicht. Zunächst führte die Strecke direkt zum Lech und flussaufwärts an den kleineren Lechwehren zur Lechstaustufe 23 am Mandichosee.

Es war sehr windig und sogar mit 20 Grad angenehm kühl. Gutes Läufer-Wetter und trotz starker Bewölkung war es trocken. Man sah auch, dass es etwas geregnet hatte, aber nicht sehr viel. Auch die kleinen Trails direkt am Lech waren nicht sehr batzig.

Vor der Staustufe die Strasse nach Königsbrunn überqueren und hoch zum Staudamm. An der Dammkrone ging es zum Kiosk. Die Wellen waren ziemlich stark und der Wind sorgte für beste Bedingungen für die Wakeboarder. Der Kiosk an der Segelschule hatte noch geschlossen, aber am Ufer sah ich ein Pärchen im Wasser. Brrrrrrh.

Die Strecke wechselte dann auf kleinere Singletrails, die wir als Kinder mit dem BMX-Rad immer auf-und-ab gefahren sind. Nach km 7 sah ich die Staustufe Unterbergen und konnte auch unsere Verkäuferin Elisabeth mit ihrem Mann Josef erkennen. Sie fotografierten mich und brachten Wasser mit.

Weiter gehts nach Prittriching erstmal an den Fischtreppen vorbei.

Auf einem schmalen Weg sah ich eine Frau, die mit ihrem Hund Gassi ging. Gottseidank hörte sie mich und brachte den grossen Hund unter Kontrolle. Ich sagte zu ihm, dass ich nicht der Postbote bin. Dann wieder direkt am Lech weiter, doch an einer Abzweigung nahm ich den falschen Weg. Als die Uhr die Streckenabweichung anzeigte, dachte ich, dass sicher gleich eine Möglichkeit kommt, um wieder auf die Originalstrecke zu kommen. Falsch gedacht – so musste ich durch sehr hohes, nasses Gras laufen und wär ein paarmal fast hingefallen. Ich kam mir wie Rambo vor.

Dann kam ich doch noch an der Staustufe Prittriching an, wo Meli und Christian mit den Zwillingen warteten. Sie glaubten, dass ich auf dem normalen Weg komme, aber Navi-Genie Martin kommt direkt aus dem Gebüsch. Kurze Pause und dann noch ein kleines Fotoshooting mit den Zwillingen am Staudamm. Unten kamen Elisabeth und Josef auch mit dem Radel an. Sie waren den richtigen Weg gefahren.

Marathoni-Twins

Josef zeigte mir gleich, in welche Richtung ich zum Fohlenhof laufen muss. Durch das Naturschutzgebiet ging es ca 3 km zum Fohlenhof, wo mich die Beiden gleich nochmal überholten.

Endlich mal ein kurzes Stück Teerstrasse zum Unterbergener Auensee. Überraschenderweise beginnt mein Heimatlandkreis auf der westlichen Lech-Seite. Am Lochbach warteten Elisabeth und Josef wieder auf mich und schossen gleich noch ein paar Fotos.

Ich trank noch einen Schluck und lief dann am Lochbach entlang durch die Fohlenau. Ganz tolle Strecke. Es waren einige Radler (meist mit E-Bike) unterwegs und ich bin auf diesem sehr schönen Streckenabschnitt zurück zur Lechstaustufe 23 gelaufen. Ich war mit ca. 5:28 Minuten/km trotz Pausen noch sehr gut unterwegs. Vielleicht klappt es ja doch, unter 4 Stunden zu laufen. Doch meist breche ich ja im letzten Viertel des Marathons ein.

Da ich nicht direkt am Lech sondern am parallel verlaufenden Lochbach lief, bin ich am Stausee die Treppen hoch zur Dammkrone und nach ca. 500 Meter wieder runter. Hätte ich mir zwar sparen können, aber ich wollte oben noch ein paar Bilder machen.

Wieder über die Strasse und die versteckte Verpflegung aus dem Gebüsch holen. Kurz die Sachen umpacken und die Gel-Chips rausnehmen. Die Uhr zeigte an, dass ich nun 9,87 km bis zur nächsten Abzweigung (wahrscheinlich am Hochablass in Augsburg) muss. Der Halbmarathon war in knapp 1:55 Stunden geschafft. Die Strecke war angenehm zu laufen, aber es war schon etwas eintönig. Vielleicht hätte ich direkter am Lech laufen müssen. Vorbei an den 6 Landwehren, die im Abstand von ca 1 km waren.

Langsam kommen auch die Sonntagsjogger entgegen. Bernie hatte mir am Freitag geschrieben, dass eine Triathletin am Sonntag ebenfalls den Marathon laufen wollte. Sie startete aber am Mandichosee und früher. Nach ca 29 km machte ich eine kurze Gehpause, um einen Riegel zu essen und etwas zu trinken. Wieder losrennen und endlich war der Hochablass erreicht. Es wurden immer mehr Jogger.

Leider konnte man wegen der Bauarbeiten nicht direkt an der Kanustrecke von 1972 laufen. Der Umweg führte zur Hochzoller Lechbrücke. Plötzlich spürte ich die ersten Tropfen. Am Lech entlang ging es bis zum Osramsteg. Ich hörte, wie es stärker regnete, war aber durch die dichten Bäume noch gut geschützt. An der nördlichsten Stelle der Strecke zurück auf die andere Seite des Lech. Es kübelte und innerhalb kürzester Zeit waren die Schuhe platschnass.

34 km waren geschafft und ich musste wieder ein paar Meter gehen. Dann lief ich zum Haus von meinem Arbeitskollegen Thomas, der mir eine Schlussverpflegung bereitstellte.

Ich würd mich doch Nie verlaufen

Auf einer Parkbank hab ich dann die Getränke getrunken und mir die Regenjacke angezogen.

Weiter gehts bei strömendem Regen unter der Hochzoller Lechbrücke hoch zum Hochablass. Weiter zwischen Kuhsee und Lech Richtung Kissing. Ein Junge läuft hinter mir, was mich anspornte. Aber er bog dann zum Kuhsee ab und ich war wieder alleine. Irgendwie war die Luft raus und ich bin immer wieder etwas gegangen. Die Uhr zeigte noch 6 km an und ich sah das Ziel Sub4 nicht mehr für realistisch.

Wieder an den Lechwehren vorbei und 2 km direkt auf dem Trail durch die Pfützen. Endlich in Kissing weg vom Lech zum Parkplatz und da, wo vor 4:14 Stunden das Rennen begann, endlich im Ziel angekommen. Es waren aber auch 43,69 km und somit mein bisher allerlängster Lauf. Und somit der zweite „Geistermarathon“.

Glücklich und zufrieden gab ich bei Michaela und meiner Familie Entwarnung. Nach kurzer Zeit kam dann Bernie und überreichte mir die schöne Medaille. Nummer 14 ist aus Stein – passend für einen „Steindorfer“.

Und ich bin der zwölfte erfolgreiche Finisher des wirklich sehr schönen „Marathon am Lech – free/solo“. Danke an die Organisatoren für die tolle Strecke und an Bernie für die einzigartige Medaille.

https://www.team-tomj.de/challenge/lechmarathon2020_free-solo.htm

Nach dem Rennen

Ich ging dann kurz zum Auto und zog mir trockene Sachen an. Danach haben Bernie und ich noch einen kleinen Einkehrschwung beim Restaurant am Weitmannsee gemacht. Das Bier war wohlverdient – er hatte am Samstag zusammen mit seiner Gruppe eine Ammerseeumrundung gemacht: Bei der Hitze. Wahnsinn. Wir haben uns noch sehr gut unterhalten. Er ist im Club100, hat also mehr als 100 Marathons. Da bin ich noch weit weg – und heute auch nicht nähergekommen. Weil der Lauf dafür nicht zählt. Da werde ich als Schwer-Athlet eh nicht mehr hinkommen, aber das ist auch nicht mein Ziel.

Letzte Packung vom Johannesthermen-Marathon: „Ich brauch Nachschub“

Der Tag danach

Muuuuuuuuskelkater – ansonsten alles OK *grins*

Medaille

Hall of Fame

Strecke

Streckenvideo

Die Strecke zum „nachfliegen

Laufauswertung

Urkunde

Finisher-Shirt

Es gab leider kein Finisher-Shirt, deshalb hab ich das unverdient bekommene Finisher-Shirt von Valencia kurzerhand „umdeklariert“. Vielleicht entspringt der Lech unterirdisch in Valencia (Spanien).

Marathon No. 13: 44. Leipzig Marathon in Steindorf 

Wir laufen, nicht weil wir denken es tut uns gut, sondern weil wir es mögen. Je mehr wir von der Gesellschaft und der Arbeit eingeschränkt werden, desto mehr benötigen wir diese Ablenkung, wo wir unsere Sehnsucht nach Freiheit stillen können. Niemand kann uns sagen nicht schneller zu laufen als derjenige oder nicht höher zu springen als diejenige. Der menschliche Geist ist unzähmbar. (Roger Bannister)

Anmeldung

Die Anmeldung zum Leipzig-Marathon machte ich nach der Geburtstagsfeier meiner Tante Susi am 26.01.2020 – gemeinsam mit der Anmeldung für den Johannesthermen-Marathon in Bad Füssing. Michaela wollte in Leipzig den 10er und ihr Papa Wilfried den Halbmarathon in Angriff nehmen. So konnten wir Drei genau drei Monate später Leipzig „rocken“. Aber meistens kommt es Anders als man denkt – aber daß es so Anders kommt in 2020, damit hat wohl Keiner gerechnet.

(Quelle: www.leipzigmarathon.de)

Der Corona-Virus ist mittlerweile zur Pandemie weltweit ausgeweitet – mehr als 3 Mio. an Covid-19 Erkrankte, über 200.000 Tote. In zahlreichen Ländern ist ein kompletter Lockdown erlassen worden, in dem die Menschen nicht mehr ihre Wohnung verlassen können. Bayern hat „Ausgangsbeschränkungen“ erlassen, man darf die Wohnung nur noch begründet oder für Spaziergänge oder Sport verlassen und nur noch Kontakt zu max. 2 Personen (aus dem selben Haushalt) haben – theoretisch jedenfalls. Sämtliche Ligen sind abgebrochen oder vorzeitig beendet worden – außer die armen Fussballer, die wollen Geisterspiele veranstalten. Große Laufveranstaltungen sind bis Herbst komplett abgesagt und so wird es wohl – bis ein Impfstoff gefunden ist – keine großen Marathons mehr geben.

Läufer weltweit lassen sich jedoch was einfallen und laufen eben mal einen Marathon auf ihrem Balkon (in Frankreich), einen Triathlon im Haus (Iron Man Jan Frodeno) oder einen 100km-Lauf ums Bett herum. In England hat ein 99jähriger Kriegsveteran jeden Tag 250 Meter mit seinem Rollator im Garten abgelaufen und wollte nur 1000 Pfund für die Gesundheitsbehörde an Spenden einsammeln – es sind mittlerweile 28 Mio. Pfund geworden. Und am 24.04. ist die von ihm mitgesungene Hymne „You never walk alone“ direkt auf Platz 1 der britischen Charts gelandet. Er wird wohl der Erste sein, der seinen 100. Geburtstag diese Woche auf Platz 1 der UK-Charts verbringt – noch vor den Rolling Stones.

Ende März kam auch für den Leipzig-Marathon 2020 das Aus. Für mich war schnell klar, daß ich trotzdem den Marathon laufe – wenn es „erlaubt“ ist. Die erste Idee, ausschließlich in meinem Heimatort Steindorf zu laufen, verwarf ich sehr schnell. Die Runde wär zwar genau 800 Meter gewesen – aber 53mal zu laufen. So weitete ich die Strecke auf das Gemeindegebiet aus. Ich habe aber nur Michaela, meiner Mutter und meinem Bruder etwas von dem Vorhaben erzählt, um unerlaubte Menschenansammlungen zu vermeiden. Die Leipziger Organisatoren boten auch die Möglichkeit an, den Marathon im Wohnumfeld „virtuell“ laufen zu können – mit Medaille und Ergebnisliste.


Trainingsplan

Da der Johannesthermen-Marathon in Bad Füssing am 02.02.2020 stattfand, hatte ich keine 12 Wochen mehr zur Verfügung, um den normalen Trainingsplan komplett durchzuführen. So entschied ich mich für den 10-Wochen-Plan von Herbert Steffny für eine Zielzeit von 3:30 Stunden – das sollte für eine realistische Zeit von 3:45 Stunden reichen. Vielleicht schaff ich ja in Leipzig die Persönliche Bestleistung von Berlin 2018 zu knacken.

Bis auf einen kleineren Trainingslauf habe ich auch alle Läufe durchgezogen und bin somit auf 650 Kilometer Vorbereitung gekommen. Die einzelnen Trainings sind im (Lauf)Tagebuch 2020 protokolliert.


Anreise

Die Anreise nach „Leipzig“ gestaltete sich sehr kurzweilig. So schnell bin ich noch nie von Gernlinden nach „Leipzig“ gefahren – nur 25 Minuten Fahrtzeit am Sonntag früh um 6:30 Uhr. Der Himmel war wolkenlos und die Sonne schien jetzt schon, obwohl der Wetterbericht vor einer Woche noch schlechtes Wetter vorhergesagt hatte.

Um kurz vor 7 Uhr bin ich dann im Leipziger Stadtteil „Steindorf“ angekommen und hab mich noch fertig angezogen. Noch kurz auf die Toilette – falls es an der Strecke keine Dixies geben sollte 😉

Michaela wollte zum Fotografieren etwas später an die Strecke kommen. Sie hatte letzten Sonntag schon den 10km-Lauf erfolgreich in Gernlinden absolviert und ihr Papa den Halbmarathon im „richtigen“ Leipzig. So fehlte nur noch mein Marathon.


Hotel

Da wir ja am Nachmittag direkt wieder von „Leipzig“ heimfahren wollten, brauchten wir kein Hotel. Gut, denn die Hotels und Gaststätten haben eh gerade geschlossen. Glücklicherweise hatte ich auch kein Hotel gebucht.


Sightseeing / Marathon-Messe

Leider gab es keine Marathon-Messe in Steindorf. Das Finisher-Shirt war am Freitag im Briefkasten. Die Startnummer hatte ich mir ausgedruckt und laminiert – es sollte ja so realistisch wie möglich sein.

Startnummer für meinen Virtuellen Lauf
Laufshirt mit Startnummer

Als im März die Idee aufkam, den Marathon in meiner Heimat zu laufen, befürchtete ich noch, dass ich während der Sonntagsmesse laufe. Doch mittlerweile ist sogar der Kirchgang verboten – so eine Situation gab es noch nie.


Vor dem Lauf

Da um kurz vor 7:30 Uhr ALLE Teilnehmer des virtuellen „Leipzig“-Marathon schon anwesend und startbereit waren, startete mein Bruder (und Hauptsponsor) Christian den Marathon direkt vor der Landmetzgerei in Steindorf: LAUF, DU SAU!!!

Strahlender Sonnenschein

In der Rückentasche hatte ich mein Handy dabei, damit Christian und Michaela mich im LiveTracking verfolgen konnten. Anscheinend ging das trotz der Funklöcher auf dem Land ganz gut.


Der Lauf

Ich lief erstmal zur Kirche, um meinen Segen für den bevorstehenden Marathon zu bekommen. Leider ist es nun auch der „erste Marathon“ für meine Tante Susi, die am Gründonnerstag plötzlich und unerwartet verstorben ist.

Letzte Einstellungen an der Laufuhr

Zu Beginn führte die Strecke am Pfarrhof vorbei Richtung Hausen. Es wehte ein kalter (2 Grad Celsius), leichter Wind und die Sonne schien jetzt schon. In Hausen ging es Richtung Sportplatz (als Ersatz für die Red Bull-Arena in Leipzig) zäh bergauf. Dann weiter in Hofhegnenberg am Schloss (als Ersatz für das Völkerschlachtdenkmal) vorbei Richtung Eresried. Endlich mal leicht bergab – das wird wohl mein Lieblingsstreckenabschnitt werden. Kurz vor Eresried ging es in eine Senke und an blühenden Rapsfeldern vorbei zum dortigen Ortseingang. Hier hatte ich auch – da es genau nach 5 km war – bei Bekannten meinen Verpflegungskübel abgestellt.

Blick auf Egling an der Paar

Nun ging es weiter den langen zähen Anstieg Richtung Wald und bis Heinrichshofen. Dort bin ich nicht in den Ort gelaufen (gehört ja nicht zur Gemeinde) und auf der Straße zurück nach Steindorf am Weiher vorbei. Die Zielzeitprognose lag bei unglaublichen 3:30 Stunden. Nach 10,4 km war die erste Runde in ca. 52 Minuten abgeschlossen – 3 Minuten schneller als geplant. Ich nahm am „Verpflegungsstand“ bei der Metzgerei einen kräftigen Schluck aus der Trinkflasche.

An der Verpflegungsstation angekommen

Nun ging es am Feuerwehrhaus vorbei zum Pfarrhof und wieder an der blühenden Sauerkirsch-Plantage vorbei nach Hausen. Ich war immer noch schnell unterwegs – zu schnell, was sich später noch rächen könnte. Der Anstieg zum Sportplatz ging jedoch noch relativ gut und auch am Schloss war ich auch schnell vorbei. Beim Anstieg nach Eresried sah ich sogar einen Läufer vor mir in der Ferne laufen. An der Verpflegung schnappte ich mir eine Trinkflasche als Wegzehrung.

Langsam kam ich dem Läufer immer näher und beim Wald war ich ihm schon dicht an den Fersen – natürlich auf der für mich ungewohnten Fahrbahnrichtung. Ich erkannte ihn und grüßte ihn – auf sächsisch natürlich: Es ist ja schließlich der Leipzig-Marathon. Wieder an dem Holzhaufen vorbei stand wieder der leicht-ekelhafte Anstieg nach Heinrichshofen an. Langsam spühre ich die Oberschenkel schon, aber selber schuld, wenn man wieder zu schnell losläuft. Laut Streckenplanung hatte eine Runde ca. 100 Höhenmeter – in Berlin sind es auf den kompletten Marathon knapp 50 Meter.

You are now leaving Landkreis/Lech

Wieder leicht bergab und hoch und ich bin wieder im Landkreis Aichach-Friedberg. 20 Kilometer sind nun hinter mir und ich laufe wieder am Weiher vorbei zur Metzgerei. Schnell einen Müsliriegel mitnehmen und kurz mit meinem Bruder quatschen. Meine Mutter stand auf dem Balkon.

(Fast) Halbzeit

Die dritte Runde startete und am Pfarrhof hatte ich den Halbmarathon mit ca. 1:46 absolviert – viiiiiiiel zu schnell. Mittlerweile konnte ich die Sonnenstrahlen richtig spühren und die Beine wurden immer wärmer (was natürlich auch an dem Chilli-Balsam liegen könnte, mit dem ich meine Beine in der früh eingerieben habe). Von Hausen wieder hoch nach HofhegnenBERG und am Schloss vorbei.

Wenigstens ging es dann bei kühlendem Wind etwas runter und hinter Eresried wieder auf den zähen Weg nach Heinrichshofen. Ich fühlte mich nicht mehr sehr gut und hatte etwas Schmerzen in der Hüfte. Dann überholte mich ein Auto – es war Michaela. Ich sagte Ihr, dass sie mich auf der Steindorfer Straße beim Rapsfeld fotografieren kann. Doch ich war schon sehr groggy und lief dort lächelnd an ihr vorbei. Nun noch am Weiher vorbei wieder zur Metzgerei. Die Prognose war noch bei 3:32 Zielzeit.

An der Verpflegung machte ich eine etwas längere Pause, nahm den Buff ab (der die Wärme immer mehr staute) und setzte eine frische Kappe auf. Meine Mutter rief, daß ich doch aufhören sollte – aber 31 km ist keine Wettkampflänge. Widerwillig lief ich in die vierte – und letzte – Runde.

Muss nochmal mit der Firma Develey einen Sponsor-Vertrag aushandeln

Michaela hatte ich zuvor gesagt, dass sie mich am Sportplatz gut fotografieren kann.

Zum letzten Mal durch Hausen, wo ich den Anstieg zum Sportplatz mit einer Geh- & Esspause begann. Dann Hochquälen zum vereinbarten Fotoplatz. Ich sah Michaela ankommen und gab ihr noch etwas Zeit, ihr Equipment auszupacken. Wieder loslaufen fürs Fotoshooting, aber ich war am Anschlag.

Sie fuhr an mir vorbei und fotografierte mich dann nochmal vor dem Schloss.

Ich ging dann ins Walken über – jeder Anstieg tut weh. Wieder etwas laufen, kurz gehen, loslaufen, usw.

Endlich in Eresried und noch etwas Verpflegung einpacken. Michaela kam auf mich zu, ließ sich aber auf einen Tausch nicht ein: Ich wollte so gerne mit ihrem Auto weiterfahren.

Den Anstieg zum Streithang ging ich streckenweise wieder. Die Zielprognose stieg auf über 4 Stunden, wenn es so „weitergeht“.

Also wieder laufen, etwas gehen und dann wieder laufen. Michaela stand auf einem Holzhaufen und fotografierte mich.

Jeder kleine Anstieg tut weh. Von der Kondition ging es mir noch relativ gut – aber wenn das Fahrgestell und der Kopf nicht mehr mitspielen, dann wird es schwierig. Man kann sich an keinem Mitläufer orientieren.

Bei Heinrichshofen konnte ich die Zeitprognose wieder auf 3:53 drücken und so ging es dann zum letzten Mal nach Steindorf. Ich ging 50 Meter und lief dann wieder 5-6 Straßenpfähle weit. Da hat wenigstens der Kopf auch was zu arbeiten.

Am Bahnweg angekommen nochmal runter zum Weiher, wo mich Michaela ein letztes Mal fotografierte. Am Weiherweg entlang ein paar Bekannten einen schönen Morgen wünschen und wieder an der Metzgerei – bei Kilometer 41,4.

Nun nochmal zur Kirche und am Feuerwehrhaus vorbei wieder zurück. Mein Bruder spannte ein Zielband über die Strasse, welches ich durchlief. Erster – Sieger (weil einziger Starter). Fertig – nee, es fehlen noch 80 Meter. Nochmal kurz hoch zur Metzgerei und wieder zurück zur Verpflegung an unserem Kastanienbaum. Endlich geschafft.

Nach 3:52:29 war die Marathondistanz erreicht. Der 13. Marathon ist geschafft – und es war ein ganz besonderer „Geister-Marathon“: Ohne Zuschauer und komplett alleine gelaufen. Kann man machen – muss man aber nicht. Mit Mitläufern und Zuschauern macht es viel mehr Spass. Hoffentlich gibt es im Herbst wieder richtige Wettkämpfe mit falschen Hasen – richtige Hasen hab ich an der Strecke vier gesehen.

Ob, wie und wo es mit meiner sportlichen Laufbahn weitergeht, werde ich wieder im (Lauf)Tagebuch 2020 zusammenschreiben. Grundvoraussetzung jedoch ist, dass Ihr und ich gesund bleiben.


Nach dem Rennen

Im Ziel genoss ich mein wohlverdientes Erdinger Grapefruit. Lecker. Etwas in der Sonne aufwärmen und in meinem alten Zimmer die Laufklamotten loswerden. Ab in die Dusche und anziehen. Recovery-Kompressionsstrümpfe anziehen bei kleinen Krampfanfällen ist kein Spaß.

Mein Bruder holte gerade das Essen für uns bei der Gastwirtschaft Aumüller in Merching. Die haben seit Heute einen Abholservice und es gab für uns Alle die Leibspeise von meinem Papa: Zwiebelrostbraten mit Spätzle und Salat.

Leeeeeeeecker

Am Nachmittag tranken wir noch Kaffee mit Kuchen, bevor Michaela und ich noch kurz zur Kirche gefahren sind. Kleines Finisherfoto vor der Kirche. Wir besuchten dann noch das Grab von meinem Papa. Es war mittlerweile auch sein dritter Marathon (in Form des Sterbebildes) und der erste Marathon, den er in Steindorf mitgelaufen ist.

Nach dem Lauf bin sogar ich schlanker als der Steindorfer Kirchturm

Anschließend fuhren wir zurück nach Gernlinden. Die Schmerzen und Krämpfe in den Beinen waren heute aber wirklich extrem. Zuhause relaxen und die Füsse hochlegen.

Danke nochmal an Michaela, meine Mama und meinen Bruder für die tolle Bewirtung und Unterstützung sowie die tollen Fotos. Und Gratulation an Wilfried zum Halbmarathon.

Nächstes Jahr gehts dann hoffentlich ins richtige „Leipzig“ – zur 45. Auflage des Leipzig Marathons‘.


Der Tag danach

Muskelkater ohne Ende. Die Nacht war sehr schmerzhaft und so bin ich doch um 6 Uhr aufgestanden. Erstmal gemütlich frühstücken, denn ich habe ja heute Urlaub. Ursprünglich waren noch ein oder zwei Tage in Leipzig geplant, um gemütlich heimzufahren.

Ein Bild von mir wurde sogar auf der Startseite des Leipzig-Marathons veröffentlicht *stolz*

(Quelle: www.leipzigmarathon.de)


Medaille

Die Medaille soll etwas später per Post zugesendet werden.


Strecke


Streckenvideo

Das Streckenvideo könnt Ihr hier anschauen.


Urkunde


Finisher-Shirt


Ergebnis

Marathon No. 12: 27. Johannesthermen Marathon Bad Füssing 

„Das Wunder ist nicht, dass ich ins Ziel gekommen bin. Das Wunder ist, dass ich den Mut hatte, loszulaufen.“

John Bingham

Wellness am 02.02.2020

Leider hatte das Standesamt an diesem denkwürdigen Datum geschlossen. Deshalb musste eine Alternative her: Der Thermen Marathon in Bad Füssing. Die Idee kam mir noch im Hotel in Valencia, nachdem ich dort grippebedingt leider Absagen musste. Einen Marathon mitten im Winter laufen ist aber schon riskant. Ich wollte mir die Entscheidung so lange wie möglich offen halten, um das Wetter abzuwarten. Dummerweise hat mich Anfang Januar noch eine „Frozen Shoulder“ aus dem Training geworfen. So hab ich in der Vorbereitung keinen 30km-Lauf absolviert: „kann klappen, muss aber nicht“.

Anmeldung

Da der Winter 2020 bislang sehr mild war und der Wetterbericht für den 02.02.2020 auch keinen Schnee vorhersagte, meldete ich mich Ende Januar für den unschlagbaren Preis von 29 Euro an – inkl. Nudelparty und zwei Tage Thermeneintritt. Das Hotel habe ich schon vorher mit kostenfreier Stornierung reserviert. 

Trainingsplan

Einen Trainingsplan gab es nicht. Seit der krankheitsbedingten Laufpause von Valencia bin ich normale Laufgeschwindigkeiten und -umfänge „gegangen“ – keine Intervalltrainings oder LongRuns über 30km. Die Läufe im Januar hab ich im (Lauf)Tagebuch 2020 zusammengeschrieben.
Deshalb soll es nur ein Vorbereitungslauf in die Saison sein – gesund und munter ins Ziel kommen und das Dutzend voll machen. Die Zielzeit hab ich auf 3:57 Stunden gesetzt. Da ich ja immer weiter laufe als die 42,195 km sollte bei Einhaltung der Tempovorgaben die 4-Stunden-Grenze machbar sein. Da das Wetter für den Lauf mild, stark-windig und regnerisch werden sollte, stellte ich die Machbarkeit dieses Ziels am Vorabend in Frage: „Schau ma moi“. 

Anreise

Am Samstag früh bin ich nach einer guten Nachtruhe erst in die Metzgerei zum Helfen gefahren. Michaela musste heute auch arbeiten, doch sie wollte eh nicht mitkommen: „Einen Marathon im Winter – so ein Schwachsinn“. Um kurz vor 11 Uhr erstmal heim, um alles zu packen und das Köln-Finishershirt anzuziehen.
Den ersten Startversuch um Punkt 12 brach ich nach 2 km ab – „Haaaaaab ich mein Handy dabei?“. Wieder nachhause und das Handy holen, welches noch beim Aufladen war. Der nächste Versuch klappte dann und ich kam ganz gut bis Kirchheim: Stau! Bis zur Passauer Autobahn ging es wenigstens zäh fließend.
Dann lief es wieder, aber die Karte in meinem Navi ist mittlerweile 5 Jahre veraltet. So leitete es mich gleich wieder von der A94 auf die B12 und dann wieder auf die A94. Hätte ich da nicht gleich drauf bleiben können? Auf einmal wird die Autobahn einspurig und dann wieder zweispurig. Komische Streckenführung.
Endlich steht mal „Bad Füssing“ auf einem Wegweiser und da bin ich schon – vorbeigefahren. Diesmal aber absichtlich „verfahren“, denn ich hatte ja eine geheime Mission im Ausland zu erfüllen. Erst über den Inn nach Obernberg in Österreich und direkt in den Spar-Supermarkt. Da es „meine“ Napoli Keksi nur in Österreich gibt musste ich diese Gelegenheit nutzen und 7 Packungen (Sieben ist in Asien eine Glückszahl und bringt auch noch Kalorien) über die Grenze schmuggeln.

Schmuggelware aus Österreich

Nach einer kurzen, dringenden Toilettenpause fuhr ich zurück nach Deutschland und wurde nicht von den Grenzkontrollen erwischt. Jetzt auf zum Hotel. 

Hotel

Da ich ja alleine nach Bad Füssing fahren werde, brauchte ich mir um den Komfort des Hotels keine großen Gedanken machen. Mitte Januar hatte ich mir schon – stornierungsfrei – ein Einzelzimmer im Hotel Vogelsang in der Ludwig-Thoma-Straße (ca. 1 km vom Start entfernt) reserviert. Man hätte auch vergünstigt in den Zwick’schen Hotels übernachten können, aber der Preis von 47 Euro (inkl. Frühstück und Parkplatz) war unschlagbar.

Sehr schön – inkl. Tiefgaragenstellplatz

Als ich gegen 15 Uhr im Hotel ankam, fand ich draußen keinen Parkplatz und für die Tiefgarage braucht man einen Schlüssel. Erstmal das Auto abstellen und dann zum Hotelempfang: Klingeln – Tür war offen – Keiner da :-() Es stand ein Schild, dass ich mir den Schlüssel aus dem Fach nehmen konnte und so fuhr ich das Auto in die Tiefgarage, um dann das Gepäck ins Zimmer zu bringen. Es war ein komplettes Appartement mit Kochnische, Doppelbett (mit 2 Gummibärchenpackungen!!!), Sitzecke, rießigem Schrank, Flachbildfernseher (leider ohne ORF1) und geräumigem Bad.

Sightseeing / Marathon-Messe

Nachdem ich mich kurz frisch gemacht hatte bin ich direkt zur Johannesbad-Therme, um die Startunterlagen zu holen. Der Weg dorthin war sogar Teil der Strecke, die direkt am Hotel vorbeiführte. Es war ein sonniges, mildes Frühlingswetter mit einem leichten Wind.

Im Startbereich wurde fleißig aufgebaut und auch das Zelt für die Finisher wurde gerade eingerichtet. Die Startunterlagen erhielt ich sehr schnell, da ein Großteil der Läufer zu dem Zeitpunkt in einem Vortrag von Jan Fitschen über die Wunderläufer aus Kenia war. Da war ich leider zu spät.


Kurz zuhause anrufen, dass ich gut angekommen bin und ab zur Nudelparty. Nach Abgabe des Gutscheins erhielt ich einen Stempel, damit ich so oft Nudeln holen konnte, wie ich wollte. Die Nudeln mit Bolognese-Sauce waren sehr lecker, aber nach einer Portion war ich auch satt. Dazu das beste alkoholfreie (Weiss)bier. Noch kurz den Fussball-Ticker checken, da war gerade Halbzeit und die Augsburger lagen wieder mal gegen einen Abstiegskandidaten hinten – ab jetzt Fussballnachrichtensperre bis zur Sportschau.
Die Einkaufsmöglichkeiten auf der Messe waren „überschaubar“. Es gab jedoch Finisher-Shirts und die musste ich gleich shoppen. Das Komplettset aus Laufshirt, -mütze und Buff für 37 Euro – auch wenn Michaela gleich ein „schrecklich“ zurückmailte.

Johannesthermen-Kollektion 2020


Später bin ich wieder zurück zum Hotel, um „grob“ die Laufsachen für den Marathon herzurichten. Das Wetter am Sonntag sollte von 8 Uhr bis zum Start um 10 Uhr trocken sein und ab ca. 12 Uhr sollte der Regen kommen. Wenigstens mit trockenen Schuhen starten, das klingt ja schon mal gut. Den Wind kann ich ja mit der GoreTex-Jacke etwas zurückhalten.

Das kann ja heiter werden

Zum Abendessen gab es während der Sportschau die mitgebrachten Nudeln – langsam kann ich keine Nudeln mehr sehen. Egal, der FC Augsburg hat währenddessen doch noch gewonnen.

Schon wieder Nudeln


Um 22:30 Uhr bin ich ins Bett gegangen und hatte den Wecker erst auf 7 Uhr gestellt, da es Frühstück meines Wissens nach erst um 8 Uhr gibt. In der Nacht gab es ein heftiges Gewitter mit Sturm und brutal-lauten Donnerschlägen, dass ich mehrmals aufwachte. Kurz vor dem Wecker bin ich aufgestanden – so viel Schlaf hab ich selten.
Da ich auf dem Weg zum Frühstück einen Teil des Gepäcks gleich zum Auto bringen wollte, musste ich die Sachen schon endgültig herrichten. Die Schuhe noch auf dem Balkon etwas gegen die erwartete Nässe imprägniert (was aber dann doch nix brachte). Leider hatte ich fünf Laufhosen unterschiedlichster Länge mitgenommen, aber keine Laufhandschuhe. Und es war trotz Sonne sehr kalt.


Vor dem Frühstück war die Rezeption besetzt und ich konnte gleich mein Zimmer bezahlen – es kostete sogar nur 44 Euro. Die Besitzerin bot mir an, dass ich auch nach dem Auschecken am Nachmittag die Dusche in meinem Zimmer noch benutzen könnte und selbstverständlich das Auto erst am Abend abholen kann. Super Service. Bei den großen Hotel(ketten) würde so etwas NIE gehen. Das Frühstücksbuffet (2 Tassen Kaffee und 1 Schinkensemmel) war sehr gut und es waren auch schon ein paar Läufer da. Sie hatten – wegen dem Marathon – sogar schon um 7:30 Uhr aufgemacht.

Letztes Selfie vor dem Start
Arbeitswerkzeug für Heute: Asics DynaFlyte 3


Danach ins Zimmer und fertig anziehen. Auf dem Weg zum Auto hab ich noch den Schlüssel abgegeben und auf geht’s zum Start.

Vor dem Lauf

Auf dem schönen Radweg zum Start begegneten mir schon zahlreiche Läufer, die sich aufwärmten. Brauch ich nicht – ich lauf ja heute noch genug 😉 Es lagen noch einige in der Nacht heruntergebrochene Astteile überall herum. War ein ziemlich heftiges Unwetter, doch jetzt schien die Sonne. Es war jedoch sehr windig.

Angekommen erstmal auf die Toilette und danach kaufte ich mir auf der Messe ein paar Laufhandschuhe. Sicher ist sicher – auch wenn sie mir zu groß waren (aber es gab nur eine Größe). Noch kurz den Kleiderbeutel abgeben. Ich hab die Actioncam doch nicht mitgenommen, um mich nicht abzulenken.

Zuerst sah ich mir den Start der 10km Läufer an. Mit dabei waren Jan Fitschen und einer der besten deutschen Marathonläufer, Phillipp Pflieger. Der Bruder von meinem Chef, der wieder die Moderation machte, interviewte sie noch und dann schossen die Böllerschützen den Startschuss.
Als die Läufer gestartet waren konnten sich die ca. 1200 (Halb-)Marathonläufer in die Startaufstellung einreihen. Um Punkt 10 Uhr gab es den nächsten Auftritt der Böllerschützen, die uns auf die Reise schickten.

Der Lauf

Ich wollte nicht zu schnell loslaufen, wie im Oktober in Köln. Durch das große Teilnehmerfeld lief ich auch relativ relaxed los, war aber wieder zu schnell angegangen. Statt der geplanten 5:41 min/km lief ich die ersten km wieder so ca. 5:15 min/km. Da der Himmel zugezogen hatte und wir außerhalb vom Ortsteil Würding um Bad Füssing gelaufen sind, traf uns der Wind schon sehr heftig von vorn. Wir liefen auf einem breiten Radweg von einem Kreisverkehr zum Nächsten bei ekelhaftem Gegenwind.
Dann ging es Richtung Safferstetten weiter zum Inn nach Egglfing und dort zurück nach Bad Füssing, wo wir nach 11 km zum ersten Mal den Start-/Zielbereich erreichten. Da ich mich mit einem Läufer unterhielt, hab ich hier die Verpflegungsstation verpasst.

Noch läufts gut

Die 2. Runde verlief am Hotel vorbei durch den Ortskern, wo eine Percussiongruppe spielte und uns wieder aus dem Ort führte. Hier waren mal mehr Zuschauer. An einem kontinuierlichen Anstieg hatten wir wieder voll Gegenwind. Die ersten 15 km waren mit durchschnittlich 5:15 min/km zirka 25 Sekunden pro km zu schnell.
Dann durch einen Wald zur Verpflegung, wo ich mir einen Tee gönnte. Langsam fing es an zu tröpfeln. Kurz vor dem Inn führte die Strecke zurück nach Füssing. Durch das schnelle Tempo am Anfang und die Regentropfen war die Lust schon stark gesunken.

Allein auf weiter Flur

Doch ich wollte unbedingt am 02.02.2020 einen Marathon laufen und die schöne Medaille haben. Kurz vor Ende der 2. Runde gaben die Halbmarathonis nochmal Gas und überholten mich reihenweise. Schon unfair, die haben gleich Feierabend und ich muss noch weiterlaufen.
Ab der 3. Runde (identisch zur ersten Runde) nahm die Anzahl der Läufer massiv ab. Ich ging ein paar Meter und tankte an der Verpflegungsstation nochmal auf. Nun regnete es mehr und als wir wieder in Würding waren, war es schon ekelhaft, da wir wieder voll gegen den Wind und Regen liefen.
Ich wurde überholt, versuchte etwas mitzuhalten, musste dann abreißen lassen, wurde wieder überholt, und so weiter. Endlich km 25 erreicht und den zweiten Teil statt 5:32 min/km mit durchschnittlich 5:26 gelaufen. Noch 17 km in 5:38 – sehr lange 17 km. Auf dem Rückweg nach Bad Füssing sank die Motivation schon sehr stark. Beim Durchlaufen wurde ich dann namentlich erwähnt und hielt sofort an der Verpflegungsstelle an, um nochmal Tee und Wasser zu trinken.

Endlich in die letzte Runde (gleiche Strecke wie Runde 2) und ich kam nur sehr schwer wieder in den Tritt. Ich versuchte, mich an eine junge Läuferin zu halten, aber sie war mir einfach zu schnell. Vorbei am Hotel und in den Ortskern, wo die Percussion-Spieler noch fleißig Stimmung machten. Dann wieder bei vollem Gegenwind weiter.
Ich ging zum ersten Mal ein paar Schritte bis ein Läufer kam, an den ich mich heftete. Ich bot ihm an, dass ich mal die Führungsarbeit übernehme, damit er im Windschatten laufen konnte.
Mit gutem Tempo wollte ich bis zur Verpflegungsstelle kommen, was ich auch schaffte. Doch danach ging leider nicht mehr viel. Da nahm ich mir die Zeit und ging etwas weiter, um mich kurz an eine größere Gruppe anzuheften. Doch ich musste schnell wieder abreißen lassen. Nun musste ich – wie in Köln – dem schnellen Anfangstempo Tribut zollen.
Die Gehpausen waren jedoch nur kurz und vom Inn-Ufer weg ging es endlich ein letztes Mal nach Bad Füssing. Ich hatte den Läufer von vorhin wieder im Blick, wollte ihn aber nicht mehr auf der Zielgerade überholen. Dabei wurden wir noch von einem anderen Läufer überholt, aber das war auch schon egal. Glücklich und fertig überschritt ich bei handgestoppten 3:54:10 die Ziellinie.

Mein Zieleinlauf

Marathon No. 12 an dem tollen Datum geschafft – und das noch gut unter 4-Stunden bei keiner reibungslosen Marathonvorbereitung.
Im Zelt bekam ich dann die tolle Medaille überreicht und ging sofort zum Bierausschank, um mir ein alkoholfreies zu gönnen. Lauter fertige, glückliche Gesichter. Hunger hatte ich überhaupt nicht und so nahm ich nur ein paar Apfelstücke. Lieber noch ein Bierchen. Da ich komplett nass war und mir kalt wurde, holte ich meinen Kleidersack ab und ging in die Therme.

Stolz wie Bolle

Nach dem Rennen

Erstmal den Thermen-Gutschein rauskramen und dann in die Umkleide – „Pack die Badehose ein“. Die Klamotten und die Schuhe waren platschnass und ich ging nach dem Verstauen in den Spind erstmal unter die Dusche.
Dies war mein erster Aufenthalt in der Therme Bad Füssing und so musste ich mir zunächst einen Überblick verschaffen. Da das erste Becken sehr voll war, ging ich gleich in den Außenbereich. Da das ChillSan anscheinend nicht komplett beim Duschen abgegangen war, war der Einstieg in das 35 Grad warme Wasser ein Hochgenuss – ich dachte, meine Kniescheiben brennen lichterloh. Schön, wenn der Schmerz nachlässt.
Leider gingen die Sprudeldüsen immer dann aus, wenn ich angekommen bin. Ich schwamm dann wieder rein und testete die Bäder im Innenbereich. Eine Dampfsauna tut auch immer ganz gut und so musste ich da auch rein. Doch nach 2 Minuten auf dem heißen Sitz brach ich wieder ab: Die anderen Gäste hatten schlauerweise draußen eine Sitzunterlage mitgenommen.
Da ich ja noch zu meiner Tante Maria nach Landshut wollte, verließ ich das Bad nach einer Stunde wieder.

Aufräumarbeiten im Zielbereich

Die Schuhe sind immer noch platschnass, so dass ich am Auto nochmal einen „Reifenwechsel“ machen musste. Kompressionssocken im Stehen mit feuchten Füssen anziehen ist eine Akrobatikleistung. Jetzt kam die schwierigste Übung: Aus der engen Tiefgarage rausfahren und sofort bekam ich einen Krampf im linken Bein.

„Durch diese hohle Gasse muss ich – kratzerfrei – kommen“

Ich fuhr durch den mittlerweile wieder für den Verkehr freigegebenen Ortskern raus aus Bad Füssing und – diesmal unter Anleitung des Google-Navi – über Orte, die wahrscheinlich noch nie ein Mensch gesehen hat, über Vilshofen und Dingolfing nach Landshut. Jeder zweite Ort heißt „…öd“ und es gibt tolle Ortsnamen wie „Zwilling“ oder „Schlafen“.
Um kurz vor 18 Uhr kam ich bei Tante Maria an und konnte leider nur kurz bleiben, da ich ja noch eine Stunde nach Hause fahren musste. Auf der Autobahn gab es einige heftige Regenfälle und fast im Blindflug ging es heim. Um halb Acht war ich zuhause und musste noch das Auto ausräumen, denn ich wollte die Laufklamotten gleich noch in die Waschmaschine geben. Kurz noch etwas essen und dann gemütlich auf die Couch zum wohlverdienten Dortmund-Tatort.

Der Tag danach

Ausnahmsweise stellte ich den Wecker erst auf kurz vor 6 Uhr und wachte nach einer viel zu kurzen Nacht auf. Katze füttern und Frühstück-to-go herrichten und ab geht’s nach München. Da merkt man wenigstens, wie viel entspannter es sich fährt, wenn man immer eine Stunde früher losfährt. Den Arbeitstag hab ich dann – trotz Müdigkeit – ganz gut überlebt.
Am Abend hab ich meine Kollegen mitgenommen, denn wir sind noch in Bergkirchen im Kartpalast Go-Kart gefahren. Diesen Tipp hab ich noch nirgends als optimales Regenerationsprogramm gelesen – und kann es auch nicht empfehlen. Beim Qualifying bekam ich Krämpfe zwischen den Zehen, aber ich wurde 9. (von 13). Beim ersten Rennen konnte ich sogar einen Platz gewinnen, im Zweiten hingegen verlor ich wieder zwei Plätze. Aber Hauptsache nicht Letzter. Danach war mir sowas von übel, dass ich erstmal Frischluft schnappen musste. Die leckere Pizza war jedoch die beste Medizin. Den Muskelkater hatte ich noch ein paar Tage. Irgendetwas hab ich bei dem Wellness-Wochenende in Bad Füssing wohl falsch gemacht.

Medaille

Sehr schöne Medaille (vorne)
Rückseite muss ich noch gravieren lassen

Strecke

Streckenvideo

Die Strecke zum Nachlaufen.

Urkunde

Finisher-Shirt

Finisher-Shirt, -Buff und -Mütze

Ergebnis

Marathon No. 11: 23. Köln Marathon 2019

Kölle Alaaf – Lauf durch Köln

Anmeldung

Direkt zu Beginn der Anmeldefrist Ende 2018 hab ich mir einen der ersten Startplätze für den 23. Köln Marathon am 13.10.2019 gesichert. Da ich unter den ersten 1000 Teilnehmern war, kostete die Teilnahme nur 72 Euro – Schwaben-Sonderpreis *grins*. Die Startnummer war auch schon klar: 732.

Do Simmer dabei, dat is Prima – Viva Colonia

Der Köln-Marathon wird wegen der Stimmung immer gelobt mit vielen verkleideten Läufern und ist von der Teilnehmerzahl der viertgrößte Marathon in Deutschland – nach Berlin, Hamburg und Frankfurt. Eigentlich wär es der Marathon Nummer 12 gewesen, aber da ich den Rennsteig-Lauf ausfallen lassen musste, ist die Nummer 11 geradezu Köln-typisch: Elferrat, 11.11., 11 Fründe.

Trainingsplan

Auch dieses Mal musste wieder der 12-wöchige Trainingsplan von Andreas Butz (einem Kölner) mit einer Zielzeit von 3:39 Stunden herhalten. Ich habe brav alle Trainingseinheiten absolviert, wie Ihr im Tagebuch nachlesen könnt: 710 km insgesamt in 47 Trainingseinheiten – glücklicherweise ohne Verletzungen oder Krankheitsausfälle. 

Ursprüngliches Ziel war es, die persönliche Bestleistung von Berlin 2018 mit 3:43:27 zu knacken, um endlich das Berlin-Armband loszuwerden (was Michaela schon lange nicht mehr gefällt).

Nach fast 13 Monaten: Werde ich es los?

Da ich in der Vorbereitung jedoch Probleme vor allem bei den langen Läufen hatte, glaubte ich nicht mehr daran. Hauptsache gesund Durchkommen und wenn möglich so um die 3:45 Stunden – darunter wär Spitze. 

Anreise

Am Samstag früh startete unsere „Road to Cologne“ – auf der Schiene. Erst mit der S-Bahn nach München-Pasing und weiter mit dem ICE im komfortablen Abteil nach Mannheim. Dort war die Umsteigezeit sehr kurz und wir stiegen natürlich in der Hektik in den falschen Zugteil ein und mussten die Koffer nach ganz vorne schleppen. Wir kamen richtig ins Schwitzen und mussten uns doch mit einem nicht reservierten Sitzplatz abfinden. Doch die Fahrt über die Flughäfen Frankfurt und Bonn war sehr kurzweilig. Pünktlich um 13 Uhr fuhr der ICE über die Hohenzollernbrücke nach Köln-Hauptbahnhof.

Über den Rhein nach Kölle rüber

Der Dom ist ja gewaltig. Da wir hungrig waren, gingen wir im Bahnhof zum Asiaten etwas essen und dann machten wir uns auf den Weg zum Hotel, welches nur ca. 5 min. zu Fuß entfernt war. 

Bahnhofspolizeikapelle an der Domplatte 🙂

Hotel

Das Hotel Boutique 009 lag direkt am Ursulaplatz bei der Ursulakirche an einer Kreuzung und am Ende der Gleise. Ein gerade einfahrender Zug verhieß sehr viel Lärm, wenn unser Zimmer zu dieser Seite liegten sollte (hab ich in den Bewertungen schon gelesen).

Ganz schöne Unterkunft – besser als unsere letzten Hotelaufenthalte

Da wir kurz vor 14:00 Uhr ankamen, mussten wir wie Einige vor uns, erstmal warten, da der Checkin pünktlich um 14 Uhr aufmachte. Wir bekamen glücklicherweise ein Zimmer im ersten Stock (wichtig für die Zeit nach dem Marathon) mit Blick zum Hinterhof. Das Zimmer war sehr geräumig mit viel Abstellfläche und großem Fernseher.

Ordnung ist der erste Schritt in ein neuerliches Chaos (Albert Einstein)

Das Bad war zwar sehr klein, doch ganz in Ordnung. Nachdem wir uns kurz frisch gemacht hatten, sind wir dann los zur Marathon-Messe an der Messe (aber welche?). 

Sightseeing

Wieder zum Hauptbahnhof und dort mit der S-Bahn rüber zur Messe Deutz. Ich witzelte noch, dass ich wohl der einzige Läufer bin, da auf dem Bahnsteig und auch in Deutz keine Läufer zu sehen waren. Vor der Messe war eine Baustelle und wir sahen Niemanden. Plötzlich kam ein Wohnmobil und erkannte uns als hilflos suchende Marathonis: Ich hab ja immer bei der Hinreise das Finisher-Shirt vom letzten Marathon an. Sie waren auch auf der Suche nach der Startnummern-Ausgabe.

Wir checken per Handy die Veranstalterseite und ich fand eine Adresse, die Thomas dann in sein Navi eingab: ca. 45 Minuten Fahrtzeit und quer durch die Stadt. Langsam fing es an zu regnen und wir durften bei Kerstin und Thomas mitfahren – der Himmel schickt auch mal Engel *freu*. Wir unterhielten uns ganz gut mit den Beiden, die erst eine Woche vorher einen Traillauf in Heidelberg absolvierten. Sie kamen aus Krefeld und Thomas wollte den Halbmarathon laufen. Sie haben am Vormittag noch den tollen 2-Stunden-Weltrekord von meinem Erzfeind Eliud Kipchoge (der mich schon zweimal in Berlin besiegt hat) in Wien im Live-Stream verfolgt.

Doch noch angekommen

Die Startnummern-Ausgabe war tatsächlich mit der Motor-Welt-Ausstellung kombiniert (passt ja auch: Luxuskarossen und Laufschuhe). Die Messe war überschaubar und wir trennten uns von den beiden Engeln und wünschten uns gegenseitig viel Glück für Sonntag. 

Schnell hatte ich die Startunterlagen und probierte das nicht dazu gebuchte Finisher-Shirt aus – laut Michaela der Kragen zu weit und in Größe L sehr „unvorteilhaft“ für meinen Luxusbody. Aber XL ist unter meiner Würde. Also, dann gibt es halt kein Shirt – zum ersten Mal *heul*. Ein kühles alkoholfreies Kölsch tröstete mich und wir flanierten noch etwas über die Messe. 

Sehr praktisch: Der Starterrucksack (mit integriertem Kölsch-Glas)

Wir machten dann noch ein kleines Fotoshooting vor den Hashtag-Plakaten am Eingang.

Fake-News: Ich bin der lebende Beweis, dass das nicht stimmt
Isch möcht so jern durch Kölle jon

Als wir zur Bahnhaltestelle, die übervoll war, kamen mussten wir uns in die nächste Straßenbahn quetschen. Sehr kuschelig – nix von „einer Armlänge Abstand halten“. Die Fahrt zurück erwies sich als Torture: permanente Türstörungen und dann stiegen wir noch zu früh aus. Schrill auch die Störungssignale der Türen – Tinnitus inklusive. 

Die nächste Bahn zum Heumarkt (nicht zu verwechseln mit dem Neumarkt) war jedoch nicht so voll. Zunächst sind wir zur Deutzer-Brücke und später in das Restaurant „La Tagliatelle“ am Heumarkt. Die Getränke kamen schnell, aber erst nach knapp einer Stunde bekamen wir unsere Nudeln. Die sind wahrscheinlich im Schonverfahren gekocht worden, weil bei mir würden die nach dieser Dauer eher nicht mehr Al-dente sein sondern Al-Brei. Michaela war schon sehr sauer und uns Beide fror es ziemlich.

Nach der Flucht aus dem Restaurant sind wir über den Dom zurück zum Zimmer, denn es war kurz vor 20 Uhr und ich musste die Laufsachen noch herrichten. Ich entschied mich gegen die Saucony Kinvara 10 und für die stärker gedämpften Mizuno Wave Rider 21, da mein Kampfgewicht etwas erhöht war. Noch kurz unter die Dusche und dann hundemüde ins Bett. Ich konnte jedoch gut schlafen, obwohl ich in der Nacht zweimal aufwachte. 

Alles schön hergerichtet

Vor dem Lauf

Um kurz vor 6 Uhr bin ich dann aufgestanden, Wetter gecheckt (nun soll es anfangs regnen) und im Blindflug ins Bad. Dann im Blind Room anziehen – Hose erst verkehrtherum. Um halb Sieben wollte ich zum Frühstück. Es waren einige Läufer da. Dank des Kaffees war das Kopfweh schnell weg. Als ich zurückkam, schlief Michaela noch. Also im Dunklen die Laufklamotten mitnehmen und im Bad die Beine erst mit Chillsan einschmieren und dann die erste Schicht anziehen. Im Hintergrund per Live-Ticker den Start vom Formel 1-Rennen in Japan verfolgen. Plötzlich kam eine Whatsapp von Michaela mit einem Video, das ihr mein Bruder gesendet hat und sie mir vor dem Rennen weiterleiten sollte. Hab mich riesig gefreut, dass die Mitarbeiter in der Metzgerei am Samstag das Video aufgenommen haben. 

La Ola 🙂

Michaela war also auch wach und so ging ich rüber und konnte noch den Rest zusammenpacken – bei Licht. Zum Abschied noch ein kurzes Fotoshooting im Zimmer.

Danach machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Ich telefonierte noch mit meiner Mutter und bedankte mich für das schöne Video. Selfie am Dom und rein in die Bahn, die um 8:28 Uhr in Deutz ankam.

Das Ziel vor/hinter mir: De Spitze vum Dom

Es waren sogar noch Halbmarathonis (Start: 8:30 Uhr) im Zug. Ich hatte keinen Stress und konnte die einzelnen Startblöcke noch verfolgen. Beim Halbmarathon waren über 16000 Teilnehmer angemeldet. 

Start-Bogen: Hier geht’s los

Erstmal die Abgabe der Eigenverpflegung gesucht und dort meine Flasche mit zwei Gels) für KM25 abgegeben.

Not-Ration für die zweite Hälfte

Ab zur Pippibox und den Kleiderrucksack abgeben. Da es noch fast eine Stunde zum Start war, sass ich mich auf die Treppe vor der Messe und wartete. Eine dunkle Wolke drohte bedenklich am Himmel und der Wetterbericht hatte am Morgen noch Regen von 9-11 Uhr vorhergesagt. Das wäre der schlechteste Zeitpunkt, lieber zum Ende hin als die ganze Zeit mit nassen Schuhen.

Partystimmung am Start

Um halb 10 ein letztes Mal zur Pippibox und in die blaue Startaufstellung der zweiten Startwelle. Dank Berlin bin ich ja jetzt Sub 3:45. Ein paar Dehnungsübungen noch, um die Waden warm zu machen und es fielen ein paar Tropfen vom Himmel. Aber nur kurz. Aus den Lautsprechern schallte der Kölner Marathon-Song „Spitze vum Dom“ und der Sprecher überbrückte gut die Wartezeit – v.a. seine Frage, ob Teilnehmer aus Düsseldorf dabei sind brachte uns zum Lachen. Es waren über 6.400 Marathonläufer plus die parallel laufende Marathonstaffel (4 Läufer je Team) am Start. Den Walkman hatte ich dabei, aber (noch) nicht im Einsatz. 

Der Lauf

Punkt 10 Uhr starteten die Elite-Läufer und der rote Block. Mein blauer Block konnte zur Startlinie vorrücken. Dann der Countdown „10, 9, 8,… 3, 2, 1 – meins, äh los“: „Kölle a laaf“ – Die Karawane zieht weiter. Los geht die Rallye durch Köln von der Messe Köln/Deutz. Erstmal durch relativ enge Zuschauermassen zur Deutzer Brücke. Geplant war, dass Michaela da stehen wollte, doch ich konnte sie nicht ausfindig machen. Hab erst noch überlegt, welche Jacke sie anhatte. Nach einem guten Anfangskilometer mit 5:20 ging es über die Deutzer Brücke, leicht hoch und dann wieder runter zum Heumarkt. Plötzlich erkannte ich Michaela und sie konnte noch ein paar Fotos von hinten machen – so schnell war ich.

Viel zu schnell am Anfang: Die Strategie war doch, es langsam anzugehen. Am Heumarkt ging es am Rheinhafen mit den futuristischen drei Häusern entlang nach Rodenkirchen. Uns kamen auch bald die Führenden entgegen, aber ich hatte vergessen, wie lang es noch bis zur Wende sein wird. Es war schon noch ein Stück und ich war immer noch viel zu schnell unterwegs. Ich änderte die Strategie und wollte die ersten 15 km schnell laufen (eigentlich 16 – 25) und dann etwas langsamer.

Als wir von Rodenkirchen über das Severinsviertel wieder zurück in der Altstadt waren, sah ich plötzlich wieder Michaela und danach bogen wir zum Barbarossa-Platz ab, am Neumarkt vorbei. Dort sahen wir auch die Halbmarathonis, die kurz vor dem Ziel durch einen Haibogen (Kölner Haie) liefen. Der erste Abschnitt war mit ca. 5:06er-Schnitt 12 Sekunden/km zu schnell, was sich rächen könnte.

Vom Hahnentor dann südlich entlang des Hohenstaufenrings und auf der Kyffhäuserstrasse zum Hiroshima-Nagasaki-Park. Dann kam die Unterführung zur Universität wo uns bis zur Kehre in Sülz die schnelleren Läufer entgegen kamen. Ein Sprecher sagte meinen Namen „Martin Glas aus Gernlinden“ *freu*. Wieder durch die Unterführung und an der schönen Seeanlage am Park war schon die Halbmarathon Markierung. 1:47:53 ist für mich einfach viel zu schnell. Das wird sich rächen – die Frage ist nur: Wann und Wie?

Jedoch war die Stimmung an der Strecke meist so toll, dass Einen die Leute durch rufen des eigenen Namen richtig gepusht haben und auch zahlreiche Kinderhände abgeklatscht wurden (ähnlich wie in Hamburg). Überall auch Trommler, Bands, DJs und Lautsprecher. Weiter ging es zum Melaten-Friedhof und wieder zurück in die Stadt. Michaela stand auf einem Opel aus Stein und schoss Fotos. 

Bei Kilometer 25 holte ich meine Trinkflasche ab und musste deshalb nicht anhalten. Nach dem Wegstecken der Gels holte ich einen Schluck aus der Flasche. Weiter ging es nach Ehrenfeld (wo kein Jan Böhmermann stand) und wieder zurück. Auch den zweiten Abschnitt lief ich mit ca. 5:10 zu schnell. Zurück aus Ehrenfeld sah ich von weitem schon Michaela, trank die Flasche leer und gab sie ihr (inkl. Bützchen, wie das bayerische Busserl hier heißt).

Nun ging es zum Kölner Zoo. Langsam spürte ich ein zunehmendes Seitenstechen und ein Völlegefühl. Uns kamen auch wieder die schnellen Läufer entgegen und ich hatte keinen Plan, wie weit es noch bis zur Wende war.

Nach dem Zoo in Nippes musste ich bei km 32 zum ersten Mal eine Gehpause einlegen , wurde jedoch von den Zuschauern super angefeuert. Nach einem Schluck Kölsch ging es weiter – immer wieder mit Gehpausen. Der Puls war nicht allzu hoch aber das Stechen tat bei jedem Schritt weh. Ein paar Schritte gehen und wieder loslaufen. Den dritten Abschnitt von km 26 – 35 hab ich überlebt, die (Best)Zeit war futsch. Ich dachte zwar nicht ans aufgeben, aber schon ein Karriereende – nochmal so eine Tortour in Valencia steh ich nicht mehr durch. Aber 710 km Training für einen abgebrochenen Marathon wär schon der Hammer.

Noch 7,2 km überleben mit immer wieder Gehen-Laufen-Gehen. Wieder am Zoo entlang in die Stadt. Es lagen erschöpfte Teilnehmer an der Seite und die Sanitäter deckten sie mit Rettungsdecken zu. Da kein Wind ging und es mittags über 22 Grad warm war bei strahlendem Sonnenschein, war es schon sehr grenzwertig. Doch die Zuschauer waren genial – so eine ausgelassene Stimmung. Ich glaub, die Kölner sehen das Ganze eher als Vorbereitung zum Karnevalsbeginn am 11.11. 

Beim Belgischen Viertel war der 40. Kilometer und dann ging es auch für uns durch den Haifischmaulbogen am Neumarkt und dann durch die Fussgängerpassage. Ich gab nochmal Gas und wollte wenigstens unter 3:50 bleiben. Am Straßenrand sah ich nochmal Michaela und dann kurz vor dem Dom ging es auf die Zielgerade.

Ich war fix und fertig, konnte aber den Sprecher Tom Bartels (er moderierte u.a. das Finale 2014 Deutschland – Argentinien) noch wahrnehmen und die Zuschauer, die lautstark meinen Namen brüllten und gegen die Werbebanner klatschten. Auf dem roten Teppich durchquerte ich nach 3:50:33 die Ziellinie.

Leider wieder ganz knapp an der 3:50 gescheitert wie 2017 in München, aber egal. Damals war ich sauer – Heute bin ich heilfroh. Hauptsache Marathon Nummer 11 ist erfolgreich geschafft. Im wahrsten Sinne: „Dumm gelaufen“. Laufen ist halt 90 % Kopfsache – der Rest ist mental. Es war viel härter als gedacht, aber wie wir Bayern sagen: „Basst scho!!!“ 

Nach dem Rennen

Nach Überreichung der Medaille, die erstmals ganz nachhaltig aus Holz bestand, ging es nun durch die „Tankanlage“ : Wasser, Laugenbrötchen, Gemüsesuppe, Bier – die Hotdogs hab ich ausgelassen. Da ich meinen Geldbeutel im Hotel vergessen habe und die Kleiderbeutel-Rückgabe eh in Richtung Hotel war, holte ich diesen ab und ging dann ins Hotel. Entwarnung bei Michaela und meiner Mama gegeben, dass es mir gut geht.

Erstes Nachher-Selfie: 11-facher Marathoni

Im Hotel dann per Lift in den 1. Stock und laaaangsam die durchnässten Klamotten ausziehen: „Schweiß ist, wenn Muskeln weinen“. Die Füsse sahen erstaunlich gut aus – ohne blaue Zehen oder Blasen.

Ab unter die Dusche mit Kalt/Warm-Wechsel. Dann gemütlich anziehen und die Sachen (diesmal inkl. Geld) einpacken, um zur After-Run-Party zu gehen. Dort wollte ich meine Medaille gravieren lassen und mich danach am Dom mit Michaela treffen. Ich brauchte ca. 30 Minuten bis zum Neumarkt – nicht weil ich so langsam ging, sondern weil es so weit war. Ich wollte sogar schon einen eScooter ausleihen, hatte aber die App nicht installiert. Und wahrscheinlich hätte ich mir da die Rippen gebrochen. Mir kamen viele erschöpfte, glückliche Gesichter entgegen.

Endlich angekommen bezahlte ich meine Gravur (12 Euro ist schon etwas teuer) und musste dann 20 Minuten darauf warten. Erst mal ein Kölsch – naja gleich 2 gekauft, weil die Gläser ja soooo Mini sind und es ewig gedauert hat. Da wurden viele Leute Lack, statt dem Bier. Die Gläser hab ich dann mitgenommen. Geht viel einfacher als Maßkrüge klauen.

Eignen sich nicht nur zum Laufen – sondern auch zum Schmuggeln von Kölsch-Gläsern

Anschließend überwand ich mich dann doch, ein Finisher-Shirt zu kaufen. Ich griff die Größe L und die Frau an der Kasse fragte mich, ob ich wirklich ein Damenshirt wolle. Nee, sie brachte mir ein Männershirt und es passte besser (engerer Kragen und nicht so figurbetont). Danach hab ich meine Medaille abgeholt und mit Michaela telefoniert. Sie war auf der Hohenzollernbrücke beim Schlösser Fotografieren.

Ich ging dann durch die Fußgängerzone und es waren noch ein paar Läufer unterwegs. In einer Bäckerei dann eine Laugenbreze geschnappt, weil langsam der Hunger kam. Am Dom und rüber über die Hohenzollernbrücke, aber Michaela war auf der anderen Seite. Also Retoure und endlich haben wir uns wieder getroffen.

Auf dem Rückweg zum Dom trafen wir noch eine junge Familie aus Münster, die im selben Hotel übernachteten und quatschten etwas. Er war den Halbmarathon gelaufen. Da wir Hunger hatten und nicht mehr so weit laufen wollten, entschieden wir uns gegen die Kölner Küche (mein kulinarisches Ziel war ein Rheinischer Sauerbraten) sondern gingen ins Maredo am Hbf (Brücke zum nächsten Marathon in Valencia *zwinker*). Die Burger mit Pommes waren sehr lecker. Zurück im Hotel dann ab ins Bett und TV an. Nebenzu noch Gummibärchen in allen Aggregatszuständen genascht. Um kurz vor 23 Uhr dann schlafen – leider nicht so gut: Alles tut Weh! 

Flüssige und feste Gummibären

Der Tag danach

Um 7 Uhr wachten wir auf und machten uns dann zum Frühstück fertig. Es war sehr lecker mit Rührei und Speck. Danach wieder ins Zimmer und den Rest zusammenpacken. Wir checkten aus und ließen unsere Koffer im Hotel. Erst gingen wir zum Dom, der gewaltig ist.

Anschließend besuchten wir das Galeria Kaufhaus, um dort vom Parkdeck einen tollen Überblick über die Stadt zu gewinnen.

Nach dem Souvenirshopping im Haus „4711 – Eau de Cologne“ überquerten wir nochmal die Hohenzollernbrücke.

Dann mussten wir zurück zum Hotel, unsere Koffer abholen. Im Bahnhof speisten wir noch im Schweinske.

Ich hatte eine Spinatlasagne – Voll der Veggie

Tschö mit ö Kölle – schee wars‘. Da der Koffer schon voll ist, losse ma den Dom in Kölle.

Der ICE nach Mannheim fuhr pünktlich um 12:55 Uhr ab, musste kurz danach noch eine Pause einlegen wegen einer Türstörung. Aber der Anschlusszug, den wir dadurch verpasst hätten, hatte auch eine Triebfahrzeugstörung und über 40 Minuten Verspätung. So kamen wir in Mannheim an und mussten noch ca. 30 Minuten auf den Zug nach München warten.

Um 18:04 kamen wir dann in München an und sprinteten zur S-Bahn S3, die um 18:09 am anderen Ende des Bahnhofs Pasing abfahren sollte. Da ich keine so großen Schmerzen vom Marathon hatte, konnte ich fast mit Michaela mithalten und wir erreichten unsere S-Bahn noch. Wieder mal übervoll und die ganze Stecke stehen. Endlich – mit 1 Stunde Verspätung – zuhause. „Thank you for travelling with the Deutsche Bahn.“

Rennvideo

Medaille

Holz statt Metall – nachhaltig innovativ

Strecke

Streckenvideo

Hier könnt Ihr die Strecke „nachfliegen“.

Urkunde

Finisher-Shirt

Langärmliges Shirt aus Holzfaser

Finisher-Plakat

Zeit zum selber einkleben

Ergebnis

Als „Social Native“ kann ich nix mehr teilen.
Positiver Split (negativ): 1:47:53 vs. 2:02:40

Marathon No. 10: 45. BMW-Berlin-Marathon 2018

Mission Breaking 3:45

Anmeldung

Gleich am ersten Tag der Registrierungsphase im Oktober 2017 hab ich für einen der Startplätze für den 45. BMW-Berlin-Marathon angemeldet. Michaelas‘ Papa Wilfried wollte es auch nochmal probieren. Und meine Kollegen Stefan, Martin C. und Sarah haben sich ebenfalls beworben. In Berlin gibt es zwar ca. 45.000 Startplätze, aber da es Plätze für fixe Starter, über die Zeit qualifizierte schnelle Läufer, Charity-Starter und viele Reiseveranstalter gibt, ist die Zahl der im Lostopf verfügbaren Plätze limitiert. Ende November 2017 kam dann die Mail, dass ich wieder gewonnen habe und am 16.09.2018 dabei sein darf.

Ja, is denn Heut scho Weihnachten?!?

Das Datum kam mir bekannt vor. Deshalb schnell meine Mutter angerufen, wann sie geheiratet haben. 1968 oder 1969? Huch, 1969. Nicht dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner Eltern nicht dabei bin. Stefan, mit dem ich den München Marathon gelaufen bin, wurde gelost. Und auch Sarah, die im Mai den Rennsteig-Marathon bezwang, bekam den Zuschlag. Wilfried schrieb mir auch, dass er dabei sein wird. Nur Martin C. hatte kein Glück – zum dritten Mal in Folge. Mein Losglück liegt nun bei 2:1. Das Shirt wollte ich mir auf der Messe kaufen, aber diesmal die Medaille gravieren lassen.

Trainingsplan

Genau wie für den Rennsteiglauf entschied ich mich für den 12-wöchigen Trainingsplan von Andreas Butz mit einer Zielzeit von 3:39 Stunden. Ziel war es, endlich die 3:45 Stunden zu knacken. Falls ein Einbruch während dem Lauf passiert wollte ich wenigstens unter der 4:00:49 von meinem ersten Marathon in Berlin 2015 bleiben.

Da wir eine Woche nach dem Rennsteig für 2 Wochen nach Ägypten reisten, war die erste Woche noch eher ruhiger. Dann ging der Trainingsplan aber gleich mit einem Kracher los, dem SportScheck-Halbmarathon in München. Im großen und ganzen konnte ich den Plan auch einhalten. Meist mit Laufeinheiten am So, Mo, Di und dem langen Lauf am Donnerstag. Nur am Schluss war die Luft (und Lust) etwas heraus.

Anreise

Da Flug (mit Koffern) zu teuer war, entschieden wir uns für die Bahn. Da ich einmal mit dem ICE Express von München nach Berlin in unter 4 Stunden reisen wollte (und dort auch unter 4 Stunden laufen wollte), mussten wir jedoch schon um kurz vor 6 Uhr am Donnerstag am Hauptbahnhof sein. D.h. seeeehr früh aufstehen, also um 4 Uhr. Leider haben wir in der Nacht auch nicht allzu viel Schlaf abbekommen. Da es morgens wie aus Kübeln regnete, fuhren wir mit dem Auto zum Bahnhof. Die S-Bahn war ungewohnt pünktlich und auch das Umsteigen in den ICE klappte hervorragend. Der fuhr pünktlich los und stoppte nach ein paar Hundert Metern wieder – Türprobleme. Aber mit leichter Verspätung ging es dann endgültig los. Stellenweise fuhr er 280 km/h.

So kamen wir fast pünktlich um kurz vor 10 Uhr in Berlin am Hauptbahnhof an. Nach kurzem Aufenthalt fuhren wir zum Platz der Luftbrücke am ehemaligen Stadtflughafen Tempelhof.

Dort war nach zwei Jahren erstmals wieder die Messe, die um 11 Uhr öffnete. Als wir am Einlass waren, meinte der Ordner, dass wir unsere Koffer an der Gepäckabgabe abgeben müssten. Nochmal zurück, kurzes Fotoshooting mit Fridolin Flink und dann der nächste Einlassversuch.

Dick und Doof (war einer der Kommentare zu dem Bild)

Geklappt. Zuerst konnte Michaela noch mit, aber dann ging ich in den streng kontrollierten Bereich. Wir vereinbarten einen Treffpunkt bei der Inline Skater-Messe, damit sie in der Zwischenzeit shoppen konnte. Erstmal Startpass-Kontrolle, dann Startarmband, danach Ausweiskontrolle. Dann durch die Messe-Hangars zum Einlass für die Startunterlagenabholung, am Brandenburger Tor.

Ein Geschiebe und Gedränge in Schlangenlinien. Es waren alle Nationen am Start. Die Nummernausgabe ging jedoch zügig, da in Berlin alles super organisiert ist und ausreichend Ausgabeschalter vorhanden sind. Dann noch kurz das Finisher Shirt beim Adidas-Stand zum stolzen Preis von 35 Euro kaufen. Die verdienen sich dort eine goldene Nase. Noch kurz an der Marathon-Wand verewigt und etwas bummeln.

Da die Preise gesalzen sind, hab ich mir nur wieder das Sonderglas von Erdinger Alkoholfrei geholt. Die Füllung bekam ich am Stand vom Rennsteiglauf. Da ich im Finisher Shirt vom letzten Marathon immer zur Abholung gehe, hab ich sogar eine Flasche Urköstritzer bekommen. Die wird erst nach dem Lauf genossen, war mein Plan.

Gibt’s erst danach – wenn Alles klappt

Als ich Michaela wieder traf, wollten wir uns erstmal was zum Essen holen. Naja, diese Pulled Pork-Burger waren klein und teuer – satt waren wir danach nicht. Da wir eh am Abend zum Essen gehen wollten, musste das vorerst reichen.

Danach wollten wir zum Hotel aufbrechen. Ich wollte mir noch ein Event-Cap kaufen, aber eine Frau hat mir das Letzte weggekauft. So gingen wir und holten unsere Koffer ab. Noch ein Fotoshooting und dann sahen wir mehrere Leute in tollen Jacken. Michaela wollte auch eine Jacke und so lief sie nochmal zum Adidas-Stand. Ich wartete vor der Messe und nach kurzer Zeit konnte ich fließend polnisch, japanisch und spanisch. Leider waren die Jacken dann doch nix und außerdem viel zu teuer. Aber sie bekam drinnen noch das Cap. Sie sagte, dass die Schlange bei der Abholung nun rießig ist.

Hoffentlich erwischts mich nicht nochmal

Auf dem Weg zum Bahnhof noch ein kleines Hinweisschild auf der Strasse fotografieren, was mich an den Tag nach dem ersten Berlin-Marathon erinnerte. Diesmal klauen sie mir hoffentlich nicht Geldbeutel. Danach fuhren wir mit der Ring-Sbahn zum Hotel, das direkt an der Haltestelle lag.

Hotel

Wir waren von der Fahrt und der Berlin Vital Messe schon ziemlich fertig und wollten nur noch aufs Zimmer. Um 17:30 Uhr sollten wir Michaelas‘ Mama und ihren Bruder mit Chrissi treffen. An der Rezeption gab ich den Hotel-Voucher ab. Dauert etwas lange – besorgniserregend lange. Der Portier fragte mich, ob wir am Vormittag schon eingecheckt haben. Komisch. Er ging nach Hinten und kam wieder.

Ich holte am Handy die Bestätigungsmail heraus. Er rief dann bei Check24 und spendierte uns einen Kaffee. Danach telefonierte ich mit der Dame von der Check24-Hotline. Alles schien OK zu sein, aber das Reiseunternehmen hatte wohl die Buchung nicht ans Hotel weitergereicht. Wieder warten, dann kam der Portier mit unseren Karten. Endlich konnten wir ins Zimmer. Da schellte schon das Telefon und die Dame von der Hotline war am Apparat. Sie erreicht bei dem Veranstalter niemand und ich sollte nochmal eine Buchung machen. So buchte ich das bereits bezahlte Zimmer für 408 Euro nochmal über Expedia für 530 Euro. Den würde ich aber wieder zurückbekommen. Am nächsten Morgen erhielt ich vom ursprünglichen Veranstalter eine Mail mit 134 Euro Stornierungsgebühr.

Fazit: Nie wieder ein Hotel buchen, welches den Namen Vienna im Namen hat. Das hat beim Wien-Marathon schon nicht geklappt. Außerdem lockte der Namen ganze Heerscharen österreichischer Marathonis an. Die Zimmer waren sehr klein, es gab wenig Staumöglichkeiten und das Bad war vollkommen unpraktisch. Eine Milchglas-Tür hab ich auch noch nicht als Raumtrenner zum Schlafbereich gehabt.

Nach dem unterhaltsamen Abendessen mit der Familie (leckeres, mongolische All-You-Can-Eat) gingen wir auf dem endlosen Flur zum Zimmer. Dummerweise waren die Karten deaktiviert und so mussten wir wieder runter. So waren wir dann erst um Mitternacht im Bett.

Sightseeing

Am Samstag nach dem Frühstück fuhr Michaela allein zum Grab ihrer Oma. Ich musste Schritte sparen und nutzte die Zeit zum Vorbereiten der Startausrüstung. Alles hundertmal umgepackt. Ich wollte ja mit dem neuen Trikot laufen, welches keine Rückentaschen hatte. Mit Bauchtasche (am Rücken) ist etwas unpraktisch.

Premiere für das neue Laufshirt

Mittags trafen wir uns im Ring-Einkaufscenter, in dem eine rießige Carrera-Bahn aufgebaut war.

Kleine Nudelbox und dann wieder zurück aufs Zimmer. Um halb 4 wollten wir uns ja mit Michaelas Eltern treffen. Die Fahrt mit der Straßenbahn endete abrupt – Streckensperrung wegen Marathon. Verspätet kamen wir dann am Fernsehturm an und gingen dann zur Strecke, um die Inliner zu fotografieren.

Mit einem Affenzahn fuhren die um die Kurve und auch die Ordner vor dem Besenwagen waren auf Rollen unterwegs.

Bayerische Flüchtlinge in Berlin gesehen

Anschließend gingen wir zur Strasse „Unter den Linden“, um eine optimale Fotografierposition auszumachen. Leider vergebens und Martin quängelt auch immer rum, weil er Schritte sparen will.

Nach einem Fotoshooting am Bode-Museum (wo ist meine 100-Millionen-Goldmünze?) hatten wir im Barista am Hackeschen Markt ein gemeinsames Abendessen. Leider war die Portion Spaghetti Bolognese nicht so gross wie erhofft. Aber ich hab mir im Hotel dann noch ein kleines Päckchen Haribo Colorado reingepfiffen – Kohlehydrate pur.

Nach der Rückkehr ins Hotel duschte ich nochmal und richtete alles her. Da ich immer wieder Schmerzen in der rechten Achillessehne hatte, war ich mir über die Schuhwahl noch nicht im Klaren. Um 22 Uhr ging ich dann ins Bett und schlief bis 4 Uhr passabel und dann nur noch einmal kurz. So bin ich vor dem Wecker-Klingeln um halb 6 ins Bad.

Vor dem Lauf

Da das Hotel wegen dem Marathon ausnahmsweise um 6 Uhr schon Frühstück anbot, bin ich erstmal dorthin gegangen. Der Raum war voll von Teilnehmern, hauptsächlich Össis und Amerikaner. Etwas Kaffee und ein Brötchen sowie Müsli. Eine Banane vom Buffet verschwand zufälligerweise in der Jacke.

Danach wieder ins Zimmer und finales Anziehen. Michaela machte ein Foto von mir und dann ging es los. Vor dem Hotel war schon eine Horde Japaner, die sehr witzig gekleidet waren. Sie hatten alle Handschuhe an. Auch der King of Pop war dabei.

Michael Jackson lebt doch noch. Sie verfolgten mich bis zum Hauptbahnhof. Erst wollte ich dort noch auf die Toilette, aber die Schlange davor schreckte mich ab. So ging es der Menschenmasse hinterher über die Brücke zum Bundeskanzleramt.

Leider erreichte ich telefonisch Stefan und Wilfried nicht, aber nachdem Wilfried an mir vorbeiging rief auch Stefan zurück und er kam zu uns rüber. Die Kanzlerin wollte uns nicht zum Frühstück empfangen – Danke Merkel.

Anschließend gingen wir durch die Einlasskontrolle und gaben unsere Kleiderbeutel ab. Dummerweise hab ich vergessen, nochmal Deo nachzusprühen – das wird ja lecker.

Eigentlich dürfte ich ja in Startblock F in der zweiten Startwelle starten. Aber ich wollte mit den Beiden starten und hab auf der Messe gefragt, ob ich freiwillig nach Hinten gehen könne. So konnten wir gemeinsam in Block G mit der letzten Startwelle starten, was im Nachhinein die richtige Entscheidung war.

Bevor wir in den Block gingen nochmal kurz die Blase entleeren. Dann ging es rein und die Stimmung war schon überwältigend. Wir hatten auch eine Videowall vor uns und konnten um 9 Uhr den Start der Handbiker und dann um 9:15 den Start der Elite verfolgen. Tausende weiße und blaue Ballons stiegen auf und die Victoria von der Siegessäule glänzte durch die Sonne Heute doppelt so schön.

Stefan und ich mussten schon wieder ins Dixie-Land, kamen aber leider nicht mehr zurück zu Wilfried. Irgendwie konnte sich mein Brustband nicht mit meiner Uhr koppeln und hab aus Versehen dann den Sender von Stefan angezapft. So hatte ich seinen Puls (der ein Traumpuls ist) immer im Blick. Leider halt nicht meinen eigenen Puls.

Nachdem die ersten beiden Startwellen durch waren konnten wir nachrücken. Die Stimmung war gigantisch. Es wurden sogar die 47 Teilnehmer aus Island begrüßt mit dem Huh-Schlachtruf von der Fußballmannschaft. Gänsehaut pur, wenn Tausende die Hände zusammenklatschen und voll Inbrunst „HUH“ schreien.

Dann die Berlin-Startmelodie (an die ich mich wieder erinnern konnte), noch kurz mit Stefan die letzten taktischen Details durchgehen und uns gegenseitig viel Erfolg zu wünschen. Griff zur Kreuz-Kette und bekreuzigen. Ab geht’s – Berlin, wir kommen.

Der Lauf

Um kurz nach 10 Uhr überquerten wir die Startlinie. Das Gedränge war nicht allzu gross, so dass wir leicht zusammenbleiben konnten. Unsere Zielzeit von 3:39 Stunden (Hauptsache unter 3:45 bleiben) haben wir versucht mit der Renntaktik von Greif zu erreichen. Diese sah vor, die ersten 15km in 5:16, dann schnelle 10km in 5:07 und die restlichen 17,x km in 5:12 zu laufen. Diese Renneinteilung find ich vom Kopf her besser, als die Halbmarathon-Denke. Marathon ist zu 90% Kopfsache – der Rest ist mental.

Nach der Siegessäule

Erstmal ging es um die Siegessäule, wobei ich sehr oft zu der Victoria in ihrem goldenen Kleid hochsehen konnte. Dann weiter immer gradaus durch den Tiergarten bis zum Ernst-Reuter-Platz. Es waren sehr viele Zuschauer an der Strecke. Weiter ging es durch Alt-Moabit Richtung Kanzleramt.

Da standen auch Michaela und Birgit und konnten erste Fotos von uns machen.

Wurstlieferung für Frau Merkel

Weiter zur Friedrichstrasse und direkt auf den Friedrichstadt-Palast zu, wo wir scharf links abbogen. Ich versuchte weitestgehend mich an der blauen Linie zu orientieren, um nicht wie 2015 viel zu weit zu laufen. Wir hatten mittlerweile den anfänglichen Rückstand reingelaufen und waren sogar etwas zu schnell.

Dann ging es in Ost-Berlin weiter zum Alexanderplatz, an dem wir vielleicht Michaela und ihre Mama sehen würden. Wir waren jedoch zu schnell und auch für die Zuschauer ist es mit den Öffentlichen nicht einfach, rechtzeitig an den vereinbarten Hot-Spots anzukommen. Weiter ging es dann durch das ehemalige Ost-Berlin. Wir versuchten, trotz der hohen Temperaturen nicht jede Versorgungsstelle mitzunehmen, und machten nur bei jeder Zweiten eine kurze Pause. Der Schwamm war auch eine Abkühlung.

Bei Kilometer 15 ging der schnellste Streckenabschnitt los über Strassberger Platz weiter zum Kottbusser Tor. Da die Verpflegung hier noch reinspielte starteten wir mit einem 8er Schnitt und mussten diesen aufholen. Einmal liefen wir unter Bahngleisen durch einen Tunnel mit Samba-Trommlern. Brutale Lautstärke, was unheimlich pushed. Ich hatte ja meinen Walkman nicht dabei, um die geniale Stimmung in Berlin mit seinen tollen Bands und den Zuschauern geniessen zu können.

Zudem konnte ich mich so mit Stefan besser verständigen. Obwohl der Martin am Anfang viel plappert wird er am Schluss immer doch sehr wortkarg. Außerdem hatte ich ja keine Kontrolle über meinen Puls, der sicher um einiges höher lag als Stefans‘.

Kurz vor dem Rathaus Schöneberg lag die Halbmarathon-Marke. Mittlerweile hatten wir den 5:07-Schnitt gut erreicht und es lief bei uns Beiden noch gut. Am Streckenrand rief mir Michaelas‘ Mama Birgit zu. Leider konnte uns Michaela hier nicht fotografieren, da wir in einer Gruppe liefen.

Eine Frau hob eine Tafel hoch, dass Eliud Kipchoge den Weltrekord mit 2:01:39 um mehr als 1 Minute verbessert hat. So können wir später behaupten, dass wir dabei gewesen sind und er Angst vor genau uns hatte. Aber noch ist fast die ganze zweite Hälfte vor uns *heul*.

Fantastisch: Eliud Kipchoge besiegt mich zum zweiten Mal in Berlin – mit Weltrekord

Kurz darauf kam die nächste Verpflegungsstation bei KM 25 und unser letzter Streckenabschnitt begann: „bloss“ noch 17,xx Kilometer. So langsam setzt die Müdigkeit ein, die Füsse werden schwerer und seit km 1 muss ich eh schon wieder bieseln. Aber ich wollte Stefan nicht beunruhigen und nachher hat er mir gesagt, dass es ihm genauso ergangen ist. Die Zusammenarbeit funktionierte perfekt. Mal er vorn, mal ich vorn. Ich wollte auch nicht wieder am Schluss wie in München einbrechen und Biss deshalb umso mehr auf die Zähne.

Bei km 30 kamen wir wieder zu einem Platz mit sehr vielen Menschen, dem Wilden Eber, und langsam drehte sich die Strecke Richtung Ku’damm. Nach der Verpflegung bei km 32 sollten Stefans Frau und Freunde von Ihnen stehen. Da mussten wir wieder frisch aussehen. Sie sahen uns, aber wir hatten ja noch 10 Kilometer vor uns. Endlose Kilometer.

Erstmal weiter zur Gedächtniskirche und weiter am Kurfürstendamm Richtung Osten. Es ging immer geradeaus, aber es waren noch sehr viele Leute an der Strecke. Auch erhaschen wir immer wieder ein kleines Windchen, welches für Abkühlung sorgte. Dann holten wir den 4:00-Pacemaker eines früheren Startblocks ein und mussten weiräumig um die um ihn herumlaufende Traube herumlaufen.

Aus der Ferne sah man auch das DB-Hochhaus am Potsdamer Platz. Plötzlich machte es beim Landen auf dem rechten Fuss platsch und brannte stark im Zehenbereich. Da muss wohl das Hühnerauge, das ich seit einiger Zeit rumschleppe, geplatzt sein. Von da weg brannte es an den rechten Zehen mit jedem Auftreten.

Von der geplanten Durchschnittspace von 5:12 für den letzten Abschnitt waren wir ständig ca. 10 Sekunden entfernt. Mit 3:39 wird es wohl nix mehr, aber wir einigten uns, dass wir unter 3:45 bleiben wollten – ja mussten. Somit waren weder Gehpausen noch Schwächephasen drin.

So ließen wir die letzte Verpflegung vor dem Potsdamer Platz aus (@Stefan: Ich hab echt geglaubt, dass da noch eine Station kommt). Am Potsdamer Platz vor der Mall of Berlin sahen wir nochmal Michaela und Birgit.

Dann liefen wir zum Gendarmenmarkt. Plötzlich lag eine ältere Frau auf der Straße – sie war wohl beim Versuch, die Straße zu queren, gestolpert. Die Brille halb vom Kopf runtergerissen und ihre weiße Hose war danach wohl nicht mehr blütenweiß. Aber immer wieder versuchen es Leute, teils mit Fahrrad, die Strecke zu queren. Das hätte am Samstag bei den Inlinern einen bösen Unfall gegeben.

Danach ging es parallel zur Strasse „Unter den Linden“ weiter, bis wir auf die Straße zuliefen. Stefan schrie mir nach, dass ich loslaufen kann. Noch 1 km und ich legte los. Scharf um die Kurve und dann waren die Besuchermassen da. Vorbei an Russischer Botschaft und Hotel Adlon ging es unter tossendem Applaus im Schlussprint auf das Brandenburger Tor zu.

Nachdem ich vor 3 Jahren links durchlief, wollte ich Heute in der Mitte durchlaufen. Geniales Gefühl. Nun noch ein paar Hundert Meter im Vollsprint mit 14 km/h bis endlich der blaue Teppich beginnt.

Auf der Ziellinie noch möglichst Viele überholen und dann beide Hände ausgestreckt mit allen zehn Fingern nach oben reißen. Der zehnte Marathon ist geschafft. Uhr stoppen, und bei 3:43:31 (offiziell 3:43:27) bin ich durchs Ziel gelaufen. Neue Persönliche Bestzeit und endlich „Breaking 3:45“.

10 Fingers for 10 Marathons

Nur 8879 Männer zwischen mir und dem neuen Weltrekordinhaber. Stefan kam ein paar Sekunden später ins Ziel und wir beglückwünschten uns gegenseitig zu unserer tollen Leistung.

Endlich bekamen wir die wohlverdiente Medaille überreicht und gingen erstmal zur Verpflegungsstation und tranken etwas. Stefan musste sich an die Absperrung setzen. Ich wollte mich nicht hinsetzen, da ich NIE wieder hochgekommen wäre. Neben ihm saß ein Erstbezwinger, der es in sagenhaften 3:32 schaffte und nie wieder einen Marathon laufen wollte. Ich erzählte ihm von dem Suchtfaktor und dass er unbedingt mal Hamburg, Füssen und Wien machen muss. In ein paar Tagen wird er sich sicher anmelden.

Ein anderer Läufer musste sich kopfüber an den Zaun gelehnt entleeren. Aber in Berlin ist immer Jemand vom medizinischen Dienst zur Hand. Danach gingen wir zum Erdinger und holten unseren Kleiderbeutel ab. Ich zog mich bei strahlendem Sonnenschein auf dem Platz vor dem Reichstag um und versuchte, Wilfried zu kontaktieren.

Dann verabschiedete ich mich von Stefan, der zu seiner Frau Ruth wollte. Ich sprach Wilfried auf die Mailbox und ging zur Medaillengravur und Urkundenausgabe. Dann rief mich Michaela an, dass er schon bei ihnen am Brandenburger Tor war. So machte ich mich auch auf den Weg, wollte aber noch aufs Dixie. Aber da waren zwei Kabinen und eine Riesenschlange. Gut, vielleicht kommt ja nachher noch was.

Raus aus dem Gelände und da sah ich sie schon sitzen. Ich musste jetzt aber wirklich. Gottseidank bekam ich gleich eine freie Kabine. Der Mann der rauskam sagte, dass die ganz übel sei. Ich habe versucht, nicht in die Schüssel zu sehen und nur zu pinkeln. Augen zu und durch.

Auf dem Rückweg dann gleich eine Currywurstsemmel (heißt hier Brötchen) gekauft und genüßlich verputzt.

Später sind wir dann zusammen mit Wilfried zum Hauptbahnhof gegangen. Er musste ja nach Leipzig. Am Alex verabschiedeten wir uns von Birgit und fuhren zum Hotel.

Nach dem Rennen

Erstmal raus aus den Klamotten. Socken ausziehen wird spannend. Zunächst den linken Socken – Fuss sieht OK aus, keine Blasen, der „Zeigezeh“ war davor schon schwarz. Dann der kritische rechte Socken: Oben OK, unten ist anscheinend etwas geplatzt, aber kein Blut. Dann unter die Dusche und schöne Kalt-Warm-Duschen. Danach schön mit Weihrauchbalsam eingeschmiert und etwas hinlegen.

Nach der schwierigen Restaurantsuche hat Michaela mich angeschaut und gesagt, dass wir zum Ostkreuz in das Restaurant „Hüftgold“ fahren. Wie sie da wohl draufgekommen ist? Da die Startnummer ja bis 22 Uhr als BVG-Karte galt haben wir diese eingepackt und sind dann zur S-Bahn. Nicht so tolle Gegend, aber lauter nette kleine Kneippen mit witzigen Tafeln.

Ich bestellte mir ein Alkoholfreies (richtiges Bier gibt’s im Zimmer) und eine leckere Brokkolicremesuppe. Die war zwar sehr versalzen, aber das hab ich bewusst selber gemacht. Zum Hauptgang gab es für mich Rigatoni mit Hähnchenbrustfilet. Sehr gut. Michaelas Cordon bleu sah eher aus wie eine Roulade, hat ihr aber auch sehr geschmeckt. So hatte ich wenigstens die Kalorien, die ich von Stefans Brustgurt geklaut habe, schnell wieder reingefressen.

Im Bett gab es das Feier-Bier von Urköstritzer und ich bin friedlich eingeschlafen. Krämpfe hatte ich zwar keine, aber jedes Umdrehen war mit Schmerzen verbunden. Ab 4 Uhr konnte ich fast gar nicht mehr schlafen. Immer wieder kurz wegdösen. Am Morgen unter die Dusche, mit zahlreichen Finishern (die auch noch etwas wackelig auf den Beinen waren) zum Frühstücksbuffet gehen und alles Zusammenpacken für den Checkout.

Im Hauptbahnhof noch kurz bummeln. Gefühlt hat jeder Zweite ein Finisher-Shirt an oder die Medaille um den Hals hängen – und ein breites, zufriedenes Gesicht (wenn es eine Rolltreppe gibt). Da der Zug um halb 2 ging, gönnten wir uns noch einen Döner. Die Bahnfahrt mit dem „normalen“ ICE über Erfurt bis Nürnberg war OK, dann gab es ein Problem mit dem Triebfahrzeug und plötzlich hatten wir mehr als eine halbe Stunde Verspätung. Ein paar notorische Nörgler brachten gleich Unruhe in die Menge. Dann plötzlich ging es weiter und der Zugführer sprach auf einmal fränggisch und fränglisch. Aber um kurz nach 19 Uhr waren wir dann in Pasing und konnten noch Semmeln kaufen und bald darauf mit der S-Bahn nach Gernlinden fahren. Endlich daheim – und mit der Lucky war auch alles in Ordnung. Jetzt ist erst mal Lauf-Pause.

Rennvideo

Medaille

Strecke

Streckenvideo

Hier könnt Ihr die Strecke nochmal „mitlaufen„.

Urkunde

Stolz wie Bolle

Finisher-Shirt

Finisher-Poster

BMW = Freude am Fahren vs. Martin Glas = Freude am Laufen

08.10.2017: 32. München Marathon

Anmeldung

Da ich 2017 ja bereits in Hamburg war, Füssen noch vor der Tür stand und um die Kosten für das Marathon-Hobby nicht so sehr in die Höhe zu treiben, habe mich gegen mein ursprüngliches Ziel – den Marathon von Leipzig nach Halle zu laufen – entschieden. Es musste etwas in der Nähe sein, ohne großartige Kosten für Hotel und Anreise. München kenn ich und bin 2015 dort meinen zweiten Marathon gelaufen. Da komm ich mit der S-Bahn hin, auch wenn ich die Strecke damals nicht so toll fand. Aber nachdem sich meine Arbeitskollegen Stefan und Martin entschieden haben, auch den 32. München Marathon zu laufen, war die Entscheidung klar.

Kurz vor Ablauf der zweiten Anmeldeperiode meldeten wir uns zu dem Schnäppchenpreis von 85 Euro pro Person kurz vor dem 30.06.2017 an. Ich war zwar noch etwas skeptisch, da ich ja Ende Juli den Füssen-Marathon vor mir hatte. Zusätzlich fand ich das obligatorische Finisher-Shirt mit 38 Euro unverschämt teuer.

Trainingsplan

Gleich einen Tag nach dem Füssen-Marathon trafen wir drei uns beim Mittagessen zum Kick-Off und unterhielten uns über unser gemeinsames Vorhaben: Nach dem Marathon ist vor dem Marathon. Stefan war schon fleißig am Trainieren und Martin C. war auch gut im Training. Beide haben bisher je einen Marathon erfolgreich absolviert – Stefan 2010 in New York mit 4:27 und Martin C. mit 3:58 dieses Jahr ja in Hamburg. Ich machte fast eine ganze Woche Laufpause, bevor es dann losging mit dem 10-Wochen-Training. Wir nahmen uns vor, nach dem 3:45-Stunden-Plan von Herbert Steffny zu trainieren. Der hat sich bei mir in Füssen überraschend gut bewährt. Ich habe mich während der Vorbereitungszeit weitgehend an den Plan gehalten und auch die langen Läufe um die 30 km liefen überraschend gut. Dabei bin ich viermal von der Arbeit nach Hause gelaufen – zwischen 26 und 32 Kilometer. Martin C. schwenkte sogar auf den 3:30-Stunden-Plan um und wollte diese Marke angreifen.

Anreise

Die Anreise erfolgte am 6.10.2017 direkt nach der Arbeit, als ich zur Marathon-Messe in die Olympiahalle fuhr.

Olympiahalle München

Eingang

Erstmal in die falsche Richtung abgebogen und genau auf der Gegenseite der Halle sagten die Ordner mir, dass ich von der anderen Richtung zur Startnummern-Ausgabe muß. Ich biß mir auf die Zunge und sagte nix – drin war keine Menschenschlange und nur 4 Läufer an den Terminals. Im Nachhinein hab ich gehört, dass es Vielen ähnlich erging und sie sich richtig beschwert hatten. Also nochmal um das obere Rund der Olympiahalle, bis ich endlich die Startnummer hatte. Dann weiter zur Startbeutelausgabe, der relativ stabil aussieht.

Startbeutel für Klamotten

Die Ausgabe erfolgte durch Flüchtlinge, was ich eine schöne Aktion fand. Zum Schluss noch das Finishershirt abholen und etwas auf der Messe herumschauen. Da hinkt München hinter den Messen in Berlin, Frankfurt und Hamburg sehr stark hinterher. Nicht mal Sleepies gab es 🙁 Dafür einen BMW-Schlüsselanhänger mit der Strecke. Auf der Heimfahrt gab es ein sehr starkes Unwetter in München mit Hagel, Sturm und starkem Regenfall. Das die Straßen in der bayerischen Landeshauptstadt nicht die Allerbesten sind, merkt man an den Pfützen auf den Straßen. Hoffentlich wird das Wetter am Sonntag besser – aber die Vorhersagen verhießen nix allzu Gutes.

Hotel

Da wir ja an der S-Bahnstrecke wohnen und zum Olympiastadion öffentlich nur ca. 45 Minuten brauchen, ist der Vorteil von München, dass wir hier kein Hotel brauchen. Ich wollte diesmal auch mit der S-Bahn fahren, da es mir nach dem WingsForLife-Lauf im Mai nicht gut ging und es schon ziemlich gefährlich war, mit dem Auto zu fahren. Schön ist in München, dass die Startnummer zur kostenlosen Fahrt beim MVV berechtigt. Das ist nicht überall so. Meine beiden Kollegen wohnen direkt in München, also für Alle ohne Reisestrapazen. Ich durfte mir von Köchin Michaela auch meine Leibspeise für das Abendessen am Samstag wünschen: Spaghetti Bolognese 🙂

Startnummer

Anfang Oktober bekamen wir die Email mit der Teilnahmebestätigung und der Startnummer: 3087.

Startnummer

Kurz vor dem Lauf

Die Prognosen für den 8.10.2017 waren Anfang der Woche noch katastrophal: 4-6 l/m² pro Stunde während des Laufes, windig und kalt. Die Niederschlagsmenge sank im Laufe der Woche (und verschiedenen Wetterberichte), dafür nahm die Windgeschwindigkeit zu. Am Samstag sagten sie für das Rennen jedoch nur geringe Regenmengen an, dafür aber mittelstarken Wind mit Böen bis zu 50 km/h. Ich stellte mich also auf ein Sauwetter ein und richtete das lange Kompressionshemd und die Laufmütze her. Am Samstag Abend noch die Mizuno Wave Rider 19 Hamburg Edition für ihren letzten Einsatz gegen das Wasser imprägnieren und Alles kontrollieren. Nach dann 3 Marathons und 3 Halbmarathons in 2017 haben sie sich den Ruhestand wohlverdient.

„wir gehen nun in den Ruhestand“ 

Nach einer unruhigen Nacht wachte ich um kurz vor 6 Uhr auf und frühstückte nochmal anständig. Danach zog ich die „Unterwäsche“ an und tapte meine Achillessehnen. Nebenzu lief gerade der Start des Formel 1-Rennens in Suzuka. Auch mal ganz schöne Unterhaltung. Um kurz nach 7 Uhr ging es dann los.

Selfie vor der Abfahrt

Beim Verlassen des Hauses schaute ich kurz in mein Handy. Martin C. schrieb per WhatsApp in die Gruppe, dass er sich nicht gut fühlt und bei dem Wetter lieber nicht starten wird. So werden aus 3 Musketieren schnell mal zwei Musketiere.

Ausnahmsweise bin ich mit dem Auto vom Haus zur S-Bahn in Gernlinden gefahren, die auch schnell kam. Es war durch den Wind bitterkalt draußen, aber in der S-Bahn war es wenigstens schön warm. Es waren relativ wenige Mitläufer in der S-Bahn, aber am Marienplatz standen schon zahlreiche Läufer. In der U-Bahn traf ich ein nettes Paar (um die 60 Jahre) aus dem Kraichgau. Wir unterhielten uns über unsere „Triumphe“ der Vergangenheit. Der Mann wollte unter 3:30 Stunden laufen. Das ist leider nicht meine Kategorie, aber die 3:45 Stunden sollten Heute geknackt werden. In Füssen fehlten ja nur 34 Sekunden. Wir gingen dann zum Olympiastadion-Eingang und ich besuchte erstmal die Toilette.

Vor dem Start noch alles leer

Nun zur Umkleide und nochmal checken, wo der Treffpunkt in der Halle genau war. Die Umkleidemöglichkeit beim München-Marathon sind ehrlich gesagt eine Zumutung. Hinter sperrangelweit-offenen „Sichtschutz“-Wänden zieht man sich da auf (teilweise regennassen) Bierbänken um. Und durch den starken Wind drohten diese, in jedem Moment umzukippen. Wir hielten mit einer Hand die Stangen zurück und zogen uns an. Irgendwann sagte ich, dass wir die Bänke in den Innenraum stellen sollten, damit sich Keiner vor dem Rennen verletzt. Dann den Kleiderbeutel abgeben und los Richtung Olympiahalle. Nochmal kurz auf die Toilette (Nr. 2). Dabei fiel mir ein, dass ich meinen Walkman-Fernbedienungs-Ring im Beutel vergessen habe. Also wieder zurück und dabei lief mir Stefan über den Weg. Wir gingen wieder zurück und zur Abwechslung gleich mal wieder auf die Toilette im Olympiastadion. Wir blieben dann in den Katakomben des Stadions, um uns vor dem eisigen Wind etwas zu schützen.

Um kurz vor 10 Uhr (unser Startblock war um 10:10 Uhr) gingen wir erneut auf die Toilette – nervöse Blase . Dann runter zum Coubertainplatz und dort konnten wir den Startschuss der Böllerschützen direkt verfolgen.

Wir schlichen uns in die zweite Startwelle. Kurz noch die Laufuhr programmieren auf 3:45 Stunden und schon bewegten wir uns in Richtung Startlinie.

Der Lauf

Auf geht’s – so steht es auf dem Startbogen. Seit Montag bin ich keinen Meter mehr gelaufen und nun soll/muss/darf ich 42,195 km laufen bei saukaltem Herbstwetter. Noch ist es trocken. Nach dem Coubertainplatz bewegte sich der Tross leicht hoch am Rande des Stadions entlang. Es gab kein großes Gedränge und so konnten wir leicht zusammen bleiben. Die ersten Kilometer konnten wir super unser angestrebtes Tempo von 5:23 min/km für die ersten 15 km erreichen. Beide hätten wir schon wieder auf die Toilette gemusst und waren dabei nicht die Einzigen –  immer wieder verschwand Einer in die Büsche . Aber wir wollten bis zum Englischen Garten durchhalten – knallharte Jungs halt. Nach km 5 kam dann an der Siegessäule die erste Kehre.

Weiter geht’s durch Schwabing zur ersten Wechselstelle für die Marathonstaffeln. Kurz danach stand unser Firmenchef am Straßenrand und wir klatschten ihn ab. Er ist selbst erfahrener Marathoni und es ist toll, wenn man angefeuert wird. Vielleicht zahlt es sich bei der nächsten Gehaltsrunde ja aus . Danach ging es in den Englischen Garten Richtung Norden und dann wieder südwärts. Kurz vor der Verpflegung bei km 10 gingen wir dann in die Büsche, um diese zu Gießen. Bis zum Ausgang des Englischen Gartens hatten wir den Zeitverlust wieder reingeholt. Dort feuerte unser Chef uns auch nochmal lautstark an. Bei km 15 waren wir sogar 4 sec/km schneller als der Plan mit einer durchschnittlichen Kilometerzeit von 5:23 Minuten.

Nun standen 10 schnelle Kilometer mit 5:14 an. Durch Bogenhausen ging es leicht bergauf bis zur Halbmarathon-Marke. Der Wind war ekelhaft. Kurz vor dem Halbmarathon konnten wir ein BMW-Pacercar überholen. Ist auch mal ganz schön, einen BMW zu überholen. Bei km 22,5 hatte ich meine erste Eigenverpflegung-Flasche deponieren lassen. Durch den Regen hat sich der wasserfeste Stift gelöst und ich hatte plötzlich blaue Finger. Von den Fingern hingegen ging die Farbe nicht mehr ab – erst am Abend. Danach ging es durch Oberföhring zum östlichsten Punkt der Strecke. Keine sehr schöne Gegend und wenige Zuschauer. Am Leuchtenberg war km 25 erreicht und der schnellste Streckenabschnitt war planmäßig erreicht.

Die letzten 17 km müßten wir nur noch das Durchschnittstempo von 5:23 halten und könnten so das Ziel in Sub-3:45 erreichen. Aber leider läuft das (Marathon-)Leben nicht immer geradlinig. Am Ostbahnhof vernebelte uns erstmal eine uralte Dampflokomotive die Sicht und dank meines Bayern (nicht FC)-Buff atmete ich nicht so viel Abgase ein. Es blieb zwar trocken, aber der Wind zehrte schon an den Nerven und der Motivation.

Endlich wieder über die Isar laufen und durch Haidhausen am Deutschen Museum entlang.  Bei km 31 beginnt doch erst der schönere Teil des München-Marathon. Doch irgendwie konnte ich es nicht genießen. Ich fühlte mich scon wie im Tunnel und nahm die Umgebung fast nicht mehr wahr. Es waren zwar mehr Leute in der Innenstadt, aber so richtig genießen konnte ich es diesmal nicht.

Auf dem Marienplatz

Über den Marienplatz ging es zum Odeonsplatz.

Kurz nach dem Odeonsplatz trafen wir Stefan Frau und legten einen kleinen Fotostop ein.

Auf geht es zum letzten Streckenabschnitt durch die Maxvorstadt. Die Oberschenkel waren kurz davor, zuzumachen und ich hatte keinen Bock mehr. Ich dachte sogar, an mein „Karriereende“ als Marathon-Läufer nach. Aber Stefan zog mich förmlich mit. Zu allem Überfluss noch eine grauenhafte Darbietung von „Highway to hell“ von einer Streckenband. Schrecklich.

Auf dem Königsplatz

Am Königsplatz dann die Kehre und jetzt wieder zurück Richtung Universität – nochmal an der Band vorbei.

Die Blasmusikkapelle am Englischen Garten und die zahlreichen Trommelgruppen waren viel besser. Jetzt heisst es Zähne zusammenbeißen. Wir waren mittlerweile über 2 Minuten hinter dem Plan. Bei km 37 dann entlang des Siegestores ging es nochmal über den Anfangsstreckenabschnitt.