12.09.2021: 18. Friedberger Halbmarathon

Der letzte Sonntag der bayerischen Sommerferien ist traditionell der Termin für den Friedberger Halbmarathon – bis auf 2020. 2011 war dort mein erster Lauf-Wettkampf und seitdem habe ich 8 mal dort teilgenommen – 1x 15,6 km und 7x Halbmarathon. Nur 2018 musste ich aus terminlichen Gründen aussetzen.

Anfang Mai hab ich mich – aus Sorge, dass das Starterfeld begrenzt wird – für die 18. Ausgabe am 12.09.2021 angemeldet. Ein paar Wochen später wurde statt der bisher immer 1200 Starter das Feld auf 650 Teilnehmer reduziert. Huch, ich bin dabei.

Da auf dem Trainingsplan für den Herbstmarathon ein Halbmarathon in 1:45 Stunden steht, hab ich den Plan etwas umgebaut. Das sollte möglich sein, auch wenn der viermal zu bezwingende Berg mit 13 Grad Steigung richtig hart werden wird. Ich hab auch nur ein einziges Mal im TrimmDich-Pfad in Fürstenfeldbruck trainieren können. Ich wollte trotz des Trainings-Marathon am 8.8. unbedingt wieder in Friedberg mitmachen. Es wäre der erste reale Wettkampf seit über 1,5 Jahren in Bad Füssing – mit echten Zuschauern.

Bei der Schuhwahl war ich mir nicht ganz sicher. Der Wetterbericht sagte sonnig-bewölktes, trockenes Wetter voraus. Ursprünglich wollte ich mit den neuen „Saucony Endorphin Speed 2“ laufen, aber da ich mir mit diesen vor einer Woche Blasen an der Ferse gelaufen habe, hatte ich schon bedenken. Das Blasenstopper-Pflaster für 12 Euro hat am Donnerstag leider auch nicht geholfen. Michaela sagte, dass ich damit total nach innen die Füsse aufsetze.

Am Freitag nach der Arbeit in der Metzgerei bin ich über Friedberg nach Hause gefahren. Dabei holte ich beim Sport Förg die Startunterlage und das Laufshirt ab. Beim Halbmarathon in Friedberg bekommt man für die Startgebühr von 20 Euro Einiges: Laufshirt, Hendl- oder Obstteller-Gutschein, Freigetränk, Hallenbad-Eintritt.

Lauf-Shirt mit St. Jakob

Samstag wieder in Arbeit in der Metzgerei. Um kurz vor 10 Uhr fuhren zahlreiche Polizeiautos durch Steindorf, die eine Fahrraddemo eskortierten. Es handelte sich um eine Sternfahrt von Augsburg nach München, wo sie gegen die erstmals in München ausgetragene Automobilmesse „IAA Mobility“ demonstrierten.

Warum fährt man alleine auf dem Tandem? Oder wurde die Frau vergessen?

Wieder zu Hause musste ich die Laufutensilien zusammenpacken: Eins ins „Vor-dem-Lauf-Körbchen“, eins ins „Nach-dem-Lauf-Körbchen“. Bei den Schuhen war ich immer noch sehr unschlüssig, machte aber das Blasenstopper-Pflaster vorsorglich mal raus. Selbst zum Kochen hab ich sie dann nochmal angezogen. Wird so „Fast-Food“ gemacht? Es gab spanische Hackfleischbällchen mit Reis. Lecker.

Am Abend schauten wir den Film über Eliud Kipchoge an – eine Dokumentation über seinen Weltrekordversuch 2019, in dem er als erster Mensch die Marathon-Distanz unter 2 Stunden schaffte. Wir haben das Rennen damals im Zug auf der Fahrt zum Köln-Marathon im Live-Ticker verfolgt. Ein toller Film, über eine beeindruckende Person. Sein Motto lautet: „Kein Mensch ist begrenzt“ („Beschränkte“ gibts leider genügend).

Nach einer etwas unruhigen Nacht ging es am Sonntag vor 7 Uhr raus aus dem Bett. Kurz die Katze versorgen und selber Frühstück machen. Nochmal das Wetter checken – in Friedberg soll es während des Laufs schön bleiben, nur danach leichter Regen ab 13 Uhr. Ich machte – wie vom Veranstalter empfohlen – einen Corona-Schnelltest. Super – ich darf laufen.

2G: Geimpft & Getestet

Anziehen und die Körbchen ins Auto räumen. Michaela und ich fuhren um 8:25 daheim los. Ab Dasing wurde der Himmel jedoch bedrohlich bewölkt. Mit Regen hab ich Heute überhaupt nicht gerechnet. Ich fuhr Michaela direkt zu unseren Freunden Steffi und Kristy und nach einem kleinen Plausch – durch die abgesperrten Straßen – zum Volksfestplatz. Nochmal final alles herrichten und dann ging es los zur Ludwigsstraße und nach einem kleinen Abstecher in der Toilette weiter zum Marienplatz von Friedberg.

Vor dem Einreihen in die Startaufstellung hab ich mich noch ganz gut mit einem Läufer unterhalten, der etwas älter als ich war und hoffentlich die volle Distanz geschafft hat. Um kurz vor 10 Uhr ging ich zur Startaufstellung, wo man die OP-Maske aufsetzen musste. Diese musste man bis ca. 50 Meter nach dem Start tragen und konnte sie dort abziehen. Quasi ein Masken-Massen-Start. Ich hab damit überhaupt kein Problem – Hauptsache wieder echte Wettkämpfe nach der langen Durststrecke: Real statt Virtuell.

(Foto: Augsburger Allgemeine)

Da der Start verlegt wurde und dadurch eine dritte Zuleitung möglich wurde, war ich ziemlich weit hinten in der Startaufstellung. Um Punkt 10 Uhr nach dem Countdown schossen uns die Böllerschützen los. Beim Überqueren der Startlinie gleich die Uhr starten – mit der Zielzeit von 1:43 Stunden und der dazugehörigen ProPace-Strategie. Die Navigation brauch ich in Friedberg nicht mehr – die Runde bin ich schon 31 mal gelaufen.

Auf der Ludwigsstraße lief ich ganz am Rand an vielen Läufern vorbei. Hinter den Pacemakern gab es Läufergruppen, in denen ich nicht feststecken wollte. Am Krankenhaus hab ich die Pacemaker der 1:45-Gruppe überholt. Die Schuhe fühlten sich perfekt für das Tempo geeignet und natürlich bin ich wieder viel zu schnell losgelaufen.

Am Ende der Wiffertshauser Straße standen Michaela und unsere Freunde. Da ich nicht in einem größeren Pulk gelaufen bin, konnte mich Michaela gut fotografieren – mit der Wallfahrtskirche Herrgottsruh im Hintergrund.

Größer als die Wallfahrtskirche Herrgottsruh

An der Ecke ging es leicht bergauf durch das Wohngebiet. Hier standen viele Fans, die uns anfeuerten. Die zweite Verpflegungsstation ließ ich ausfallen und lief weiter. Es waren 3-4 Läufer um mich herum, die ein ähnliches Tempo liefen. An der Sparkasse vorbei ging es bergab zum Bahnhof, wo wir von den Trommlern empfangen wurden. Da ich einen trockenen Hals hatte, nahm ich gleich einen Wasserbecher.

Am Bahnhof ging es über die Achstraße weiter runter zur Afrastraße und anschließend zur Augsburger Straße. Da war er schon: Der Berg. Leider immer noch so gnadenlos lang und steil ging es die bis zu 13 % Steigung hoch. In der ersten Runde konnte ich ihn komplett bezwingen und bog dann über den Marienplatz nach hervorragenden knapp 24 Minuten in die zweite Runde ein.

Ich konnte einige Läufer, die mich am Berg überholt haben, wieder einholen und bei der Wallfahrtskirche stand Michaela wieder zum Fotografieren. Dort spielte die Jugendkapelle Friedberg.

Wieder durch das Wohngebiet und dort konnte ich eine schnelle Läuferin im gelben Shirt überholen, wurde aber am Bahnhof wieder von ihr eingeholt. Vor der zweiten Bergbesteigung zog ich wieder an ihr vorbei. Da ich aber bei ca. Dreiviertel des Berges ins schnelle Gehen überging, hat sie mich dort wieder eingefangen. Zweite Runde erledigt, noch läuft es gut. Die Beine sind auch OK, aber ich war platschnassgeschwitzt.

An der Verpflegungsstation in der Ludwigsstraße nahm ich mein erstes Bananenstück mit und an der Eisdiele standen Michaela und unsere Freunde wieder – „Bananaaaaaaa“.

Unbeschadet lief ich am Krankenhaus vorbei und war wieder ganz dicht hinter der jungen Läuferin, die ich an fast der selben Stelle wieder überholte und wieder am Bahnhof eingeholt wurde. Unten am Berg schnappte ich sie wieder, aber da ich wieder nicht durchlaufen konnte, holte sie mich vor der Ziellinie erneut ein.

Auf gehts in die letzte Runde, meine 35. Runde beim Friedberger Halbmarathon. Der linke Schuh war etwas zu stark zugeschnürt und so hatte ich schon leichte Schmerzen. Aber Blasen hatte ich glaub ich (noch) nicht.

Mittlerweile wurden die Überrundungen schon häufiger, aber da es eh dieses Jahr nur halb so viele Starter waren, war es sehr übersichtlich. Im Wohngebiet verabschiedete ich mich schon bei den am Straßenrand applaudierenden Zuschauern.

Durst (Quelle: Sport-in-Augsburg)

An der Sparkasse vorbei war ich wieder an der jungen Läuferin dran und überholte sie diesmal nicht vor dem Bahnhof. Sie hätte mich sowieso gleich wieder überrannt. Kurz vor km 20 lief ich an ihr vorbei und rief ihr zu, dass sie mich spätestens am Berg wieder schnappt. Langsam tut ALLES weh, aber ich kämpfte bis zum Fuß des Berges.

Dort ging ich ein paar Meter und fing wieder an zu laufen. Die junge Läuferin, die ein pinkes Oberteil hatte (hatte bisher die Sonnenbrille mit den orangefarbenen Gläsern aufgehabt) überholte mich natürlich und lief vor mir ins Ziel – Sie wurde Drittplatzierte bei den Frauen. Ich muss ja mehr Masse den Berg hochtragen.

Wieder gehen und nach der letzten Kurve sah ich meine Fans schon. Ich musste am Berg anlaufen, da Michaela ja Lauf- und keine Gehfotos machen wollte. Ein letzter Schwenk auf den Marienplatz und im Endspurt hoch durch den Zielbogen und dabei die Uhr anhalten: 1:41:11 – eine tolle Zeit. Ich war total Happy. Am Ende war es Platz 40 von 236 Männern und nur 3 Sekunden nach der drittplatzierten Frau. Ich war sogar ganze 5 Sekunden schneller als beim 2019er Halbmarathon in Friedberg – der persönliche Streckenrekord war 2017 mit 1:39:40. Richtig geil ist mein neuer 10km-Rekord: 45:11 Minuten – und das mit Berganstieg.

Erstmal an der Wasserstation ein paar Becher trinken und kurz darauf waren Michaela und unsere Freunde schon da. Wir unterhielten uns noch und nach der Verabschiedung löste ich meine Gutscheine für das alkoholfreie Bier und den Obstteller ein. Ein Hendl hab ich hier noch nie gegessen – bei jeder Runde weht einem der Duft vom Hendlgrill in die Nase.

So sehen Sieger aus

Wir gingen dann zum Parkplatz, trafen unsere Freunde nochmal und telefonierten kurz mit meinem Bruder, der mit dem Fahrrad nach Friedberg gekommen war, mich aber leider nicht gesehen hat: So schnell war ich – schnell wie ein Schnitzel im Wald.

Siegerurkunde

Nach dem Umziehen auf dem Parkplatz bei mittlerweile herunterknallender Sonne fuhren Michaela und ich zum Asiaten nach Kissing. Dort hatten wir mit meinem Bruder gemeinsam gegessen. Lecker.

Heute fanden auch wieder die verschobenen „Frühjahrsmarathons“ in Hamburg und Wien statt. Der Sieger von Wien wurde disqualifiziert, weil er zu hohe Schuhe anhatte. Diese sind zwar für Amateure erlaubt, aber nicht für Profis. Meine Saucony Endorphine Speed 2 haben gute Leistung gebracht – ohne Blasen.

Nach zwei alkoholfreien Bieren wurde am Abend der erfolgreiche Tag mit einem leckeren Auszeit-Bier von Dorothea gefeiert.

Auszeit-Bier nach toller Lauf-Zeit