Marathon No. 10: 45. BMW-Berlin-Marathon 2018

Mission Breaking 3:45

Anmeldung

Gleich am ersten Tag der Registrierungsphase im Oktober 2017 hab ich für einen der Startplätze für den 45. BMW-Berlin-Marathon angemeldet. Michaelas‘ Papa Wilfried wollte es auch nochmal probieren. Und meine Kollegen Stefan, Martin C. und Sarah haben sich ebenfalls beworben. In Berlin gibt es zwar ca. 45.000 Startplätze, aber da es Plätze für fixe Starter, über die Zeit qualifizierte schnelle Läufer, Charity-Starter und viele Reiseveranstalter gibt, ist die Zahl der im Lostopf verfügbaren Plätze limitiert. Ende November 2017 kam dann die Mail, dass ich wieder gewonnen habe und am 16.09.2018 dabei sein darf.

Ja, is denn Heut scho Weihnachten?!?

Das Datum kam mir bekannt vor. Deshalb schnell meine Mutter angerufen, wann sie geheiratet haben. 1968 oder 1969? Huch, 1969. Nicht dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner Eltern nicht dabei bin. Stefan, mit dem ich den München Marathon gelaufen bin, wurde gelost. Und auch Sarah, die im Mai den Rennsteig-Marathon bezwang, bekam den Zuschlag. Wilfried schrieb mir auch, dass er dabei sein wird. Nur Martin C. hatte kein Glück – zum dritten Mal in Folge. Mein Losglück liegt nun bei 2:1. Das Shirt wollte ich mir auf der Messe kaufen, aber diesmal die Medaille gravieren lassen.

Trainingsplan

Genau wie für den Rennsteiglauf entschied ich mich für den 12-wöchigen Trainingsplan von Andreas Butz mit einer Zielzeit von 3:39 Stunden. Ziel war es, endlich die 3:45 Stunden zu knacken. Falls ein Einbruch während dem Lauf passiert wollte ich wenigstens unter der 4:00:49 von meinem ersten Marathon in Berlin 2015 bleiben.

Da wir eine Woche nach dem Rennsteig für 2 Wochen nach Ägypten reisten, war die erste Woche noch eher ruhiger. Dann ging der Trainingsplan aber gleich mit einem Kracher los, dem SportScheck-Halbmarathon in München. Im großen und ganzen konnte ich den Plan auch einhalten. Meist mit Laufeinheiten am So, Mo, Di und dem langen Lauf am Donnerstag. Nur am Schluss war die Luft (und Lust) etwas heraus.

Anreise

Da Flug (mit Koffern) zu teuer war, entschieden wir uns für die Bahn. Da ich einmal mit dem ICE Express von München nach Berlin in unter 4 Stunden reisen wollte (und dort auch unter 4 Stunden laufen wollte), mussten wir jedoch schon um kurz vor 6 Uhr am Donnerstag am Hauptbahnhof sein. D.h. seeeehr früh aufstehen, also um 4 Uhr. Leider haben wir in der Nacht auch nicht allzu viel Schlaf abbekommen. Da es morgens wie aus Kübeln regnete, fuhren wir mit dem Auto zum Bahnhof. Die S-Bahn war ungewohnt pünktlich und auch das Umsteigen in den ICE klappte hervorragend. Der fuhr pünktlich los und stoppte nach ein paar Hundert Metern wieder – Türprobleme. Aber mit leichter Verspätung ging es dann endgültig los. Stellenweise fuhr er 280 km/h.

So kamen wir fast pünktlich um kurz vor 10 Uhr in Berlin am Hauptbahnhof an. Nach kurzem Aufenthalt fuhren wir zum Platz der Luftbrücke am ehemaligen Stadtflughafen Tempelhof.

Dort war nach zwei Jahren erstmals wieder die Messe, die um 11 Uhr öffnete. Als wir am Einlass waren, meinte der Ordner, dass wir unsere Koffer an der Gepäckabgabe abgeben müssten. Nochmal zurück, kurzes Fotoshooting mit Fridolin Flink und dann der nächste Einlassversuch.

Dick und Doof (war einer der Kommentare zu dem Bild)

Geklappt. Zuerst konnte Michaela noch mit, aber dann ging ich in den streng kontrollierten Bereich. Wir vereinbarten einen Treffpunkt bei der Inline Skater-Messe, damit sie in der Zwischenzeit shoppen konnte. Erstmal Startpass-Kontrolle, dann Startarmband, danach Ausweiskontrolle. Dann durch die Messe-Hangars zum Einlass für die Startunterlagenabholung, am Brandenburger Tor.

Ein Geschiebe und Gedränge in Schlangenlinien. Es waren alle Nationen am Start. Die Nummernausgabe ging jedoch zügig, da in Berlin alles super organisiert ist und ausreichend Ausgabeschalter vorhanden sind. Dann noch kurz das Finisher Shirt beim Adidas-Stand zum stolzen Preis von 35 Euro kaufen. Die verdienen sich dort eine goldene Nase. Noch kurz an der Marathon-Wand verewigt und etwas bummeln.

Da die Preise gesalzen sind, hab ich mir nur wieder das Sonderglas von Erdinger Alkoholfrei geholt. Die Füllung bekam ich am Stand vom Rennsteiglauf. Da ich im Finisher Shirt vom letzten Marathon immer zur Abholung gehe, hab ich sogar eine Flasche Urköstritzer bekommen. Die wird erst nach dem Lauf genossen, war mein Plan.

Gibt’s erst danach – wenn Alles klappt

Als ich Michaela wieder traf, wollten wir uns erstmal was zum Essen holen. Naja, diese Pulled Pork-Burger waren klein und teuer – satt waren wir danach nicht. Da wir eh am Abend zum Essen gehen wollten, musste das vorerst reichen.

Danach wollten wir zum Hotel aufbrechen. Ich wollte mir noch ein Event-Cap kaufen, aber eine Frau hat mir das Letzte weggekauft. So gingen wir und holten unsere Koffer ab. Noch ein Fotoshooting und dann sahen wir mehrere Leute in tollen Jacken. Michaela wollte auch eine Jacke und so lief sie nochmal zum Adidas-Stand. Ich wartete vor der Messe und nach kurzer Zeit konnte ich fließend polnisch, japanisch und spanisch. Leider waren die Jacken dann doch nix und außerdem viel zu teuer. Aber sie bekam drinnen noch das Cap. Sie sagte, dass die Schlange bei der Abholung nun rießig ist.

Hoffentlich erwischts mich nicht nochmal

Auf dem Weg zum Bahnhof noch ein kleines Hinweisschild auf der Strasse fotografieren, was mich an den Tag nach dem ersten Berlin-Marathon erinnerte. Diesmal klauen sie mir hoffentlich nicht Geldbeutel. Danach fuhren wir mit der Ring-Sbahn zum Hotel, das direkt an der Haltestelle lag.

Hotel

Wir waren von der Fahrt und der Berlin Vital Messe schon ziemlich fertig und wollten nur noch aufs Zimmer. Um 17:30 Uhr sollten wir Michaelas‘ Mama und ihren Bruder mit Chrissi treffen. An der Rezeption gab ich den Hotel-Voucher ab. Dauert etwas lange – besorgniserregend lange. Der Portier fragte mich, ob wir am Vormittag schon eingecheckt haben. Komisch. Er ging nach Hinten und kam wieder.

Ich holte am Handy die Bestätigungsmail heraus. Er rief dann bei Check24 und spendierte uns einen Kaffee. Danach telefonierte ich mit der Dame von der Check24-Hotline. Alles schien OK zu sein, aber das Reiseunternehmen hatte wohl die Buchung nicht ans Hotel weitergereicht. Wieder warten, dann kam der Portier mit unseren Karten. Endlich konnten wir ins Zimmer. Da schellte schon das Telefon und die Dame von der Hotline war am Apparat. Sie erreicht bei dem Veranstalter niemand und ich sollte nochmal eine Buchung machen. So buchte ich das bereits bezahlte Zimmer für 408 Euro nochmal über Expedia für 530 Euro. Den würde ich aber wieder zurückbekommen. Am nächsten Morgen erhielt ich vom ursprünglichen Veranstalter eine Mail mit 134 Euro Stornierungsgebühr.

Fazit: Nie wieder ein Hotel buchen, welches den Namen Vienna im Namen hat. Das hat beim Wien-Marathon schon nicht geklappt. Außerdem lockte der Namen ganze Heerscharen österreichischer Marathonis an. Die Zimmer waren sehr klein, es gab wenig Staumöglichkeiten und das Bad war vollkommen unpraktisch. Eine Milchglas-Tür hab ich auch noch nicht als Raumtrenner zum Schlafbereich gehabt.

Nach dem unterhaltsamen Abendessen mit der Familie (leckeres, mongolische All-You-Can-Eat) gingen wir auf dem endlosen Flur zum Zimmer. Dummerweise waren die Karten deaktiviert und so mussten wir wieder runter. So waren wir dann erst um Mitternacht im Bett.

Sightseeing

Am Samstag nach dem Frühstück fuhr Michaela allein zum Grab ihrer Oma. Ich musste Schritte sparen und nutzte die Zeit zum Vorbereiten der Startausrüstung. Alles hundertmal umgepackt. Ich wollte ja mit dem neuen Trikot laufen, welches keine Rückentaschen hatte. Mit Bauchtasche (am Rücken) ist etwas unpraktisch.

Premiere für das neue Laufshirt

Mittags trafen wir uns im Ring-Einkaufscenter, in dem eine rießige Carrera-Bahn aufgebaut war.

Kleine Nudelbox und dann wieder zurück aufs Zimmer. Um halb 4 wollten wir uns ja mit Michaelas Eltern treffen. Die Fahrt mit der Straßenbahn endete abrupt – Streckensperrung wegen Marathon. Verspätet kamen wir dann am Fernsehturm an und gingen dann zur Strecke, um die Inliner zu fotografieren.

Mit einem Affenzahn fuhren die um die Kurve und auch die Ordner vor dem Besenwagen waren auf Rollen unterwegs.

Bayerische Flüchtlinge in Berlin gesehen

Anschließend gingen wir zur Strasse „Unter den Linden“, um eine optimale Fotografierposition auszumachen. Leider vergebens und Martin quängelt auch immer rum, weil er Schritte sparen will.

Nach einem Fotoshooting am Bode-Museum (wo ist meine 100-Millionen-Goldmünze?) hatten wir im Barista am Hackeschen Markt ein gemeinsames Abendessen. Leider war die Portion Spaghetti Bolognese nicht so gross wie erhofft. Aber ich hab mir im Hotel dann noch ein kleines Päckchen Haribo Colorado reingepfiffen – Kohlehydrate pur.

Nach der Rückkehr ins Hotel duschte ich nochmal und richtete alles her. Da ich immer wieder Schmerzen in der rechten Achillessehne hatte, war ich mir über die Schuhwahl noch nicht im Klaren. Um 22 Uhr ging ich dann ins Bett und schlief bis 4 Uhr passabel und dann nur noch einmal kurz. So bin ich vor dem Wecker-Klingeln um halb 6 ins Bad.

Vor dem Lauf

Da das Hotel wegen dem Marathon ausnahmsweise um 6 Uhr schon Frühstück anbot, bin ich erstmal dorthin gegangen. Der Raum war voll von Teilnehmern, hauptsächlich Össis und Amerikaner. Etwas Kaffee und ein Brötchen sowie Müsli. Eine Banane vom Buffet verschwand zufälligerweise in der Jacke.

Danach wieder ins Zimmer und finales Anziehen. Michaela machte ein Foto von mir und dann ging es los. Vor dem Hotel war schon eine Horde Japaner, die sehr witzig gekleidet waren. Sie hatten alle Handschuhe an. Auch der King of Pop war dabei.

Michael Jackson lebt doch noch. Sie verfolgten mich bis zum Hauptbahnhof. Erst wollte ich dort noch auf die Toilette, aber die Schlange davor schreckte mich ab. So ging es der Menschenmasse hinterher über die Brücke zum Bundeskanzleramt.

Leider erreichte ich telefonisch Stefan und Wilfried nicht, aber nachdem Wilfried an mir vorbeiging rief auch Stefan zurück und er kam zu uns rüber. Die Kanzlerin wollte uns nicht zum Frühstück empfangen – Danke Merkel.

Anschließend gingen wir durch die Einlasskontrolle und gaben unsere Kleiderbeutel ab. Dummerweise hab ich vergessen, nochmal Deo nachzusprühen – das wird ja lecker.

Eigentlich dürfte ich ja in Startblock F in der zweiten Startwelle starten. Aber ich wollte mit den Beiden starten und hab auf der Messe gefragt, ob ich freiwillig nach Hinten gehen könne. So konnten wir gemeinsam in Block G mit der letzten Startwelle starten, was im Nachhinein die richtige Entscheidung war.

Bevor wir in den Block gingen nochmal kurz die Blase entleeren. Dann ging es rein und die Stimmung war schon überwältigend. Wir hatten auch eine Videowall vor uns und konnten um 9 Uhr den Start der Handbiker und dann um 9:15 den Start der Elite verfolgen. Tausende weiße und blaue Ballons stiegen auf und die Victoria von der Siegessäule glänzte durch die Sonne Heute doppelt so schön.

Stefan und ich mussten schon wieder ins Dixie-Land, kamen aber leider nicht mehr zurück zu Wilfried. Irgendwie konnte sich mein Brustband nicht mit meiner Uhr koppeln und hab aus Versehen dann den Sender von Stefan angezapft. So hatte ich seinen Puls (der ein Traumpuls ist) immer im Blick. Leider halt nicht meinen eigenen Puls.

Nachdem die ersten beiden Startwellen durch waren konnten wir nachrücken. Die Stimmung war gigantisch. Es wurden sogar die 47 Teilnehmer aus Island begrüßt mit dem Huh-Schlachtruf von der Fußballmannschaft. Gänsehaut pur, wenn Tausende die Hände zusammenklatschen und voll Inbrunst „HUH“ schreien.

Dann die Berlin-Startmelodie (an die ich mich wieder erinnern konnte), noch kurz mit Stefan die letzten taktischen Details durchgehen und uns gegenseitig viel Erfolg zu wünschen. Griff zur Kreuz-Kette und bekreuzigen. Ab geht’s – Berlin, wir kommen.

Der Lauf

Um kurz nach 10 Uhr überquerten wir die Startlinie. Das Gedränge war nicht allzu gross, so dass wir leicht zusammenbleiben konnten. Unsere Zielzeit von 3:39 Stunden (Hauptsache unter 3:45 bleiben) haben wir versucht mit der Renntaktik von Greif zu erreichen. Diese sah vor, die ersten 15km in 5:16, dann schnelle 10km in 5:07 und die restlichen 17,x km in 5:12 zu laufen. Diese Renneinteilung find ich vom Kopf her besser, als die Halbmarathon-Denke. Marathon ist zu 90% Kopfsache – der Rest ist mental.

Nach der Siegessäule

Erstmal ging es um die Siegessäule, wobei ich sehr oft zu der Victoria in ihrem goldenen Kleid hochsehen konnte. Dann weiter immer gradaus durch den Tiergarten bis zum Ernst-Reuter-Platz. Es waren sehr viele Zuschauer an der Strecke. Weiter ging es durch Alt-Moabit Richtung Kanzleramt.

Da standen auch Michaela und Birgit und konnten erste Fotos von uns machen.

Wurstlieferung für Frau Merkel

Weiter zur Friedrichstrasse und direkt auf den Friedrichstadt-Palast zu, wo wir scharf links abbogen. Ich versuchte weitestgehend mich an der blauen Linie zu orientieren, um nicht wie 2015 viel zu weit zu laufen. Wir hatten mittlerweile den anfänglichen Rückstand reingelaufen und waren sogar etwas zu schnell.

Dann ging es in Ost-Berlin weiter zum Alexanderplatz, an dem wir vielleicht Michaela und ihre Mama sehen würden. Wir waren jedoch zu schnell und auch für die Zuschauer ist es mit den Öffentlichen nicht einfach, rechtzeitig an den vereinbarten Hot-Spots anzukommen. Weiter ging es dann durch das ehemalige Ost-Berlin. Wir versuchten, trotz der hohen Temperaturen nicht jede Versorgungsstelle mitzunehmen, und machten nur bei jeder Zweiten eine kurze Pause. Der Schwamm war auch eine Abkühlung.

Bei Kilometer 15 ging der schnellste Streckenabschnitt los über Strassberger Platz weiter zum Kottbusser Tor. Da die Verpflegung hier noch reinspielte starteten wir mit einem 8er Schnitt und mussten diesen aufholen. Einmal liefen wir unter Bahngleisen durch einen Tunnel mit Samba-Trommlern. Brutale Lautstärke, was unheimlich pushed. Ich hatte ja meinen Walkman nicht dabei, um die geniale Stimmung in Berlin mit seinen tollen Bands und den Zuschauern geniessen zu können.

Zudem konnte ich mich so mit Stefan besser verständigen. Obwohl der Martin am Anfang viel plappert wird er am Schluss immer doch sehr wortkarg. Außerdem hatte ich ja keine Kontrolle über meinen Puls, der sicher um einiges höher lag als Stefans‘.

Kurz vor dem Rathaus Schöneberg lag die Halbmarathon-Marke. Mittlerweile hatten wir den 5:07-Schnitt gut erreicht und es lief bei uns Beiden noch gut. Am Streckenrand rief mir Michaelas‘ Mama Birgit zu. Leider konnte uns Michaela hier nicht fotografieren, da wir in einer Gruppe liefen.

Eine Frau hob eine Tafel hoch, dass Eliud Kipchoge den Weltrekord mit 2:01:39 um mehr als 1 Minute verbessert hat. So können wir später behaupten, dass wir dabei gewesen sind und er Angst vor genau uns hatte. Aber noch ist fast die ganze zweite Hälfte vor uns *heul*.

Fantastisch: Eliud Kipchoge besiegt mich zum zweiten Mal in Berlin – mit Weltrekord

Kurz darauf kam die nächste Verpflegungsstation bei KM 25 und unser letzter Streckenabschnitt begann: „bloss“ noch 17,xx Kilometer. So langsam setzt die Müdigkeit ein, die Füsse werden schwerer und seit km 1 muss ich eh schon wieder bieseln. Aber ich wollte Stefan nicht beunruhigen und nachher hat er mir gesagt, dass es ihm genauso ergangen ist. Die Zusammenarbeit funktionierte perfekt. Mal er vorn, mal ich vorn. Ich wollte auch nicht wieder am Schluss wie in München einbrechen und Biss deshalb umso mehr auf die Zähne.

Bei km 30 kamen wir wieder zu einem Platz mit sehr vielen Menschen, dem Wilden Eber, und langsam drehte sich die Strecke Richtung Ku’damm. Nach der Verpflegung bei km 32 sollten Stefans Frau und Freunde von Ihnen stehen. Da mussten wir wieder frisch aussehen. Sie sahen uns, aber wir hatten ja noch 10 Kilometer vor uns. Endlose Kilometer.

Erstmal weiter zur Gedächtniskirche und weiter am Kurfürstendamm Richtung Osten. Es ging immer geradeaus, aber es waren noch sehr viele Leute an der Strecke. Auch erhaschen wir immer wieder ein kleines Windchen, welches für Abkühlung sorgte. Dann holten wir den 4:00-Pacemaker eines früheren Startblocks ein und mussten weiräumig um die um ihn herumlaufende Traube herumlaufen.

Aus der Ferne sah man auch das DB-Hochhaus am Potsdamer Platz. Plötzlich machte es beim Landen auf dem rechten Fuss platsch und brannte stark im Zehenbereich. Da muss wohl das Hühnerauge, das ich seit einiger Zeit rumschleppe, geplatzt sein. Von da weg brannte es an den rechten Zehen mit jedem Auftreten.

Von der geplanten Durchschnittspace von 5:12 für den letzten Abschnitt waren wir ständig ca. 10 Sekunden entfernt. Mit 3:39 wird es wohl nix mehr, aber wir einigten uns, dass wir unter 3:45 bleiben wollten – ja mussten. Somit waren weder Gehpausen noch Schwächephasen drin.

So ließen wir die letzte Verpflegung vor dem Potsdamer Platz aus (@Stefan: Ich hab echt geglaubt, dass da noch eine Station kommt). Am Potsdamer Platz vor der Mall of Berlin sahen wir nochmal Michaela und Birgit.

Dann liefen wir zum Gendarmenmarkt. Plötzlich lag eine ältere Frau auf der Straße – sie war wohl beim Versuch, die Straße zu queren, gestolpert. Die Brille halb vom Kopf runtergerissen und ihre weiße Hose war danach wohl nicht mehr blütenweiß. Aber immer wieder versuchen es Leute, teils mit Fahrrad, die Strecke zu queren. Das hätte am Samstag bei den Inlinern einen bösen Unfall gegeben.

Danach ging es parallel zur Strasse „Unter den Linden“ weiter, bis wir auf die Straße zuliefen. Stefan schrie mir nach, dass ich loslaufen kann. Noch 1 km und ich legte los. Scharf um die Kurve und dann waren die Besuchermassen da. Vorbei an Russischer Botschaft und Hotel Adlon ging es unter tossendem Applaus im Schlussprint auf das Brandenburger Tor zu.

Nachdem ich vor 3 Jahren links durchlief, wollte ich Heute in der Mitte durchlaufen. Geniales Gefühl. Nun noch ein paar Hundert Meter im Vollsprint mit 14 km/h bis endlich der blaue Teppich beginnt.

Auf der Ziellinie noch möglichst Viele überholen und dann beide Hände ausgestreckt mit allen zehn Fingern nach oben reißen. Der zehnte Marathon ist geschafft. Uhr stoppen, und bei 3:43:31 (offiziell 3:43:27) bin ich durchs Ziel gelaufen. Neue Persönliche Bestzeit und endlich „Breaking 3:45“.

10 Fingers for 10 Marathons

Nur 8879 Männer zwischen mir und dem neuen Weltrekordinhaber. Stefan kam ein paar Sekunden später ins Ziel und wir beglückwünschten uns gegenseitig zu unserer tollen Leistung.

Endlich bekamen wir die wohlverdiente Medaille überreicht und gingen erstmal zur Verpflegungsstation und tranken etwas. Stefan musste sich an die Absperrung setzen. Ich wollte mich nicht hinsetzen, da ich NIE wieder hochgekommen wäre. Neben ihm saß ein Erstbezwinger, der es in sagenhaften 3:32 schaffte und nie wieder einen Marathon laufen wollte. Ich erzählte ihm von dem Suchtfaktor und dass er unbedingt mal Hamburg, Füssen und Wien machen muss. In ein paar Tagen wird er sich sicher anmelden.

Ein anderer Läufer musste sich kopfüber an den Zaun gelehnt entleeren. Aber in Berlin ist immer Jemand vom medizinischen Dienst zur Hand. Danach gingen wir zum Erdinger und holten unseren Kleiderbeutel ab. Ich zog mich bei strahlendem Sonnenschein auf dem Platz vor dem Reichstag um und versuchte, Wilfried zu kontaktieren.

Dann verabschiedete ich mich von Stefan, der zu seiner Frau Ruth wollte. Ich sprach Wilfried auf die Mailbox und ging zur Medaillengravur und Urkundenausgabe. Dann rief mich Michaela an, dass er schon bei ihnen am Brandenburger Tor war. So machte ich mich auch auf den Weg, wollte aber noch aufs Dixie. Aber da waren zwei Kabinen und eine Riesenschlange. Gut, vielleicht kommt ja nachher noch was.

Raus aus dem Gelände und da sah ich sie schon sitzen. Ich musste jetzt aber wirklich. Gottseidank bekam ich gleich eine freie Kabine. Der Mann der rauskam sagte, dass die ganz übel sei. Ich habe versucht, nicht in die Schüssel zu sehen und nur zu pinkeln. Augen zu und durch.

Auf dem Rückweg dann gleich eine Currywurstsemmel (heißt hier Brötchen) gekauft und genüßlich verputzt.

Später sind wir dann zusammen mit Wilfried zum Hauptbahnhof gegangen. Er musste ja nach Leipzig. Am Alex verabschiedeten wir uns von Birgit und fuhren zum Hotel.

Nach dem Rennen

Erstmal raus aus den Klamotten. Socken ausziehen wird spannend. Zunächst den linken Socken – Fuss sieht OK aus, keine Blasen, der „Zeigezeh“ war davor schon schwarz. Dann der kritische rechte Socken: Oben OK, unten ist anscheinend etwas geplatzt, aber kein Blut. Dann unter die Dusche und schöne Kalt-Warm-Duschen. Danach schön mit Weihrauchbalsam eingeschmiert und etwas hinlegen.

Nach der schwierigen Restaurantsuche hat Michaela mich angeschaut und gesagt, dass wir zum Ostkreuz in das Restaurant „Hüftgold“ fahren. Wie sie da wohl draufgekommen ist? Da die Startnummer ja bis 22 Uhr als BVG-Karte galt haben wir diese eingepackt und sind dann zur S-Bahn. Nicht so tolle Gegend, aber lauter nette kleine Kneippen mit witzigen Tafeln.

Ich bestellte mir ein Alkoholfreies (richtiges Bier gibt’s im Zimmer) und eine leckere Brokkolicremesuppe. Die war zwar sehr versalzen, aber das hab ich bewusst selber gemacht. Zum Hauptgang gab es für mich Rigatoni mit Hähnchenbrustfilet. Sehr gut. Michaelas Cordon bleu sah eher aus wie eine Roulade, hat ihr aber auch sehr geschmeckt. So hatte ich wenigstens die Kalorien, die ich von Stefans Brustgurt geklaut habe, schnell wieder reingefressen.

Im Bett gab es das Feier-Bier von Urköstritzer und ich bin friedlich eingeschlafen. Krämpfe hatte ich zwar keine, aber jedes Umdrehen war mit Schmerzen verbunden. Ab 4 Uhr konnte ich fast gar nicht mehr schlafen. Immer wieder kurz wegdösen. Am Morgen unter die Dusche, mit zahlreichen Finishern (die auch noch etwas wackelig auf den Beinen waren) zum Frühstücksbuffet gehen und alles Zusammenpacken für den Checkout.

Im Hauptbahnhof noch kurz bummeln. Gefühlt hat jeder Zweite ein Finisher-Shirt an oder die Medaille um den Hals hängen – und ein breites, zufriedenes Gesicht (wenn es eine Rolltreppe gibt). Da der Zug um halb 2 ging, gönnten wir uns noch einen Döner. Die Bahnfahrt mit dem „normalen“ ICE über Erfurt bis Nürnberg war OK, dann gab es ein Problem mit dem Triebfahrzeug und plötzlich hatten wir mehr als eine halbe Stunde Verspätung. Ein paar notorische Nörgler brachten gleich Unruhe in die Menge. Dann plötzlich ging es weiter und der Zugführer sprach auf einmal fränggisch und fränglisch. Aber um kurz nach 19 Uhr waren wir dann in Pasing und konnten noch Semmeln kaufen und bald darauf mit der S-Bahn nach Gernlinden fahren. Endlich daheim – und mit der Lucky war auch alles in Ordnung. Jetzt ist erst mal Lauf-Pause.

Rennvideo

Medaille

Strecke

Streckenvideo

Hier könnt Ihr die Strecke nochmal „mitlaufen„.

Urkunde

Stolz wie Bolle

Finisher-Shirt

Finisher-Poster

BMW = Freude am Fahren vs. Martin Glas = Freude am Laufen

08.10.2017: 32. München Marathon

Anmeldung

Da ich 2017 ja bereits in Hamburg war, Füssen noch vor der Tür stand und um die Kosten für das Marathon-Hobby nicht so sehr in die Höhe zu treiben, habe mich gegen mein ursprüngliches Ziel – den Marathon von Leipzig nach Halle zu laufen – entschieden. Es musste etwas in der Nähe sein, ohne großartige Kosten für Hotel und Anreise. München kenn ich und bin 2015 dort meinen zweiten Marathon gelaufen. Da komm ich mit der S-Bahn hin, auch wenn ich die Strecke damals nicht so toll fand. Aber nachdem sich meine Arbeitskollegen Stefan und Martin entschieden haben, auch den 32. München Marathon zu laufen, war die Entscheidung klar.

Kurz vor Ablauf der zweiten Anmeldeperiode meldeten wir uns zu dem Schnäppchenpreis von 85 Euro pro Person kurz vor dem 30.06.2017 an. Ich war zwar noch etwas skeptisch, da ich ja Ende Juli den Füssen-Marathon vor mir hatte. Zusätzlich fand ich das obligatorische Finisher-Shirt mit 38 Euro unverschämt teuer.

Trainingsplan

Gleich einen Tag nach dem Füssen-Marathon trafen wir drei uns beim Mittagessen zum Kick-Off und unterhielten uns über unser gemeinsames Vorhaben: Nach dem Marathon ist vor dem Marathon. Stefan war schon fleißig am Trainieren und Martin C. war auch gut im Training. Beide haben bisher je einen Marathon erfolgreich absolviert – Stefan 2010 in New York mit 4:27 und Martin C. mit 3:58 dieses Jahr ja in Hamburg. Ich machte fast eine ganze Woche Laufpause, bevor es dann losging mit dem 10-Wochen-Training. Wir nahmen uns vor, nach dem 3:45-Stunden-Plan von Herbert Steffny zu trainieren. Der hat sich bei mir in Füssen überraschend gut bewährt. Ich habe mich während der Vorbereitungszeit weitgehend an den Plan gehalten und auch die langen Läufe um die 30 km liefen überraschend gut. Dabei bin ich viermal von der Arbeit nach Hause gelaufen – zwischen 26 und 32 Kilometer. Martin C. schwenkte sogar auf den 3:30-Stunden-Plan um und wollte diese Marke angreifen.

Anreise

Die Anreise erfolgte am 6.10.2017 direkt nach der Arbeit, als ich zur Marathon-Messe in die Olympiahalle fuhr.

Olympiahalle München

Eingang

Erstmal in die falsche Richtung abgebogen und genau auf der Gegenseite der Halle sagten die Ordner mir, dass ich von der anderen Richtung zur Startnummern-Ausgabe muß. Ich biß mir auf die Zunge und sagte nix – drin war keine Menschenschlange und nur 4 Läufer an den Terminals. Im Nachhinein hab ich gehört, dass es Vielen ähnlich erging und sie sich richtig beschwert hatten. Also nochmal um das obere Rund der Olympiahalle, bis ich endlich die Startnummer hatte. Dann weiter zur Startbeutelausgabe, der relativ stabil aussieht.

Startbeutel für Klamotten

Die Ausgabe erfolgte durch Flüchtlinge, was ich eine schöne Aktion fand. Zum Schluss noch das Finishershirt abholen und etwas auf der Messe herumschauen. Da hinkt München hinter den Messen in Berlin, Frankfurt und Hamburg sehr stark hinterher. Nicht mal Sleepies gab es 🙁 Dafür einen BMW-Schlüsselanhänger mit der Strecke. Auf der Heimfahrt gab es ein sehr starkes Unwetter in München mit Hagel, Sturm und starkem Regenfall. Das die Straßen in der bayerischen Landeshauptstadt nicht die Allerbesten sind, merkt man an den Pfützen auf den Straßen. Hoffentlich wird das Wetter am Sonntag besser – aber die Vorhersagen verhießen nix allzu Gutes.

Hotel

Da wir ja an der S-Bahnstrecke wohnen und zum Olympiastadion öffentlich nur ca. 45 Minuten brauchen, ist der Vorteil von München, dass wir hier kein Hotel brauchen. Ich wollte diesmal auch mit der S-Bahn fahren, da es mir nach dem WingsForLife-Lauf im Mai nicht gut ging und es schon ziemlich gefährlich war, mit dem Auto zu fahren. Schön ist in München, dass die Startnummer zur kostenlosen Fahrt beim MVV berechtigt. Das ist nicht überall so. Meine beiden Kollegen wohnen direkt in München, also für Alle ohne Reisestrapazen. Ich durfte mir von Köchin Michaela auch meine Leibspeise für das Abendessen am Samstag wünschen: Spaghetti Bolognese 🙂

Startnummer

Anfang Oktober bekamen wir die Email mit der Teilnahmebestätigung und der Startnummer: 3087.

Startnummer

Kurz vor dem Lauf

Die Prognosen für den 8.10.2017 waren Anfang der Woche noch katastrophal: 4-6 l/m² pro Stunde während des Laufes, windig und kalt. Die Niederschlagsmenge sank im Laufe der Woche (und verschiedenen Wetterberichte), dafür nahm die Windgeschwindigkeit zu. Am Samstag sagten sie für das Rennen jedoch nur geringe Regenmengen an, dafür aber mittelstarken Wind mit Böen bis zu 50 km/h. Ich stellte mich also auf ein Sauwetter ein und richtete das lange Kompressionshemd und die Laufmütze her. Am Samstag Abend noch die Mizuno Wave Rider 19 Hamburg Edition für ihren letzten Einsatz gegen das Wasser imprägnieren und Alles kontrollieren. Nach dann 3 Marathons und 3 Halbmarathons in 2017 haben sie sich den Ruhestand wohlverdient.

„wir gehen nun in den Ruhestand“ 

Nach einer unruhigen Nacht wachte ich um kurz vor 6 Uhr auf und frühstückte nochmal anständig. Danach zog ich die „Unterwäsche“ an und tapte meine Achillessehnen. Nebenzu lief gerade der Start des Formel 1-Rennens in Suzuka. Auch mal ganz schöne Unterhaltung. Um kurz nach 7 Uhr ging es dann los.

Selfie vor der Abfahrt

Beim Verlassen des Hauses schaute ich kurz in mein Handy. Martin C. schrieb per WhatsApp in die Gruppe, dass er sich nicht gut fühlt und bei dem Wetter lieber nicht starten wird. So werden aus 3 Musketieren schnell mal zwei Musketiere.

Ausnahmsweise bin ich mit dem Auto vom Haus zur S-Bahn in Gernlinden gefahren, die auch schnell kam. Es war durch den Wind bitterkalt draußen, aber in der S-Bahn war es wenigstens schön warm. Es waren relativ wenige Mitläufer in der S-Bahn, aber am Marienplatz standen schon zahlreiche Läufer. In der U-Bahn traf ich ein nettes Paar (um die 60 Jahre) aus dem Kraichgau. Wir unterhielten uns über unsere „Triumphe“ der Vergangenheit. Der Mann wollte unter 3:30 Stunden laufen. Das ist leider nicht meine Kategorie, aber die 3:45 Stunden sollten Heute geknackt werden. In Füssen fehlten ja nur 34 Sekunden. Wir gingen dann zum Olympiastadion-Eingang und ich besuchte erstmal die Toilette.

Vor dem Start noch alles leer

Nun zur Umkleide und nochmal checken, wo der Treffpunkt in der Halle genau war. Die Umkleidemöglichkeit beim München-Marathon sind ehrlich gesagt eine Zumutung. Hinter sperrangelweit-offenen „Sichtschutz“-Wänden zieht man sich da auf (teilweise regennassen) Bierbänken um. Und durch den starken Wind drohten diese, in jedem Moment umzukippen. Wir hielten mit einer Hand die Stangen zurück und zogen uns an. Irgendwann sagte ich, dass wir die Bänke in den Innenraum stellen sollten, damit sich Keiner vor dem Rennen verletzt. Dann den Kleiderbeutel abgeben und los Richtung Olympiahalle. Nochmal kurz auf die Toilette (Nr. 2). Dabei fiel mir ein, dass ich meinen Walkman-Fernbedienungs-Ring im Beutel vergessen habe. Also wieder zurück und dabei lief mir Stefan über den Weg. Wir gingen wieder zurück und zur Abwechslung gleich mal wieder auf die Toilette im Olympiastadion. Wir blieben dann in den Katakomben des Stadions, um uns vor dem eisigen Wind etwas zu schützen.

Um kurz vor 10 Uhr (unser Startblock war um 10:10 Uhr) gingen wir erneut auf die Toilette – nervöse Blase . Dann runter zum Coubertainplatz und dort konnten wir den Startschuss der Böllerschützen direkt verfolgen.

Wir schlichen uns in die zweite Startwelle. Kurz noch die Laufuhr programmieren auf 3:45 Stunden und schon bewegten wir uns in Richtung Startlinie.

Der Lauf

Auf geht’s – so steht es auf dem Startbogen. Seit Montag bin ich keinen Meter mehr gelaufen und nun soll/muss/darf ich 42,195 km laufen bei saukaltem Herbstwetter. Noch ist es trocken. Nach dem Coubertainplatz bewegte sich der Tross leicht hoch am Rande des Stadions entlang. Es gab kein großes Gedränge und so konnten wir leicht zusammen bleiben. Die ersten Kilometer konnten wir super unser angestrebtes Tempo von 5:23 min/km für die ersten 15 km erreichen. Beide hätten wir schon wieder auf die Toilette gemusst und waren dabei nicht die Einzigen –  immer wieder verschwand Einer in die Büsche . Aber wir wollten bis zum Englischen Garten durchhalten – knallharte Jungs halt. Nach km 5 kam dann an der Siegessäule die erste Kehre.

Weiter geht’s durch Schwabing zur ersten Wechselstelle für die Marathonstaffeln. Kurz danach stand unser Firmenchef am Straßenrand und wir klatschten ihn ab. Er ist selbst erfahrener Marathoni und es ist toll, wenn man angefeuert wird. Vielleicht zahlt es sich bei der nächsten Gehaltsrunde ja aus . Danach ging es in den Englischen Garten Richtung Norden und dann wieder südwärts. Kurz vor der Verpflegung bei km 10 gingen wir dann in die Büsche, um diese zu Gießen. Bis zum Ausgang des Englischen Gartens hatten wir den Zeitverlust wieder reingeholt. Dort feuerte unser Chef uns auch nochmal lautstark an. Bei km 15 waren wir sogar 4 sec/km schneller als der Plan mit einer durchschnittlichen Kilometerzeit von 5:23 Minuten.

Nun standen 10 schnelle Kilometer mit 5:14 an. Durch Bogenhausen ging es leicht bergauf bis zur Halbmarathon-Marke. Der Wind war ekelhaft. Kurz vor dem Halbmarathon konnten wir ein BMW-Pacercar überholen. Ist auch mal ganz schön, einen BMW zu überholen. Bei km 22,5 hatte ich meine erste Eigenverpflegung-Flasche deponieren lassen. Durch den Regen hat sich der wasserfeste Stift gelöst und ich hatte plötzlich blaue Finger. Von den Fingern hingegen ging die Farbe nicht mehr ab – erst am Abend. Danach ging es durch Oberföhring zum östlichsten Punkt der Strecke. Keine sehr schöne Gegend und wenige Zuschauer. Am Leuchtenberg war km 25 erreicht und der schnellste Streckenabschnitt war planmäßig erreicht.

Die letzten 17 km müßten wir nur noch das Durchschnittstempo von 5:23 halten und könnten so das Ziel in Sub-3:45 erreichen. Aber leider läuft das (Marathon-)Leben nicht immer geradlinig. Am Ostbahnhof vernebelte uns erstmal eine uralte Dampflokomotive die Sicht und dank meines Bayern (nicht FC)-Buff atmete ich nicht so viel Abgase ein. Es blieb zwar trocken, aber der Wind zehrte schon an den Nerven und der Motivation.

Endlich wieder über die Isar laufen und durch Haidhausen am Deutschen Museum entlang.  Bei km 31 beginnt doch erst der schönere Teil des München-Marathon. Doch irgendwie konnte ich es nicht genießen. Ich fühlte mich scon wie im Tunnel und nahm die Umgebung fast nicht mehr wahr. Es waren zwar mehr Leute in der Innenstadt, aber so richtig genießen konnte ich es diesmal nicht.

Auf dem Marienplatz

Über den Marienplatz ging es zum Odeonsplatz.

Kurz nach dem Odeonsplatz trafen wir Stefan Frau und legten einen kleinen Fotostop ein.

Auf geht es zum letzten Streckenabschnitt durch die Maxvorstadt. Die Oberschenkel waren kurz davor, zuzumachen und ich hatte keinen Bock mehr. Ich dachte sogar, an mein „Karriereende“ als Marathon-Läufer nach. Aber Stefan zog mich förmlich mit. Zu allem Überfluss noch eine grauenhafte Darbietung von „Highway to hell“ von einer Streckenband. Schrecklich.

Auf dem Königsplatz

Am Königsplatz dann die Kehre und jetzt wieder zurück Richtung Universität – nochmal an der Band vorbei.

Die Blasmusikkapelle am Englischen Garten und die zahlreichen Trommelgruppen waren viel besser. Jetzt heisst es Zähne zusammenbeißen. Wir waren mittlerweile über 2 Minuten hinter dem Plan. Bei km 37 dann entlang des Siegestores ging es nochmal über den Anfangsstreckenabschnitt.

Am „Walking Man“ trafen wir nochmals auf Stefans‘ Frau, die uns fotografierte.

Kurze Verpflegungsaufnahme an der Verpflegungsstation und weiter geht’s. Ich wollte aufgeben und ein Stück gehen. Stefan war aber auch schon fertig und meinte, ich könnte noch davonlaufen. Aber ohne ihn wär ich komplett eingebrochen und wir wollten doch gemeinsam ins Ziel.

Kurz nach km 40 nahmen wir noch Wasser zu uns und gingen dabei ein paar Meter. Ein letztes Aufbäumen und kurz vor dem Olympiapark versprach ich meinen Beinen, dass sie mindestens einen Monat Pause haben, wenn wir im Ziel sind. Nochmal hoch zur Parkharfe und leicht bergab Richtung Marathontor. Diesesmal hab ich es in meiner Apathie leider überhaupt nicht genießen können.

Tunnelblick

Auf der Tartanbahn bin ich dann doch noch aufgewacht und wir legten zum Schlussspurt im Olympiastadion an.

Wir überholten sogar noch einige Läufer auf der Zielgerade.

Hand in Hand liefen wir über die Ziellinie. Fix und Fertig. G’SCHAFFT – so wie es auf dem Zielbogen steht.

Gemeinsam G’schafft

Und doch noch unter 3:50 Stunden mit handgestoppten 3:49:30. Zwar die 3:45 klar verfehlt, aber bei den äußeren Umständen doch noch super.

Marathon Nummer 8 erreicht und in der Sub-4-Stunden-Bilanz steht es nun 7:1 (wie BRD vs. BRA bei der WM 2014). Im Ziel gab es gleich die redlich verdiente Finisher-Medaille umgehängt. Die ist in München wirklich am Schönsten. Überglücklich, nicht komplett eingebrohen zu sein. Wir holten uns dann gleich etwas zu essen und ein, zwei Bier. Letztes alkoholfreies Bier für längere Zeit – ab jetzt gibt’s wieder richtiges Kuchlbauer 😂.

Über eine rutschige Rampe mussten wir dann die Treppen des Olympiastadions hoch. Jedes mal wieder ein schmerzhafter Aufstieg. Die Oberschenkel brennen.

Nach dem Lauf

Angekommen im oberen Stadionoval gingen wir dann zur Gepäckbeutelabgabe. Dann die bösen Treppenstufen hinunter zu den Herrentoiletten. Hier konnten wir uns unter der Treppe windgeschützt umziehen. Raus aus den schweißdurchnässten Klamotten, kurz abtrocknen und endlich wieder warme Kleidung. Danach nochmal kurzes Photoshooting mit Olympiastadion und -turm im Hintergrund.

sdr

Jetzt noch die Zeit in die Medaille gravieren lassen. Das ging extrem schnell, aber was war das? 3:50:07. Ich hätte die Medaille am liebsten zurückgegeben. So war wegen lächerlichen 7 Sekunden die Stimmung für den ganzen Sonntagabend getrübt. Erst am nächsten Morgen bei der Fahrt zur Arbeit ist es mir eingefallen, woran die Differenz lag: Ich hatte vor kurzem die Funktion „Auto Pause“ eingeschaltet. Und beim Wildpinkeln und Schuhe fester binden kommt man halt zum stehen und die eigene Uhr pausiert während die offizielle Uhr gnadenlos weiterläuft.

Was soll’s, Shit happens. Das Wichtigste ist doch immer, dass man gesund das Ziel erreicht. Ich verabschiedete mich nach der Medaillengravur von Stefan und ging zur U-Bahn. Glücklicherweise hab ich gleich die nächste U-Bahn bekommen und auch am Marienplatz ging es zügig weiter. Zuhause gab es dann gleich ein Muskel Aktiv-Bad und ein kulinarisches Durcheinander. Ich Lauf ja keinen Marathon, um abzunehmen 😂.

P.S.: DANKE an Stefan. Es hat echt Spaß gemacht, wieder mit Dir zu Laufen und danke, dass Du mich ins Ziel geschleppt hast.

Medaille

Strecke

Urkunde

Finishershirt

Relive

Zum „Nachlaufen“: https://www.relive.cc/view/g14746718107

Video