No Marathon No. 16: Leipzig Marathon (Steindorf) – DNF

„Das Geheimnis des Erfolges kennen nur jene, die einmal Misserfolg gehabt haben.“

Antoine de Saint-Exupéry

Anmeldung

In der Hoffnung auf einen richtigen Marathon mit vielen Mitläufern im Jahr 2021 hab ich mich zum Ende der ersten Anmeldefrist am 29.November 2020 für den 45. Leipzig-Marathon am 18.04.2021 angemeldet.

(Quelle: www.leipzigmarathon.de)

Leider hat Corona erneut einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die zweite Welle um die Jahreswende war gerade etwas abgeebt, da begann die 3. Welle sich aufzutürmen.
Die Politik hat durch ihr Versagen (Maskenbeschaffung, Impfstoffaufteilung, Schnelltestbereitstellung, Digitalisierung in Behörden, uvm.) ihren gehörigen Beitrag dazu geleistet. Auch ein Großteil der Bürger (v.a. die Querulanten von den sog. „Querdenkern“) halten sich nicht an die Regelungen und sorgen dafür, dass wir diese Pandemie nicht in den Griff bekommen. Abstand ist auch 1 Jahr nach Beginn der Pandemie für Viele noch ein Fremdwort.
Am 1. Februar kam leider von den Organisatoren die Absage für den Marathon am 18. April. Da war mein 12-wöchiger Trainingsplan jedoch schon im „Laufen“. So meldete ich mich gleich für die virtuelle Ausgabe in der Zeit vom 02.04. (Karfreitag) bis 18.04. (dem ursprünglichen Termin) an.
Für den 18.04. wurde zwischenzeitlich ein zentraler Gedenktag für die Corona-Opfer in Deutschland geplant und am Sonntag zuvor die Jahresmesse für meinen Vater. Deshalb hab ich mich für eine Vorverlegung auf den Ostermontag entschieden. So konnte ich mich nach dem Ostergeschäft in der Metzgerei am Ostersonntag noch erholen. Dadurch mussten jedoch auch zwei Trainingswochen aus dem Trainingsplan gekürzt werden.

Trainingsplan

Auch diesmal mußte wieder der Trainingsplan von Andreas Butz mit einer Zielzeit von 3:39 Stunden herhalten. Klar die 3:39 Stunden werde ich in einem Solo-Rennen nie erreichen, aber vielleicht klappt es ja mal wieder mit knapp unter 3:50 Stunden. Wegen der Terminverschiebung wurde der Trainingsplan um zwei Wochen gekürzt. Den Trainingsverlauf könnt Ihr hier nachlesen. Da ich den Trainingsplan sehr gut einhalten konnte, ging ich zuversichtlich in die letzte Woche vor dem Marathon am Ostermontag.

Hotel – „Dahoam is dahoam“

Einen Vorteil hat ein Marathon daheim – die Reisetätigkeit und das Sightseeing kann man sich sparen. Doch leider war in der Osterwoche – mit HomeOffice und WurstOffice – viel zu tun. Die permanente Verunsicherung durch Corona geht auch nicht spurlos an einem vorüber. Nach dem HomeOffice bin ich am Gründonnerstag noch in die Metzgerei zum Arbeiten. Da der Wetterbericht für den Ostermontag grausam vorhersagte (Windböen bis 65 km/h; Regen; Schnee) wollte ich den Marathon gleich schon am Ostersonntag laufen. Den „Eingeweihten“ war das auch recht – auch wenn mir dadurch der Ostersonntag als Ruhetag fehlte.
Am Karfreitag bin ich noch eine kleine Runde mit Michaela zum Emmeringer See langsam gelaufen.
Am Karsamstag dann um 5 Uhr aufstehen und in die Metzgerei fahren. Es war viel zu tun und ich konnte meine Schritte leider nicht reduzieren. Um 14 Uhr fuhr ich nach Gernlinden, weil Michaela zum Corona-Schnelltest mitkommen wollte. Ich fühlte mich da schon sehr schlapp, fuhr aber hin und hab meinen ersten Corona-Schnelltest in Geiselbullach gemacht. Ging ganz gut und ich war negativ. Mit einer akuten Covid19-Infektion einen Marathon zu laufen wäre bestimmt keine gute Idee. Ab zum Einkaufen und dann wieder heim.
Da ich mich immer schlechter fühlte, hab ich öfter meine Temperatur gemessen. In der Spitze waren es 37,8 Grad (bei einer normalen Durchschnittstemperatur von 35,7 Grad).

Die Startnummer zum selber ausdrucken


Ich hab trotzdem meine Unterlagen und Klamotten zusammengepackt und die Verpflegungskübel hergerichtet. Nach dem Abendessen und Duschen noch etwas Fernsehen. Da das Programm am Ostersamstag gewohnt schlecht war, bin ich um 21:30 Uhr ins Bett gegangen. Ich sagte Michaela, dass ich Morgen früh kurzfristig entscheiden werde, ob ich überhaupt laufe. Tendenz war da – eher nicht.

Anreise

Ich wachte am Ostersonntag um 4 Uhr auf und überlegte bis zum Weckerklingeln um 5:30 Uhr, ob ich laufen sollte oder nicht. Nach dem Aufstehen erstmal Fieber messen: 36,8 Grad war OK. Dann noch einen Corona-Selbsttest vorbereiten. Während der Wartezeit machte ich für Lucky und mich Frühstück.

Langsam kann ich keine Nudeln mehr sehen.
Der Test war negativ – also spricht nichts gegen einen Start

Richtig erholt fühlte ich mich jedoch nicht von den Strapazen der vergangenen Tage. Kurz noch alles ins Auto packen und um kurz vor 7 Uhr fuhr ich los nach Steindorf. Die Sonne ging gerade auf und es gab nur wenige Wolken am Himmel. Der Wind war auch vernachlässigbar. Somit bestes Läuferwetter – bis auf die Temperatur mit -3 Grad.

Sightseeing/Marathonmesse

Ausgefallen – wegen Lockdown & Ostersonntag

Vor dem Rennen

In Eresried hab ich dann meinen Verpflegungskübel auf der Rundenmitte abgestellt und bin erstmal zum Friedhof an der Kirche in Steindorf gefahren, um noch meinen väterlichen Beistand einzuholen. Mein Papa hat immer gesagt: „Lauf doch nicht so viel. Des is ned gsund“.

Finisher-Shirt vom Köln-Marathon vor dem „Steindorfer Dom“


Anschließend ging es zum Elternhaus, wo meine Mutter gerade Frühstück hergerichtet hatte. Wir unterhielten uns noch kurz. Dann zog ich meine Laufklamotten an und trank mit ihr und meinem Bruder noch einen Schluck Kaffee.
Um kurz nach 8 Uhr gingen wir raus und mein Bruder fotografierte mich noch am Haus. Ich wollte eigentlich vor dem toll blühenden Zierkirsch-Baum fotografiert werden, aber durch den Rasen wären meine Schuhe nass geworden und das wär auch nicht so günstig gewesen. Wir gingen dann zum Startpunkt vor der Metzgerei.

Der Lauf

Um 08:15 Uhr startete ich meinen virtuellen Marathon von Leipzig im bayerischen Steindorf. Noch schnell die Uhr starten und los gehts. Mission „Marathon No. 16“ läuft.

Erstmal ging es an der Kirche vorbei aus Steindorf hinaus nach Hausen. Der erste Kilometer war natürlich wieder zu schnell angegangen, aber dann konnte ich meine ProPace-Vorschlags-Kilometerzeiten gut einhalten. Nach dem Verlassen von Hausen ging es stetig hoch zum Sportplatz und zum Schloss von Hofhegnenberg. Um das Schloss herum, wo die Security-Leute patroullierten, weiter nach Eresried.
Endlich geht es leicht bergab und dann in die Senke vor Eresried. Kurz vor dem Ortseingang dann der Anstieg. Die Verpflegung bei km 5 lies ich aus und danach ging es gleich Richtung Heinrichshofen. Wieder den zähen Anstieg zum Wald und dann ab der Landkreisgrenze kontinuierlich leicht bergab. Vor Heinrichshofen (das ja nicht zur Gemeinde Steindorf gehört) dann gleich auf die Straße nach Steindorf.
Endlich wieder im Landkreis Aichach-Friedberg zurück. Irgendwie fühlt sich das Laufen heute nicht so richtig gut an. Noch kurz am Weiher vorbei und die Handschuhe ausziehen. An der Verpflegungsstation vor unserem Kastanienbaum hatte ich etwas mehr als 1 Minute Vorsprung gegenüber dem ProPace-Plan. Neue, trockene Mütze anziehen und einen Gel-Chip essen.

Die zweite Runde führte am Feuerwehrhaus vorbei zum Pfarrhof und wieder nach Hausen. Der Anstieg zum Sportplatz zog sich schon in der 2. Runde. Nach dem Schloss endlich etwas abschüssige Strecke zum Durchatmen und auf dem Weg nach Eresried erst runter und gleich wieder hoch.
Bei der Verpflegungsstation nahm ich mir Wegproviant mit, kam jedoch nicht mehr so schnell zum Laufen. Am Anstieg zum Wald dann eine Gehpause. Das fühlt sich überhaupt nicht gut an heute. Kurz nach dem Wald dann wieder eine Gehpause – das steh‘ ich keine zwei weiteren Runden durch.
Schweren Herzens entschied ich mich, nur noch nach Steindorf zu laufen und dann das Rennen aufzugeben. Es gibt noch die Möglichkeit, spontan auf die Halbmarathondistanz umzuschwenken, aber mit dieser Zeit halt auch jenseits von Gut und Böse.
Von Heinrichshofen „ging“ es dann zurück nach Steindorf. Wenn der Kopf und Körper nicht mitspielen, werden die Beine auch blockiert. Kurz gehen, wieder laufen. Dabei hab ich wenigstens doch noch den Osterhasen gesehen, der auf den Feldern lief – wenigstens Einer der schnell läuft.
Um das Ziel bei der Metzgerei zu haben, lief ich nicht über den Weiherweg heim, sondern über die Kirche leicht Zick-Zack durch Steindorf und so hatte ich die 21,11 km genau bei unserem Kastanienbaum erreicht. Mein erstes DNF („Did not finish“, auf boarisch „Hods ned gschafft“ oder auf hochdeutsch „versagt“) bei einem Marathon war besiegelt. 40 Trainingsläufe mit ca. 600 Kilometern – alles für die Katz.
Ich nahm meinen Verpflegungskübel und ging mit gesenktem Haupt zum Kirschbaum, um ein Selfie zu machen.

Glücklich und zufrieden sieht anders aus
Einfach schön, wenn der Baum blüht

Ich gab dann auch gleich Michaela Bescheid, dass sie nicht auf der Strecke auf mich warten muss und gleich nach Steindorf fahren kann.

Nach dem Rennen

Völlig durchnässt kam ich am Haus an als mein Bruder gerade rausgekommen war, um mich mit dem Rad auf der Strecke zu begleiten. Er hat sich schon über meinen Zick-Zack-Kurs im LiveTrack gewundert. Als Ersatz ist er am Nachmittag noch 43,5 km mit dem Rad gefahren – wenigstens ein Marathoni heute in der Familie. Da bin ich richtig Stolz auf ihn.
Meine Mutter war froh, dass ich aufgehört hab. Kurz darauf kam Michaela an und ich ging erstmal unter die warme Dusche. Mein Körper war ziemlich durchfroren. Gleich die warmen, trockenen Klamotten anziehen und in der Küche eine Gemüsebrühe trinken.
Körperlich merkte ich gar nix – war ja auch nur ein Halbmarathon, den ich in den Beinen hatte. Aber es tat im Kopf und Herz richtig weh. Laufen ist halt 90% Kopfsache – der Rest ist mental 😉
Es hat natürlich auch Vorteile. So kamen wir früher zum Mittagessen, welches wir diesmal beim Asiaten in Kissing holten. Auch wenn meine Mutter kein Fan dieser Küche ist, hat sie den Hund – oder war es doch eine Katze – gegessen 🙂
Für den Kaffee hat Michaela noch einen leckeren Himbeerkuchen gebacken und so war die Kalorienbilanz heute wieder extrem negativ.
Danach fuhren wir wieder zurück nach Hause und setzten uns noch etwas in die Sonne.
Klar, war das eine „illegale Versammlung“, da wir ja 2 + 2 Erwachsene aus zwei verschiedenen Haushalten waren. Aber die zwei Damen waren ja bereits geimpft und wir wurden nicht von der Polizei erwischt. Genau wie die Polizei am Karsamstag in Stuttgart tatenlos zugeschaut hat wie 15.000 Querulanten ohne Einhaltung der AHA-Regeln „demonstrierten“ und Journalisten angriffen.

Der Tag danach

Am Ostermontag konnte ich dann ausruhen. Wir gingen am Vormittag bei schon starkem Wind mit Leihhund Diego Gassi, um dann den Nachmittag auf der Couch zu verbringen. Als die erste Version dieses Artikels geschrieben und ich fertig war, war der ganze Artikel unwiderruflich gelöscht. Super. Frohe Ostern.
Es gibt halt Tage, an denen verliert man – so wie gestern beim Leipzig Marathon. Am liebsten hätte ich gestern die Laufschuhe an den Nagel gehängt, aber warum gleich aufgeben. Jedoch bezweifel ich mittlerweile schon, ob ich nochmal alleine einen Marathon laufen werde. Es ist einfach viiiiiel schöner, mit vielen Mitläufern gemeinsam auf die Strecke zu gehen und von Zuschauern angefeuert zu werden, Kinderhände abzuklatschen, seinen Namen zu hören, durch einen großen Zielbogen zu laufen, direkt seine Medaille umgehängt zu bekommen, uvm. Alleine Laufen ist da viel anstrengender.
Jedoch muss man sich selbst auch mal eingestehen, dass – auch wenn man 15 Marathons erfolgreich bestanden hat – die 42,195 km immer eine ganz neue Herausforderung sind und man körperlich und mental topfit an den Start gehen muss. Sonst läuft man ins Verderben – oder schafft nur die Hälfte. Laufen ist kein „Selbstläufer“.
Vor allem als Hobbyläufer muss auch das Risiko abwägen, ob es einem das Wert ist, seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen und evtl. durch Fieber eine Herzmuskelentzündung zu befeuern.
Deshalb gilt für mich jetzt das Motto: Aufstehen – Kopf hoch – Krönchen richten

Medaille

Strecke

Streckenvideo

Laufauswertung

Urkunde

Finisher-Shirt

Bin ja kein Finisher – deshalb als neuer Teppich für die Lucky

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