Frühmorgens um kurz vor 8Uhr wartete ich alleine vor unserem Hotel auf den Fahrer von der Patara-Farm. Martin blieb im Hotel, er war noch nicht vom Elefantenvirus gepackt und so musste ich den Ausflug alleine machen. Es gesellte sich bald ein Pärchen zu mir und nach ein paar Minuten fragte ich sie, ob sie auch zur Elefantenfarm wollten. Ich hatte Glück, auch sie warteten auf die Abholung. Leider sprachen sie nur Englisch. Um 8 Uhr kam dann der Minibus und brachte uns und weitere Pärchen in die Berge, die Fahrt dauerte ca. 1 Stunde.

Auf der Farm angekommen saßen bereits andere Touristen unter einer Bambusüberdachung und warteten auf die restlichen Teilnehmer des Ausfluges. Ich nutzte die Zeit und verschwand nochmal zur Toilette, wer weiß, wann es dann wieder eine gab … Die Wartezeit wurde durch einige Dickhäuter versüßt, die frei auf der Farm rum rannten. Ein Elefantenbaby war der Liebling von Allen. Es rannte wild durch unsere Gruppe und Jeder wurde zum Spielen aufgefordert. Wir erfuhren, dass die große Elefantendame mit dem dicken Bauch hochtragend war und wir durften das Baby im Bauch tasten.

Von einem Farmmitarbeiter erfuhren wir viel über die Entstehung des Elefantenhilfsprojekts und die medizinischen Erfolge. Zum Beispiel kann man zu kleine Elefantenbabys retten, indem man den Müttern kleine Styropor-Klötze an die Rückseite der Vorderbeine bindet. Die Babys steigen dann auf diese Hilfe und kommen so an die Zitzen zwischen den Vorderbeinen. Früher mussten man sie sonst mühsam mit der Hand großziehen.

Dann wurden wir in 2 Gruppen aufgeteilt. Sie halten die Gruppen immer recht klein, damit die Tiere möglichst wenig Stress haben. Leider war ich die einzige Deutsche und musste mit meinen schlechten Englischkenntnissen alleine klar kommen. Es wurden traditionelle Shirts und Hosen verteilt aus Baumwolle die auch von den Mahuts getragen wurden. Die Kleidung sollte uns helfen, damit die Elefanten uns automatisch als Mahuts und Mitglieder des Stammes erkennen. Außerdem sollte der Stoff unsere Beine vor den borstigen Haaren der Elefanten schützen. Die Mahuts kommen alle vom benachbarten Karen-Stamm und jeder von ihnen pflegt „seinen Elefanten“ ein Leben lang.

Die 2. Gruppe fuhr zum 2. Übernachtungsplatz und absolvierte das Tagesprogramm in umgekehrter Reihenfolge. Wir fuhren in ein anderes Dschungelcamp und erhielten eine Einweisung in die wichtigsten Verhaltensregeln, die wir beachten sollten, um richtig mit den Elefanten umzugehen und das Verhalten der Elefanten zu deuten. Neben unserer Bambusüberdachung stand schon eine Herde Elefanten und das Elefantenbaby tastete uns mit seinem Rüssel ab.

Dann war es endlich soweit und wir wurden unseren Pflegeelefanten vorgestellt. Der Mitarbeiter teilte uns dabei nach Persönlichkeit, Größe und Alter zu, damit wir gut zu unserem Elefanten passten. Ich war die Letzte die einen Elefanten erhielt. Der Mann vor mir, hatte das große Los gezogen: er wurde dem großen Elefantenbullen Kaah zugeteilt. Kaah war einfach wunderschön und riesig. Er ist schon 40 Jahre alt.

Kanoi ist in der Mitte

Mir wurde die junge sture 10-jährige Elefantendame Kanoi zugeteilt. Ich konnte sie leicht von den anderen Elefanten unterscheiden, weil sie immer negativ auffiel. Sie drängte sich immer zwischen die Anderen und klaute das Futter oder lief einfach von der Gruppe weg, weil sie gerne einen Schluck Wasser aus dem Wasserschlauch bekommen wollte. Ihr Pfleger hatte es nicht leicht, ihren Sturkopf zu bändigen. Mit einem Korb voller Zuckerstangen bewaffnet näherte ich mich langsam meinem Pflegekind.

Auf das Kommando “Boun“ öffnete sie natürlich nicht das Maul, wie die anderen Elefanten, Kanoi hatte ihren eigenen Kopf und nahm das Futter lieber mit dem Rüssel.

Danach bekamen wir einen sehr interessanten Vortrag über den Gesundheitscheck, den die Mahuts täglich an den Elefanten durchführen. Da wir heute die Besitzer der Elefanten waren, war das natürlich unsere Aufgabe.

Wir überprüften die Merkmale pflichtbewusst. Es gibt 4 wichtige Bereiche, die geprüft werden müssen:

  • den Gemütszustand, ihn erkennt man an den Ohren: Wedeln die Ohren gleichmäßig vor- und zurück ist der Elefant entspannt.
  • Schlaf und Bewegung:Wenn der Elefant auf allen Seiten Dreck und Staub hat, dann hat er sich hingelegt und tief geschlafen. Ist der Elefant auffällig sauber, dann ist er sehr wahrscheinlich krank
  • Der Wasserhaushalt:Ein Elefant schwitzt nur an einer einzigen Stelle: Am Nagelbett über den Zehennägeln. Diese Stellen müssen immer feucht sein. Ein weiteres Anzeichen für einen guten Wasserhaushalt sind feuchte Stellen unter den Augen. Ein gesunder Elefant sollte aus der Nähe betrachtet also so aussehen, als hätte er gerade geweint. Falls ein Auge trockener ist als das andere, könnte eine Entzündung vorliegen.
  • Zähne und Verdauung: Dazu müssen die Elefantenäpfel genauer betrachtet werden. Pro Toilettengang sollte es zwischen 4-10 Äpfel sein. Bei dieser Anzahl hat der Elefant genug über den Tag verteilt gefressen, bei Zahnproblemen wäre das nicht der Fall. Dann muss man den Dung ausquetschen, um zu prüfen, ob er zu trocken oder zu wässrig ist, weil dann was mit der Verdauung nicht in Ordnung wäre. Der Geruch ist ein weiteres Indiz. Der Dung muss wie nach frischem Gras riechen und nicht faulig.

Nachdem wir unsere Elefanten mit einem Büschel aus Blättern ordentlich geputzt und mit einem Wasserschlauch abgeduscht hatten, ging es zum Reiten.

Auf der Patara-Farm reitet man niemals auf einem Elefantenhochsitz, sondern auf den besonders starken vorderen Schultermuskeln. Also sitzt man direkt hinter dem Kopf. Es gibt keinerlei Hilfe, um auf den Elefanten zu klettern, außer einem schmalen Seil, das unter den vorderen Schultermuskeln verläuft.

Zum Aufsteigen hob Kanoi ihr vorderes Bein und ich stieg darauf, um mich mit der einen Hand am Seil und der anderen Hand am Ohrmuskel nach oben zu ziehen. Das klappte erstaunlich gut. Jetzt musste ich nur noch nach vorne rutschen und meine Knie hinter die Ohren legen. Dann ging es auch gleich los. Kanoi stapfte zu den Anderen und klaute wieder leckeres Zuckerrohr. Sie quetschte sich in die Mitte der Gruppe.

Der farmeigende Fotograf machte noch ein schönes Gruppenfoto und dann ging es ab in den Dschungel. Kanoi stapfte im Schweinsgalopp der großen Elefantenkuh hinterher und drängelte sich mal wieder vor die Anderen. Das war ganz schön wackelig auf dem Hals. Ich war froh, als das Gelände steiler wurde und Kanoi ruhiger lief. Unsere gelernten Elefantenkommandos halfen mir nicht viel. Der kleine Dickkopf lief so, wie sie wollte. Ihr Pfleger benutzte auch andere Kommandos, bald sagte ich auch nicht mehr „Maa“ damit sie vorwärts ging, sondern „Hü“ wie der Pfleger. Dieser lief hinter uns her und pflückte immer irgendwelche Früchte für Kanoi im vorbeigehen.

Ich hatte meine GoPro mit und filmte fleißig meinen tollen Ritt. Die Höhe war schon beeindruckend. Als ich meine Kamera dem Pfleger geben wollte zum Fotografieren, zeigte sich dieser genauso stur wie Kanoi. Er machte nur ein paar Fotos von uns und gab sie mir dann wieder zurück. Wir ritten ca. 1 Stunde durch den Wald zu einer Badestelle für die Elefanten.

Die Frauen des Karen-Stamms hatten uns ein liebesvolles thailändisches Büffet – mit genialem Ausblick auf den Wasserfall und den nahegelegenen Flusslauf – aufgebaut. Unsere Elefanten hatten eine wohlverdiente Pause und durften sich frei bewegen. Kanoi spielte mit einem gleich-grossen Bullen. Es stapelten sich viele Hühnchenspiesse, Früchte, klebriger Reis und Wasser vor uns. Wir unterhielten uns nett, soweit es mein schlechtes Englisch zuließ. Der eine junge Mann arbeitete für Walt Disney in Japan und die andere Familie kam extra aus Madagaskar.

Dann ging es zum Baden der Elefanten. Kanoi stand schon im Wasser und ich musste mich echt überwinden in das kalte schlammige Wasser zu klettern. Mein Pfleger hatte eine Schale aus Kokosnüssen dabei und eine Bürste zum Abbürsten. Kanoi legte sich hin und ich durfte auf sie klettern und im Sitzen waschen. Das war sehr angenehm, kein Kontakt mit dem kalten Wasser.

Zum Abschluss gab es wieder ein Gruppenfoto. Ich war ja froh, einigermaßen trocken geblieben zu sein. Beim Foto spritzten dann Kanoi und der junge Bulle auf Kommando Wasser auf uns und ich war klitschnass, sozusagen wie ein begossener Pudel. Danach hatten wir die Möglichkeit wieder ein Stück bis zur Straße zu reiten, ich freute mich und sagte nicht nein. Viele hatten aber keine Lust mehr und gingen zu Fuß weiter.

Frisch geduscht hatte Kanoi wieder mehr Motivation. Sie lief brav vorwärts und hörte auf meine Kommandos, ihr Pfleger war weit weg. Ein richtig gutes Gefühl. Zum Absteigen suchten wir uns einen kleinen Hügel und Kanoi tat ihren Kopf nach unten und ich konnte gemütlich über den Kopf nach unten rutschen.

An der Straße angekommen wurden wir wieder mit dem Minibus zum Hauptcamp gefahren und konnten uns da umziehen und frisch machen. Ich freute mich über die Dusche in der Bambushütte und musste leider feststellen, dass es nur eiskaltes Wasser gab. Deswegen beschränkte ich mich auf eine schnelle Haarwäsche und einen Kleidungswechsel.

Die Elefanten hatten wir vorher verabschiedet und sie konnten sich wieder frei im Wald bewegen. Ich wurde dann mit dem Pärchen aus meinem Hotel privat vom Manager der Farm zum Hotel gefahren, er sprach wunderbar deutlich englisch und so konnte ich auch einiges verstehen vom Gespräch. Er erzählte uns viel über das Projekt und über das Land. Um ca. 15 Uhr kam ich dann wohlbehalten im Hotel an und freute mich auf meine warme saubere Dusche und Martin.

Die Patara Elephant Farm ist eine 2001 von Thailändern gegründete und betriebene Rettungs-, Genesungs- und Aufzuchtfarm. Touristen und der thailändischen Bevölkerung sollen die asiatischen Elefanten nähergebracht werden, um das Verständnis und Zusammenleben zu fördern. Patara rettet Elefanten aus Zirkussen und illegalen Holztransportlagern.

Der Schwerpunkt liegt auf der Pflege und einem natürlichem Aufzuchtprogramm, was durch die Farmbesucher und Spenden finanziert wird. Außerdem hat der Farmeigentümer mit den Erlösen einen Bildungsfond eingerichtet, damit alle Kinder des Karen Dorfes kostenlos zur Schule gehen können. Seit der Gründung gab es keinen einzigen Todesfall, aber um die 20 neugeborenen Elefantenbabies. Außerdem hat Patara bereits 8 gerettete und gepflegte Elefanten in die Wildnis entlassen.