Marathon No. 17: Monschau-Marathon (Virtuell)

„Manchmal wundert man sich was man da draußen tut. Über die Jahre habe ich tausende Gründe erfunden, um weiter zu laufen, aber ich gelange immer wieder zurück zum Grund, mit dem es begonnen hat: Laufen ist befriedigend, und es gibt dir ein Gefühl, etwas geleistet zu haben.“

Steve Prefontaine

Da ich im Rahmen der Vorbereitung auf den Herbstmarathon (ob und wo steht noch in den Sternen) einen sehr langen Lauf über 200 Minuten auf dem Trainingsplan hatte, wollte ich nochmal den Marathon am Lech vom 2.8.2020 als Training laufen. Damit wollte ich auch einen Laufveranstalter unterstützen und meldete mich beim Monschau-Marathon (17.7. bis 8.8) an – mit Medaille und Laufshirt. Lieferung soll aber erst Mitte September sein 🙁

(Quelle: Monschau Marathon)

Da am 08.08.2021 der Marathon bei den Olympischen Spielen in Tokio im kühleren (plus 30 Grad bei 80 % Luftfeuchtigkeit) Sapporo stattfindet und dort mein großer Konkurrent Eliud Kipchoge seinen Olympiatitel von Rio 2016 wiederholen wollte, hab ich mich auch für dieses schöne Datum entschieden. Leider wurde ich nicht für die Spiele in Tokio nominiert, deshalb kommt es zum „Fernduell“.

Als Strecke sollte wieder der free/solo-Marathon am Lech dienen. Diesmal aber genau in die andere Richtung (also erst nach Augsburg und dann am Lech bis nach Prittriching und wieder zurück über den Mandichosee zum Weitmannsee in Kissing). Das ist am bequemsten, einfach in Garmin die Laufrichtung ändern und die ProPace-Strategie für 3:59 Stunden festlegen. Ich hatte zwar ziemliche Probleme in den letzten Wochen bei den langen Läufen, aber das sollte realistisch sein. Letztes Jahr hab ich mich verlaufen und es schüttete am Ende richtig. Leider zahlt sich Bequemlichkeit bei der Streckenfestlegung nicht immer aus, aber dazu später mehr.

Die tatsächlich gelaufene Strecke

Der Wetterbericht für Sonntag, den 08.08.2021 veränderte sich in der Woche davor des öfteren – von Dauerregen bis Sonnenschein war alles dabei. Ich schonte mich in der Woche mit Laufen und Gehen. Beim Lauf am letzten Montag hatten wir sogar noch eine Flugzeugkollision überlebt: Ein paar Jugendliche steuerten ihr Modellflugzeug haarscharf an uns vorbei und dabei haben sie Michaela direkt am Kopf erwischt. Glücklicherweise ist ihr nix passiert.

Dank HomeOffice konnte ich viele interessante Sportevents bei „Olympia 2020“ (den Namen haben sie nicht in 2021 geändert) als „Ersatzdroge“ anschauen. Auch wenn die deutsche Medaillenbilanz eher mager ausgefallen ist – tolle Leistungen der (hoffentlich ungedopten) Sportler. Am Beeindruckendsten fand ich den Sieg einer österreichischen Amateur-Radfahrerin (eine Mathematikerin) gegen die Profis – die hatten sich verzählt und von der 3-köpfigen Ausreißergruppe nur zwei Fahrerinnen eingeholt. Die zweitplatzierte Holländerin freute sich zu früh – die Österreicherin war schon über eine Minute im Ziel.

Außerdem wird mir von diesen Spielen die Silbermedaille von Jonathan Hilbert beim 50km-Gehen-Wettbewerb im Gedächtnis bleiben – er dankte mit Tränen in den Augen seiner Freundin, die immer an ihn geglaubt und ihn aufgebaut hat. Ganz nebenbei „geht“ er 50 Kilometer in 3:50 Stunden – schneller als ich 42 Kilometer „laufe“.

Ansonsten haben sich vor allem deutsche Funktionäre hervorgetan: „Hol Dir die Kameltreiber“ feuerte der Radfunktionär seinen Athleten an, der einen Algerier und Eritreaner vor sich hatte. Oder die Reittrainerin, die ihrer weinenden (auf Goldkurs liegenden) Athletin zurief, dass sie das verweigernde Pferd mit „Hau mal richtig drauf. Hau drauf!“ zum Springen motivieren soll.

Richtig dreist war auch ein französischer Marathonläufer, der am Verpflegungsstand die Flaschen abräumte:

Am Samstag vor dem Rennen war das Wetter extrem schwül und am späten Nachmittag kam ein heftiges Unwetter auf. Es regnete, was natürlich für die Strecke nicht so toll sein könnte. Für den geplanten Lauf wurde glücklicherweise kein Niederschlag, aber mittelstarker Wind, angesagt.

Am Abend gab es nochmal leckere Lasagne bei unserer „Pasta-Party“.

Ich ging schon früh ins Bett und wachte um kurz vor 2 Uhr auf – da war doch was. Schnell die Sportschau-App starten und die letzten Kilometer des olympischen Marathonrennens anschauen. Eliud Kipchoge gewann und ein Holländer wurde Zweiter – dadurch ist Deutschland hinter die Niederlande im Medaillenspiegel gerutscht.

Am Schluss sind dann auch noch die Franzosen an uns vorbeigezogen.

Jetzt lag es an mir, zumindest schneller als der „laufende Holländer“ zu sein. Trotz des Drucks konnte ich nochmal einschlafen und wachte um 5:30 Uhr auf – am Sonntag.

Nochmal alle Geräte laden und einen Corona-Schnelltest machen. Ich mach die Tests weiterhin, wenn ich eine sportliche „Höchstleistung“ erbringen muss. Da bleib ich in meiner Blase 😉 Trotz Impfung gibt es Fälle, die sich anstecken (und das Virus weiterreichen). Das wird auch mein erster Marathon als „Durchgeimpfter“ werden. Vielleicht beflügelt es ja – als legales Doping. Wenn es langsamer macht, haben die Querdenker doch recht 😉

Positiv, weil negativ

Wir Profis achten natürlich penibel auch auf eine ausgewogene Ernährung vor dem Wettkampf – es waren genau 255 Gramm. Ich will ja auch nicht aussehen wie die deutsche Langstreckenläuferin Konstanze Klosterhalfen.

Ein belegtes Brot mit Schinken 😉

Nach dem Frühstück gleich die Rennklamotten anziehen und alles zusammenpacken. Michaela ist auch aufgewacht und hat mich verabschiedet. Um kurz vor 7 Uhr fuhr ich alleine los nach Kissing. Der Himmel war wolkenverhangen aber die Strassen trotz des Regens wieder trocken. Dabei machte ich noch einen Abstecher zur Lechstaustufe 23 bei Merching, um dort meine Verpflegung bei ca. 23 km und 39 km im Gebüsch abzulegen.

Meine Quietsche-Ente

In Kissing am Weitmannsee am Parkplatz angekommen noch die finale Vorbereitung. Ich entschied mich für die Mizuno Wave Rider 21, die mich schon knapp 600 Kilometer getragen haben. Danach gehen sie in den wohlverdienten Ruhestand.

Gehen danach in Rente

Auf dem Weg zum Start am Weitmannsee saß vor mir noch ein kleiner Hase, der dann aber weghobbelte.

„Hase, Du bleibst hier“

Um kurz vor 8 Uhr am 8.8.2021 ging es los. Ich war der einzige Starter. „Go for Gold“ – 2:08:38 heißt es zu schlagen. Da ich mich am Start gleich schon verlief, stimmte die ProPace-Strategie nicht mehr. Erstmal ging es am Auensee in Kissing vorbei, wo diesmal dank der kühlen Temperaturen von ca. 14 Grad keine FKKler am Rand herumstanden (dürfen die eigentlich auch mit Neopren-Anzug baden gehen?) wie beim Kissinger Halbmarathon 2018.

Weiter am Kieswerk vorbei zum Kuhsee. Blöderweise hat mich da mein Bruder auf dem Handy angerufen – er wußte nichts von meinem Vorhaben. Da das Telefonieren über den Kopfhörer nicht geklappt hat, musste ich stoppen und das Handy herauskramen. Leider hab ich die Uhr nicht gestoppt und so musste ich die ca. 3 Minuten später wieder reinholen. Ich versuchte, kontinuierlich die Zeit reinzuholen, um nicht wieder zu schnell loszulaufen, was sich ja i.d.R. hinten hinaus rächt.

Am Kuhsee und dem Hochablass vorbei ging es am Lech weiter nach Augsburg-Hochzoll. Mir kamen sogar ein paar Jogger und drei Asiaten entgegen (so hatte ich doch etwas Tokio-Feeling).

In Augsburg sind die Straßen schon mit Wahlplakaten zugepflastert. Die AFD hängt wieder sehr weit oben – ich würd sie noch höher hängen, z.B. auf dem Mond 😉 Leider hab ich das Wahlplakat der Grünen nicht fotografiert – komplett in grün gehalten mit dem Foto von Claudia Roth drauf.

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In Augsburg ist heute mit dem Friedensfest sogar ein Feiertag – blöd, wenn der auf den Sonntag fällt.

Unter der Hochzoller‘ Bahn- und Straßenbrücke hindurch ging es auf weitgehend pfützenfreien Wegen bis zur Osrambrücke, der nördlichen Wende bei Kilometer 10. Mit knapp 55 Minuten bin ich sehr gut angegangen – eigentlich waren es jedoch zu schnelle 52 Minuten.

Auf der anderen Seite des Lech geht es nun bis zur Lechstaustufe Prittriching 22 Kilometer in Richtung Süden. Da es überall Mülleimer gibt, hab ich mein erstes Energiegel genommen. Wieder unter den Brücken von Hochzoll durch und dann leicht bergauf zum Eiskanal – der Olympiastecke der Kanuslalom-Fahrer von 1972. Leider kann man durch die Baustelle nicht direkt an der Rennstrecke vorbeilaufen sondern muss einen Umweg zum Hochablass nehmen. Ich freu mich schon auf die Weltmeisterschaft im Juli 2022, vor allem, weil drei Athleten vom Stützpunkt bei Olympia 2020 Medaillen gewonnen haben.

Nach dem Hochablass ging es weiter am Lech entlang, bis das erste von sechs Wehren erreicht ist. Die Wehre sind genau 1 km auseinander und den Halbmarathon hatte ich nach ca. 1:55 Stunden erreicht. Aber mit der Medaille wird es wohl nix werden.

Ich konnte die Geschwindigkeit gut einhalten und kurz vor der Lechstaustufe 23 war meine erste Trinkflasche leer. Ich freute mich schon auf die Banane und die zwei Flaschen, die ich vorhin deponiert hatte. Ich griff nach der Tüte, die versteckt am Boden lag und verstaute gleich die erste Flasche im Rucksack. Danach wollte ich die Banane herausnehmen, damit ich die Schale im Mülleimer entsorgen kann. Was ist da denn mit der Banane los??? Ihr Duft hat wohl die Nacktschnecken in die Tüte gelockt. Igitt – jetzt werf ich schon Lebensmittel weg. An der Flasche war auch eine Nachtschnecke geklebt.

Mit Wut im Bauch stiefelte ich die Treppe zum Mandichosee hoch und machte noch ein paar Fotos. Dann ging es weiter, erst am Stausee entlang, der vom Regen der letzten Wochen gut gefüllt war. Es schwammen auch viele Schwäne darauf und auch Angler und Surfer (wegen dem Wind) waren zahlreich auf dem Mandichosee. Später lief ich die Treppe herunter und nutzte die Gelegenheit, um meinen rechten Schuh neu zu binden.

Weiter ging es am idyllischen Lochbach entlang zur Staustufe nach Unterbergen. So muss es in Kanada sein, einfach toll.

An der Staustufe 22 ging es am Unterbergener Auensee vorbei zum Fohlenhof (erstes Teerstück) und dort über endlos vorkommende gerade Streckenabschnitte in Richtung Lechstaustufe 21 bei Prittriching. Dabei hab ich mich noch kurz verlaufen – es ist wirklich schwierig mit der kleinen Karte auf der Uhr.

Ich war aber mit 3 Stunden bei 32 km noch sehr gut im Plan. Auch wenn die Kräfte nachließen und ich schon kurze Gehpausen einlegen musste, könnte ich es mit den 4 Stunden evtl. noch schaffen.

Ich schrieb am Anfang von der Bequemlichkeit bei der Steckenplanung: Die rächte sich jetzt. Die Lechstaustufe war großräumig abgesperrt – ich komme hier nicht auf die andere Seite des Lech. Sch…

Kurz überlegen, ich könnte den Weg zum Fohlenhof wieder zurücklaufen und bei Unterbergen über den Lech. Oder ich kann meine alte Mountainbike-Strecke direkt am Lech laufen. Ich entschied mich für die zweite Alternative, die wegen dem Starkregen am Vortag genau die Falsche war.

Es war extrem matschig und teilweise an den Pfützen kein vorbeikommen. Ich musste viel gehen. Die Schuhe waren platschnass. Toll ist da auch, wenn überall Reitverbot-Schilder hängen jedoch Hufeisen-Spuren den Boden extrem auflockern und Pferdeäpfel herumliegen. Eine Sauerei.

So ging und lief ich abwechselnd durch das Gestrüpp über die Wurzeln. Beim nächsten Marathon muss ich unbedingt eine Machette und ein Rambo-Stirnband mitnehmen. Ist bei militärischen Schutzgebiet ja auch passend. Wenigstens bin ich auf keinen Blindgänger getreten.

Vor der Lechstaustufe Unterbergen sah ich auf der anderen Seite des Bachs einen besseren Weg. Problem war, dass da am Bach ein Steg war, über den ich rüberspringen könnte. Mir war das Verletzungsrisiko zu hoch und so sprang ich doch nicht rüber sondern blieb auf dem schlechten Weg.

Später konnte ich auf die andere Seite und direkt auf dem Radweg zur Lechstaustufe Unterbergen. Dort war dann eine Überquerung des Lech möglich.

Der Weg von Unterbergen nach Merching war auch sehr rutschig und von Pfützen übersät. Es macht keinen Spass mehr. Die Medaillen sind schon lange weg und die Zeit wird noch langsamer als letzes Jahr.

Endlich in Merching an der Staustufe angekommen lief ich an den Seglern und SUP (wurden die mit dem SUV transportiert?) vorbei. Der Biergarten am Kiosk war gut besucht.

Noch runter zur Straße und dort waren die 42,2 km erreicht. Stop. Ich mag nicht mehr. Marathon No. 17 ist geschafft – genauso viele wie Eliud Kipchoge, der in der Nacht ebenfalls seinen siebzehnten Marathon gelaufen ist. Gut, er hat 15 davon gewonnen und dabei Weltrekorde aufgestellt.

(Quelle: Reuters / Glas)

Am Parkplatz war meine zweite Tüte deponiert – ein Cola und ein Energieriegel. Die Getränke sind mir ja schon länger ausgegangen und das Cola hielt auch nicht lange. Da ich nicht mehr laufen konnte/wollte, spazierte ich die letzten 4 km zum Weitmannsee nach Kissing. Ein paar zaghafte Versuche mit Laufen gab es noch, aber ich war total frustriert und Alles tat weh.

Endlich am Auto angekommen, zog ich schnell die durchgeschwitzten Klamotten aus und legte warme, trockene Kleidung an. Gleich nach Hause fahren (das Alkoholfreie gabs während der Fahrt) und ausnahmsweise mal beim McDonalds Essen holen. Ich hatte zwar keinen Hunger, aber Lust auf Pommes.

Bei strömendem Regen musste ich schnell von der Garage zum Haus. Erstmal Michaela begrüßen – die Katze Lucky schlief wie üblich auf meinem Sessel. Essen und Baden – Muskel aktiv-Bad.

Am Abend gab es zur Feier des Tages das „Meisterstück“ von der Tochter meines Cousins, die erfolgreich mit dem Staatspreis ihren Braumeister absolviert hat. Endlich mal Bier mit Alkohol – sehr süffisant.

Lecker Bier

Marathon No. 17 in neuer „Schlechtestzeit“ von 4:33:24 geschafft. Zumindest bin ich einmal während der olympischen Spiele einen Marathon gelaufen. Die Spiele wurden am 8.8.2021 um 13 Uhr MEZ beendet – ich war um ca. 12:30 Uhr im virtuellen Ziel. Mein Zwillinge-Horoskop aus der Augsburger Allgemeinen konnte nicht treffender sein.

„Eigentlich“ glaub ich ja nicht an Horoskope

Finisher Shirt

Urkunde

Medaille

1 Kommentar zu „Marathon No. 17: Monschau-Marathon (Virtuell)“

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