Marathon No. 14: 1. Marathon am Lech – free&solo

„Hätte dieser alte Grieche nicht schon nach 20 Kilometern tot umfallen können?“ (Frank Shorter, Marathon-Olympiasieger 1972)

Anmeldung

In der Zeitung fand ich Ende Mai einen interessanten Artikel von Andreas Greppmeir über den vom Team Tomj entworfenen ersten Marathon am Lech, der nicht als Wettbewerb ausgeführt wird. Jeder kann – den Corona-Regeln entsprechend – den Marathon alleine nachlaufen und für die Finisher gibt es eine schöne Lech-Kieselstein-Medaille.

Quelle: https://www.team-tomj.de/challenge/lechmarathon2020_free-solo.htm

Ich bin ja in der Nähe des Lech aufgewachsen und der Marathon führt in meine Geburtsstadt Augsburg, wo ich immer schon mal einen Marathon laufen wollte. Somit Blut geleckt und das Team angeschrieben. Prompt kam von Bernie Manhard, der auch sehr viel auf Marathon4You schreibt, der GPX-Track mit dem genauen Streckenverlauf.

Quelle: Bernie Manhard

Ich wollte den Marathon im Rahmen der Vorbereitung für den letzten Marathon des Jahres 2020 bereits Anfang August laufen. Wenn schon die olympischen Spiele verschoben werden, braucht der Martin halt Ersatz.

Trainingsplan

Wie schon geschrieben sollte es nur ein Vorbereitungslauf werden. Da ich bei den drei bisherigen LongRuns im Rahmen der Herbstmarathon-Vorbereitung doch so meine Probleme hatte, war ich mir nicht ganz sicher, ob ich es schaffen würde. Auch waren die Tage vor dem Lauf mit Temperaturen über 30 Grad extrem heiß und ab Samstag Abend soll es stark regnen. Ich hatte die letzten Tage drei Wetter-Apps im Blick – täglich mit wechselnden Prognosen (setzen die immer noch Frösche ein?). Von Kein-Regen bis Dauerregen war alles dabei. Aber nicht mehr so heiß wie die Tage davor.

Hotel

Im „Hotelzimmer“ Zuhause war es wegen der Bullenhitze extrem heiß und ich konnte trotz offenem Fenster ewig nicht einschlafen. Wir sind zwar um kurz nach 22 Uhr ins Bett – wach war ich jedoch bis kurz nach Mitternacht. Dann ging es doch noch, aber um 5:15 schellte der Wecker gnadenlos. Und das am Sonntag. Kurz Anziehen und Frühstück. Eine Semmel mit Wurst und Käse – Gruss an die veganen Läufer. Langsam trudelt auch die Katze Lucky zum Frühstück ein. Noch schnell den Rest einpacken und die Schuhe imprägnieren – die ersten 3 Stunden soll es trocken bleiben, danach stärkerer Regen. Wer glaubt schon dem Wetterbericht?!?

Anreise

Die Anreise gestaltete sich am Sonntag sehr gut, auch wenn es auf der Strecke eine Sperrung der B2 bei Mering gab. Also in Merching runter von der B2 und über den Mandichosee, wo ich meine Verpflegung für die zweite Rennhälfte im Gebüsch versteckte (hab aber brav meinen Namen draufgeschrieben). Dann ging es direkt nach Kissing zum Parkplatz am Weitmannsee. Dort kam ich um 7:10 Uhr an. Schnell noch ein paar Nachrichten schicken, dass der Start um 7:30 Uhr erfolgt. Danach den Rest herrichten und die Laufsachen anziehen. Noch ein kleines Foto mit der Marathon-Quietscheente und auf gehts zum Start am Restaurant.

Wenn die Freundin schon nicht dabei ist

Sightseeing/Marathonmesse

Die Gegend am Lech kenn ich aus meiner Kindheit und der Mountainbike-Zeit sehr gut. Mein Vater hat immer erzählt, dass er in seiner Kindheit, als es noch keine Staustufen gab mit einem Freund auf der Fähre auf die andere Seite des Lech übersetzte. Da sie kein Geld dabei hatten, sagten sie dem Fährmann, dass sie auf dem Rückweg bezahlen. Sie mussten dann einen großen Umweg radeln, um auf einer der damals wenigen Brücken zurückzukommen.

Vor dem Rennen

Da ich die Streckenkarte nicht ausgedruckt mitschleppen wollte, hab ich die GPX-Karte auf die Uhr geladen. Das war gar nicht so einfach, weil Garmin letzte Woche wegen einem Hacker-Angriff nicht mehr verfügbar war. Am Donnerstag funktionierte es doch noch rechtzeitig. Beim letzten Lauf am Donnerstag testete ich die Navifunktion mal. Ich bin ja eher ein Orientierungsloser, der sich gerne verläuft. Wenns blöd kommt, werd ich am Sonntag bis Füssen laufen, weil ich an der Staustufe Prittriching vorbeilaufe. *zwincker*

Der Lauf

Start an der Hinweistafel

Am Weitmannsee-Ufer begann ich um 7:30 Uhr das Rennen. Leider merkte ich erst später, dass ich nur das Navi gestartet hatte und die Laufuhr nicht. Zunächst führte die Strecke direkt zum Lech und flussaufwärts an den kleineren Lechwehren zur Lechstaustufe 23 am Mandichosee.

Es war sehr windig und sogar mit 20 Grad angenehm kühl. Gutes Läufer-Wetter und trotz starker Bewölkung war es trocken. Man sah auch, dass es etwas geregnet hatte, aber nicht sehr viel. Auch die kleinen Trails direkt am Lech waren nicht sehr batzig.

Vor der Staustufe die Strasse nach Königsbrunn überqueren und hoch zum Staudamm. An der Dammkrone ging es zum Kiosk. Die Wellen waren ziemlich stark und der Wind sorgte für beste Bedingungen für die Wakeboarder. Der Kiosk an der Segelschule hatte noch geschlossen, aber am Ufer sah ich ein Pärchen im Wasser. Brrrrrrh.

Die Strecke wechselte dann auf kleinere Singletrails, die wir als Kinder mit dem BMX-Rad immer auf-und-ab gefahren sind. Nach km 7 sah ich die Staustufe Unterbergen und konnte auch unsere Verkäuferin Elisabeth mit ihrem Mann Josef erkennen. Sie fotografierten mich und brachten Wasser mit.

Weiter gehts nach Prittriching erstmal an den Fischtreppen vorbei.

Auf einem schmalen Weg sah ich eine Frau, die mit ihrem Hund Gassi ging. Gottseidank hörte sie mich und brachte den grossen Hund unter Kontrolle. Ich sagte zu ihm, dass ich nicht der Postbote bin. Dann wieder direkt am Lech weiter, doch an einer Abzweigung nahm ich den falschen Weg. Als die Uhr die Streckenabweichung anzeigte, dachte ich, dass sicher gleich eine Möglichkeit kommt, um wieder auf die Originalstrecke zu kommen. Falsch gedacht – so musste ich durch sehr hohes, nasses Gras laufen und wär ein paarmal fast hingefallen. Ich kam mir wie Rambo vor.

Dann kam ich doch noch an der Staustufe Prittriching an, wo Meli und Christian mit den Zwillingen warteten. Sie glaubten, dass ich auf dem normalen Weg komme, aber Navi-Genie Martin kommt direkt aus dem Gebüsch. Kurze Pause und dann noch ein kleines Fotoshooting mit den Zwillingen am Staudamm. Unten kamen Elisabeth und Josef auch mit dem Radel an. Sie waren den richtigen Weg gefahren.

Marathoni-Twins

Josef zeigte mir gleich, in welche Richtung ich zum Fohlenhof laufen muss. Durch das Naturschutzgebiet ging es ca 3 km zum Fohlenhof, wo mich die Beiden gleich nochmal überholten.

Endlich mal ein kurzes Stück Teerstrasse zum Unterbergener Auensee. Überraschenderweise beginnt mein Heimatlandkreis auf der westlichen Lech-Seite. Am Lochbach warteten Elisabeth und Josef wieder auf mich und schossen gleich noch ein paar Fotos.

Ich trank noch einen Schluck und lief dann am Lochbach entlang durch die Fohlenau. Ganz tolle Strecke. Es waren einige Radler (meist mit E-Bike) unterwegs und ich bin auf diesem sehr schönen Streckenabschnitt zurück zur Lechstaustufe 23 gelaufen. Ich war mit ca. 5:28 Minuten/km trotz Pausen noch sehr gut unterwegs. Vielleicht klappt es ja doch, unter 4 Stunden zu laufen. Doch meist breche ich ja im letzten Viertel des Marathons ein.

Da ich nicht direkt am Lech sondern am parallel verlaufenden Lochbach lief, bin ich am Stausee die Treppen hoch zur Dammkrone und nach ca. 500 Meter wieder runter. Hätte ich mir zwar sparen können, aber ich wollte oben noch ein paar Bilder machen.

Wieder über die Strasse und die versteckte Verpflegung aus dem Gebüsch holen. Kurz die Sachen umpacken und die Gel-Chips rausnehmen. Die Uhr zeigte an, dass ich nun 9,87 km bis zur nächsten Abzweigung (wahrscheinlich am Hochablass in Augsburg) muss. Der Halbmarathon war in knapp 1:55 Stunden geschafft. Die Strecke war angenehm zu laufen, aber es war schon etwas eintönig. Vielleicht hätte ich direkter am Lech laufen müssen. Vorbei an den 6 Landwehren, die im Abstand von ca 1 km waren.

Langsam kommen auch die Sonntagsjogger entgegen. Bernie hatte mir am Freitag geschrieben, dass eine Triathletin am Sonntag ebenfalls den Marathon laufen wollte. Sie startete aber am Mandichosee und früher. Nach ca 29 km machte ich eine kurze Gehpause, um einen Riegel zu essen und etwas zu trinken. Wieder losrennen und endlich war der Hochablass erreicht. Es wurden immer mehr Jogger.

Leider konnte man wegen der Bauarbeiten nicht direkt an der Kanustrecke von 1972 laufen. Der Umweg führte zur Hochzoller Lechbrücke. Plötzlich spürte ich die ersten Tropfen. Am Lech entlang ging es bis zum Osramsteg. Ich hörte, wie es stärker regnete, war aber durch die dichten Bäume noch gut geschützt. An der nördlichsten Stelle der Strecke zurück auf die andere Seite des Lech. Es kübelte und innerhalb kürzester Zeit waren die Schuhe platschnass.

34 km waren geschafft und ich musste wieder ein paar Meter gehen. Dann lief ich zum Haus von meinem Arbeitskollegen Thomas, der mir eine Schlussverpflegung bereitstellte.

Ich würd mich doch Nie verlaufen

Auf einer Parkbank hab ich dann die Getränke getrunken und mir die Regenjacke angezogen.

Weiter gehts bei strömendem Regen unter der Hochzoller Lechbrücke hoch zum Hochablass. Weiter zwischen Kuhsee und Lech Richtung Kissing. Ein Junge läuft hinter mir, was mich anspornte. Aber er bog dann zum Kuhsee ab und ich war wieder alleine. Irgendwie war die Luft raus und ich bin immer wieder etwas gegangen. Die Uhr zeigte noch 6 km an und ich sah das Ziel Sub4 nicht mehr für realistisch.

Wieder an den Lechwehren vorbei und 2 km direkt auf dem Trail durch die Pfützen. Endlich in Kissing weg vom Lech zum Parkplatz und da, wo vor 4:14 Stunden das Rennen begann, endlich im Ziel angekommen. Es waren aber auch 43,69 km und somit mein bisher allerlängster Lauf. Und somit der zweite „Geistermarathon“.

Glücklich und zufrieden gab ich bei Michaela und meiner Familie Entwarnung. Nach kurzer Zeit kam dann Bernie und überreichte mir die schöne Medaille. Nummer 14 ist aus Stein – passend für einen „Steindorfer“.

Und ich bin der zwölfte erfolgreiche Finisher des wirklich sehr schönen „Marathon am Lech – free/solo“. Danke an die Organisatoren für die tolle Strecke und an Bernie für die einzigartige Medaille.

https://www.team-tomj.de/challenge/lechmarathon2020_free-solo.htm

Nach dem Rennen

Ich ging dann kurz zum Auto und zog mir trockene Sachen an. Danach haben Bernie und ich noch einen kleinen Einkehrschwung beim Restaurant am Weitmannsee gemacht. Das Bier war wohlverdient – er hatte am Samstag zusammen mit seiner Gruppe eine Ammerseeumrundung gemacht: Bei der Hitze. Wahnsinn. Wir haben uns noch sehr gut unterhalten. Er ist im Club100, hat also mehr als 100 Marathons. Da bin ich noch weit weg – und heute auch nicht nähergekommen. Weil der Lauf dafür nicht zählt. Da werde ich als Schwer-Athlet eh nicht mehr hinkommen, aber das ist auch nicht mein Ziel.

Letzte Packung vom Johannesthermen-Marathon: „Ich brauch Nachschub“

Der Tag danach

Muuuuuuuuskelkater – ansonsten alles OK *grins*

Medaille

Hall of Fame

Strecke

Streckenvideo

Die Strecke zum „nachfliegen

Laufauswertung

Urkunde

Finisher-Shirt

Es gab leider kein Finisher-Shirt, deshalb hab ich das unverdient bekommene Finisher-Shirt von Valencia kurzerhand „umdeklariert“. Vielleicht entspringt der Lech unterirdisch in Valencia (Spanien).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.