15.04.2018: Auf der Flucht

Da ich mich am 12.04. ja wegen meiner mangelnden Französischkenntnisse nicht für den Paris Marathon 2019 registrieren konnte, hab ich mich am Abend für den Halbmarathon in Fürstenfeldbruck entschieden – C’est la vie. Da kam ich spontan mit dem Anmeldeformular klar. Es waren bislang 20 Teilnehmer eingetragen und so war ich Nummer 21.

Das Wetter sollte ja sonnig, warm und windstill werden. Und in den letzten Tagen hatte es überhaupt nicht geregnet. Also fast optimal, da die Strecke bis auf den Start im Leichtathletik-Stadion ausschließlich über Feld- und Forstwege führt.

Nach dem Frühstück den Start des Formel1-Rennens angeschaut und dann gleich um halb 9 nach FFB, um im Viscardi-Gymnasium die Startnummer abzuholen. Danach direkt wieder heimfahren – sogar mit einer Polizeieskorte. So berühmt bin ich jetzt schon .

Wie viele Punkte gibt es nochmal?
Schöne Startnummer

Während dem Umziehen konnte ich weiterhin die Formel1 verfolgen. Diesmal konnte ich wieder mein Trikot in XL meines Sponsors – der Landmetzgerei Glas – anziehen. Bei dem Trikot ist ja letztes Jahr vor dem Hamburg Marathon der Reissverschluss kaputt gegangen. Das war ja auch wichtig, da ein Teilnehmer für eine vegane Community lief. Dem muss man mal zeigen, dass „Run for Meat“ immer noch schneller ist .

Selfie ohne Vollpfostenstange

Leider fuhr Michaela nicht mit und so musste sie vor dem Haus noch schnell ein Bild schiessen.

Falls ich noch Bilder auf der Homepage des Veranstalters finde, werd ich die hier nachreichen.

Nun nochmal nach FFB fahren und die Finale Ausrüstung anlegen. Ab zum Start und gleich nochmal auf die Toilette, in der auch der Klodeckel gefehlt hat. Ist ja auch eine Schultoilette . Die anderen Läufer wärmten sich schon intensiv auf. Ich heb mir das für den Lauf selber auf. Die Halbmathonis durften sogar eine ganze Runde auf Tartan laufen. In den Genuss komm ich ja sonst nie. Um kurz vor 11 Uhr dann bei herauskommender Sonne eine kurze Einweisung vom Veranstalter über die Strecke. Ein dunkelhäutiger Teilnehmer fragte nach dem Führungsfahrrad. Aber das gibt’s hier nicht.

Die Zielzeit hatte ich auf 1:44 Stunden gestellt, den Walkman auf meine Marillion-/Kino-Playlist eingestellt und fast hätte ich den Startbefehl überhört. Auf geht’s – ich reihte mich auf Platz 6 ein und nach der ersten Runde überholte ich sogar einen Läufer und war auf Platz 5. Unter den Top Ten war ich ja noch nie. Aber es ist ja erst der Anfang. Nach 500 Metern ging es dann auf den Feldweg Richtung Walderlebnispfad. Dort hatte ich schon die ersten 6 bzw 10 km-Läufer überholt. Dann ging es in den Wald und ich war immer noch Fünfter. Somit werfen mich alle Überholer zurück – also war kämpfen angesagt. Bis zur Trennung von den anderen Streckenlängen wurde ich keinmal überholt. Dann wurde es sehr einsam, ich war alleine. Die Spitzengruppe hatte ich zuletzt im Stadion gesehen. Aber hinter mir konnte ich mit einem gewissen Sicherheitsabstand einen Läufer erkennen, aber nicht Mehrere. Was solls, Augen zu und durch, um möglichst lange unter den Top Ten zu bleiben. Auch wenn es nur 26 Halbmarathonis sind, wär das ein toller Erfolg.

Die Zeiten pendelten sich konstant unter 4:50 je km ein und ich fühlte mich ganz gut. Die neuen DynaFlyte, die bisher erst 55 km draufhaben, waren auch sehr gut. Leider ist die Strecke größtenteils mit einer gewissen Neigung, so dass man immer das Gefühl hat, das ein Fuss höher aufsetzt als der andere. Deshalb immer wieder die Seite wechseln, um es etwas auszugleichen. Am Schluss konnte ich aber eine optimale Belastungsverteilung von 49,9 : 50,1 % zwischen linkem und rechtem Bein erreichen.

Am Bahnhof Schöngeising dann der erste Verpflegungsstand und ein Becher kühles Wasser. Da kein Abfalleimer in der Nähe war, hab ich den Becher einfach ins Radltrikot gesteckt und mitgenommen. Anschließend ging es parallel zur S-Bahnlinie zurück nach Buchenau. Die Strecke läuft leicht bergauf, aber ist ganz gut zu Laufen. Man kann auch direkt auf dem Gras laufen. Dann wieder in den Wald und ich konnte einige 6-/10 km Läufer überholen. Kurz vor der Wende dachte ich, dass ich dieses Spaziergängerpaar kenne. Und Pfeilgrad, es waren zwei Arbeitskollegen, die mit dem Hund spazieren gingen. Ich sagte, dass ich noch unglaublicher Fünfter bin.

Am Start der zweiten Runde dann gleich mal zwei Becher Wasser hinuntergekippt. Nach einer kurzen Gehpause dann wieder Laufen und zurückblicken. Ich könnte ihn erkennen – er war größer und schlanker als ich. Aber das waren ja fast Alle am Start. Ich versuchte, ihn solange wie möglich auf Distanz zu halten. Es könnte ja der Veganer sein.

Bei der Streckentrennung fragte ich die Streckenpostin ganz nett, ob ich vielleicht auf die kürzere Strecke ausweichen darf. Leider blieb sie hart und gnadenlos. Deshalb weiter in den Wald bis nach Schöngeising. Endlos erscheinende Geraden. Es war toll, wie einen die Streckenposten anfeuerten.

Am Bahnhof fragte ich an der Verpflegungsstation, wann die nächste S-Bahn nach Bruck fährt. „Was, erst in 20 Minuten. Dann Lauf ich halt“. Wieder nix. Aber ich konnte nicht pausieren, weil ich schon den Atem meines Verfolgers im Nacken spürte.

Der Weg zog sich, aber dann in Buchenau ging es endlich wieder in den Wald. Die Füsse taten schon weh. Als ich die zweite Verpflegungsstation sah, blickte ich mich nochmal um. Es wird knapp. Nur noch 2 km. Dann ging es wieder dieselbe Strecke wie am Anfang zurück zum Stadion. Ich wollte den 5. Platz nicht mehr hergeben. Auf die Gesamtzeit hatte ich die ganze Strecke nie geschaut. Und so lief ich ins Stadion ein auf die Startgerade.

Bericht des Münchner Merkur (Quelle: https://www.merkur.de/lokales/fuerstenfeldbruck/fuerstenfeldbruck-ort65548/rothschwaige-lauf-2018-besten-bilder-9788544.html)

Noch 100 Meter auf der weichen Tartanbahn. Einige Zuschauer feuerten mich an, was im Nachhinein gut war. Denn so konnte ich sogar unter 1:38 bleiben – mit einer Sekunde Puffer. Waaaaahnsinn und überglücklich über Platz 5. In meiner Altersklasse konnte ich sogar Platz 2 erreichen.

Im Ziel wartete ich noch kurz auf meinen ärgsten Wiedersacher und gratulierte ihm. Wenn man schon keine Konkurrenten vor sich sieht, ist es auch motivierend, dass man verfolgt wird und sich nicht ausruhen darf. Man ist halt permanent auf der Flucht ‍♂.

2. Platz in der Altersklasse – I werd narrisch

Streckenvideo

 

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