Marathon No. 25: 5. Amper-Marathon Olching

(Kein) Zitat

Am Tag, als Sabastian Sawe einen Meilenstein in der Menschheitsgeschichte erreicht hat: Als erster Mensch in einem Marathon ist er unter 2 Stunden geblieben.

Anmeldung

Pünktlich am 30.12.2025 (Ende der ersten Anmeldeperiode) hab ich mich für den Amper-Marathon in Olching angemeldet, den ich 2024 schon mal gelaufen bin. Ich musste mich sputen, da die 400 Startplätze letztes Jahr schon weit im voraus ausgebucht waren. Mittlerweile kommen die Läufer, die während Corona begonnen und dann ihre ersten Halbmarathons bestritten haben, auch auf der langen Strecke an. Selbst bei kleinen regionalen Wettkämpfen wie in Olching. Da es nur ca. 10 km von mir entfernt ist, ist es mit 35 Euro ohne Flug und ohne Hotel auch sehr kostengünstig. Der Lauf findet 364 Tage nach meinem letzten Marathon in Düsseldorf statt, somit bleib ich binnen Jahresfrist zwischen zwei Marathons. Falls es klappt, wird das mein Jubiläumsmarathon – der „Silberhochzeit“-Marathon.

(Quelle: www.ampermarathon.de)

Trainingsplan

Auch diesmal sollte wieder der Marathon-Trainingsplan von Andreas Butz für eine Zielzeit von 3:39 Stunden herhalten. Wenn alles optimal läuft und ich gesund bleibe (und ein paar Kilos abnehme), wär diese Zeit ein realistisches Ziel. Zumindest schneller als die 3:44:37 im Vorvorjahr sollte es schon sein. Der Plan ist schon fest einprogrammiert und hat sich meist bewährt. Da wir über ein verlängertes Wochenende vor Ostern nach Berlin fahren, hab ich eine Woche dazu gegeben, also Start 13 Wochen vor dem Termin am 26.04.2026. Das Training begann am 25.01.2026 mit einem Winter-Run. Den weiteren Verlauf könnt Ihr Euch auf der Seite Vorbereitung auf Marathon No. 25 nachlesen, wo jede einzelne Einheit protokolliert ist.

Ich kam ganz gut durch das Training und hab im Grunde jede Einheit absolviert. Es wurden insgesamt 694 Laufkilometer. Die langen Läufe machten wieder Probleme und außerdem hatte ich immer wieder Probleme mit den Hamstrings. Das Wetter war im Winter/Frühling 2026 nicht ganz so optimal gewesen. Da ich ja nicht mehr in die Metzgerei muss/darf/kann 🙁 konnte ich jedoch etwas besser auf das Wetter reagieren, weil ich ja mehr Tage zur Verfügung hatte. Das war auch notwendig, nachdem das Laufband bei einem langen Lauf kaputt gegangen ist.

Anreise

Die Anreise zum Amper-Marathon in Olching sollte am Marathon-Tag nicht zu schwer sein. Dank E-Auto geht das jetzt sogar viel günstiger, weil ich meist bei meinem Bruder „schwäbisch lade“ – also auf seine Kosten 😉 Die Wettervorhersage wechselte für den 26.04.2026 im Laufe der Woche von leichtem Regen, zu windigem Wetter und je näher der Tag kam, in sonniges warmes Wetter.

Hotel

Das Hotel war OK – es ähnelte dem eigenen Zuhause. Die letzten Tage hab ich leider sehr schlecht geschlafen. Die neue Matratze ist zu hart und der Topper brachte keine Besserung. In der Nacht vor dem Marathon hab ich ihn lieber wieder heruntergenommen.

Startnummer

Leider trudelte die letzte Info-Email erst am Samstag Mittag ins Postfach. Die Laufklamotten und -utensilien hab ich am Vormittag schon zurecht gelegt. Nachdem mir die Startnummer bekannt war, konnte ich auch die Flaschen für die Eigenverpflegung nach der ersten und zweiten Runde beschriften. Beim Ampermarathon werden die Startnummern erst am Event-Tag ausgegeben, was bei 440 Teilnehmern ja kein Problem ist.

Kurz vor dem Lauf

Am Samstag bin ich schon zeitig ins Bett gegangen. Optimal war die Nachtruhe jedoch nicht, wie die letzten Tage. So wachte ich um 6 Uhr auf und die Body Battery lag nur bei 82. Gleich ins Bad und schon wurde ich grunzend von Lucky empfangen – gib mir Fressen. Michaela war auch schon wach. Aus Sicherheitsgründen nochmal einen Influenza/Covid19-Test gemacht – jeweils negativ.

In der Küche zunächst das Frühstück für die Katze serviert und danach für mich hergerichtet. In den Nachrichten kam, dass in der Nacht wieder ein Attentatsversuch auf US-Präsident Donald Jesus Trump fehlgeschlagen ist. Mein Papa hätte gesagt: „Die Dummen haben immer Glück“. Ich frühstückte mein Brötchen mit Käse und Schwarzgeräuchertem (mehr Auswahl gibt es leider nicht mehr in der ehemaligen Metzgerei) und einer Tasse Kaffee vor dem Fernseher. Die Berichte aus dem Hotel in Washington waren noch etwas wirr – wie das Anschlagsopfer halt.

Geräuchertes aus Steindorf

Um 7:00 Uhr bin ich hoch gegangen, hab erstmal die Kontaktlinsen eingelegt und bin dann in die Laufklamotten reingeschlüpft. Die Beine noch gut einmassieren mit Feels.Like-Salbe. Den Rest in die kleine Transportwanne. Unten verabschiedete ich mich von Michaela, die diesmal eher am Anfang fotografieren wollte. Wir machten noch einen guten Platz auf der Strecke aus. Danach bin ich ins Auto und gemütlich nach Olching gefahren. Ca. 15 Minuten Anfahrt – ein Traum. Leider war das Parkhaus vom Amperverband zunächst abgesperrt. Da wär das Auto halt schön im Schatten gestanden. Aber es wurde auf der Wiese hinten ein fester Parkplatz eingerichtet. Es waren auch schon einige Läufer da und die Kennzeichen der Autos waren sehr divers – A, M, STA, RO, EBE, FFB, u.v.m.

Ich ging zunächst zum Start, um dort meine zwei Trinkflaschen mit je zwei Gels auf der Bank abzustellen. Danach holte ich meine Startnummer ab und watschelte gemütlich zurück zum Auto. Dort befestigte ich die Startnummer an dem neuen Startnummern-Band. Das hat sich letzte Woche beim Andechs Trail sehr gut bewährt, da es nicht immer den Bauch hinunterrutscht – ein Sixpack wär das sicher besser. Da es in den letzten Tagen ja trocken war, hab ich mich für die blauen Saucony Endorphin Speed 3 entschieden. Mit den rot-weißen Laufschuhen des selben Modells bin ich vor zwei Jahren auch hier gelaufen. Die kleine ActionCam nehm ich diesmal doch nicht mit. Noch etwas stärken und dann ging es wieder zum Gebäude des Amperverbandes, wo ich noch kurz auf Toilette musste.

Danach zurück zum Start direkt am Parkplatz. Es war noch sehr frisch, aber schon sehr sonnig. Keine Wolke am Himmel. In der Sonne wartend machte ich noch ein paar Dehnübungen – warmlaufen brauch ich nicht. Dabei richtete ich die Kopfhörer her und stellte auf der Laufuhr die ProPace-Strategie mit einer Zielzeit von 3:43 Stunden und einem negativen Split (d.h. zweite Hälfte etwas schneller) ein. Ich darf halt am Anfang nicht zu schnell loslaufen, dann könnte es klappen. Es waren 10 unterschiedlich lange Abschnitte, in die die 42 Kilometer eingeteilt wurden.

Der Organisator sagte, noch 3 Minuten bis zum Start um 9 Uhr. Die 2/3- und 1/3-Marathon-Läufer starten jeweils 20 Minuten später. Am Himmel flog eine Drohne kurz hinter der Startlinie. Leider hat der Starter kein Mikrofon, so dass man den Countdown fast nicht hörte. 5 – 4 – 3 – 2 – 1 …

Der Lauf

Los geht’s. Ich bekreuzigte mich noch und schon war ich über der Startlinie. Los ging es bis zum Vewaltungsgebäude des Amperverbandes, wo uns die Zuschauer und Später-Startenden applaudierten. Dieses Jahr wurde im Zielbereich sogar ein kleiner Biergarten aufgebaut. Weiter wurden wir angefeuert von den Samba-Trommlern, die direkt vor dem neuen Wertstoffhof standen. Direkt dahinter bogen wir ab und auf dem zunächst asphaltierten Boden ging es weitläufig um die Anlage des Amperverbandes. Ich war natürlich wieder viel zu schnell angelaufen. Die Zielpace von 5:19 min/km über die ersten ca. 8 km unterbot ich dummerweise wieder deutlich. Dann auf dem Feldweg parallel zur Amper bis zur Brücke nach Feldgeding. An der Brücke erkannte ich Michaela, die ein paar Fotos von mir machen konnte.

Während wir die Brücke umrundeten ging sie unten durch und fotografierte uns noch von der anderen Seite. Leider nicht von meiner Schokoladenseite – spätestens hier merkt man, dass es keine Gewichtsabnahme während der Vorbereitungsphase gab.

Weiter ging es auf dem staubigen Feldweg unter der Bundesstraße B471 hindurch. Dann liefen wir ca. 1 km parallel zur B471. Ich konnte mit einer Läuferin ganz gut mitlaufen, lief jedoch mit ca. 5:06 min/km einfach viel zu schnell an. Dann kleiner Linksbogen und etwas abschüssig bis nach Neuhimmelreich, wo wir die Eschenrieder Straße querten. Auch da standen wieder ein paar Fans und auf dem Feldweg war die Verpflegungsstation. Ich nahm mir gleich einen Becher Wasser und lief weiter wieder direkt an die Amper heran. Auf der anderen Seite des Flusses liegt Günding. Direkt am Amperufer fing es weiter an der Mündung der Maisach in die Amper vorbei und über die Brücke bei Mitterndorf weiter. Dort waren viele Zuschauer. Ich nahm mein erstes Gel auf dem Weg zur Brücke beim Dachauer Freibad, wo wir die Amper querten.

Die Hälfte der Runde ist erreicht und durch eine große Zuschaueransammlung ging es bis zur Mitterndorfer Brücke zurück. Es waren hier auch viele Freizeitläufer unterwegs, die wir zügig überholten oder uns entgegen kamen. Dann wieder auf die südliche Amperseite und auf dem selben Weg zurück bis Neuhimmelreich. Zunächst kamen noch die Läufer, die langsamer, d.h. vernünftiger gestartet sind, und später die 2/3-Marathon-Läufer uns entgegen. Den ersten Abschnitt über 8,13 km bin ich statt 5:19 mit 5:05 min/km gelaufen. Viel zu schnell, aber es läuft einfach gut. Es folgte ein Abschnitt über 2,75 km sogar in 5:21 min/km. Ich bremste etwas und nahm mir vor, nur noch max. 10 Sekunden je km schneller zu laufen. Das klappte auch ganz gut. Die meiste Zeit lief ich auch allein. Nach der Verpflegung wieder ein längerer Abschnitt in 5:16 er Pace. Es ging an der B471 entlang zur Amper und auf dem Feldweg zur Feldgedinger Brücke und zurück zur Müllentsorgungsanlage, wo man die Trommler schon von weitem hörte. Nach 1:12 Stunden überquerte ich den Start-/Ziel-Bereich in die 2. Runde.

Gleich mal die Flasche nehmen. Die Gels packte ich in die Hosentaschen und nahm ein paar Schlücke aus der Flasche. Da ich sie nicht mitschleppen wollte bis zur Verpflegung in 4 km, hab ich sie halbvoll entsorgt. Nachdem ich wieder ins Laufen übergegangen war, ging es wieder zu schnell weiter. Die nächsten beiden Abschnitte bis Dachau lief ich in exakt der selben Zeit wie vorgegeben. An der Dachauer Amperbrücke war der Halbmarathon in viel zu schnellen 1:48 Stunden geschafft. Ich liebäugelte auch immer wieder mit einer Zeit unter 3:39 Stunden, was dann meine zweitbeste Marathonzeit werden würde. Aber „Hätte, Hätte, Fahrradkette“.

Zurück ging es anfangs noch ganz gut. Ich nahm auch immer nach 6 km ein Maurten-Gel zu mir. Aber kurz nach der Verpflegung von Neuhimmelreich merkte ich leichte Probleme im linken Knie, die allmählich über den linken Oberschenkel in die Hüfte hochzogen. Nach der Feldgedinger Brücke lief es noch etwas und dann direkt vor dem geteerten Radweg hinter zum Amperverband musste ich ein kleines Stück gehen. Ich überlegte schon, ob ich im Ziel abbreche. Aber ein „Did not Finish“ (DNF) beim 25. Marathon ist halt auch keine Lösung. Ich wusste auch, dass es in der dritten Runde schwieriger werden wird, da die 1/3-Marathon-Läufer bereits im Ziel sind und auch ein Großteil der 2/3-Läufer schon fertig ist. Da kann es einsam werden. Mit einer Rundenzeit von 1:14 Stunden war ich trotzdem noch viel zu schnell.

Ich lief über die Ziellinie und wanderte gleich zur Verpflegung, wo ich die letzte Flasche mitnahm. Wieder ein paar Schlücke und an den Trommlern vorbei ging es wieder Richtung Dachau. Auf dem Feldweg vor der Feldgedinger Brücke kamen mir schon die Führenden entgegen. Wahnsinnige Leistung. Mit etwas Abstand folgte die beste Läuferin, die auf dem vierten oder fünften Platz lag. Von der geforderten Zielpace 5:13 war ich durch die zahlreichen Gehpausen mit 5:51er Durchschnittspace weit entfernt. An der Verpflegungsstation nahm ich gleich zwei Becher. Einer in den Nacken. Es war mittlerweile schon recht warm geworden.

Ich versuchte immer wieder, mich an andere Läufer zu hängen, musste doch dann wieder gehen. Das Ganze in Dauerschleife bis zur Dachauer Brücke. Ein letztes Mal ging es bis zur Mitterndorfer Brücke, wo uns die anderen Läufer wieder begegneten. Immer wieder Gehpausen, da die Schmerzen nach jedem Laufstück schlimmer wurden. Die letzten beiden Abschnitte über ca. 11 km waren mit einer Durchschnittspace von 6:27 bzw. 6:46 min/km meilenweit entfernt von 5:10 bzw. 5:12 min/km. Da verlor ich je KM immer über eine Minute. Ein letztes Mal die ewige Gerade parallel zur B471 und unten durch. Ich unterhielt mich mit einem Läufer, der mich schon seit Dachau immer wieder überholte nachdem ich ihn zurücküberholt hatte. Ihm ging es wegen Seitenstechen auch nicht mehr so gut. Ich sagte, wir schaffen die Sub 4 Stunden schon noch. Das es aber doch noch knapp wurde, lag an weiteren Gehpausen, die ich einlegen musste. Man sah von weitem die Müllverbrennungsanlage schon. Das Ziel liegt vor Augen. Ein letztes Aufbäumen und als wir im Zielbereich ankamen, ermunterten uns die Zuschauer. Ich zog nach den Trommlern nochmal an und lief völlig erschöpft ins Ziel. Die letzte Runde brauchte ich über 1:31 Stunden.

3:58:28 Stunden. Marathon Nummer 25 ist geschafft. Die Frage ist nicht das „Wie“ sondern: „Hauptsache Gschafft“. Ich bekam gleich eine Medaille überreicht und ging zum Verpflegungsstand. Der erste Becher Wasser war gleich drunten. Danach etwas Cola. Ich unterhielt mich noch mit dem Laufkollegen von vorhin, der Heute seinen ersten Marathon gelaufen ist und nun auch ein „Marathoni“ ist. Und das in unter 4 Stunden. Noch etwas stärken mit Kuchen und Obst.

Nach dem Lauf

Da ich Heute viel länger als geplant gebraucht habe, humpelte ich kurz darauf zum Auto. Nachdem ich das Handy eingeschaltet hab, kam gleich eine n-tv „Eilmeldung“ (hier stimmt das mal wirklich), dass Heute zum ersten Mal ein Mensch bei einem richtigen Marathon in London unter 2 Stunden gelaufen ist – 1:59:30 Stunden. Wahnsinn, Sabastian Sawe und auch der Zweitplatzierte blieb unter 2 Stunden. Wenigstens bin ich mit 1:58:59 Stunden auch 2 Stunden unter dem neuen Weltrekord geblieben. Wie sich später herausstellte, hatten die Beiden neue „Wunderschuhe“ von Adidas, die nur 97 Gramm wiegen, getragen. Meine nun völlig verstaubten Saucony Endorphin Speed 3 sind mit 250 Gramm viel schwerer. Das erklärt natürlich den Zeitunterschied – an dem unterschiedlichen Körpergewicht kann es nicht liegen 😉

Ich zog mir die mittlerweile getrockneten Laufklamotten aus und zog mir frische Sachen an. Noch etwas Trinken und dann ab ins Auto. Langsam ging es zurück von der Parkplattform über die Ziellinie. Ein paar Läufer kamen mir noch entgegen. Ich wechselte die Straßenseite. Wär auch blöd, wenn man kurz vor dem Ziel von einem Auto überfahren wird. Auf dem Heimweg telefonierte ich mit meiner Mama. Daheim angekommen merkte ich beim Aussteigen jeden Knochen und jede Sehne. ALLES tut weh. Kurz mit Michaela quatschen und dann ging ich gleich zum Umziehen, während die Badewanne einlief. Die Füsse sahen oberflächlich ganz gut aus – nur eine kleine Blase an der Ferse. Aber v.a. das linke Fahrgestell tat sehr weh. Gleich zwei Beutel „Muskel aktiv“ reinschütten. Das warme Wasser tat so gut – v.a. um den ganzen Staub wegzubekommen. Dann die Beine mit „Feels.Like“ dick einmassieren und ab auf die Couch. Später ging ich noch in die Reboots. Für 45 Minuten reichte der Akku.

Medaille

Strecke

Urkunde

Platz 51 von 94 bzw. Platz 5 von 7 in AK50

Fakten – Fakten – Fakten

Finisher-Shirt

gibt es nicht 🙁

Relive

Die Strecke zum Nachlaufen findet Ihr hier: https://www.relive.com/view/vMv8NwwZZP6