14.09.2025: 22. Friedberger Halbmarathon 2025

Auch dieses Jahr wieder geht es am letzten Ferienwochenende nach Friedberg zum Halbmarathon mit seinen vier Runden und der vier höllischen Bergbesteigungen. Da ich im Mai schon gelesen hab, dass die Startplätze sehr begehrt sind, hab ich mir gleich einen Platz gesichert. Kurze Zeit später war das neue Teilnehmerlimit von 1500 Startern erreicht. Rien ne va plus – nix geht mehr. Wegen der zu erwartenden Turbulenzen der Schließung der Metzgerei hab ich mich entschieden, nach dem Portugal-Urlaub nur einen Halbmarathon-Trainingsplan mit einer Zielzeit von Sub 1:40 Stunden zu nehmen. Da die Ära der Landmetzgerei Glas am 09. August 2025 nach 126 Jahren zu Ende geht, hab ich für den Halbmarathon auch keinen Sponsor mehr. Da ich vom Kopf her nicht frei war und auch immer wieder kleine Zimperlein mit dem Fahrgestell hatte, war der Halbmarathon im Vergleich zu einem Marathon-Trainingsplan wesentlich besser in den Arbeitsalltag zu integrieren. Auch hatten wir im August nochmal sehr heiße Temperaturen.

Ein Corgi namens Toasty

Am Freitag bin ich mit meiner Mutter, da wir eh in der Gegend waren, kurz nach Friedberg und hab dort gleich meine Startnummer abgeholt. So konnten wir am Sonntag direkt vom Volksfestplatz zum Marienplatz gehen. Am Samstag war ich vormittags noch in Steindorf bei meiner Mama. Am Nachmittag hab ich zuhause gleich meine Startsachen hergerichtet und bin mit Michaela noch eine kleine Runde mit dem Rad gefahren. Es war noch sehr schön.

Das bisher schönste Finisher-Shirt vom Friedberger Halbmarathon

Am Samstagabend kam eine Unwetterfront und es regnete fast die ganze Nacht durch. So konnte ich mich auch nicht so gut erholen. Jedoch ist das Unwohlsein der vergangenen Tage wieder weg. Auch der Covid19/Influenza-Test war jeweils negativ. Also gleich zum Frühstück – gestern hab ich meinem Bruder noch ein Päckchen „Gurkerlwurst“ geklaut.

Beim Frühstück hab ich mir kurz die Zusammenfassung des Frauen-Marathonrennens bei der Leichtathletik-WM in Tokio angeschaut. Mediales Warmup. Toll, wie sich die Drittplatzierte Frau aus Uruguay über ihre Bronzemedaille gefreut hat. Sie konnte es gar nicht wahrhaben. Die Männer – mit meinem Laufbuddy Richard – sind erst kommende Nacht dran. Bei den hohen Temperaturen in Tokio, waren zahlreiche Starterinnen nicht ins Ziel gekommen. Eine hohe Luftfeuchtigkeit hatten wir auch – es schüttete wie aus Eimern. Außerdem war es mit 13 Grad sehr kalt. Jedoch sollte es laut zwei Wetterberichten in der ersten Stunde nur wenig Niederschlag und ab 11 Uhr mehr Regen geben. Schnell die Laufschuhe, die alten Saucony Endorphin Pro 2 Carbonschuhe, mit Imprägnierspray einsprühen, damit sie etwas wasserfester werden.

Danach ging es in die Laufklamotten, wobei ich fast Alles schon angezogen hab. Falls es bei der Ankunft in Friedberg regnet, wollte ich draußen nicht zu viel Zeit verlieren. Danach alles verstauen und als Michaela auch fertig war, sind wir bei strömendem Regen zur Garage gegangen. Wir fuhren in Sulzemoos auf die Autobahn und es begann kräftigst zu schütten. Der Scheibenwischer lief auf Volltouren. Leider war die Parksituation um 9:15 Uhr auf dem Volksfestplatz in Friedberg suboptimal und wir mussten etwas nach einem Parkplatz suchen. Wer braucht bei so einem Shitwetter ein Streetfood-Festival??? Wir blieben zunächst noch im Auto und gingen erst um kurz nach Halb 10 hinaus. Noch fertig Anziehen und mit Regenschirm dackelten wir zur Toilette bei der Tiefgarage. Da ist immer wenig Gedränge. Den Rest weiter im Regen vor zum Marienplatz dackeln. Dort zog ich meine Regenjacke aus und die Armlinge an. Als ich mich von Michaela verabschiedete, ließ der Regen nach.

Bunter Vogel
Die Liegestühle sind heute leer geblieben

Ich ging in die Startaufstellung. Leider gibt es nur noch einen Zulauf zum Start also musste ich mich ziemlich weit hinten anstellen. Es waren sehr viele Starter da und nach vorne schmuggeln ging leider nicht. Außerdem waren ganz viele Kinder vor mir. Ich schaute, dass ich nach dem Start auf der linken Seite laufen kann, damit Michaela mich fotografieren kann. Der „Final Countdown“ wurde gespielt und nach dem Herunterzählen „erklangen“ die Böllerschüsse. Los geht’s. Trotzdem war ich gleich an der Startlinie und hab den ProPace-Plan für 1:43 Stunden gestartet. Michaela hab ich auch gesehen und bei leichtem Tröpfeln ging es auf die Ludwigstrasse.

Es war ein Slalom-Lauf, da ungewöhnlich viele Kinder dabei waren. Bei der ersten Verpflegung wollte ich zwischen dem Biertisch und einem kleinen Jungen durch, aber er holte sich schon nach ca. 300 Metern ein Wasser. Vollbremsung, um ihn herum gehen und wieder los laufen.

Direkt am Zugang zur Tiefgarage startete ein Wolkenbruch und wir waren alle sofort platschnass. Am ehem. Kreisverkehr vorbei ging es zum Krankenhaus bei starkem Regen zur Wallfahrtskirche Herrgottsruh. Dort spielt dieses Jahr keine Blaskapelle. Dann zur Wiffertshauser Straße und bis hinunter zum Ortseingang. Dort erstmal in eine riesige Pfütze treten durch das Wohngebiet zur zweiten Verpflegung. Hier spielte eine andere Blaskapelle unter Pavillions. Auch diese Verpflegung ließ ich aus. Weiter an der Eberlestraße bis vor zur Sparkasse. Es waren auch einige Hartgesottene an der Strecke und feuerten uns eifrig an. Ab der Sparkasse ging es bergab zum Bahnhof, wo die Trommler an der dritten Verpflegung uns weiter einpeitschten. Gleich einen Becher Wasser und weiter bergab zur Friedberger Ach und bis zum tiefsten Punkt beim Segmüller. Auf dem Radweg am Campingplatz vorbei ins Wohngebiet, wo auch mehr Zuschauer standen. An der JET-Tankstelle notorisch der Blick auf den Dieselpreis („Ich fahr doch jetzt Elektro“). Auf der rechten Seite stand das böse Schild immer noch – der Berg hat immer noch 13 % Steigung. Auch hier waren wieder Trommler, die uns über die untere Zeitmessmatte für die Bergwertung unterstützten. Etwas langsamer, aber kontinuierlich konnte ich den Anstieg meistern. Am Alpe de Huez des Halbmarathon standen fast so viele Leute wie in den vergangenen Jahren. Erste Runde geschafft. Auf die Uhr schaute ich überhaupt nicht.

Rein in die zweite Runde, wo mich auch Michaela wieder gut erwischte. Es lief gut und ich nahm diesmal auch einen Wasserbecher. Danach auf dem Weg nach Herrgottsruh schnappte ich mein erstes Maurten-Gel. Der Regen ließ glücklicherweise etwas nach, aber der Wind war nach der zweiten Verpflegung schon heftig. Mich überholten zwei Läufer, die eine Blutooth-Box dabei hatten und Polka-Musik laut abspielten. Um das „Gesoad“ nicht weiter anhören zu müssen, entschied ich mich, etwas Tempo herauszunehmen, damit ich meine Musik wieder hören konnte. Wieder auf der Wiffertshauser Straße zurück zum Bahnhof. Es waren schon weniger Läufer vor und hinter mir. Ein paar Läufer konnte ich vor dem Berg noch überholen. Aber die liefen am Berg wieder an mir vorbei, da ich sehr früh schon ins Bergwandern übergegangen bin. Oben kurz vor dem Zielbereich wieder loslaufen und ich heftete mich an einen großen Läufer, dem ich über weite Teile der Runde folgen konnte und ihn ab und zu mal überholen konnte.

Obwohl Heute viele Zuschauer eine gelbe Regenjacke anhatten, hab ich Michaela gleich erkannt. Für sie war mein rot/blaues Outfit auch besser zu erkennen. Wenigstens einen Vorteil hat es, wenn man keinen Sponsor mehr hat. Es war schon sehr kalt und durch die Pfützen waren die Schuhe ständig unter Wasser. Aber es ging. Auch wenn die Carbon-Schuhe schon über 350 km mein graziles Gewicht ertragen mussten, haben sie noch gut gehalten. Es war wenigstens nicht rutschig, obwohl schon viel Laub am nassen Boden lag. Kurz vor dem Ortsausgang Richtung Wiffertshausen wurde ich vom „1. Mann“-Fahrrad überholt. Der dazugehörige Läufer schoss an uns vorbei durch das Wohngebiet. Nach der 2. Verpflegung hab ich ihn nicht mehr gesehen. Das zweite Gel hab ich auch schon genommen, aber der linke Hamstring schmerzte bereits etwas. Noch Kämpfen bis zur Sparkasse und dann den Schwung des Bergab-Stückes mitnehmen. Mittlerweile kamen uns auch immer mehr langsamere Läufer entgegen. Wieder den Berg hoch. Ich wollte schon mit dem Laufen aufhören, als ich Michaela erblickte. Da kann ich jetzt auch nicht aufhören zu Laufen. Als ich an ihr vorbei war, ging ich ein paar Meter und kam jedoch schnell wieder ins Laufen.

Die letzte Runde hat begonnen. Auf die Zeit hab ich das ganze Rennen über nicht geschaut, nur auf die Pace und ab und zu auf die Herzfrequenz. Alles im grünen Bereich. Ein letztes Mal auf die Ludwigsstraße bis zur Eisdiele. Ich battelte mich mit einer jungen Läuferin bis nach Herrgottsruh zur Wiffertshauser Straße. Nochmal durch das Wohngebiet und bei der Verpflegung war ich auch wieder hinter dem großen Läufer. Zahlreiche Überrundungen langsamerer Läufer waren kein Problem. Auf dem Weg zum Bahnhof schnappte ich mir ein Ministry Bicarb-Gel, welches ich zum ersten Mal verwendet hab. Es war sehr süss und zäh, aber ich hab es vertragen. Am Bahnhof noch einen Becher Wasser und ab zur Friedberger Ach. Dort ein letztes Mal das „Tap here to get more Power“-Plakat abklatschen und auf letzter Rille am Segmüller vorbei bis zum Fusse des Berges. Sehr früh ging ich schon hoch und kämpfte mich hoch. Es war sehr hart. Oben schaute ich kurz auf die Uhr – 1:43:xx. Das wird knapp mit unter 1:45 Stunden. Also wieder Laufen und völlig erschöpft kam ich in das neue Ziel, wo Michaela schon auf mich wartete.

Auf der Uhr stand 1:44:28. Damit bin ich angesichts des Wetters sehr zufrieden. Es war wieder richtig hart heute, aber es ist einfach eine tolle Veranstaltung. An der Wasserbar nahm ich mir gleich ein paar Becher Wasser. Neben uns stand eine junge Frau, die ein halbes Hendl in der Hand hatte und davon heruntergebissen hat. Das hab ich so auch noch nicht gesehen. Man kann – in Bayern – ein Hendl ja mit den Fingern essen, aber es in der Hand zu halten und davon abzubeißen, ist schon witzig. Wir schnappten uns gleich ein Alkoholfreies Bier und den Obstteller und gingen damit zurück zum Auto. Es hatte aufgehört zu Regnen. Schnell raus aus den plattsch-nassen Klamotten, kurz abtrocknen und rein in die warmen Sachen. Dann fing es wieder an zu tröpfeln. Wir sind dann heimgefahren. Dummerweise war auf der Autobahn ein Stau und so sind wir in Dasing über Wessiszell nach Adelzhausen. Da bin ich schon ewig nicht mehr gewesen. Wir riefen bei unserem Italiener an und bestellten Pizza und Pasta, das wir dann abholten. Die Pizza war sehr lecker. Danach ging es in die Badewanne mit Muskelaktiv-Bad. Feierabend.

Tolles Ergebnis 🙂
Wohlverdientes Feierabend-Bierchen